Reisen im interkulturellen Kontext. Motive und Auswirkungen auf die menschliche Psyche


Seminararbeit, 2018
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Reisen
2.1 Definition der Reise
2.2 Typologien von Reisenden
2.3 Motive der Reisenden
2.4 Reisen und Psyche

3. Resümee

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Fremde und die Ferne implizierten zu allen Zeiten Ungewissheit und den Traum der erfüllten Hoffnung, den Inbegriff der Attraktion und der Furcht. Reisen ist die älteste Chiffre für das Leben überhaupt. Es bedeutet Veränderung, Aufbruch, Ankunft, die Entfernung aus festgeformten Strukturen.1

Die Faszination um das Phänomen des Reisens beschäftigt die Forscher schon seit vielen Jahrhunderten und ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Heutzutage, im Zeitalter von Billigfluglinien wie Ryanair, kann sich jeder zu beliebigen Zeiten und zu den niedrigsten Flugpreisen der Geschichte des Luftverkehrs innerhalb Europas von Land zu Land bewegen, ohne hierfür ein Monatsgehalt investieren zu müssen. Sei es der Besuch von Verwandten in der Nähe oder der Ferne oder eine Wochenendreise in eine andere Stadt per Auto, per Zug oder mit dem Flugzeug - das Reisen betrifft fast jeden und ist fester Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft. Aus diesem Grund stellt das Thema Reisen auch eine gute Diskussionsgrundlage im Kontext des interkulturellen Lernens, wie zum Beispiel im DaF-Unterricht, dar, da sich jeder damit identifizieren kann und das Reisen selbstverständlich eine Form des Kulturaustausches ist.

Diese Arbeit setzt es sich zum Ziel, zu beleuchten, was man unter dem Begriff des Reisens versteht, welche Motive Menschen dazu veranlasst, zu reisen und welche Auswirkungen diese besondere Art der Fortbewegung auf die menschliche Psyche haben kann.

Zur Erstellung der nachfolgenden Betrachtungen stellten sich unter Anderem die Arbeiten von Martina Zschocke, Jens Jürgen Clausen sowie von Harald Pechlaner und Michael Volgger als maßgeblich und wegweisend heraus.

Im ersten Gesichtspunkt soll mithilfe dieser Werke nun zunächst eine Definition der Reise präsentiert werden.

2. Reisen

2.1 Definition der Reise

Nach Spode kann man „jegliche physische Ortsveränderung des Menschen mit dem Oberbegriff 'horizontale Mobilität' (alternativ: 'räumliche Mobilität') [...] belegen."2 Der Begriff der räumlichen Mobilität muss jedoch von dem der Reise abgegrenzt werden, da diese sich erst durch eine gewisse Zeitdauer und eine bestimmte Weglänge zum Reiseziel als solche charakterisiert. Jedoch ist etwa die tägliche Pendlerfahrt zur Arbeit nach Meinung des Autors noch nicht als Reise zu definieren, obgleich die Zurücklegung des Weges möglicherweise Stunden in Anspruch nimmt. Neben der Weglänge und der Zeitspanne spielen nämlich zudem das Motiv und die Erwartungshaltung bei der Entscheidung eine Rolle, ob es sich bei einer horizontalen Mobilität um eine Reise handelt. Eine Reise ist folglich ein Ausnahmezustand, der sich von dem normalen Alltagsleben abhebt (vgl. Spode 2017, 25-26).

Laut Spode gilt es zudem bei der Reise zwischen der einfachen Reise in eine Richtung sowie der Hin-und Rückfahrreise zu differenzieren. So gibt es etwa die unidirektionale Reise, auch residentielle Mobilität, bei der das Reiseziel zugleich auch zum neuen Niederlassungsort des Reisenden wird (vgl. Spode 2017, 26). Daneben existiert außerdem „die bidirektionale Reise von A nach B nach A, die zirkuläre Mobilität: ein Ortswechsel mit der Intention der Rückkehr in einem begrenzten Zeitintervall" (Spode 2017, 27). Beide Varianten des Begriffs der Reise können nun entweder auf freiwilliger Basis oder aus einem Zwang heraus erfolgen. Die zweite Variante, die bidirektionale Reise, bei der die Rückkehr aus der Fremde in die Heimat mitberücksichtigt wird, ist wohl die in der Alltagssprache häufigste sowie geläufigste Assoziation mit dem Begriff des Reisens (vgl. Spode 2017, 27).

Die Reise stellt eine grundlegende Erfahrung des Seins dar und ist für jeden mit Bildern, Erinnerungen und Phantasien besetzt. Schon der Vorgang der Reise und die Erfahrung des Reisens ist von einer Vielfalt assoziativer Verknüpfungen umgeben, die schwer einzugrenzen sind.3

So schreibt Clausen über die Reise und verweist damit auf die vielfältige Auslegung dieses Begriffes, der für jeden Reise-Erlebenden mit anderen Dingen in Verbindung gebracht wird.

Betrachtet man die Auflistung der zehn meistbesuchten Länder im Jahre 2017 der World Tourism Organization, so kann man sehen, dass Frankreich diese Liste anführt, gefolgt von den USA und Spanien auf Platz zwei und drei. Deutschland steht in diesem Ranking auf dem siebten Platz und erfreut sich damit großer Beliebtheit unter den Reisenden aus aller Welt.4 Die Art und Weise der Reisen - geht man von der bidirektionalen Reise aus - in diese aufgelisteten und andere Länder können sich von Reisendem und Reisendem jedoch sehr unterschiedlich gestalten. Generell gewährt zunächst der Reiseanlass eine Unterteilung der Reise in Geschäftsreise oder Privatreise. Je nach Organisationsgrad der Reise wird in einer zweiten Differenzierung zwischen Individual- und Pauschalreisen unterschieden. Zudem kann man je nach Motivation der Reise, diese beispielsweise als Backpacking, Städtereise, Kulturreise oder Natur- und Aktivreise charakterisieren.5

Um nun zu veranschaulichen, was die typischen Touristen, welche diese verschiedenen Reisearten unternehmen, im Allgemeinen auszeichnet, sollen im folgenden Punkt mögliche Typologien von Reisenden vorgestellt werden.

2.2 Typologien von Reisenden

Obgleich man selbstredend nicht von dem einen Touristen sprechen kann, der sich auf diese und jene Weise verhält6, so gibt es dennoch mehrere Ansätze, Urlauber je nach Reiseart annähernd zu charakterisieren.

Einer hiervon stammt von Erik Cohen, welcher die Urlauber in die vier Kategorien organized mass tourist, individual mass tourist, explorer und drifter unterteilt. Der organized mass tourist ist demnach derjenige Tourist, welcher von allen vier Reisetypen am wenigsten an Abenteuern interessiert ist.7 Der Prototyp dieses Urlaubers bleibt nach Cohen „largely confined to his 'environmental bubble' throughout his trip" (Cohen 1972, 167). Dieser Tourist ist vor allem Teilnehmer geführter Reisegruppen und erwirbt seine Urlaubsreise im Rahmen eines Pauschalangebots, während welchem alles minutiös durchgeplant ist, sodass er kaum weitere eigene Entscheidungen treffen muss (vgl. Cohen 1972, 167).

Der zweite von Cohen vorgestellte Reisetyp, der individual mass tourist, ähnelt dem vorherigen bis auf die Tatsache, dass die Reise nicht bis ins kleinste Detail im Voraus geplant und festgelegt wird. Auf diese Weise besitzt der Reisende noch ein gewisses Maß an eigener Entscheidungskraft und ist nicht an eine Reisegruppe gebunden. Alle von ihm im Nachhinein während des und für den Urlaub gebuchten Hauptdienstleistungen erfolgen jedoch über eine Reiseagentur, sodass er sich nur im geringen Maße von dem organized mass tourist unterscheidet. Seine eigens unternommenen Ausflüge sind im Allgemeinen nicht gewagter oder abenteuerlicher als die des ersten Reisetyps, da er nur sichere Gebiete erkundet (vgl. Cohen 1972, 167-168). Auch er erlebt den Urlaub folglich innerhalb einer „'environmental bubble'" (Cohen 1972, 168).

Diese beiden Touristentypen werden von Cohen unter dem Oberbegriff der institutionalisierten Reisen gefasst, da sie an touristische Einrichtungen geknüpft sind.

[...]


1 Zschocke, Martina, Mobilität in der Postmoderne: Psychische Komponenten von Reisen und Leben im Ausland. Universität Leipzig, 2005. S.1.

2 Spode, Hasso. Mobilität, Reisen, Tourismus. Transformationen der Terminologie zwischen Fremdenverkehrslehre und Mobility Turn. In: Pechlaner, Harald/ Volgger, Michael (Hrsg.). Die Gesellschaft auf Reisen - Eine Reise in die Gesellschaft. Wiesbaden, Springer VS, 2017, S. 25.

3 Clausen, Jens Jürgen: Vom Verlust des Selbst in der Fremde. Eine Studie über das Reisen - anhand autobiographischer Texte. Münster, Univ., Diss., 2006, S.43.

4 World Tourism Organization (UNWTO). 2017 - URL https://www.e- unwto.org/doi/pdf/10.18111 /9789284419029 S.6. - Zugriffsdatum: 28.07.2018

5 Frietzsche, Ursula: Reisearten. Februar 2018 - URL https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/reisearten-43678/version-267005 -

Zugriffsdatum: 25.07.2018

6 vgl. Mundt, Jörn W.: Tourismus. 4. Aufl. München, Oldenbourg Verlag, 2013. S.218.

7 vgl. Cohen, Erik (1972). Toward a Sociology of International Tourism. Social Research. 39(1): 167.

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Details

Titel
Reisen im interkulturellen Kontext. Motive und Auswirkungen auf die menschliche Psyche
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V495247
ISBN (eBook)
9783346009104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reisen, kontext, motive, auswirkungen, psyche
Arbeit zitieren
Sara Zschiesche-Calvo (Autor), 2018, Reisen im interkulturellen Kontext. Motive und Auswirkungen auf die menschliche Psyche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/495247

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