Digitalisierung – Hype oder Paradigmenwechsel?

Alter Wein in neuen Smartphones?


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2016
4 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die Digitalisierung ist in aller Munde, auf aller Titelbilder, Rechner und Webseiten. So allgegenwärtig ist dieses Phänomen, dass es offenbar nicht mehr erklärt oder gar hinterfragt zu werden braucht – höchste Zeit also, einige Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Was ist das Neue? Und: Verstehen die Digitalisierungspropheten und ihre Opfer überhaupt, worum es geht?

1.2 Begriffsklärung

Erklärungsbedürftig ist zunächst das Wort selbst: Der erste Teil des Begriffs, das „Digitale“, mag sich noch etwas sperrig mit „(an den Fingern) abzählbar“ oder, auf Computer bezogen, mit „aus Einsen und Nullen bestehend“ übersetzen lassen. Beim zweiten Begriffsteil, der „isierung“ wird es hingegen schwierig. Fest steht nur: Es handelt sich um einen Prozess, der eine Zustandsveränderung bewirkt.

Rein technisch besteht diese Zustandsveränderung darin, analoge in digitale Daten zu überführen: So kann eine alte Fotografie digitalisiert werden, ebenso wie eine Audiokassette oder ein handschriftlicher Brief. Derartige Technologien sind jedoch inzwischen seit etwa drei Jahrzehnten bekannt und auch das Internet, das für die Verbreitung der so erzeugten, digitalen Daten sorgt, ist längst den Kinderschuhen entwachsen. Was also ist so neu an der Digitalisierung? Handelt es sich lediglich um eine Erfindung jener Industrie, die bereits seit Jahrzehnten den Kult um die Zukunftstechnologien pflegt und sich ihre Prognosen teuer bezahlen lässt?

2. Hauptteil

Würde es bei dem relativ simplen Vorgang bleiben, der Analoges zu Digitalem macht, so wären jene Consultants, Coaches und Keynote Speaker, die sich den Begriff zu eigenmachen, arbeitslos. Sie könnten bequem und geräuschlos durch einen doppelseitigen Ratgeberartikel in einer Computerzeitschrift ersetzt werden. Da dem jedoch nicht so ist, existieren offenbar noch ein tieferer Sinn und eine weitere Begriffsbedeutung. Denn digitalisiert werden nicht nur schnöde Texte, Bilder und Töne, sondern auch Arbeitsprozesse, Vertriebskanäle, Instrumente des Managements, etwa im Controlling oder bei der Führung von Mitarbeitern. Mitarbeiter übrigens, die – Stichwort „künstliche Intelligenz“ – ebenfalls früher oder später der Digitalisierung zum Opfer fallen könnten. Selbstverständlich kommt die Digitalisierung nie alleine, sondern im Verbund mit weiteren Schlagworten der schönen neuen Arbeitswelt: Big Data, Cloud, Industrie 4.0, Internet der Dinge oder Smart Mobility.

Ein Firmenchef allerdings, der sich von derartiger Zukunfts- und Erfolgsrhetorik anstecken lässt und seinem Unternehmen eine überstürzte Digitalisierung verordnet, begeht möglicherweise einen folgenschweren Fehler: Anstatt die Digitalisierung als Mittel zum Zweck (der Schaffung von Mehrwert für das Unternehmen) zu sehen, wird sie zum Selbstzweck. Nun bewirken neue Technik, neue Software und neue Arbeitsmethoden nur dann eine tatsächliche Steigerung der Arbeitseffizienz oder der Gewinne, wenn sie intelligent gehandhabt werden: Wer mit einem hochkomplexen, unverständlichen neuen Content-Management-System seine Mitarbeiter dazu treibt, ihre Daten wieder mit Excel zu verwalten, vergeudet die Ressourcen seines Unternehmens.

Auch im Privatleben ist der ahnungslose Benutzer dem Phänomen der Digitalisierung näher, als er denkt – und dies auf zweifache Weise: So arbeiten im Hintergrund die Indexierungs- und Katalogisierungsprogramme von Google, gestützt auf die Ergebnisse nimmermüder Webcrawler. Andererseits – und dies wird oft als die Kehrseite der Digitalisierung gesehen – macht sich der Nutzer durch seine Aktivität selbst zum Objekt: Denn die Anfrage wird, zusammen mit anderen verfügbaren Nutzerdaten, protokolliert, gespeichert, fließt in die große Datensammlung des Suchmaschinenbetreibers ein und dient dort vor allem der Erzeugung weiterer Werbeeinnahmen: Der Nutzer wird zum Produkt.

Kein Wunder also, dass die Digitalisierung sich als wertvolle Ressource erweist, mit der findige Berater Panik erzeugen und den Geldbeutel ihrer Kunden öffnen können. Die Botschaft: Wer die Digitalisierung verschläft, dem droht gar Übles: Ein Zurückfallen im ewigen Konkurrenzkampf, ein Bedeutungsverlust und schließlich das Verschwinden im digitalen Nirwana. Mag der örtliche Bäcker noch auf einen Webauftritt verzichten können, der Autohändler kann es nicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Digitalisierung – Hype oder Paradigmenwechsel?
Untertitel
Alter Wein in neuen Smartphones?
Hochschule
Universität St. Gallen
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
4
Katalognummer
V503303
ISBN (eBook)
9783346031600
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zulassungsprüfung für den Masterstudiengang in Management, Organisation und Kultur
Schlagworte
Digitalisierung, Digital
Arbeit zitieren
Alexander Emanuel Pletter (Autor), 2016, Digitalisierung – Hype oder Paradigmenwechsel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503303

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