Wittgensteins Bildtheorie im Tractatus-logico philosophicus unter besonderer Berücksichtigung der abbildenden Beziehung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
27 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1) Die Bildtheorie in Wittgensteins Tractatus
II. 1a) Die „Form der Abbildung“
II. 1b) Das Bild (der Satz), seine Struktur und seine Relation zur Wirklichkeit
II. 2) Die abbildende Beziehung
II. 2a) Die Bedeutung der Negation

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im folgenden soll zunächst die von Ludwig Wittgenstein im Tractatus logico-philosophicus entwickelte Bildtheorie dargestellt, untersucht und erläutert werden, um daraufhin, spezifischer werdend, von der Natur der, in der Bildtheorie enthaltenen, „abbildenden Beziehung“ zwischen Bild und Wirklichkeit handeln zu können. Im Rahmen dieses Vorhabens ist es notwendig, eine Verbindung der im Tractatus vorgestellten Gedanken zur Bildtheorie zu früheren und späteren Äußerungen Wittgensteins gegebenenfalls dann herzustellen, wenn einzelne besondere Aspekte der Theorie zum einen besser verständlich gemacht werden sollen, oder wenn andererseits Anknüpfungspunkte zu suchen und zu finden sind, deren Erwähnung sowie Deutung einer angemessenen Darstellung unterstützende Hilfe leisten könnten. Deshalb werden außer der Bildtheorie im allgemeinen, die sich in erster Linie über die Sätze 2.1 bis 2.225 erstreckt, und der „abbildenden Beziehung“ im besonderen, deren Kern in den Sätzen 2.15 bis 2.17 stecken mag, auch Einträge Wittgensteins in seine Tagebücher der Jahre 1914 bis 1916 und hilfreiche Paragraphen der Philosophischen Untersuchungen zur Interpretation und Erklärung herangezogen werden. Ebenfalls wird es im Interesse einer möglichst fokussierten Klärung der Probleme Not tun, verschiedene Forscherpositionen bezüglich der zu besprechenden Sätze Wittgensteins in dieser Untersuchung zu Rate zu ziehen. Hierbei wird die Rede vor allem auf die Autoren Ammereller, Pitcher, Anscombe und Stenius gehen, die allesamt erhellende Bemerkungen zur Bildtheorie niedergeschrieben haben, deren Eckpunkte an dieser Stelle knapp skizziert werden sollen, um im Hauptteil dieser Arbeit ausführlicher darauf zurück kommen zu können.

Ammereller, welcher sich als einziger der oben genannten Interpreten explizit der Auseinandersetzung mit der „abbildenden Beziehung“ widmet, beschreibt den Hauptgedanken der Bildtheorie in Wittgensteins Tractatus wie folgt: „Das Wesen eines Gedankens bzw. Satzes besteht darin, die Wirklichkeit abzubilden, indem er eine mögliche Sachlage, d.h. eine Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Sachverhalten darstellt.[1]“ In Anlehnung an die Sätze 4.031 und 4.0311 des Tractatus notiert Ammereller, dass wir uns im Denken und in der Sprache Bilder davon machen, was der Fall, und was nicht der Fall ist, indem wir Zeichen für die Gegenstände so miteinander verbinden, dass die Art und Weise ihrer Verbindung, wie ein Modell, vorstellt, wie sich die Dinge in Wirklichkeit zueinander verhalten[2]. Anscombe bemerkt hierzu, auf die Bedeutung der Verbindung der Elemente des Bildes in bezug auf die Gegenstände der Wirklichkeit hinweisend, wir könnten sagen: „`Only in the connections that make up the picture can the elements of the picture stand for objects.´[3] ” Der Gedanke Ammerellers zum Verhältnis der Dinge (Sachen, Gegenstände) zueinander, welches in der Wirklichkeit den Sachverhalt ausmacht, wird somit auf die Struktur der Bildes bezogen, womit der Begriff der „Form der Abbildung“ Wittgensteins eingeführt wird, ist doch in TLP 2.15 zu lesen: „Dass sich die Elemente des Bildes in bestimmter Art und Weise zueinander verhalten, stellt vor, dass sich die Sachen so zu einander verhalten. Dieser Zusammenhang der Elemente des Bildes heiße seine Struktur und ihre Möglichkeit seine Form der Abbildung.[4]“ Die Form der Abbildung garantiert, dass das Bild kraft seines Sinns bis zur Wirklichkeit reicht, denn die Bildelemente vertreten in ihm etwas, was ihnen außerhalb des Bildes entspricht. So bildet das Bild die Wirklichkeit ab, stimmt mit ihr überein oder nicht, kann also wahr oder falsch sein, was sich erst dann herausstellt, wenn wir es mit der Wirklichkeit verglichen haben. Dazu bedarf es allerdings einer Vergleichsmethode, in der Literatur oftmals mit der „Projektions-methode“ umschrieben, die gegeben sein muss, bevor das Bild mit der Wirklichkeit verglichen werden kann.[5] Während Autoren wie Stenius und Pitcher den Begriff der „Projektionsmethode“ vor allem in bezug auf die Bildtheorie des Tractatus für zentral halten und damit operieren, berufen sich Ammereller und Anscombe auch auf Wittgensteins Tagebücher, um ebenfalls festzustellen: „I think this conception (the method of projection) is not discarded in the Tractatus.[6]“ Hinsichtlich der „abbildenden Beziehung“, die anhand der „Zuordnungen der Elemente des Bildes und der Sachen“ konstituiert wird, weist Ammereller auf die Unabdingbarkeit einer Intentionalität, d.h. einer subjektiven Deutung des Bildes, hin. Pitchers Sichtweise ähnelt jener Auffassung, insofern auch er das Zuordnen der Bild- oder Aussageelemente für einen geistigen Akt hält[7]. Stenius verwendet angesichts der „abbildenden Beziehung“ eigene Termini, beschreibt ihr Wesen primär unter Zuhilfenahme der sogenannten „Isomorphie“ (Gleichartigkeit von Bild und Abbild) und des Wortes „Interpretationsschlüssel“[8], der die abbildende Beziehung zwischen Bild und Abbild sozusagen definierbar macht. Außerdem betont Stenius, unisono mit den weiteren Interpreten, zu einem Bild gehöre immer auch die „abbildende Beziehung“, welche das Bild zu einer Tatsache werden lässt, ist es doch zusammengesetzt, komplex.

Mit diesen Andeutungen bezüglich der Literatur und den Kernfragen von Bildtheorie und „abbildender Beziehung“ soll die Einleitung dieser Arbeit abgeschlossen werden. Vorher wird aber noch kurz das weitere Vorgehen dargelegt werden. Zu Beginn des Hauptteils soll versucht werden, die Bildtheorie im Hinblick auf die Bedeutungen der Begriffe „Satz“, „Aussage“ und „Bild“ zu erklären, um anschließend deren jeweilige Relationen zur Wirklichkeit darzustellen. Die Modellartigkeit und damit die Struktur eines Bildes, aber auch eines Satzes, wird beschrieben werden; das Prinzip der Vertretung oder Repräsentation von Gegenständen durch Zeichen soll in Beispielen erläutert werden. Daraufhin wird vom Zentralbegriff der „abbildenden Beziehung“ und deren Intentionsgebundenheit die Rede sein, von den „Fühlern“ der Bildbestandteile, durch die das Bild mit der Wirklichkeit verknüpft ist, soll gesprochen werden, und davon, weshalb das Bild als Maßstab fungiert. Zum Schluss wird, unter Berücksichtigung der Standpunkte der Interpreten, ein Fazit gezogen werden.

II. Hauptteil

Im folgenden Abschnitt wird die Rede auf die Hauptgedanken der Bildtheorie gehen, um ein Fundament für die, später zu tätigende, Interpretation der Spezifika der „abbildenden Beziehung“ herzustellen. Vor allem wird die Bildtheorie im Rekurs auf die gedankliche und sprachliche Repräsentation der Tatsachen anhand von Bildern betrachtet werden, eine Klärung der abbildenden Beziehung eines Gedankens beziehungsweise Satzes zur Wirklichkeit intendierend.

II. 1) Die Bildtheorie in Wittgensteins Tractatus

Am 29. September 1914 notiert Wittgenstein in seinem Tagebuch, dass der „allgemeine Begriff des Satzes auch einen ganz allgemeinen Begriff der Zuordnung von Satz und Sachverhalt mit sich führt“, und dass „im Satz eine Welt probeweise zusammengestellt“ wird. Hier äußert sich etwas, was Wittgenstein als „Prinzip der Vertretung“ von Gegenständen durch Zeichen bezeichnet[9]. Den Bestandteilen der Gedanken und Sätze entsprechen im Bild die Elemente des Bildes, welche untereinander verbunden sind. Ammereller charakterisiert die repräsentationale Funktion der Bildelemente dadurch, dass diese im Bild etwas vertreten, was ihnen außerhalb des Bildes entspricht und Gegenstand unseres Denkens oder Redens sein kann. Des weiteren macht Ammereller die eher triviale Feststellung, die Gegenstände, von denen ein Satz handelt, würden in ihm durch dessen Bestandteile repräsentiert, da die wirklichen Gegenstände selbst gar nicht in ihm enthalten sein könnten[10]. Folgt man Wittgenstein in der Annahme, im Satz werde gleichsam eine Sachlage (oder eine Welt) probeweise zusammengestellt (TLP 4.031), und ergänzt, dass ein Name im Satz für ein Ding, eine Sache steht, während ein anderer Name für ein anderes Ding steht, so wird nachvollziehbar, dass die „Möglichkeit des Satzes auf dem Prinzip der Vertretung beruht“, der zufolge die Gegenstände im Satz durch Zeichen (Satz- oder Aussagezeichen) repräsentiert werden[11]. Ähnlich verhält es sich mit dem Bild, denn: die bestimmte Art und Weise des Verhältnisses der Elemente des Bildes zueinander, stellt, äquivalent zu der Relation der Satzteile untereinander, vor, dass sich die Dinge in Wirklichkeit so verhalten. Dies bezeichnet Wittgenstein mit der „Struktur des Bildes“. Die dargestellte Verbindung zwischen den Gegenständen muss nicht tatsächlich bestehen, sie muss aber möglich oder denkbar sein. Die Möglichkeit, dass sich die Dinge in Wirklichkeit so zu einander verhalten, wie sich die Elemente des Bildes zueinander verhalten, beschreibt Wittgenstein mit der „Form der Abbildung“.

II. 1a) Die „Form der Abbildung“

Im Vorbild und im Bild muss es eine gewisse Gleichsinnigkeit, etwas Identisches geben, damit das eine überhaupt ein Bild des anderen sein kann: „Was das Bild mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie auf seine Art und Weise – richtig oder falsch – abbilden zu können, ist seine Form der Abbildung“[12]. Aufgrund dieser Form vermag das Bild die Welt abzubilden. Zum Beispiel hätte das Nachstellen eines Verkehrsunfalls mit Miniaturautos und Puppen die Form der dreidimensionalen Räumlichkeit. Das Unglück könnte aber auch beispielsweise von einem Zeugen sprachlich geschildert werden, oder anhand einer Bleistiftskizze gezeigt werden. Alle drei Formen (Medien) der Aussage zeichnen sich durch eine ähnliche Entsprechung ihrer Teile zu den Teilen der Welt aus. Die Kombination der Worte (und Sätze) in der Schilderung des Zeugen, oder das Verhältnis der gezeichneten Dinge (Auto, Straße) zueinander auf der Skizze, bildet eine mögliche Verbindung der Elemente der Wirklichkeit ab. Der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Abbildungsmöglichkeiten ist jedoch eines gemein - die logische Form, welche die Form der Wirklichkeit ist: „Was jedes Bild, welcher Form auch immer, mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie überhaupt – richtig oder falsch – abbilden zu können, ist die logische Form, das ist, die Form der Wirklichkeit.[13]“ Die logische Form ist also jedem Bild eigen[14]. Sie ist sozusagen eine Bedingung, eine der Räumlichkeit oder der Farbigkeit eines Bildes übergeordnete Ebene. Während die Räumlichkeit oder die Farbigkeit eines Bildes formale Eigenschaften sind, durch die das Bild gewisse Aspekte oder Züge der Wirklichkeit wiedergibt, so ist die logische Form des Bildes nicht wegzudenken, da ohne sie das Bild die Wirklichkeit gar nicht abbilden könnte. Pitcher bezieht sich hierauf, wenn er erklärt, dass Aussagen nicht gewöhnliche, räumliche, Bilder von Sachlagen seien, sondern ihre „logischen Bilder“. Damit Ding A ein logisches Bild von einem zweiten Ding B sein kann, müssen, nach Pitcher, drei Bedingungen erfüllt werden: Erstens müsse es zwischen den Bestandteilen von A und B eine eins-eins-Entsprechung geben (Bild und abgebildetes Ding müssen genau dieselbe Anzahl von Bestandteilen haben); zweitens müsse jeder Eigenschaft der Struktur oder Form von A eine Eigenschaft der Struktur oder Form von B entsprechen; drittens müsse es Abbildungsregeln geben, welche die Bestandteile von A mit denen von B verbinden[15]. Abbildungsregeln sind hernach Regeln, durch die man A (oder B) rekonstruieren kann, wenn man B (oder A) hat. Hält zum Beispiel ein Musiker eine Partitur in den Händen, so ist es ihm möglich, daraus die entsprechende Umsetzung, die Aufführung rekonstruieren zu können. Umgekehrt wird der Musiker aus der Aufführung des Stückes die Partitur rekonstruieren können[16]. Die Projektion einer Symphonie in die Notensprache muss also bestimmten Projektionsregeln unterliegen, die mit den Regeln, welche bei der Übersetzung eines Satzes von der einen in die andere Sprache zu beachten sind, vergleichbar sind. Gerade wie eine Übersetzung nach bestimmten Kriterien, unter Berücksichtigung der Grammatik und verschiedener Definitionen, zu erfolgen hat, muss auch die Projektion den Sinnzusammenhang zwischen einer Abfolge von Notenzeichen auf dem Blatt und ihrer musikalischen Aufführung nach bestimmten Regeln stiften können. Sind wir des Notenlesen mächtig, so können wir eine völlig neuartige Partitur lesen – und uns deren tonale Umsetzung vorstellen -, gleich wie wir eine neue Aussage ohne weitere hinweisende Erklärungen des Sprechers verstehen können, da wir die allgemeinen Regeln sprachlicher Projektion kennen: „Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit: Denn ich kenne die von ihm dargestellte Sachlage, wenn ich den Satz verstehe. Und den Satz verstehe ich, ohne dass mir sein Sinn erklärt wurde.[17]“ Der Satz wird verstanden, da wir die Sprachregeln, die Konventionen oder Übereinkünfte kennen, die von den Menschen notwendigerweise irgendwann kreiert werden mussten, um eine zwischenmenschliche Verständigung mit, immer neu kombinierbaren, Sätzen ermöglichen zu können. Der Satz entsteht aus einer neuen Zusammenstellung von alten Wörtern, seinen Bestandteilen. Kennt man diese einzelnen (Satz-)Zeichen[18], so versteht man auch den Satz, unabhängig davon, ob man weiß, wie es sich mit der Wahrheit beziehungsweise mit der Falschheit des Satzes verhält. Der Satz beschreibt den Sachverhalt, ist ein Bild des Sachverhalts, insofern er logisch mit ihm zusammenhängt und damit sein logisches Bild ist[19]. Ist der Satz wahr, dann zeigt er, wie sich die durch ihn dargestellte Sachlage in der Wirklichkeit verhält.

[...]


[1] Ammereller, Erich – Die abbildende Beziehung. Zum Problem der Intentionalität im Tractatus, in: Vossenkuhl, Wilhelm (Hg.) - Ludwig Wittgenstein. Tractatus logico-philosophicus, Berlin 2001, S. 112

[2] Wittgenstein, Ludwig – Tractatus logico-philosophicus, Frankfurt am Main 1984 (Erstveröffentlichung 1921), 4.031: „Im Satz wird gleichsam eine Sachlage probeweise zusammengestellt. Man kann geradezu sagen – statt: dieser Satz hat diesen und diesen Sinn -: Dieser Satz stellt diese und diese Sachlage dar.“ TLP 4.0311: „Ein Name steht für ein Ding, ein anderer für ein anderes Ding und untereinander sind sie verbunden, so stellt das Ganze – wie ein lebendes Bild – den Sachverhalt vor.“

[3] Anscombe, G.E.M. – An Introduction to Wittgenstein´s Tractatus, Philadelphia 1971 (Erstveröffentlichung 1959), S. 67

[4] vgl. Wittgenstein, TLP 2.01 „Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen).“ Wittgenstein benutzt die Begriffe „Gegenstände“, „Sachen“, „Dinge“ synonym. – Zitierte Sätze aus dem Tractatus logico-philosophicus sollen von nun an mit der, in der Literatur üblichen, Abkürzung TLP; Zitate aus den Tagebüchern mit TB; und Paragraphen aus den Philosophischen Untersuchungen mit Ph.U. angegeben werden.

[5] Vgl. Wittgenstein, Ludwig – Tagebücher 1914 – 1916, Frankfurt am Main 1984, S. 112

[6] Anscombe, a.a.O., S. 70

[7] Pitcher, George – Die Philosophie Wittgensteins. Eine kritische Einführung in den Tractatus und die Spätschriften, Freiburg und München 1967, S. 112 ff.

[8] Stenius, Erik – Wittgensteins Traktat. Eine kritische Darlegung seiner Hauptgedanken, Frankfurt am Main 1969, S. 130 ff.

[9] vgl. TB, S. 94 – 95. Wittgenstein kommt der Gedanke von der Repräsentation beim Lesen einer Zeitschrift, in der das Nachstellen eines Automobilunglücks in einem Pariser Gerichtssaal mit Hilfe von Puppen, Miniaturfahrzeugen etc. geschildert wird. Im Rahmen dieser Simulation dient das Bild als eine Aussage, und zwar kraft einer ähnlichen Entsprechung zwischen ihren Teilen und der Welt. Die Art, wie die Teile der Aussage verbunden sind – die Struktur der Aussage -, bildet eine mögliche Verbindung von Elementen in der Wirklichkeit ab, einen möglichen Sachverhalt. Vgl. auch Pitcher, S. 98 - 99

[10] Ammereller, a.a.O., S. 113

[11] Vgl. TLP 3.22 „Der Name vertritt im Satz den Gegenstand.“

[12] TLP 2.17

[13] TLP 2.18

[14] Zur Unterstreichung dieses Punktes sollen TLP 3.031 und 3.032 genannt werden: „Man sagte einmal, dass Gott alles schaffen könnte, nur nichts, was den logischen Gesetzen zuwider wäre. – Wir könnten nämlich von einer unlogischen Welt nicht sagen, wie sie aussähe. Etwas `der Logik Widersprechendes´ in der Sprache darstellen, kann man ebenso wenig, wie in der Geometrie eine den Gesetzen des Raumes widersprechende Figur durch ihre Koordinaten darstellen; oder die Koordinaten eines Punktes angeben, welcher nicht existiert.“

[15] Pitcher, S. 98

[16] TLP 4.0141 „Dass es eine allgemeine Regel gibt, durch die der Musiker aus der Partitur die Symphonie entnehmen kann, durch welche man aus der Linie auf der Grammophonplatte die Symphonie und nach der ersten Regel wieder die Partitur ableiten kann, darin besteht eben die innere Ähnlichkeit dieser scheinbar so ganz verschiedenen Gebilde. Und jene Regel ist das Gesetz der Projektion, welches die Symphonie in die Notensprache projiziert. Sie ist die Regel der Übersetzung der Notensprache in die Sprache der Grammophonplatte.“

[17] TLP 4.021

[18] Mit dem Ausdruck „Satzzeichen“, Pitcher bevorzugt dafür das Wort „Aussagezeichen“ (vgl. S. 104), kann einerseits das konkret abgedruckte oder niedergeschriebene Zeichen gemeint sein, welches aus Tintenstrichen oder auch aus Druckerschwärze zusammengesetzt sein kann. Genauso umschreibt das „Satzzeichen“ eine sprachliche Äußerung (etwa durch Schallwellen sinnlich wahrnehmbar). Insgesamt zeigt sich der Sinn des Ausdrucks aber am besten in TLP 3.11: „Wir benützen dass sinnlich wahrnehmbare Zeichen (Laut- oder Schriftzeichen etc.) des Satzes als Projektion der möglichen Sachlage“, und in TLP 3.12: „Das Zeichen, durch welches wir den Gedanken ausdrücken, nenne ich das Satzzeichen.“ Das Satzzeichen ist demnach das Zeichen an sich, ohne seine projektive Beziehung zur Welt – z.B. die Aneinanderreihung von Namen in einem Satz, oder auch die o.g. Anordnung von Tintenstrichen in einer Zeichnung bzw. in einem geschriebenen Wort (oder Buchstaben).

[19] Im weiteren Verlauf des Textes werden die Begriffe „Sachlage“ und „Sachverhalt“ synonym gebraucht werden, da eine strikte Differenzierung ihrer jeweiligen Wesenheiten für die Bildtheorie nicht unbedingt getroffen werden muss. Stenius erwähnt, „in manchen Sätzen mag es scheinen, als seien die Wörter „Sachlage“ und „Sachverhalt“ als Synonyme gebraucht, aber tatsächlich sind sie es nicht.“ Stenius fasst den „Sachverhalt“ als eine atomare „Sachlage“ auf. Die „Sachlage“ ist von einer „Tatsache“ dadurch unterschieden, dass sie etwas Mögliches ist, das nicht zu bestehen braucht, und von einem „Sachverhalt“ dadurch, dass sie nicht atomar zu sein braucht. Eine „Sachlage“ ist demnach ein komplexer Sachverhalt. Vgl. Stenius, S. 50 ff.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wittgensteins Bildtheorie im Tractatus-logico philosophicus unter besonderer Berücksichtigung der abbildenden Beziehung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Wittgenstein - Tractatus-logico philosophicus
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V50413
ISBN (eBook)
9783638466424
ISBN (Buch)
9783656561699
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wittgensteins, Bildtheorie, Tractatus-logico, Berücksichtigung, Beziehung, Hauptseminar, Wittgenstein
Arbeit zitieren
M.A. Jens-Philipp Gründler (Autor), 2004, Wittgensteins Bildtheorie im Tractatus-logico philosophicus unter besonderer Berücksichtigung der abbildenden Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50413

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