Die Rolle der Rating-Agenturen auf den internationalen Finanzmärkten


Seminararbeit, 2006

50 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abkürzungsverzeichnis

2 Einleitung
2.1 Aufbau der Arbeit
2.2 Quellen
2.3 Definitionen

3 Grundlagen und Entwicklung des Ratinggeschäftes
3.1 Die Grundlage des Rating-Geschäftes: Die Globalen Finanzmärkte
3.2 Was ist ein Rating?
3.3 Arten von Ratings
3.3.1 Solicited und Unsolicited Ratings
3.3.2 Unternehmens- und Länderrating
3.3.3 Externes Rating vs. Internes Rating
3.4 Wie arbeiten Rating-Agenturen?
3.5 Quantitative und Qualitative Faktoren im Rating
3.6 Der Ratingprozess
3.7 Historische Entwicklung des Ratinggeschäftes
3.7.1 Qualitativ-strukturelle Veränderungen des Finanzmarktes
3.7.2 Disintermediation und Securitization
3.7.3 Kapitalmarktfinanzierung von Staaten
3.7.4 Diffusion amerikanischer Marktpraktiken und Standardisierung
3.7.5 Aufsichtsrechtliche Instrumentalisierung

4 Charakteristika der Ratingindustrie
4.1 Oligopol oder Duopol?
4.2 Marktaufsicht und Kontrolle
4.3 Die Marktführer der Ratingindustrie
4.4 Funktionen von Ratings
4.5 Die Marktfunktion der Rating-Agenturen

5 Worauf beruht die „Macht“ der Rating-Agenturen?
5.1 Agentur – Emittent
5.2 Marktmacht
5.3 Sovereign Ratings (Länderrating)
5.4 Standardisierung und staatliche Regelungsdurchsetzung
5.5 Rating-Agenturen als De-facto-Regulierer

6 Das Agieren der Rating-Agenturen in Krisensituationen
6.1 Rating-Agenturen in der Asienkrise
6.1.1 Die Asienkrise – ein Hintergrund
6.1.2 Die Rolle der Rating-Agenturen
6.2 Rating-Agenturen im Zusammenhang mit dem Enron-Skandal
6.2.1 Der Enron-Fall – Ein Hintergrund
6.2.2 Die Rating-Agenturen

7 Kritikpunkte an der gegenwärtigen Rating-Praxis und diesbezügliche Reformvorschläge
7.1 Fehlender Wettbewerb
7.2 Interessenskonflikte
7.3 Anpassungsversuche der Rating-Agenturen infolge der Asienkrise durch Verbesserung der Qualität
7.4 Beratende Tätigkeiten der Rating-Agenturen
7.5 Fehlende Kontrolle des Rating-Marktes
7.6 Amerikanisierung? Auf dem Weg zu einer europäischen Rating-Agentur?
7.7 Verhaltenskodex für die Rating-Agenturen 2004

8 Resümee

9 Literatur

1 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Einleitung

Durch die Globalisierung veränderten sich auch die Finanzmärkte in den letzten Jahren. Vor allem das Volumen der internationalen Kapitalströme nahm in großem Ausmaß zu. Aufgrund der vergrößerten Nachfrage bezüglich der Kapitalmarktfinanzierung fingen auch privatwirtschaftliche Akteure, wie die Rating-Agenturen, an eine immer größere Rolle zu spielen. Manche Wissenschaftler räumen den Rating-Agenturen sogar eine „Schlüsselstellung im globalisierten Kapitalismus“ ein.

Bis zur Asienkrise im Jahr 1997 /98 gab es kaum Untersuchungen zu Rating-Agenturen. Erst aufgrund dieser Finanzkrise entstand eine Diskussion um Fehlverhalten und Verantwortung der involvierten Akteure, unter anderem der Rating-Agenturen. Damit rückten die Rating-Agenturen verstärkt in das Zentrum der Öffentlichkeit und des wissenschaftlichen Interesses.

Das Forschungsinteresse für diese Arbeit besteht vor allem darin, die sehr umstrittene Macht der Rating-Agenturen näher zu untersuchen und zu analysieren, gerade weil die Rating- Agenturen eine sehr wichtige Rolle auf den internationalen Finanzmärkten einnehmen. Vor dem Hintergrund der stärker gewordenen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung der Finanzmärkte in den letzten Jahren hat auch die Bedeutung der Rating-Agenturen zugenommen. Ratings stellen eine wesentliche Grundlage für die Investititionsentscheidungen der Kapitalmarktteilnehmer dar. Was genau versteht man unter einem Rating? Wie arbeiten Rating-Agenturen und welcher Kontrolle unterliegen die Rating-Agenturen? Welchen Einfluss besitzen Rating-Agenturen damit auf die Zins- und Preisgestaltung an den Kapitalmärkten? Wie nehmen sie damit Einfluss auf die Finanzierungskosten der Unternehmen und Länder? Welche Aufgaben kommen den Rating-Agenturen insgesamt am Kapitalmarkt zu? Wie agieren Rating-Agenturen in Krisensituationen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dabei werden folgende Thesen aufgestellt, die am Ende der Arbeit verifiziert und falsifiziert werden sollen:

These 1

„Die Rating-Agenturen nahmen die mögliche Rolle der Aufsichtsfunktion über den Markt im Falle der Asienkrise und Enron nicht wahr.“

These 2

„Die Ereignisse der Asienkrise und des Enron-Bankrotts verstärkten die Kontrolle über die Rating-Branche und führten zu einer Marktöffnung und größeren Konkurrenz unter den Rating-Agenturen.“

2.1 Aufbau der Arbeit

In einem Anfangskapitel wird auf die wichtigsten Grundlagen des Rating-Geschäftes eingegangen, unter anderem was unter einem Rating verstanden wird, welche Arten von Ratings sich unterscheiden lassen, wie die Rating-Agenturen arbeiten und welche historische Entwicklung die Rating-Agenturen verzeichnen können. Im nächsten Kapitel wird eine Charakterisierung der Rating-Branche vorgenommen. Dabei wird die Marktstruktur dieser Branche aufgezeigt, die Funktionen von Ratings und die Marktführer der Branche vorgestellt. In einem weiteren Kapitel wird analysiert, auf welchen Faktoren die oft kritisierte Macht der Rating-Agenturen aufbaut. Nach diesen grundlegenden Kapiteln wird das Verhalten der Rating-Agenturen anhand zweier Krisenfälle, nämlich der Asienkrise und des Enron-Falles, näher analysiert. Dabei wird jeweils der Hintergrund der Krise und deren Entwicklung aufgezeigt um anschließend die Rolle der Rating-Agenturen zu untersuchen. In einem abschließenden Kapitel werden die Kritikpunkte an den Rating-Agenturen noch einmal aufgezeigt und auf Reformvorschläge näher eingegangen. Im Resümee erfolgt dann eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit und die Beantwortung der zuvor aufgestellten Hypothesen.

2.2 Quellen

Für die Abfassung dieser Seminararbeit wurde hauptsächlich auf wissenschaftliche Studien von Wirtschaftsexperten und auf Zeitungsartikeln namhafter Zeitungen wie Economist oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung zurückgegriffen. Daneben wurde auch Sekundärliteratur zu diesem Thema analysiert, jedoch aufgrund der kaum aktuellen Literatur in wesentlich geringerem Ausmaß.

2.3 Definitionen

Weiters ist es notwendig einige wichtige Begriffe, die in der Arbeit öfters vorkommen, zu definieren. Die Definitionen orientieren sich am Wirtschaftslexikon Online auf www.dialogmedien.de.[1](vgl. auch: Büschgen (1991)

Allokation

Allokation ist nur eine andere Bezeichnung für die bewusste und gezielte Verteilung von Vermögenswerten auf unterschiedliche Anlagemöglichkeiten.

Bonität

Unter Bonität versteht man die Fähigkeit eines Schuldners, seinen Verpflichtungen in der Zukunft nachzukommen. Von der Bonität einer Institution (Staat, Unternehmen) werden in der Regel die Konditionen eines Kredites oder einer Anleihe beeinflusst.

Emission

Emission bedeutet die Ausgabe von Wertpapieren durch ein Unternehmen oder die öffentliche Hand. Zweck einer Emission ist die Beschaffung von Kapital.

Emittent

Juristische Person oder öffentlich-rechtliche Körperschaft, die Wertpapiere ausgibt. Emittent ist der Antragsteller der Wertpapiere.

Emerging Markets

In der Wirtschaftswelt werden die Schwellenländer Südostasiens, Mittel- und Lateinamerikas sowie Osteuropas üblicherweise als „Emerging Markets“ bezeichnet. Die Volkswirtschaften dieser Länder verfügen über ein beträchtliches Wachstumspotential und bieten den internationalen Kapitalströmen attraktive Anlagemöglichkeiten. Bis zum Ausbruch der Asienkrise im Jahr 997 entwickelten sich die Emerging Markets sogar besser als die etablierten Kapitalmärkte.

Oligopol

Von einem Oligopol spricht man, wenn es für ein Produkt nur wenige Anbieter gibt. So unterscheidet es sich von einem Monopol (nur ein Anbieter). Entscheidend ist aber nicht die genaue Zahl der Anbieter, sondern ein Oligopol ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass der einzelne Anbieter bei seinen Marktaktivitäten stets mit Reaktionen seiner unmittelbaren Konkurrenten rechnen muss.

3 Grundlagen und Entwicklung des Ratinggeschäftes

Traditionell übernahmen die Banken die Rolle des Mittelsmannes zwischen Kapitalanlegern und Kapitalnachfragern auf dem Finanzmarkt. Die Entscheidung für eine Kreditvergabe und des damit zusammenhängenden Risikos wurden dabei von der jeweiligen Bank getragen. Mit der zunehmenden Globalisierung und Ausweitung der internationalen Finanzmärkte ab den 80er Jahren mussten die Banken diese Funktion als Mittelsmann in großem Ausmaß einbüßen, weil sich neben dem traditionellen Kreditgeschäft alternative Anlegeformen entwickelten. Immer mehr Kapitalgeber brachten ihr Geld nicht mehr zur Bank, sondern investierten als Anleger auf dem Kapitalmarkt in Fonds oder Aktien. Im Zuge dieser Entwicklungen passten sich natürlich auch die Banken den neuen internationalen Bedingungen an. Von ihrem Hang zu eher risikoscheuen Geschäfte kam es zu einem Wandel hin zu risikofreudigen Investitionen. Dies brachte die Banken natürlich auch in einen Interessenkonflikt zwischen ihrem Eigeninteresse der größtmöglichen Sicherheit und riskanten Investitionsstrategien. Die Kapitalanleger, die vorher davon ausgehen konnten, dass Banken im eigenen Interesse nur überschaubare Risiken eingehen würden, konnten sich nun nicht mehr darauf verlassen, da sich die Situation auf dem Kapitalmarkt durch das Auftauchen global dominierender Investmentfonds grundlegend verändert hatte. (vgl. Willke (2001) 161 – 162)

Im Zuge dieser Internationalisierung traten die Rating-Agenturen auf den Plan. Dazu Willke: „Sie bilden die oberste, einflussreichste und problematischste Ebene der Finanzdienstleistungs-hierarchie.“ (zit. Willke (2001) 163)

In der Folge soll nun der Begriff des Ratings geklärt werden und die Arbeit und historische Entwicklung der Rating-Agenturen näher untersucht werden.

3.1 Die Grundlage des Rating-Geschäftes: Die Globalen Finanzmärkte

Als Definition von Globalisierung möchte ich mich an folgender orientieren: „Globalisierung sei hier definiert als der wachsende Anteil grenzüberschreitend verlaufender privatwirtschaftlicher Transaktionen an der gesamten Wirtschaftstätigkeit.“ (zit. Schirm (2004) 67) Bevor hier näher auf das Rating-Geschäft eingegangen werden soll, muss kurz auch das Phänomen der „Globalisierten Finanzmärkte“ charakterisiert werden, welches Grundlage für die Bedeutung der Rating-Agenturen ist. „The globalization of the financial markets also has served to expand the role of credit ratings to countries other than the United States (…)” ( zit. U.S. Seccurities and Exchange Commission (2003) 5) Grundsätzlich lässt sich kein bestimmtes Datum feststellen, ab wann man von den so genannten Globalisierten Finanzmärkten sprechen kann. Grundlage für die Entwicklung war das Ende des Bretton-Wood-Systems, welches ein relativ restriktives Finanzsystem darstellte. Anfang der 70er Jahre nahm dann auch das Volumen internationaler Anlage- und Kreditgeschäfte zu. David Balaam findet vor allem die Entwicklung von internationaler Finanzierung zu globaler Finanzierung von großer Bedeutung: „(…) Global finance, on the other hand, refers to a system of financial relationships with no real center in any state. Global financial markets, which transcend national borders, are the form and substance of the global financial structure. Global finance goes on twenty-four hours a day. (…)” (zit. Balaam (1999) 159)

Durch die äußert attraktiven Anlagemöglichkeiten wuchs das Interesse von Anlegern an einem besseren Zugang zu den Märkten. Durch die zunehmende Kapitalmobilität und dem Engagement nationaler Anleger an den globalen Märkten wurden diese zu wichtigen Akteuren in diesem Bereich. (vgl. Schirm (2004) 72-81) „Unter der Entwicklung globaler Märkte ist der Prozess wachsender globaler Mobilität und Verflechtung privater wirtschaftlicher Aktivitäten zu verstehen, d.h. eine Verflechtung von Märkten, die auf mehrere Staaten simultan wirken kann.“ (zit. Schirm (2004) 69)

3.2 Was ist ein Rating?

Der Begriff Rating (auch genannte: credit rating oder bond rating) bezeichnet auf der einen Seite die angewendete Methode der Finanzanalyse, aber auch das Verfahren und die einzelnen Schritte der Beurteilung. Andererseits bezeichnet der Begriff auch das Ergebnis des Prozesses. Übersetzt man das Wort Rating so bedeutet es „Einschätzung“, „Beurteilung“ oder auch „Einstufung“. Dazu Moody’s[2]: „Ratings sind weder Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers, noch stellen sie eine Garantie dafür dar, dass es nicht zu einem Zahlungsverzug oder Zahlungsausfall kommt.“ (zit. Moodys.de 2005)

Bei einem Rating handelt es sich, wie Rating-Agenturen auch immer ausdrücklich betonen, um eine bloße Meinung (opinions) bezüglich der Kreditnehmerqualitäten und nicht um eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung der Rating-Agenturen. Ein Rating enthält somit keine Handlungsanweisung, sondern nur das Maß für die wahrscheinliche Ausfallswahrscheinlichkeit eines Unternehmens oder Staates. Unterschieden werden können Emissionsratings, welche sich auf Finanztitel beziehen und die so genannten Emittentenratings. Die bewerteten Finanztitel sind Anleihen (auch als Bonds bezeichnet) mit einer festgelegten Laufzeit und Tilgung. Anleihen dienen als Instrumente der Fremdfinanzierung. Emittenten können Industrieunternehmen, Banken, Versicherungen aber auch Staaten und Gebietskörperschaften wie Bund, Städte und Gemeinden sein. (vgl. Stiller (2005) 9; Gras (2003), 1-9)

Ausgedrückt wird das Ratingurteil letztlich in einem Ratingsymbol. Die Bewertungsskalen fallen bei Agenturen unterschiedlich aus. Jedem Ratingsymbol ist jedoch eine allgemeine Definition zugeordnet.

Die folgende Tabelle zeigt die Ratings für langfristige Verbindlichkeiten der beiden führenden Rating-Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gras (2003), 9

Die daneben von mir angebrachten Eigenschaften der jeweiligen Rating-Stufe sind der Webseite von Moody’s Deutschland zu entnehmen . (vgl. Moody’s.de 2005)

„Rating ist ein global anerkanntes vergleichendes Instrument, welches nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Daten nutzt, insbesondere Einschätzungen der Wettbewerbslage, der Ertragskraft, der Finanzstruktur, der Vermögenswerte, der Managementqualität und der strategischen Ausrichtung einer Organisation.“ (zit. Willke (2001) 164)

3.3 Arten von Ratings

3.3.1 Solicited und Unsolicited Ratings

Allgemein kann man zuerst zwischen „Solicited“ und „Unsolicited“ Ratings unterschieden. Ein „solicited“ Rating liegt vor, wenn das zu bewertende Unternehmen eine Rating-Agentur mit der Durchführung eines Ratings selbst beauftragt. „Unsolicited“ Rating wiederum bezeichnet ein Rating, das ohne einen Auftrag eines Unternehmens erstellt wird. Allgemein wird bei der Durchführung eines „unsolicited“ Ratings eine geringere Qualität der Rating-Daten vermutet, da dieses nur auf öffentlich zugängigen Informationen beruhen kann.

3.3.2 Unternehmens- und Länderrating

Zielgruppe der Ratings sind grundsätzlich einmal alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, Branche oder Umsatz. In der Praxis werden aber nicht nur Unternehmen bewertet, sondern auch Länder, Emittenten, Fonds, Aktien und auch private Debitoren . (vgl. Stiller (2005) 10) Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen Unternehmensratings und Länderratings. In dieser Arbeit soll später auch jeweils auf ein Beispiel eingegangen werden. Unternehmensratings gestalten sich generell einfacher als Länderratings. Vor allem die Asienkrise hat bewiesen, wie schwierig sich Länderratings gestalten können. Länderratings hängen viel mehr von dem Willen der Länder ab, die eigenen Schulden zurückzuzahlen, wie auch von der Möglichkeit überhaupt zahlen zu können. Politik kann hier genauso wichtig sein wie die Ökonomie. (vgl. The Economist (1999) 1-2)

3.3.3 Externes Rating vs. Internes Rating

Externe Ratings werden durch unabhängige Agenturen wie z.B. Moody’s erstellt. Von einem internen Rating hingegen spricht man, wenn ein Kreditinstitut einen Kunden im Rahmen einer Kreditwürdigkeitsprüfung mit einem hausinternen Verfahren bewertet und sich somit ein Urteil über dessen Bonität verschafft. Mit der Bonität wird die Zahlungsfähigkeit des Kunden bezeichnet. Ziel dieses internen Ratings ist die Einteilung des Kunden in Risikoklassen für die Kreditvergabe. In dieser Arbeit soll jedoch das Augenmerk auf das Externe Rating gelegt werden. (vgl. Stiller (2005) 15-20)

3.4 Wie arbeiten Rating-Agenturen?

Rating-Agenturen sind grundsätzlich einmal Finanzdienstleistungsunternehmen, welche sich auf die Kreditwürdigkeit von Schuldnern und Schuldtiteln mittels Ratings spezialisiert haben. Bei den Rating-Agenturen handelt es sich um privatwirtschaftliche Akteure, die eine zentrale Koordinationsfunktion zwischen Kapitalangebot und –nachfrage auf dem Kapitalmarkt einnehmen. Rating-Agenturen sind dabei neben transnationalen Unternehmen bedeutende private Akteure, die den globalen Handel und die globalen Finanzmärkte entscheidend prägen und mitgestalten.

Rating-Agenturen teilen den Risiken eindeutig definierte Kategorien zu. Die einzelnen Bonitätskriterien werden dabei mit Buchstaben bezeichnet. Jeder Anleger kann dadurch auf den ersten Blick feststellen, welches Risiko er eingeht und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Emittent seinen Zinsverpflichtungen nachkommen und z.B. die Anleihe zum Fälligkeitstermin zurückzahlen kann. Diesem Rating unterziehen sich die Emittenten freiwillig, um ihre Chancen auf dem Kapitalmarkt zu erhöhen.

3.5 Quantitative und Qualitative Faktoren im Rating

Anhand der Quantitativen Faktoren kann eine Aussage über die gegenwärtige Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens vorgenommen werden. Dabei werden die Kennzahlen zur Vermögenslage, die Art und Zusammensetzung des Vermögens und die Dauer der Vermögensbindung untersucht. Weiters werden die Kennzahlen der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung eines Unternehmens untersucht und somit bewertet, ob es seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Die Kennzahlen der Ertragslage wiederum gewähren Einblick in die Fähigkeit des Unternehmens, Gewinne zu erzielen und die zukünftige Leistungsfähigkeit sicherzustellen. Alle diese benötigten Informationen werden aus den Jahresabschlüssen, der Finanzbuchhaltung sowie den Planungsunterlagen des Unternehmens entnommen.[3]

[...]


[1] Siehe Literaturverzeichnis

[2] Rating-Agentur

[3] Im Einzelnen sind dies: Jahresabschlüsse, Bilanzen der letzten Jahre, Investitionsplanung, Umsatz-, Kosten- und Ertragsplanung, Liquititätsvorschau, Unterlagen der Kreditsicherheiten, wichtige Verträge, wie z.B. Gesellschaftsvertrag.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Rating-Agenturen auf den internationalen Finanzmärkten
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
SE Internationale Organisationen und Regime
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
50
Katalognummer
V50611
ISBN (eBook)
9783638468022
ISBN (Buch)
9783638680240
Dateigröße
1554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Rating-Agenturen, Finanzmärkten, Internationale, Organisationen, Regime
Arbeit zitieren
Eva Stöckl (Autor), 2006, Die Rolle der Rating-Agenturen auf den internationalen Finanzmärkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50611

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