Ein Synoptischer Vergleich zu Mk 4,1-9

Exegesearbeit


Ausarbeitung, 2019

11 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begründung der Textauswahl

2. Abgrenzung der Texteinheit

3. Der Synoptische Vergleich
3.1 Sprachliche Gemeinsamkeiten zwischen
3.2 Sprachliche Abweichungen bei
3.3 Gesamturteil

4. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Begründung der Textauswahl

Der Inhalt der Erzählung wird in einem Gleichnis in Bildern ausgedrückt, welche je nach Betrachter, dessen Wissensstand und Ausgangslage, im Sinne des Hermeneutischen Zirkels unterschiedlich gedeutet und interpretiert werden kann. Hinzu kommt, dass in einem Gleichnis der Sachverhalt selbst nicht genannt wird, es also dem Interpreten überlassen wird, auf welche Situation er die Bilder überträgt. Da dieser Übertragungsprozess sehr subjektiv ist, dürften die Auslegungen eines Gleichnisses wohl äußerst vielfältig ausfallen, sich somit gut als Diskussionsgrundlage für SchülerInnen in einer Stunde im Religionsunterricht eignen. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit werden bei der Unterrichtsvorbereitung von Nutzen sein, weshalb dieser Exegese ein Gleichnis zugrunde liegt.

2. Abgrenzung der Texteinheit

Für die vorliegende exegetische Arbeit behandelt Mk 4,1-9, was inhaltlich und sprachlich begründet ist. In Mk 4,1 wird ein neues Thema aufgegriffen, Jesus beginnt ein Gleichnis zu erzählen: „Und wieder begann er [...] zu lehren“ (Mk 4,1). Zudem findet ein Ortswechsel statt: „am Ufer des Sees“ (ebd.) und neue Personen treten hinzu: „sehr viele Menschen versammelten sich“ (ebd.).

Der letzte Vers dieser Perikope, Mk 4,9, markiert das Ende des Gleichnisses, hier wird die Binnenerzählung verlassen: „Und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!“ (Mk 4,9). Darüber hinaus findet im nächsten Vers ein Personenwechsel statt: „Als er mit seinen Begleitern und den Zwölf allein war“ (Mk 4,10), sodass sich ein Ende der Perikope anbietet.

3. Der Synoptische Vergleich

3.1 Sprachliche Gemeinsamkeiten zwischen...

3.1.1 Mt, Mk und Lk

Die wörtlichen Übereinstimmungen (s. Anhang blaue Unterstreichungen) zwischen Matthäus, Markus und Lukas halten sich in Grenzen und treten lediglich im Gleichnis selbst (vgl. Mt 13,3-9; Mk 4,2-9 und Lk 8,4-8) bzw. im einleitenden Satz vor dem Gleichnis (vgl. Mt 13,3; Mk 4,2 und Lk 8,4) auf. Während die Synoptiker in diesem lediglich im Personalpronomen „er“ (Mt 13,3; Mk 4,2; Lk 8,4), welches stellvertretend für Jesus steht, übereinstimmen, sind die Gemeinsamkeiten im Gleichnis selbst schon auffälliger. Zu Beginn des Gleichnisses stimmen die Synoptiker in der Formulierung „hinausging der Säende“ (Mt 13,3; Mk 4,3; Lk 8,5) überein und benutzen alle drei den Infinitiv säen mit dem Zusatz zu davor (vgl. ebd.). Dasselbe Verb benutzen sie ebenfalls in substantivierter Form im darauffolgenden Satz (vgl. Mt 13,4; Mk 4,4; Lk 8,5), den sie mit der Subjunktion „Und“ (ebd.) beginnen. Sie beschreiben die Ortsangabe mit dem Genitiv „entlang des Weges“ (ebd.), fügen die Folge („die Vögel“ fraßen […] auf“ (ebd.)) mit der Subjunktion „und“ (ebd.) hinzu. Die anderen Samen, fallen bei Matthäus, Markus und Lukas „auf“ (Mt 13,5; Mk 4,5; Lk 8,6) etwas Felsiges und vertrocknen anschließend. Hier ist der Wortlaut zwar nicht identisch, dennoch beschreiben sie inhaltlich dasselbe. Darüber hinaus ist der Ort, an den weitere Samen fallen, die „Dornen“ (Mt 13,7; Mk 4,7; Lk 8,7), gleich. Hier ersticken sie, wobei auffällt, dass in allen drei Versionen des Gleichnisses das Präteritum „erstickten“ (ebd.) gewählt wurde. Diejenigen Samen, die auf „die [...] Erde“ (Mt 13,8; Mk 4,8; Lk 8,8) fallen, haben immer eine „Frucht“ (ebd.) zur Folge. Die direkte Anrede an den Zuhörer am Ende dieser Perikope beginnt bei allen Synoptikern mit „Der Ohren“ (Mt 13,9; Mk 4,9; Lk 8,8) und endet mit der Aufforderung: „er soll hören!“ (ebd.), die durch die Verwendung des Ausrufezeichens zusätzlich betont wird.

3.1.2 Mt und Mk:

Zwischen Matthäus und Markus gibt es Gemeinsamkeiten, die sich bei Lukas nicht finden lassen. Diese sind im Anhang braun markiert. Sowohl Matthäus als auch Markus beschreiben den Ort, an dem Jesus das Gleichnis erzählt näher: So findet das Geschehen „am Meer“ (Mt 13,1; Mk 4,1) statt, wo sich Jesus in ein Boot setzt. Dies beschreiben beide mit den identischen Worten „so daß er, in ein Boot eingestiegen, sich setzte“ (ebd.). Darüber hinaus ergänzen sie, dass die Volksmenge, welcher Jesus das Gleichnis erzählt, „bei ihm“ (ebd.) zusammenkommt.

Matthäus und Lukas stellen die unterschiedlichen Parteien in dieser Situation, Jesus, welcher ein Gleichnis erzählen wird, und die Volksmenge, welche zuhören wird, dar, indem sie sie räumlich voneinander abtrennen. Jesus im Boot steht in Abgrenzung zur Volksemenge am Land, wobei hier die wörtliche Übereinstimmung „und die ganze Volksmenge“ (Mt 13,2; Mk 4,1) vorzufinden ist. Des Weiteren wird erwähnt, dass Jesus den Menschen vieles über Gleichnisse näherbringt (vgl. Mt 13,3; Mk 4,2), wobei hier der Satzbau nicht identisch ist und bei Matthäus im Vergleich zu Markus die Mengenangabe „vieles“ vor das Präpositionalobjekt „in Gleichnissen“ (vgl. ebd.) geschoben wurde.

In diesen beiden Evangelien ist nicht nur die vorher genannte direkte Anrede an den Zuhörer (vgl. Mt 13,9; Mk 4,9; Lk 8,8) zu finden, sondern darüber hinaus noch eine zweite, ganz zu Beginn des Gleichnisses. Hier wird der Zuhörer mit dem Imperativ „Siehe“ (Mt 13,3; Mk 4,3) angesprochen, sodass die Erzählung bei Markus und Matthäus von einer Aufforderung eingerahmt ist.

Den felsigen Untergrund, auf den manche Samen fallen, beschreiben die beiden als „das Felsige, wo sie nicht viel Erde hatten“ (Mt 13,5; Mk 4,5) und nennen als Grund des Aufgehens der Samen den Neologismus „Nicht-Tiefe-Haben[] “ (ebd.) im Genitiv. Darüber hinaus wird der Zeitpunkt des Vertrocknens, der Sonnenaufgang, festgelegt. Auch fällt an dieser Stelle der andere Satzbau bei Matthäus im Vergleich zu Markus auf. In Markus 4,6 steht geschrieben: „als aufging die Sonne“. In Matthäus 13,6 dagegen: „als [...] die Sonne aufging“. Bei Matthäus wird also der etwas holprig klingende Satzbau von Markus ausgebessert, das Prädikat hinter das Subjekt geschoben. In Matthäus wie auch in Markus führt die Sonne dazu, dass die Samen verbrennen, wobei beide das Verb im Passiv und in der Vergangenheit benutzen (vgl. Mt 13,6; Mk 4,6). Als Grund des Vertrocknens wird ein ähnlicher Neologismus wie beim Grund des Aufgehens der Samen genannt, das „Nicht-Wurzel-Haben[]“ (ebd.).

Die Dornen, in welche darüber hinaus Samen fallen, steigen auf, was in Matthäus und Markus in der Vergangenheit geschrieben steht (vgl. Mt 13,7; Mk 4,7). Es fällt auf, dass das Partikelverb als ein Wort in einer Satzstellung mit Prädikat – Subjekt benutzt wird, anstelle in einer Satzstellung von Subjekt – Prädikat, bei der das Partikel vom restlichen Verb abgetrennt ist (die Dornen stiegen auf), was für einen Aussagesatz gewöhnlicher wäre.

Als es um die Frucht geht, welche aus anderen Samen herausgeht, benutzen die beiden Evangelisten das gleiche Verb „gaben“ (Mt 13,8; Mk 4,8), sowie das Indefinitpronomen „andere“ (ebd.), um diese Samen zu beschreiben. Sie benutzen hierbei die gleichen Zahlen, „hundert“, „sechzig“ und „dreißig“ (ebd.), um anzugeben, wie viele Früchte aus den Samen jeweils hervorgehen.

3.1.3 Mk und Lk

Zwischen Markus und Lukas gibt es ebenfalls wörtliche Übereinstimmungen. Sie sind mengenmäßig in etwa vergleichbar mit den Übereinstimmungen zwischen Matthäus und Markus und im Anhang mit orangen Unterstreichungen gekennzeichnet. Markus wie auch Lukas beschreiben die Menschen, welche Jesus zuhören als „eine“ „große Volksmenge“ (Mk 4,1; Lk 8,4). Sie stimmen also nicht nur im Numerus beim Nomen, sondern auch im gewählten Adjektiv überein. Bezüglich des Samens, welches entlang des Weges fällt, sprechen die beiden im Singular. Schreiben zunächst „das eine fiel“ (Mk 4,4; Lk 8,5) und umschreiben ihn anschließend mit dem Personalpronomen „es“ (ebd.). Auch bei allen anderen Orten, an welchen Samen hinfällt, bleiben sie konsequent im Singular. So wird angeschlossen mit „Und anderes fiel“ (Mk 4,5; Mt 8,6), „vertrocknete es“ (Mk 4,6; Lk 8,6) und anschließend weitererzählt mit „Und anderes fiel“ (Mk 4,7; Lk 8,7) und „es“ (ebd.). Bei dem Samen, welcher „in“ (Mk 4,8; Lk 8,8) fällt, benutzen beide die in diesem Zusammenhang etwas ungewöhnlich klingende Präposition in.

Die Aufforderung an den Zuhörer am Ende der Perikope leiten die beiden damit ein, dass sie darauf hinweisen, dass Jesus spricht, indem sie das Personalpronomen „er“ (Mk 4,9; Lk 8,8) stellvertretend für den Namen Jesus verwenden. In der Aufforderung selbst verwenden sie den Infinitiv hören mit einem zu davor (vgl. ebd.).

3.1.4 Mt und Lk

Auch zwischen Matthäus und Lukas sind wörtliche Übereinstimmungen zu finden. Diese sind im Vergleich zu den zuvor bereits aufgeführten Gemeinsamkeiten zwischen den anderen Evangelien allerdings sehr gering. Sie sind im Anhang als rote Unterstreichungen kenntlich gemacht. Um den Grund kenntlich zu machen, warum der Säende hinausgeht, verwenden Matthäus und Lukas zusätzlich zur Infinitivkonstruktion „zu säen“ (Mt 13,3; Mk 4,3; Lk 8,5) das Wort „um“ (Mt 13,3; Lk 8,5). Darüber hinaus beschreiben ergänzen sie den Akt des Säens um die Präposition „bei“ (Mt 13,4; Lk 8,5) sowie das Possessivpronomen „seinem“ (ebd.), um auf den Säenden zurückzuverweisen. Manche Samen fallen bei ihnen „unter“ (Mt 13,7; Lk 8,7) die Dornen, manche auf Boden, welchen sie mit dem Adjektiv „gut[]“ (Mt 13,8; Lk 8,8) näher beschreiben. In der Aufforderung an den Zuhörer am Ende der Perikope wird von beiden das Nomen „Habende“ (Mt 13,9; Lk 8,8) benutzt.

3.2 Sprachliche Abweichungen bei

3.2.1 Mt und Mk

Neben den zuvor bereits aufgeführten Gemeinsamkeiten zwischen dem Matthäus- und dem Markusevangelium gibt es auch einige Unterschiede – sprachlicher, inhaltlicher und stilistischer Natur. So bestimmen beide zwar den Tag nicht näher, an welchem Jesus das Gleichnis erzählt, doch weist Markus mit „[u]nd wieder“ (Mk 4,1) darauf hin, dass Jesus öfters Gleichnisse erzählt. Die Menschen, welche zusammenkommen, um Jesus zuzuhören, werden zwar von beiden als „Volksmenge“ (ebd.) bezeichnet, jedoch verleiht Matthäus der Größe dieser durch die Verwendung des Plurals (vgl. Mt 13,1) zusätzlich an Bedeutung. Bei Matthäus wird die zweite Erwähnung des Meeres (vgl. Mk 4,1) weggelassen, die Beschreibung des Standortes der Volksmenge von „zum Meer hin auf dem Land waren sie“ (Mk 4,1) zu „stand am Strand“ (Mt 13,2) verkürzt.

[...]

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Details

Titel
Ein Synoptischer Vergleich zu Mk 4,1-9
Untertitel
Exegesearbeit
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Biblisches Institut)
Veranstaltung
Methodenkurs NT
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V500077
ISBN (eBook)
9783346040725
ISBN (Buch)
9783346040732
Sprache
Deutsch
Schlagworte
synoptischer, vergleich, exegesearbeit
Arbeit zitieren
Anna-Tabea Schug (Autor:in), 2019, Ein Synoptischer Vergleich zu Mk 4,1-9, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/500077

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