Das Gewissen. Ein Vergleich zweier Schulbücher für den Ethikunterricht der 8./9. Klasse


Hausarbeit, 2016
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Was ist das Gewissen?
1.2 Vorstellung des Lehrmaterials „Leben leben 2“ 2014, Ernst Klett Verlag
1.3 Vorstellung des Lehrmaterials „Leben leben 8/9. Klasse“ 2000, Ernst- Klett Verlag

2. Vergleich der beiden Schulbücher „Leben leben 2“ aus dem Jahr 2014 und „Leben leben 8/9 Klasse“ aus dem Jahr 2000 und deren Themenbereiche „Gewissen“ im Hinblick auf die Wertevermittlung und Autonomie

3. Didaktische Analyse

4. Resümee

5. Quellenangabe

1. Einleitung

Das Böse als im Seminar behandeltes Thema erscheint mir persönlich als sehr interessant, da ich mich täglich durch die auf mich einströmenden Nachrichten der Medien oder auch in meinem näheren Umfeld durch Erfahrungen dem Bösen oder „Unmoralischen“, ausgesetzt sehe. Sei es Gewalt durch Kriege, Missbrauch oder andere schädigende Handlungen, mein Gewissen schaltet sich ein, ist darüber bestürzt und möchte sich ganz klar dagegen aussprechen. Gleichzeitig aber sehe ich ein Paradox in meinem eigenen Leben, in dem es oft passiert eigene unmoralische Handlungen zu rechtfertigen. Durchgehend stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum rechtfertige ich meine eigene Haltung beim Vordrängeln in der Warteschlange und rechtfertige es mit Zeitmangel, wobei ich bei jedem anderen Menschen von einem Verstoß und ungerechtem Handeln sprechen würde?! Natürlich impliziert dieses Gebiet das Gewissen, welches das Böse als Solches identifiziert, also beurteilt. Über das Gewissen wird viel gesprochen. Auch in Unterrichtsmaterialien wird dieses Thema behandelt. Das Böse als Gegenstandsbereich bleibt jedoch unberührt. Die Frage nach dem Ursprung wird bisher nicht direkt gestellt, sondern wird implizit als Bildungsdefizit verstanden. Diese Hausarbeit widmet sich daher dem Thema „Gewissen“, der Unterscheidungsinstanz zwischen dem „Moralischen“ und „Unmoralischen“. Konkret möchte ich mich auf den Vergleich im Kapitel: „Wenn sich meine innere Stimme meldet...“ aus dem Ethiklehrbuch „Leben leben“ für die 7./8. Klasse sowie dem Kapitel im Ethiklehrbuch „Leben leben 2 Ethik 2014“ konzentrieren. Beide Bücher wurden vom Ernst-Klett Verlag Stuttgart herausgegeben.

1.1 Was ist das Gewissen?

Um das Böse oder Unmoralische als solches zu identifizieren, bedient sich der Mensch der Instanz des Gewissens. Kant bezeichnet es als einen „rationalen Gerichtshof“ und als „Vernunftgewissen“ (Willem Heubült, S.448) welche nach ihm zwei Funktionen erfüllt. Einmal, „die auf ein Pflichtobjekt gerichtete gesetzgebende Vernunft als moralische Weisung“ oder auch „das Subjekt der Pflicht selbst richtende Gewalt als Gewissen.“ (Willem Heubült, S.445) Er unterscheidet also zwischen dem außenstehenden Objekt, welches beurteilt werden muss, und dem Subjekt an sich, welches das Gewissen in sich trägt und von diesem der Beurteilung unterzogen wird. Kant meint, dass es nicht das Gewissen sei, welches die Handlung an sich beurteilen würde, sondern es die Aufgabe der Vernunft sei. Das Gewissen jedoch entscheidet ob die Behandlung der Beurteilung auch wirklich sorgfältig unternommen worden ist. (vgl. Rudolf Eisler, Kant Lexikon). Das Moralische an sich, umfasst die als „gültig akzeptierten Regeln, Gebote, Werte und Normen einer Gesellschaft.“ (Konrad Liessmann 1992, S.73) Die Kriterien, um dieses vom Unmoralischen zu unterscheiden lautet nach Kant: „Was soll ich tun?“ (Konrad Liessmann 1992, S.72) und ist eine seiner drei Grundfragen. Diese Entscheidungsfragen sind täglicher Gegenstand unseres mentalen Daseins. Als Voraussetzung dafür gilt die Freiheit eine Entscheidung treffen zu können. Aber diese ist auch Bedingung dafür, dass wir „moralische Normen und juristische Gesetze benötigen, um unser Zusammenleben zu regeln.“ (Kesselring 2009, S.41) Diese Normen und Gesetze haben aber keinen direkten Einfluss, im Sinne von „Ursache und Wirkung“, sondern wir sind immer noch frei, uns gegen ihre Befolgung zu entscheiden. Deswegen kann man davon ausgehen, dass die Übertretung aus einer Entscheidung resultiert.

Das Gewissen ist auch als das schlechte Gewissen bekannt, welches sich einsetzt, sobald wir eine als unmoralisch bewertete, schlechte Tat begangen haben. Hierbei macht Kant sogar drei Unterscheidungen der Grundakte des Gewissens:

1.1.1. Das Gewissen als „Urpflicht-Gesetz“ und damit auch als „Weisung“
1.1.2. Das Gewissen als „Urpflicht-Gericht“ und damit auch als „Verweis“
1.1.3. Das Gewissen als „Urpflicht-Erfüllung“ und damit auch als „Tat-Erweis“

(Willem Heubült, 1980, S.447) Hierbei kann dies gut an einem Beispiel festgemacht werden. Befindet sich ein Ehemann in der Entscheidungssituation, ob er seine Frau betrügen soll, kann das Gewissen als „Urpflicht-Gesetz“ ihm die Norm „Du sollst nicht ehebrechen“ und den Wert „Treue“ zu Gemüte führen, sodass diese Weisung schon ziemlich direkt zu einem Verneinen des Ehebruchs führen sollte. Das Gericht als „Urpflicht-Gericht“ verweist auf verschiedene Folgen, die daraus entstehen können. Die eigene Ehefrau würde darunter leiden, kein Vertrauen mehr zu ihrem Ehemann haben. Die Kinder und die Verwandten sowie Bekannten würden auch einen Vertrauensbruch erleiden. Außerdem wären Angehörige in einer Malaise Situation bezüglich ihrer Form der Reaktion, ob sie noch mit dem Fremdgeher Umgang pflegen sollten etc. Alle wären einem Unbehagen ausgesetzt. Eine Scheidung wäre als Folge möglich. Ein ganzer Lebenswechsel. Alles verbunden mit Veränderungen aller Art und ein Verlust der eigenen Lebenspartnerin und Freundin. Auf der anderen Seite würde der Ehemann ein Vergnügen erleben. Er könnte es verschweigen. Dennoch, auch hier müssten die Folgen seines Handelns begutachtet werden. Die Norm „Du sollst nicht lügen“ und der Wert „Ehrlichkeit“ würden gebrochen und sein eigenes Lustempfinden stünde über allen anderen Werten. Wenn er nun alle Handlungsmöglichkeiten beleuchtet hat, trifft er eine Entscheidung. Entscheidet er sich für das Fremdgehen und damit dem Wert der „Selbstliebe“, so könnte sich im Nachhinein sein Gewissen als „Urpflicht-Erfüllung“ melden und ihm beweisen,dass er sich für den Wert der Treue hätte entscheiden sollen und er eine falsche Entscheidung getroffen hat. Entscheidet er sich für den Wert der „Treue“ kann sein Gewissen ihm bestätigen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat, weil er seinen Familienfrieden bewahrt hat und sich um das Wohl seiner Familie kümmert. Aber auch die Integrität mit seiner selbst spielt hier eine große Rolle. Hat er mit seiner Vernunft erkannt, dass es sich bei dem Wert „Treue“ um einen guten und moralischen Wert handelt, dessen es sich lohnt ihn zu vertreten und zu leben, so verletzt er damit auch nicht seine eigene Würde und sein eigenes Selbstkonzept, lügt sich nicht selbst an, sondern ist mit sich im Reinen.

Entscheidet er sich gegen den Wert „Treue“, gibt er dem „Hange zum Bösen“ (Kant 1793, V128) nach. Je nach seiner vorher angenommenen Maximen. Denn handelt es sich bei ihm um einen einmaligen Fauxpas, befindet er sich laut den drei Stufen des „Hange zum Bösen“ (a.a.O.) Kants bei der ersten, nämlich der „Schwäche des menschlichen Herzens“ (a.a.O.), darin weicht er von dem moralischen Gesetz „Du sollst nicht ehebrechen“ ab. Wenn er den Ehebruch begeht, indem er diesen beschönigt, er wolle ja nur ein bisschen Abwechslung in sein Liebesleben bringen und damit das Unmoralische, also einen anderen Partner vorzuziehen, mit dem moralischen, in dem Fall Abwechslung im Sexualleben zusammen mit dem (Ehe-)Partner, vermischt, handelt es sich um die zweite Stufe „die Unlauterkeit des menschlichen Herzens“ (a.a.O.). Wenn er allerdings mit der Maxime „Ich will jetzt mit einer anderen Frau schlafen, auch wenn ich meine Frau sehr verletze, mir selbst untreu werde, alles andere kaputt gehen wird und ich alle möglichen schlechte Konsequenzen ertragen muss, mir geht es ja gut dabei. Ich will meine Lust befriedigen“ den Ehebruch begeht, hat er die höchste und damit dritte Stufe des Bösen erreicht, nämlich die: „Verderbtheit des menschlichen Herzens“ (a.a.O.). Er hat damit den Hang zur Willkür von Maximen, die den sittlichen entgegenstehen, akzeptiert und diese als für sich in Ordnung befunden. Er sieht den Wert „Treue“ nicht mehr als wichtig an, bezeichnet ihn womöglich noch als nicht realistisch praktizierbaren Wert und meint, dass sich deswegen viele Menschen selbst belügen und aus diesem Grund Beziehungen scheitern, da es sich hierbei um eine Illusion handelt. Nun meldet sich bei dem Ehebrecher das „formal streng richtende(s) Gewissen“ (Willem Heubült 1980, S. 450), welches anklagt und tadelt. Dies kann dazu führen, es „zum Schweigen bringen zu wollen […] oder aber auch zur Reue.“ (Spaemann 2006, S.178).

1.2 Vorstellung des Lehrmaterials „Leben leben 2“ 2014, Ernst Klett Verlag

Das Ethikschulbuch ist in 14 Kapitel unterteilt, welche jeweils dem Lehrplan entsprechend ein Thema in Verbindung mit einer Kompetenz behandelt. Jedes Kapitel enthält eine Doppelseite zum Kompetenzerwerb, auf der an einem Beispiel gelernt und durch eine Anwendungsaufgabe geübt werden kann. Auf der Titelseite des Kapitels „ Wenn sich meine innere Stimme meldet...“ (Leben leben 2, 2014, S. 129) werden beispielhafte Fragen des Alltags eines sprechenden Gewissens vorgestellt. Diese im Zusammenhang mit Bildern von Jugendlichen, die dem Alter der Schüler entsprechen. Zudem aktivieren zwei Aufgaben das Vorwissen und damit den Einstieg in das Thema, in dem die Schüler selbst die Beispielfragen beantworten und darüber im Plenum diskutieren sollen. Im unteren Teil stehen sogar die Kompetenzen, welche im folgenden Kapitel behandelt und gelernt werden. Hierbei handelt es sich darum: „eine begründete Entscheidung in einer moralischen Urteilsfrage zu treffen; zu verstehen, wie das Gewissen eines Menschen funktioniert und wie es von Werten und Normen beeinflusst wird; ein Tagebuch als Entscheidungshilfe in Gewissensfragen zu führen“ (Leben leben 2, 2014, S. 129) Diese entsprechen auch dem Standard „Ethik und Moral“ des neuen Bildungsplans 2016 (Klassen 7/8/9 Bildungsplan 2016 Ethik, Baden- Württemberg Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Seite 29). Damit teilt sich dieses Kapitel in verschiedene Unterpunkte auf, nämlich: Moralische Urteile fällen, das Gewissen als innere Stimme hören, die Entstehung und Bildung des Gewissens, sowie das Leben mit dem Gewissen: Reue und Vergebung.

Schon auf der ersten Seite des Kapitels „Wenn sich meine innere Stimme meldet...“ (Leben leben 2, 2014, S.129) werden die Schüler mit Alltagssituationen konfrontiert, in denen Jugendliche sich in moralischen Dilemmata befinden, d.h. in Situationen, in welchen mindestens zwei Bedürfnisse oder Verpflichtungen miteinander in Konkurrenz stehen, „aber nur eine Verpflichtung erfüllt werden kann.“ (Höffe 2008, S.214) Wenn die Schüler sofort eine eindeutige Antwort geben sollten, jedoch nicht die Zwiespältigkeit nachvollziehen können, wird ihnen womöglich durch die Antworten anderer und ihrer Bevorzugung eines anderen Weges bewusst, dass es sich hierbei um sogar gleichwertige Werte handeln kann und es sich nicht um eine, wie zunächst angenommen, einfache Antwort handelt.

Auf der folgenden Seite wird ein Tagebuch der Entscheidungen eingeführt. Es wird als sehr alltagsbezogen dargestellt, die vor-dem-zu-Bett-gehen Situation, wenn ein Mensch über die positiven Erfahrungen des Tages nachdenkt und die negativen Situationen, an die er sich lieber nicht erinnern möchte. Hier wird dazu ermutigt, sich genau diesen unangenehmen Situationen „bewusst [zu] stellen“ und sie zu „untersuchen“ (Leben leben 2, 2014, S.130) . Die nächste Doppelseite gibt die Anleitung dazu, wie ein moralisches Urteil gefällt werden sollte. Vier Schritte leiten diese Kompetenz an, indem zunächst die Handlungsmöglichkeiten untersucht und bewertet, anschließend die Werte und die Normen analysiert werden, um schließlich ein moralisches Urteil fällen zu können. Anhand eines Beispiels wird diese Anleitung ausgeführt. Den Schülern wird nun also auf den ersten beiden Doppelseiten dieses Kapitels die Möglichkeit gegeben nachzudenken, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und dies in einem bestimmten und vorgegebenen Rahmen, in dem auch die jeweiligen Schritte als Orientierung dienen. Diese Zeit des Meditierens ist für viele Schüler nichts Selbstverständliches und deshalb wirklich sinnvoll. Sich eine Zeit zu schaffen um Erfahrungen und Gedankengänge zu reflektieren schafft dem Jugendlichen Klarheit über seine eigene Persönlichkeit, seinen Werten, Normen und Zielen. Auf der nächsten Doppelseite wird anhand einer Dilemma-Geschichte, in der die zwei Bedürfnisse eines Mädchens konkurrieren, ob sie nun die letzten Wochen, bevor ihr Freund ins Ausland fährt, mit ihm verbringen soll und dafür den Urlaub mit ihrer Freundin absagt, sie aber dafür anlügt, oder ob sie sich schon frühzeitig von ihrem Freund verabschiedet, unter Liebeskummer leidet und mit ihrer Freundin in den geplanten Urlaub fährt. Auch hier sollen die Schüler das moralische Problem ausfindig machen und es auf das eigene Leben übertragen. Im Anschluss gibt es auch ein Bild von Jean Dubuffet: L'indécis (der Unentschlossene), worauf entsprechende Gefühle geschlossen werden können. Die nächsten Aufgaben beziehen sich auf die Definitionen „Dilemma“ und „Moral“ und auch hier wird wieder der Bezug auf eigen gemachte Erfahrungen mit einem Dilemma hergestellt. Auf der vierten Doppelseite geht es darum was ein Gewissen ist und ob es „nur eine Frage des Trainings“ ( a.a.O., S.137) sei. Es werden Zitate von verschiedenen Autoren herangezogen, welche das Gewissen definieren wollen und außerdem wird ein Text von Fernando Savater: Tu was du willst. Ethik für die Erwachsenen von morgen. Frankfurt a.M. 1993 zitiert, an welchem die Schüler den Aspekt herausfinden sollen, der am wichtigsten für die Bildung des Gewissens sei. Auch dies wird durch das persönlich geführte Tagebuch begleitet. Auf der darauffolgenden Doppelseite geht es um das, „worauf sich das Gewissen gründet“ (a.a.O., S.138). Werte und Normen werden hier definiert und sollen in dem vorherigen Beispiel auf S.134 analysiert werden, genauso auch auf das eigene Tagebuch angewendet werden. Außerdem sollen Handlungsmotive erkannt werden, welche an verschiedenen Handlungsvarianten festgestellt werden sollen. Die letzte Doppelseite trägt den Titel: „ Mit dem Gewissen leben: Reue und Vergebung“ . Hier werden die drei monotheistischen Weltreligionen und deren Umgang mit dem schlechten Gewissen vorgestellt (vgl. a.a.O., S.140-141). Nun möchte ich gerne folgendes Kapitel mit dem vorherigen Ethik Schulbuch „Leben leben“, für die 8./9. Klasse aus dem Jahr 2000 vergleichen.

1.3 Vorstellung des Lehrmaterials „Leben leben 8/9. Klasse“ 2000, Ernst- Klett Verlag

Das Schulbuch „Leben leben 8/9 Klasse“ für Hauptschulen vom Ernst-Klett Schulbuchverlag Leipzig wurde im Jahr 2000 für Baden-Württemberg publiziert. Es umfasst 11 Kapitel und ähnelt dem neuen Schulbuch „Leben leben 2“ in seiner Themenwahl. Das Kapitel „Gewissen“ (Lernen lernen, 2000, S.108) besteht aus sechs Doppelseiten und einer einzelnen Seite, entspricht also auch hier dem Nachfolger, umfasst jedoch eine halbe Seite weniger. Es teilt sich in die Fragen nach der Definition, dem Ursprung und der Bildung, den Gewissenskonflikten, sowie den Gewissensentscheidungen und dem Gewissen in der Verantwortung auf. Zunächst beginnt jenes mit einem Fragebogen und dem Titel „Das Gewissen meldet sich. Ein Fragebogen zum Anfang“ (Leben leben 8/9 Klasse, 2000, S.108), in welchem Fragen zum Verhalten in bestimmten Situationen gestellt werden, die jede/r SchülerIn für sich beantworten sollte, wie z.B. „Es gibt Krach zwischen Klasse und Lehrer. Ein Mitschüler erhält einen Eintrag und wird vor die Tür gestellt. Er hat aber nicht mehr „verbrochen“ als du selbst. Bist du froh, dass du nicht der „Sündenbock“ bist oder verlangst du vom Lehrer die gleiche Behandlung auch für dich?“ (a.a.O.,S.108). Der Einstieg in das Thema scheint eher trocken und die Fragen wirken sehr offensiv. Sie geben immer auch eine Handlungsalternative an, womit die unmoralische Handlung fast umgehend zum Vorschein tritt. Damit ist der Denkweg nun nicht mehr so weit, um die (eigene) unmoralische Haltung zu identifizieren.

Gleich im Anschluss analysieren die SchülerInnen selbst die Ursachen ihrer Entscheidungen und die damit einhergehende Einstellung. Anhand eines Fallbeispiels, bei dem ein Freund betrunken Motorrad gefahren ist und dabei jemanden umgefahren und Fahrerflucht begangen hat, sollen sechs verschiedene Fragen den SchülerInnen helfen, die Situation zu analysieren und letztlich eine eigene Geschichte zu erzählen, in der sich das Gewissen gemeldet hat. In der Analyse der Fragen, sowie des Fallbeispiels, wird Verantwortung für aufkommende Folgen betont. Das heißt Verantwortung wird immer auch im Zusammenhang mit Gewissen gebracht, sowie mit moralischen Entscheidungen. Unmoralische Entscheidungen würden eine Missachtung von Verantwortung bedeuten und damit auch eine Missachtung der Freiheit des anderen. Es beschränkt die Freiheit des Fahrradfahrers, indem der Motorradfahrer ihn zu Fall bringt. Die Unversehrtheit seiner Menschenwürde, wie in dem Fallbeispiel auf der ersten Doppelseite, wird verletzt. Die Frage: „Inwiefern kommt hier „Verantwortung“ ins Spiel“ (a.a.O., S.109) lässt nun also auf die Bedingung der Freiheit schließen, welche jedoch Rechte und Pflichten impliziert. Den SchülerInnen wird klar, dass das Gewissen eine sehr wertvolle Bedeutung hat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Gewissen. Ein Vergleich zweier Schulbücher für den Ethikunterricht der 8./9. Klasse
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V498835
ISBN (eBook)
9783346025272
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewissen, vergleich, schulbücher, ethikunterricht, klasse, hausarbeit, ethik, uni
Arbeit zitieren
Jacqueline Greising (Autor), 2016, Das Gewissen. Ein Vergleich zweier Schulbücher für den Ethikunterricht der 8./9. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498835

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