Entwicklungspoltik und Urbanisierung: Theoretische Grundlagen und praktische Maßnahmen im Wandel


Hausarbeit, 2005
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Einleitende Kernaspekte der Folgen und Probleme der Urbanisierung

3. Multilaterale und bilaterale entwicklungspolitische Tendenzen in Anbetracht des internationalen Urbanisierungsprozesses
3.1 Multilaterale Entwicklungspolitik
3.1.1 United Nations Programme for Human Settlements – UN-Habitat
3.1.2 Strategiewechsel der multilateralen Entwicklungspolitik im Rahmen des Urbanisierungsprozesses
3.2 Bilaterale Entwicklungspolitik
3.2.1 Sektorkonzept: „Eine Zukunft für Städte schaffen“
3.2.2 Strategien für eine nachhaltige Kommunalentwicklung
3.2.3 Strategiewechsel der bilateralen Entwicklungspolitik im Rahmen des Urbanisierungsprozesses

4. Fazit

1. Einleitung

Gegenwärtig lässt sich verzeichnen, dass der Verstädterungstrend weltweit stetig zunimmt. Während im Jahre 1975 lediglich ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten lebte, taten dies im Jahre 2000 schon rund die Hälfte der Weltbevölkerung. Im Gegensatz zu den Entwicklungsländern ist der Urbanisierungsprozess in den Industrieländern nahezu abgeschlossen und das Bevölkerungswachstum dementsprechend gering, während der Verstädterungsprozess in den Entwicklungsländern rasant ansteigt. Dieser Prozess wird durch die rapide Ausbreitung der Armut in den Städten begleitet, der sich dort rascher ausbreitet als in ländlichen Gegenden.[1] Zu einer der vielen Ursachen einer solchen Entwicklung gehören so genannte „push“ und „pull“ Faktoren in allen gesellschaftlichen Sektoren, welche die fortschreitende Verstädterung begünstigen.[2] „Unter Urbanisierung versteht man den gesamten sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Prozess einer zunehmenden Bevölkerungsverdichtung in städtischen Gebieten.“[3]

Urbanisierung und Land-Stadt-Wanderungen wurden in den sog. Entwicklungsländern lange aus ökonomischer Perspektive als wesentlich positiv-notwendigen Faktor im Entwicklungsprozess betrachtet. Dadurch würden menschliche Ressourcen aus den peripheren Regionen an Orten konzentriert, welche durch eine weitaus größere dynamische Entwicklung gekennzeichnet sind. Die Akkumulation verschiedener Ressourcen ermögliche einen Fortschritt in verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren, welches nicht selten eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes zur Folge habe.[4] Die soziologische Perspektive betrachtete Urbanisierungsprozesse eher negativ, „weil sie heterogene, strukturlose Großstädte hervorbrachten, in denen zentrale positive Eigenschaften dörflicher Gemeinschaften wie kulturelle Homogenität, persönliche Kontakte, soziale Bedingungen, Identität und fürsorgende Verantwortlichkeit weitgehend fehlten, während andererseits soziale Diskrepanzen und soziale Devianz zunahmen.“[5]

Gegenwärtig stellt die Konzentration von mehreren Millionen Menschen die Städte der Entwicklungsländer vor gravierende Probleme. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärt: „Vielerorts herrschen äußerst schlechte Umwelt- und ungesunde Lebensbedingungen, vor allem in den Armensiedlungen. Mangelnder Zugang zu sauberem Trinkwasser, fehlende Kanalisation und unzureichende Müllentsorgung zählen zu den Hauptproblemen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 25 bis 30 Prozent der städtischen Bevölkerung in Lateinamerika, Afrika und im Mittleren Osten keinen Anschluss an eine Trinkwasserversorgung haben, in Asien ist es sogar mehr als ein Drittel der Bevölkerung.“[6]

Spätestens seit der zweiten Konferenz der Vereinten Nationen über menschliche Siedlungen im Juni 1996 in Istanbul, ist vielen Akteuren bewusst geworden, dass die zukünftige menschliche Siedlungsentwicklung „städtische Charakteristiken“ tragen wird. Um die Jahrtausendwende gab es weltweit ca. drei Milliarden Stadtbewohner, etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Peter Herrle (GTZ) verdeutlicht, dass sich die Zahl der städtischen Bevölkerung in den kommenden 30 Jahren um weitere zwei Milliarden aufsummieren wird und dieser Prozess hauptsächlich in den Entwicklungsländern stattfinden wird. Ohne vorbeugende Maßnahmen würde sich auch die Zahl der Slumbewohner von ca. einer Milliarde auf zwei Milliarden verdoppeln.[7] Allein diese Zahlen veranschaulichen, welche gewichtige Rolle Entwicklungspolitik im Bereich der Stadtentwicklung spielt. Zu einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wird daher die Bewältigung der mit dem Urbanisierungsprozess auftretenden Probleme gehören.[8]

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wo Entwicklungspolitik nun genau ansetzt? Welche Maßnahmen werden auf multilateraler sowie auf bilateraler Ebene derzeit ergriffen? Und inwieweit haben sich die Maßnahmen und Strategien auf diesem Gebiet verändert?

In vorliegender Arbeit sollen die theoretischen Grundlagen und praktischen Maßnahmen der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen und der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Stadtentwicklung erörtert werden.

2. Einleitende Kernaspekte der Folgen und Probleme der Urbanisierung

Zunächst soll an dieser Stelle eine kurze Zusammenfassung der Folgen und Probleme des Urbanisierungsprozesses aufgeführt werden, um einen Überblick zu ermöglichen.

Durch den Urbanisierungsprozess entstehen folgende Probleme[9]:

- Wachsende städtische Armut
- Wachsende Umweltbelastungen und –krisen
- Wachsender Bedarf an städtischen Dienstleistungen und Infrastruktur bei gleichzeitiger Überlastung der bestehenden Infrastruktur
- Übervölkerung, Kriminalität und Gewalt; Konpfliktpotential
- Ungleiche räumliche Entwicklung (schnelles Wachstum der großen Städte, Vernachlässigung strukturschwächerer Räume)

Diese Probleme sind beispielsweise durch schwache Kommunalregierungen, ungünstige politische Rahmenbedingungen oder ungenügende finanzielle Ressourcen nur schwer zu beheben.[10]

Der Urbanisierungsprozess bringt überdies nicht nur Probleme hervor, sondern zeigt durchaus auch positive Wirkungen. Häufig werden auch Potentiale freigesetzt, in denen sich vielfältige Chancen und Möglichkeiten verbergen. Beispielsweise werden 60% des Bruttoinlandsproduktes in den Städten produziert. Dies lässt auf einen Zusammenhang zwischen Urbanisierung und wirtschaftlicher Entwicklung schließen, zumal auch 80% des wirtschaftlichen

Wachstums hauptsächlich in den Städten zu verzeichnen ist. Zudem werden Modernisierungsprozesse und Produktivitätssteigerungen in den ländlichen Regionen begünstigt, da die Städte der Entwicklungsländer häufig ländliche Produkte nachfragen. Oftmals werden dort auch infrastrukturelle Maßnahmen ergriffen, die in ländlichen Regionen vorher nicht vorhanden waren. Dazu gehören zum Beispiel Bildungs- und Gesundheitswesen. Die verbesserten Bildungssysteme in den Städten und teilweise in den Umlandsgebieten stellen eine wichtige Grundlage zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dar und erhöhen zudem die Beschäftigungsmöglichkeiten und –chancen. Auch wird durch das städtische Leben das Reproduktionsverhalten der Bevölkerung geändert, welches sich in sinkenden Geburtenraten niederschlägt.[11]

Im Folgenden soll erläutert werden wo die internationale wie auch die nationale Entwicklungspolitik nun genau ansetzt, welche Maßnahmen ergriffen wurden und in welchem Rahmen sich diese verändert haben.

3. Multilaterale und bilaterale entwicklungspolitische Tendenzen in Anbetracht des internationalen Urbanisierungsprozesses

3.1 Multilaterale Entwicklungspolitik im Rahmen der Vereinten Nationen

Multilaterale Entwicklungspolitik bedeutet, dass die Zusammenarbeit der Geberländer über eine zwischengeschaltete Institution erfolgt. Hierbei wird die Arbeit der bilateralen und multilateralen Institutionen miteinander verknüpft und koordiniert, um die Zusammenarbeit gemeinsam und effektiv zu gestalten.[12] In der aktuellen internationalen entwicklungspolitischen Diskussion spielt die programmorientierte Entwicklungszusammenarbeit eine große Rolle. Dabei übernehmen die multilateralen Institutionen üblicherweise die dazu nötigen Führungs- und Koordinierungsaufgaben.[13] Die Bundesrepublik ist dabei „über vielfältige Mitgliedschaften in das Netz der internationalen Organisationen eingebunden, die im Bereich der Entwicklungshilfe tätig sind.“[14] Eine führende Rolle spielt hierbei die Organisation der Vereinten Nationen. Das BMZ stellt jährlich ca. 1/3 ihres Budgets, multilateralen Institutionen zur verfügung.[15]

3.1.1 United Nations Programme for Human Settlements – UN-Habitat

Zum Thema Urbanisierung besteht ein Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen: das United Nations Programme for Human Settlements – UN-Habitat.

UN-Habitat widmet sich grundsätzlich Fragen und Problemen im Bereich der Stadtentwicklung, dem Siedlungswesen und der Wohnungsversorgung in Entwicklungsländern. Ziel dieses Programms der Vereinten Nationen ist es, eine „nachhaltige städtische Entwicklung zu Fördern“. Zudem besteht ihre Aufgabe darin, sich parallel auftretenden Problemen wie beispielsweise wachsenden sozialen Spannungen, Umweltproblemen und der zumeist instabilen Infrastruktur zu widmen. UN-Habitat finanziert sich über drei verschiedene Quellen, und zwar über den regulären VN-Haushalt, die Human Settlements Foundation und über Drittmittel.

Gegenwärtig werden 200 Programme und Projekte in mehr als 80 verschiedenen Ländern durchgeführt.[16]

An dieser Stelle soll ein kurzer chronologischer Abriss zur Entstehung und des Verlaufs von UN-Habitat aufgeführt werden.

[...]


[1] Vgl.: BMZ: „Stadt- und Regionalentwicklung“, (2004), S. 232 ff.

[2] Vgl.: Wilhelm, J.: „Entscheidungsfindung, Ergebnisse und Umsetzungsmöglichkeiten der HABITAT- Konferenz – Konzepte und Projekte des BMZ zur Stadtentwicklung“, (1997), S. 257

[3] Zit.: Kraus, F.: „Megastädte: Urbanisierung der Erde und Probleme der Regierbarkeit von Metropolen in Entwicklungsländern“, (1997), S. 142

[4] Vgl.: a.a.O. S. 139

[5] Zit.: a.a.O. S. 139

[6] Zit.: BMZ: „Stadt- und Regionalentwicklung, (2004), S. 233

[7] Vgl.: Herrle, P.: „Stadtentwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit“, Rev.: 2005-09-1, S. 3

[8] Vgl: Wilhelm, J.: „Entscheidungsfindung, Ergebnisse und Umsetzungsmöglichkeiten der HABITAT- Konferenz – Konzepte und Projekte des BMZ zur Stadtentwicklung“, (1997), S. 262

[9] Vgl.: Wilhelm, J.: „Entscheidungsfindung, Ergebnisse und Umsetzungsmöglichkeiten der HABITAT- Konferenz – Konzepte und Projekte des BMZ zur Stadtentwicklung“, (1997), S. 259ff.

[10] Vgl.: a.a.O. S. 260

[11] Vgl.: a.a.O. S. 261ff.

[12] Zit.: BMZ: „Multilaterale Zusammenarbeit“, (2004), S. 97

[13] Vgl.: a.a.O. S. 98

[14] Zit.: Wolff, J. H. (Hrsg.): „Entwicklungspolitik – Entwicklungsländer. Fakten – Erfahrungen – Lehren (1998), S. 258

[15] Vgl.: BMZ (Hrsg.): „Der deutsche Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit“, Rev.: 2005-09-24

[16] Vgl.: BMZ „Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (United Nations Programme for Human Settlements – UN-Habitat)“, (2004), S. 123

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Entwicklungspoltik und Urbanisierung: Theoretische Grundlagen und praktische Maßnahmen im Wandel
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V50339
ISBN (eBook)
9783638465793
ISBN (Buch)
9783656448549
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungspoltik, Urbanisierung, Theoretische, Grundlagen, Maßnahmen, Wandel
Arbeit zitieren
Huong Tran (Autor), 2005, Entwicklungspoltik und Urbanisierung: Theoretische Grundlagen und praktische Maßnahmen im Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50339

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