Die Schülervertretung. Demokratie-Lernen in der Schule


Seminararbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DEMOKRATIE -L ERNEN IN DER S CHULE ?!
2.1 Demokratie und Bildung
2.2 Demokratie-Lernen aber wozu?
2.3 Demokratie-Lernen durch die SV

3 DIE SCHÜLERVERTRETUNG – SV
3.1 Was ist die SV?
3.2 Historische Entwicklung – eine kurze Zusammenfassung
3.3 Ziele der SV
3.4 Aufgaben der SV
3.4.1 Arbeitsformen der SV 10
3.5 Rechte der SV
3.6 Was macht eine gute Schülervertretung aus?

4 PROBLEME , HERAUSFORDERUNGEN UND STÄRKUNGSSTRATEGIEN DER SV
4.1 Probleme & Herausforderungen
4.2 Stärkungsstrategien
4.3 Zukunftsperspektiven der SV

5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten stellen uns vor allem Jugendstudien vor ein entscheidendes Problem: Die Jugendlichen und Heranwachsenden für die Demokratie zu aktivieren. Es zeigt sich, dass die Jugendlichen eine deutliche Interessenslosigkeit an demokratischen Mitbestimmungs – und Entscheidungsstrukturen haben, die sich auch in Orientierungslosigkeit und Politikverdrossenheit äußern. Diese Aspekte werden auch im Kontext der Institution Schule spürbar. Schüler und Schülerinnen zeigen nur wenig Interesse an Mitbestimmungsstrukturen. Die Schule spielt dabei eine wichtige gesellschaftsstrukturelle Perspektive. In ihr werden Jugendliche und Heranwachsende zukünftig in ihrer Haltung und Persönlichkeit geprägt. Demokratische Strukturen und Werte sind nicht naturwüchsig vorhanden, sondern müssen erlernt werden. Dieser Aspekt wird im folgendem als Demokratie-Lernen verstanden. Es existieren unterschiedliche Strukturen der Mitwirkung und Mitgestaltung für die Schüler und Schülerinnen. Dazu zählt auch die gesetzlich verankerte Schüler/-innenvertretung – kurz SV.

Der Gesetzgeber hat bereits früh die Schülervertretung als klassische Form demo-kratischer Mitbestimmung in der Schule gesetzlich verankert. An allen deutschen Schulen gibt es eine SV, die die Interessen ihrer Schülerschaft vertreten sollen. Jedoch werden die Möglichkeiten der demokratischen Mitbestimmung und Mitgestaltung nur selten genutzt bzw. sie sind nur unzureichend realisiert.

Nachfolgend sollen die Fragen beantwortet werden, was Demokratie-Lernen ist und wie es durch die SV im Kontext der Schule gefördert werden kann?

Dazu wird die Arbeit in zwei Teile aufgegliedert: Im ersten Teil wird aufgezeigt, welcher Zusammenhang zwischen Demokratie, Demokratie-Lernen und Schule besteht und wofür wir Demokratie-Lernen benötigen (2). Daran schließt sich der zweite Teil an, in der die schulische Institution SV näher betrachtet wird (3). Zudem werden Probleme und Stärkungsstrategien aufgezeigt, um die Mitbestimmungsmöglichkeiten der SV zu verbessern (4). Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und es wird ein Fazit formuliert (5).

2 Demokratie-Lernen in der Schule ?!

Nachfolgend wird der Zusammenhang zwischen Demokratie-Lernen und der Schule hergestellt. Dazu werden zunächst die Begriffe Demokratie und Bildung in Bezug zu einander gesetzt (2.1). Anschließend wird die Notwendigkeit des Demokratie-Lernens in der Schule erörtert (2.2) und die Bedeutung der SV für das Demokratie-Lernen aufgezeigt (2.3).

2.1 Demokratie und Bildung

Innerhalb der Demokratie wird deutlich, dass die Bürger und Bürgerinnen zwingend voneinander abhängig sind. Dabei existieren eine Vielzahl an unterschiedlichen und kontroversen Interessen, Vorstellungen, Überzeugungen, „deren Legitimität sich in Konflikten äußern muss“ (Reinhardt 2003, S. 68), um Gemeinsamkeiten herzustellen. Reinhardt bezeichnet dies auch als „dialektische Prozesse“ (Ebd.). Das bedeutet, dass Konsens und Konflikt eng miteinander verbunden sind. Denn ein Konsens geht immer aus einem gewissen Konflikt hervor.

Daher ist es zwingend erforderlich, dass die Bürger und Bürgerinnen ihre Gemein-samkeiten selber herausarbeiten. Damit Demokratie nicht missverstanden wird und in die Gesellschaft integriert werden kann, braucht es kognitive, pragmatische und emotionale Fähigkeiten, die einen den Umgang mit Demokratie erlauben (vgl. ebd., S. 69). Es stellt sich die Frage, wie die Bildung zur Demokratie verstanden werden kann?

Die Bildung zur Demokratie kann als Konfliktfähigkeit der Individuen verstanden werden. Diese begriffliche Bestimmung umschließt dabei mehrere Aspekte: Zum einen ist dabei der gesellschaftliche Umgang mit Kontroversen gemeint, der sich durch den Verzicht auf Gewalt, Akzeptanz von Regeln und Gesetzen charakterisiert. Zudem gehört auch die Entwicklung eines allgemeinen Interesses, das sich aus den Eigeninteressen und den Interessen Fernstehender ergibt. Als letzter Punkt der Bildung zur Demokratie kann die Entwicklung der moralisch-politischen Urteilsbildung formuliert werden.

Die kognitiven, emotionalen, und pragmatischen Fähigkeiten, die mit dem Bildungsbegriff der Demokratie einhergehen, entstehen nicht einfach im alltäglichen Leben. Sie müssen vielmehr erworben werden. An diesem Ansatz kommt die Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz ins Spiel. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung und Weiterentwicklung dieser Fähigkeiten: Reinhardt formuliert den Kerngedanken wie folgt: „[Die] Schule als Institution liefert Gelegenheiten des Lebens in solchen Zusammenhängen, die über das Ich und der Kleingruppe hinausgehen, indem sie sie integrieren.“ (Ebd.). Das beinhaltet zwei Dimensionen: Zum einen kann und soll Schule soziales Lernen ermöglichen und dann zum politischen ausweiten.

Dabei bietet besonders die Lebensferne der Schule die Möglichkeit kognitive Operationen und Moralvorstellungen zu entwickeln und zu fördern, die unmittelbar mit der Demokratie einhergehen. Diese Aspekte lassen sich nicht ohne weiteres für das Demokratie-Lernen umsetzen, denn es fällt schwer, mitgebrachte und erlernte, wie z.B., Moralvorstellungen zu formulieren, und dann zu überprüfen (vgl. ebd., S. 69f.).

Demokratie soll im Kontext der Institution Schule nicht als Regierungsform aufgefasst werden, sondern als eine Form der Gesellschaft und des Lebens. Das Ziel ist es, Schüler und Schülerinnen eine Chance zu geben, demokratische Kompetenzen zu erwerben und zu erlenen. Das beinhaltet Orientierungs – und Deutungswissen sowie Urteils – und Entscheidungsfähigkeiten, mit derer Hilfe sie ihre Außenwelt und schulische Lebenswelt, auf Grundlage demokratischer Werte, verantwortungsvoll mitgestalten können (vgl. Eikel 2007, S. 14f.).

Demokratie-Lernen bzw. die Demokratie an sich muss als Zukunftsprojekt aufgefasst werden. Diese Formulierung macht Sinn, wenn man betrachtet, dass Demokratien auch Scheitern können. Alle Bürger und Bürgerinnen müssen daran mitarbeiten, und dazu zählt auch die Institution Schule und der Unterricht als Mikrobereich der Schule. Demokratie scheint im Hinblick der Schule und des Unterrichts als Paradox: Innerhalb der Schule besteht Anwesenheits – und Schulpflicht. Sie ist somit eine staatliche Anstalt. Es existieren zwar demokratische Strukturen innerhalb der Schule, jedoch ist die Schülerschaft nicht der „Souverän“ der Schule. Anders formuliert: „Alle Schulgewalt geht nicht von [der Schülerschaft] aus.“ (Himmelmann 2004, S. 13). Die Schüler und Schülerinnen sind nicht bzw. nur in einem sehr begrenztem Maße in der Lage ihrer Lehrer selber zu wählen bzw. ab zu wählen. Zu- sätzlich ist die gesamte Schülerschaft der Notengebung durch die Lehrkräfte unterworfen und sie lernen, was Lehrpläne und Rahmenrichtlinien von ihnen verlangen (vgl. ebd., S. 13f.). Zwangsläufig bleibt die Frage offen, ob Demokratie-Lernen in der Schule möglich ist?

Schulgesetze geben den Schülern zwar die Möglichkeit demokratische Ansätze, z.B. durch Schülervertretungen, Schülerzeitungen, Klassenräte, Klassen – und Schulsprecher, Schulversammlungen sowie für Fach – und Klassenkonferenzen, zu lernen und zu erproben. Jedoch sagt Himmelmann dazu:

„All das ist aber nur ein äußerst schwacher Abglanz dessen, was man sich unter Demokratie in der Schule vorstellen kann. Oft erstarren diese Regelungen zu Formalien und Ritualen, die in der Praxis eher wenig Bedeutung für die Schüler haben. Sie sind allerdings wichtig und nicht unwesentlich.“ (Ebd., S. 14).

Betrachtet man dieses Zitat genauer, dann wird deutlich, dass Demokratie-Lernen und Demokratie in der Schule als Lebensweise aufgefasst werden muss (vgl. ebd.).

2.2 Demokratie-Lernen aber wozu?

Einleitend lässt sich festhalten, dass Demokratie-Lernen in der Schule vor allem die Schüler und Schülerinnen dazu befähigen soll, Probleme, Gefahren und Konflikte des alltäglichen Zusammenlebens auf zu zeigen und diese in einem „sozial verträglichen Sinn zu bewältigen“. (Ebd., S. 16). Das Demokratie-Lernen soll zum einen die normativen Grundlagen unserer Demokratie und unseres Zusammenlebens vermitteln und als Verhaltensgrundlage dienen, und zum anderen diese auch bei der Beurteilung anderer Personen der Gesellschaft und Sachverhalte einzubeziehen und damit auch zu berücksichtigen. Das heißt, das Demokratie-Lernen besonders Strukturen und Verfahrensprozesse der gemeinsamen Willensbildung, Entscheidungsfindung, Organisation und Umsetzung von Beschlüssen erreichen soll (vgl. ebd.). Himmel formuliert dazu:

„[D]rängende Fragen unserer Zeit, unserer Geschichte, der Zukunft und der Welt [sollen] im globalen Zusammenhang der Bewältigung zugänglich gemacht werden, damit die Jugendlichen in ihrer Einzelheit die Orientierung am Ganzen nicht verlieren.“ (Ebd.).

Demokratie und Demokratie-Lernen befinden sich immer in einem Prozess und ist somit nicht abgeschlossen. Es erfordert das Mitwirken und Engagement von uns allen um zukunftsfähig zu sein. Es ist eine schwierige, zeitaufwendige aber dafür lohnenswerte Aufgabe. Daher muss Demokratie-Lernen lebensnah und praktisch erfahrbar gemacht werden (vgl. ebd., S. 16f.).

2.3 Demokratie-Lernen durch die SV

Dabei stellt die Schülervertretung die älteste und deutlichste Institutionalisierung innerhalb eines jeden Bundeslandes dar. Sie soll die repräsentative Mitbestimmung der Lernenden ermöglichen und dauerhaft sicherstellen. Die Stellung bzw. der Ruf der SV hat in den letzten Jahren gelitten und trifft nur selten auf besonderes Interesse.

Dennoch lässt sich festhalten, dass die SV und die ihre Arbeit innerhalb vieler Schulen konstruktiv und bedeutsam ist. Dieser Aspekt verändert sich jedoch von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit. Die Mitwirkung der Lernenden kann somit als problematisch postuliert werden. Die Schule bietet die Chance für Interessensvertretungen und zugleich nimmt sie den Lernenden die grundlegenden Voraussetzungen für dauerhafte Interessenartikulation und –vertretung (vgl. ebd., S. 70f.). Reinhardt verdeutlicht diese paradoxe Struktur anhand eines einfachen Beispiels: „Stellen wir uns einen Verband oder eine Partei vor, die ohne hauptamtliches Personal usw. existieren sollten…“ (Ebd., S. 71). Das Stellenproblem der SV wird durch dessen repräsentativen Charakter weiter verstärkt. Die Reichweite und die Mitwirkungsgelegenheiten der Lernenden sind zumeist indirekt und nur selten spürbar. Es verwundert nicht, wenn man die Frage stellen würde, ob sich die Lernenden überhaupt vertreten sehen oder fühlen (vgl. ebd.).

Im folgendem wird die Interessensvertretung der Lernenden durch die SV näher betrachtet.

3 Die Schülervertretung – SV

„So ist die SV auf der einen Seite eine seit langem etablierte und gesetzlich verankerte Form demokratischer Beteiligung von Schüler/-innen, die an allen Schulen Deutschlands vorhanden ist […]. Auf der anderen Seite jedoch werden die demokratischen Mitbestimmnungs – und Mitgestaltungsmöglichkeiten, die sie bietet, in nur wenigen Fällen tatsächlich umfassend realisiert.“ (Eikel & Diemer 2006, S. 1).

Die SV ist eine der wichtigsten partizipativen Strukturen der Schule. Die SV ist in bestimmten Bundesländern auch als Schülermitverantwortung (SMV) und Schü- lerbeirat bekannt.

Das einleitende Zitat zeigt auf, dass der partizipative Charakter der SV nur in ei- nem geringen Maße genutzt wird. In diesem Zusammenhang sollen folgende Fra- gen beantwortet werden, um einen einleitenden Überblick über die SV zu erhalten: Was ist die SV (3.1), aus welchen historischen Bedingungen hat sie sich entwickelt (3.2), welche Ziele besitzt die SV (3.3), welche Aufgabenfelder (3.4) und Rechte (3.5) besitzt sie und was macht eine gute Schülervertretung aus (3.6)?

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Schülervertretung. Demokratie-Lernen in der Schule
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Politikwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V498215
ISBN (eBook)
9783346022875
ISBN (Buch)
9783346022882
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demokratie, Demokratie-Lernen, Unterricht, SV, Schülervertretung, Schule
Arbeit zitieren
Bastian Kohl (Autor), 2013, Die Schülervertretung. Demokratie-Lernen in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498215

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