Betrachtung der Monopolstellung Facebooks anhand ausgewählter netzwerktechnischer Effekte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Facebooks Monopolstellung

3. Netzwerkeffekte
3.1. Indirekte und direkte Netzwerkeffekte
3.2. Facebooks Netzwerkeffekte

4. Standardisierung

5. Auswirkungen, Begrenzungen und Lösungen

6. Ausblick und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Facebook verfügt über einen überragenden Zugang zu wettbewerbsrelevanten Daten, insbesondere zu den persönlichen Daten seiner Nutzer […] Er kann nicht überschauen, welche Daten aus welchen Quellen für welche Zwecke zu einem detaillierten Profil zusammengeführt werden. Die einzelnen Daten erhalten durch die Zusammenführung einen nicht vorhersehbaren Stellenwert. Durch die Marktmacht kann sich der Nutzer der Datenzusammenführung auch nicht entziehen.“1

Unter Anderem diesen Machtmissbrauch kritisiert das Bundeskartellamt in seinem Hintergrundpapier zu einem Verwaltungsverfahren von 2016 gegen Facebook, das momentan noch andauert.2 Aber warum hat Facebook überhaupt diese Marktmacht? Diese Arbeit beschäftigt sich mit dieser Frage, deren Folgen und möglichen Begrenzungen. Der ganze Umfang der Auswirkungen von Facebook auf den Internetmarkt kann sie zwar kaum umfassen und ebenso keine Patentlösung gegen Internetmonopolisten darlegen. Es soll jedoch ein Einblick in Facebooks ökonomische Stellung auf dem Markt, ihre Gründe, Auswirkungen und mögliche Eingriffe gegeben werden. Verwendet werden hierbei die Begriffe des „Nutzers“, „Konsumenten“ und „Users“. Diese sind synonym zu verstehen und umschließen sowohl alle weiblichen und männlichen Personen, die das Internet nutzen oder nutzen können.

Zunächst wird geschildert, dass Facebook im Internet die Stellung eines Monopolisten besitzt. Dass diese Monopolstellung auf direkte Netzwerkeffekte zurückzuführen ist, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit erörtert. Basis dieser Überlegungen sind die Analysen von Katz und Shapiro, die 1986 noch den Begriff der Netzwerkexternalitäten verwendeten.3 Auf ihre Definition stützen sich auch die Theorien weiterer Autoren, auf die sich in dieser Arbeit bezogen wird. Nachdem die Begrifflichkeiten und Eigenschaften von Standards und Standardisierung definiert wurden, werden einige Möglichkeiten der Begrenzung dieser Standardisierung durch Multihoming und Wechselkosten nach Ansätzen von Haucaup, Münter und Hupe vorgestellt.

2. Facebooks Monopolstellung

Innerhalb von nur 14 Jahren nach eigenen Angaben 2 Milliarden User zu generieren zeugt von einem funktionierenden Erfolgsmodell.4 Facebook hat sich schnell entwickelt: Von der Gründung 2004 zu einem Marktwert von 100 Mrd. Dollar 20125 bis hin zu einem Marktwert von 400 Mrd. Dollar im Jahr 2016/20176. Die Größe des Internetmarkts hat kaum Grenzen. Während im Jahr 2010 laut Eurostat schon 74 Prozent der Deutschen im Internet unterwegs waren7, zeigt die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2017, dass mittlerweile 89,8 Prozent der Deutschen online sind.8 Davon lässt sich Facebook mit 90 Prozent der Nutzeranteile ein Monopol im Internet zuordnen9. Seit 2008 ist es mit über eine Milliarde registrierten Nutzern auch offiziell der größte Social Media Anbieter weltweit10 und wurde mit der Zeit zu einem „zentralen und führenden Netzknotenpunkt“11 im Internet. 2012 übernahm Facebook das Netzwerk Instagram12 und seit 2014 besitzt es außerdem die Instant Message Plattform Whatsapp, die im September 2015 900 Millionen Nutzer generierte.13 Die Stärke der Marktposition Facebooks im Internet zeigen vor allem die Zahlen aus der aktuellen ARD.ZDF Online-Studie. 33 Prozent der Deutschen rufen Facebook einmal wöchentlich auf, 64 Prozent nutzen Whatsapp einmal wöchentlich und Instagram wird von 9 Prozent der Deutschen wöchentlich aufgerufen. Die restlichen vorgeschlagenen, bekannten Social Media Angebote, die nicht zum Unternehmen Facebook gehören (Snapchat, Twitter und XING) erreichen alle zusammen genommen nur 11 Prozent wöchentliche Aufrufe.14 Es scheint, als ginge das „Wachstum von Facebook […] auf Kosten des restlichen Webs“15.

Es stellt sich außerdem die Frage, ob Facebook überhaupt einem Wettbewerb ausgesetzt ist, da offensichtlich mehr als ein Großteil des Internetmarktes von einem Unternehmen dominiert wird. Ein Angebotsmonopol entsteht, wenn es nur einen Anbieter und viele Nachfrager gibt, das heißt bei einer Konkurrenzlosigkeit eines Unternehmens.16 Dies trifft auf Facebook somit zu. Eine solche „nicht angreifbare Monopolstellung“17 hat nach Haucaup und Wenzel auch Ebay dank seiner starken Marktposition. Zurückzuführen sei dies auf aufgetretene Netzwerkeffekte18. Der Weg um Facebook-User zu werden ist denkbar einfach, kostenlos und unkompliziert, ebenso wie die Nutzung der Systemoberfläche.19

Die kurzzeitige Unterhaltung und kleine Nachrichten machen das System benutzerfreundlich und interessant20. Facebooks Monopolstellung lässt sich jedoch nicht auf die Systemoberfläche zurückführen, sondern, ähnlich wie bei Ebay, auf die aufgetretenen Netzwerkeffekte und die daraus folgende Standardisierung.21

3. Netzwerkeffekte

Verwendet wird in dieser Arbeit nach dem Vorbild von Haucaup und Wenzel der Begriff der Netzwerkeffekte statt den der Netzwerkexternalitäten, da dieser ein Marktversagen impliziert, obwohl sich beide Begriffe sinngemäß annähern22. Des Weiteren entstehen Netzwerkeffekte nicht aus allen Externalitäten.23

3.1. Indirekte und direkte Netzwerkeffekte

Ein Netzwerk braucht zunächst immer mehrere Konsumenten um zu bestehen. Von Netzwerkeffekten ist aber erst dann die Rede, wenn die Vorteile für die Konsumenten steigen, je mehr Konsumenten das Netzwerk nutzen.24 Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang oft das Telefonnetz genannt, denn die Funktion des Apparates bzw. des Gerätes ist ohne die Konsumenten, die sich damit vernetzen und telefonieren, nicht gegeben.25 Ebenso ist der Nutzen des System Facebooks an seine User gebunden.

[...]


1 Bundeskartellamt: Hintergrundinformationen zum Facebook-Verfahren des Bundeskartellamtes. https://www.bundeskartellamt.de/SharedDocs/Publikation/DE/Diskussions_Hintergrundpapier/Hintergr undpapier_Facebook.html;jsessionid=F9D3DB3C9E150AE2B3EF2215AB7A000B.1_cid362?nn=3591568; letzte Aktualisierung 19.12.2017; Aufgerufen am 25.09.2018

2 Vgl. Ebd. S.1-4

3 Vgl. Katz, Michael L.; Shapiro, Carl, Morris D.J u.a. (Hrsg.): Product Compatibility Choice in a Market with Technological Progress. In: Strategic Behaviour and Industrial Competition. Oxford 1986. S. 146

4 Vgl. Jacobsen, Nils: Weltweit größtes Social Network: Facebook hat mehr als 2 Milliarden monatlich aktive Nutzer. https://meedia.de/2017/06/28/weltgroesstes-social-network-facebook-hat-mehr-als-2- milliarden-aktive-nutzer/, letzte Akualisierung 28.06.2017, Aufgerufen am 22.09.2018

5 Vgl. Leistert, Oliver; Röhle, Theo (Hrsg.): Generation Facebook. Über das Leben im Social Net. Bielefeld 2011. S.9

6 Vgl. Ullrich, Julia: Die 30 größten Konzerne der Welt (nach Marktwert). https://www.docurex.com/die- 30-groessten-konzerne-der-welt-nach-marktwert/, letzte Aktualisierung 18. Juli 2017, abgefragt am 13.09.2018

7 Vgl. Beckedahl, Markus; Lüke, Falk: Die Digitale Gesellschaft. Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage. München 2012. S.15

8 Vgl. Koch, Wolfgang; Frees, Beathe: ARD/ZDF-Onlinestudie 2017: Neun von zehn Deutschen online. In: Media Perspektiven. H.9/2017. S.434-446. S.435

9 Vgl. Brühl, Jannis; Müller, Benedikt: Kartellamt: Facebook missbraucht seine Macht. http://www.sueddeutsche.de/digital/soziale-netzwerke-kartellamt-facebook-missbraucht-seine-macht- 1.3798063, letzte Aktualisierung 19. Dezember 2017, Aufgerufen am 13.09.2018

10 Vgl. Ebersbach, Anja; Glaser, Markus; Heigl, Richard: Social Web. 3. Auflage. Konstanz und München 2016. S.98

11 Vgl. Ebd. S.111

12 Vgl. Lindner, Roland: Milliardenübernahme. Facebook kauft Fotodienst Instagram. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/milliardenuebernahme-facebook-kauft-fotodienst-instagram- 11712630.html, letzte Aktualisierung 09.04.2012, Aufgerufen am 13.09.2018

13 Vgl. Ebersbach, Anja; Glaser, Markus; Heigl, Richard: Social Web. 3. Auflage. Konstanz und München 2016. S.116

14 Vgl. Koch, Wolfgang; Frees, Beathe: ARD/ZDF-Onlinestudie 2017: Neun von zehn Deutschen online. In: Media Perspektiven. H.9/2017. S.434-446. S.444

15 Leistert, Oliver; Röhle, Theo (Hrsg.): Generation Facebook. Über das Leben im Social Net. Bielefeld 2011. S.8

16 Vgl. Nuding, Helmut; Haller, Josef: Wirtschaftskunde. 3. Auflage. Stuttgart 2014. S.91

17 Haucaup, Justus; Wenzel, Tobias: Ist ebay nicht ein unbestreitbares Monopol? Monopolisierungsgefahren und Regulierungsbedarf bei Online-Marktplätzen. In: Kruse, Jörn; Dewenter, Ralf (Hrsg.): Wettbewerbsprobleme im Internet. Band 9. Baden-Baden 2009. S.8

18 Vgl. Ebd. S.8

19 Vgl. Leistert, Oliver; Röhle, Theo (Hrsg.): Generation Facebook. Über das Leben im Social Net. Bielefeld 2011. S.9

20 Vgl. Ebersbach, Anja; Glaser, Markus; Heigl, Richard: Social Web. 3. Auflage. Konstanz und München 2016. S.110

21 Vgl. Haucaup, Justus; Wenzel, Tobias: Ist ebay nicht ein unbestreitbares Monopol? Monopolisierungsgefahren und Regulierungsbedarf bei Online-Marktplätzen. In: Kruse, Jörn; Dewenter, Ralf (Hrsg.): Wettbewerbsprobleme im Internet. Band 9. Baden-Baden 2009. S.8

22 Vgl. Ebd. S.8

23 Vgl. Gröhn, Andreas; Siebert, Horst (Hrsg.): Netzwerkeffekte und Wettbewerbspolitik. Eine ökonomische Analyse des Softwaremarktes. Tübingen 1999. S.29

24 Vgl. Knorr, Henning: Ökonomische Probleme von Kompatibilitätsstandards. Eine Effizienzanalyse unter besonderer Berücksichtigung des Telekommunikationsbereichs. 1. Auflage. Baden-Baden 1993. S.36

25 Vgl. Gröhn, Andreas; Siebert, Horst (Hrsg.): Netzwerkeffekte und Wettbewerbspolitik. Eine ökonomische Analyse des Softwaremarktes. Tübingen 1999. S.25

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Betrachtung der Monopolstellung Facebooks anhand ausgewählter netzwerktechnischer Effekte
Hochschule
Universität Paderborn  (Medienwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V507632
ISBN (eBook)
9783346059314
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facebook; Netzwerkeffekte; Macht; Monopol; Social Media; Massenmedien
Arbeit zitieren
Anna-Lena Salmen (Autor), 2018, Betrachtung der Monopolstellung Facebooks anhand ausgewählter netzwerktechnischer Effekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507632

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