"Umpolung" Homosexueller durch Konversionstherapien


Hausarbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Homosexualität
2.1 Ursachen für die Homosexualität
2.2 Umgang mit der Homosexualität in der katholischen Kirche
2.2.1 Biblische Sichtweise
2.2.2 Heutige Sichtweisen

3 Konversionstherapien
3.1 Verfahren und Akteure
3.2 Gründe und Folgen von Konversionstherapien

4 Verbot von Konversionstherapien

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die Mehrheit der Deutschen findet, dass eine Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen in der Bundesrepublik stattfindet (vgl. Krüpper 2017). Nicht alle Personen zeigen solch positive Einstellungen. Homosexualität ist, selbst nachdem in den letzten zwei Jahrzenten gleichgeschlechtliche Paare immer mehr gemischt-geschlechtlichen Paaren gleichgestellt wurden, noch immer nicht in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Das verdeutlicht unter anderem eine Studie, in der 38 Prozent der Befragten angaben, dass sie es als “sehr“ oder “eher unangenehm“ empfinden, wenn zwei Männer in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigten“ (ebd.). Erschreckend ist, dass sogar 18 Prozent der Befragten Homosexualität für „unnatürlich“ halten (vgl. ebd.). Negative Einstellungen korrelieren beispielsweise mit einer nicht liberalen Einstellung zur Sexualität (Bundeszentrale für politische Bildung 2010, S. 17). Des Weiteren spielt die Religiosität eine wesentliche Rolle. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen werden besonders bei Personen, die religiösen Autoritäten folgen, sichtbar (vgl. ebd., S. 17).

Homosexuelle Menschen gehören in Deutschland einer gesellschaftlichen Minderheit an und sind oft von Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen. Obwohl Homosexualität heutzutage nicht mehr als Krankheit angesehen wird, gehen immer noch Menschen davon aus, dass Schwule oder Lesben durch Konversionstherapien geheilt werden können. Sogar hierzulande ist dies der Fall.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, aufzuzeigen, welche Effekte Konversionstherapien bei Homosexuellen auslösen können und welche Maßnahmen getroffen werden können, um Menschen auf die Folgen einer Konversionstherapie aufmerksam zu machen.

Das erste Kapitel der Arbeit geht auf die Definition von Homosexualität und auf die historische Entwicklung der Ursachenforschung der Homosexualität ein. Anschließend werden verschiedene Sichtweisen der katholischen Kirche im Umgang mit Homosexuellen dargestellt. Im zweiten Teil werden die Konversionstherapien kritisch betrachtet und es folgt ein Ausblick auf die Wirksamkeit eines zukünftigen Verbots von Konversionstherapien in Deutschland.

In dieser Hausarbeit werden aus Gründen der Lesebarkeit männliche Substantive verwendet, diese schließen jedoch selbstverständlich die weibliche Form der Bezeichnungen mit ein (Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (mpfs) 2017).

2 Homosexualität

Bevor in diesem Kapitel näher auf die empirischen Befunde zu dem Thema Homosexualität eingegangen werden, folgt zunächst eine Definition von Homosexualität. In der Hausarbeit wird primär auf Homosexualität bei Männern eingegangen.

Definition Homosexualität:

Homosexualität bedeutet, dass sich Frauen und Männer gleichgeschlechtlich ausrichten und ihr sexuelles Interesse vorwiegend auf das eigene Geschlecht konzentrieren. (...) Männer, die sich zu Männern hingezogen fühlen, nennt man schwul (Dorsch 2018).

Die Grenze, ab wann jemand homosexuell ist, lässt sich nicht eindeutig ziehen (vgl. ebd). Es ist schwer festzustellen, ob sich jemand nur temporär oder ausschließlich zu dem gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Laut einer Studie geben 2,6 % der Frauen und 2,5 % der Männer an, dass sie ausschließlich homosexuell sind (Dalia Research, 2016). Gleichzeitig äußern 5,7 % der Frauen und 3,3 % der Männer, dass sie meist heterosexuell aber manchmal homosexuell sind (ebd.). Die folgende Grafik stellt basierend auf diesen Ergebnissen eine Übersicht der sexuellen Orientierung in Deutschland dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sexuelle Orientierung in Deutschland (Dalia Research)

An der Grafik wird deutlich, dass homosexuelle Menschen in Deutschland eine Minderheit bilden. Ein erfülltes Leben zu führen ist oft eine Herausforderung „für Menschen, die einer Minderheit angehören“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2010, S. 14). Auf Grund des Minderheitsstatus ist die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Störung für Homosexuelle höher. Stressoren können beispielsweise Diskriminierungen oder Angst vor Ablehnung sein (vgl. ebd., S. 14).

2.1 Ursachen für die Homosexualität

Die Ursache für die Entstehung der Homosexualität war sowohl in der öffentlichen als auch in der kirchlichen Diskussion ein großes Thema (vgl. Betrifft 1995, S. 45). Die Ursachenfrage begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2010, S. 4). Von Seiten der Psychologie, der Medizin und der Theologie folgte eine Diffamierung homosexueller Menschen (Brinkschröder et al. 2017, S. 14). Psychiater bezeichneten die Homosexualität als „konträre Sexualempfindung“ und sahen sie als Geisteskrankheit an (vgl. ebd., S. 4). Je nach sozialpolitischer und theoretischer Ausrichtung der Forscher wurde die Homosexualität auch „ als Hormonstörung, Persönlichkeitsstörung oder Sünde“ (vgl. Wolf 2013, S. 3) gesehen. Die Homosexualität sollte ausgetrieben werden und Betroffene unterzogen sich medizinischer Behandlung. Dies sollte durch tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Prozeduren erfolgen (vgl. ebd., S. 4). Elektroschocks und Operationen, die „entweder den Hormonhaushalt oder die Hirnfunktionen beeinflussten“, (ebd., S. 4) sollten die Homosexualität behandeln. In den 1970er Jahren führten Psychochirurgen die letzten grauenvollen Hirnoperation durch (vgl. ebd., S. 4). Die Menschenexperimente wurden nach starken Protesten hierzulande eingestellt (vgl. ebd., S. 4).

Zum einen sollte erwiesen werden, dass die Homosexualität anlagebedingt, also vererbbar sei und somit ein unveränderbares Schicksal, ebenso wie die Heterosexualität (vgl. Betrifft 1995, S. 45). Zum anderen bestand die These, dass das homosexuelle Empfinden im Verlauf der Kindheit seinen Ursprung habe. Es wurde davon ausgegangen, dass das homosexuelle Empfinden dort geprägt und erlernt wurde. Deshalb sei es in gewisser Weise veränderbar. Neben Forschungen zur Ursachenfindung der Homosexualität wollten des Weiteren zahlreiche Forschungsarbeiten Methoden entwickeln, die Entwicklungsprozesse, die Homosexualität bedingen, verhindern oder korrigieren (vgl. Wolf 2013, S. 3).

Sexualforscher Magnus Hirschfeld erforschte die Ursache, warum sich Männer lieben und sprach sich für eine angeborene Homosexualität aus (vgl. Klein 2018). Der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud ging stattdessen davon aus, „dass alle Menschen von Geburt an bisexuell seien“ (ebd.). Die Neigung für Homosexualität entwickelt sich seiner Theorie nach erst in der Kindheit. Weiter heißt es, dass durch eine hohe Abwesenheit des Vaters, eine höhere Wahrscheinlichkeit entstehe, dass der Sohn homosexuelle Neigungen entwickelt. Demnach führt die Distanz zwischen Vater und Sohn später dazu, dass die Lücke mit einem männlichen Partner geschlossen wird (vgl. ebd.).

Ab den 1980er entstand dank des medizinischen Fortschritts eine intensivere Forschung nach möglichen Ursachen. 1993 war der Amerikaner Dean Hamer der festen Überzeugung, dass sogenannte "Schwulen-Gen" entdeckt zu haben (vgl. ebd.). Bei einer Untersuchung von männlichen Zwillingen zeigte sich „eine bestimmte Abweichung des X-Chromosoms“ (ebd.). Da die Zwillinge homosexuell waren, ging er davon aus, dass er die Antwort gefunden hatte. Dennoch konnte seine These nicht bestätigt werden und wurde somit ausgeschlossen (vgl. ebd.).

Da sich das Schwulen-Gen nur „auf die biologische Erklärungskraft“ (ebd.) bezog, ist es unmöglich von dieser körperlichen Ursache auf ein „psycho-sozial Zusammengesetztes und kulturell-gesellschaftlich vermitteltes wie die geschlechtliche oder sexuelle Identität [zu schließen]“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2010, S. 4). Weitere Umstände, die angeführt wurden, waren unter anderem „eine Hormonstörung vor der Geburt, ein weiblicher Körperbau [oder] eine zu starke Bindung an die Mutter“ (ebd., S. 4). Keine der aufgestellten Maßnahmen konnte wissenschaftlich bewiesen werden. Nur wenige Wissenschaftler sind heute noch auf der Suche nach einer spezifischen Ursache, die die Homosexualität auslösen soll.

Die Wissenschaft geht heutzutage von einem angeborenen Persönlichkeitsmerkmal aus und nicht mehr von einer Krankheit oder einer Störung (vgl. ebd., S. 2). Bis 1992 war die Homosexualität in dem International Classification of Diseases (ICD)-Katalog der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit eingetragen (vgl. Spektrum 2005).

2.2 Umgang mit der Homosexualität in der katholischen Kirche

Oft sind es religiöse Gründe, die verhindern, dass homosexuelle Menschen ihre Liebe frei ausleben können. „Menschen (...) zum Verzicht und zur Ablehnung ihrer eigenen sexuellen Identität zu zwingen, ist nicht akzeptabel“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2010, S. 33).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Umpolung" Homosexueller durch Konversionstherapien
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V498990
ISBN (eBook)
9783346019929
ISBN (Buch)
9783346019936
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homosexualität, Konversionstherapien, Gender, Kirche, Homophobie
Arbeit zitieren
Alicia Miebach (Autor), 2019, "Umpolung" Homosexueller durch Konversionstherapien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/498990

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