Switch Reloaded als parodistisches Format im deutschen Fernsehen

Ein Vergleich zwischen "Die Ludolfs - 4 Brüder auf'm Schrottplatz" und der Parodie aus "Switch Reloaded"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Parodie

3. Die Ludolfs
3.1 Allgemeine Informationen
3.2 Die Ästhetik des Originals

4. Switch Reloaded
4.1 Allgemeine Informationen
4.2 Die Ästhetik von Switch Reloaded

5. Ästhetik und Analyse der Parodie der Ludolfs

6. Vergleich zwischen der Parodie und dem Original der Ludolfs
6.1 Setting
6.2 Darstellung der Ludolfs
6.3 Inhalt

7. Der Humor in der Parodie der Ludolfs

8. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Filmografie

Anhang

1. Einführung

Im Bereich des Films und Fernsehens gibt es viele Genres, die von einer Parodie unterzogen wurden. Grund dafür ist unter anderem der Erfolg dieser Filme und Serien. Laut der Fernsehzeitschrift Prisma etablierte der US-Amerikanische Film Hot Shots! 1991 das Genre der „Chaoskomödie“1. Der Film parodierte viele bis dato aktuelle und erfolgreiche Filme, unter anderem Top Gun, der auch als Grundstruktur für die Parodie diente. Anschließend folgten mehrere Teile der Scary Movie Reihe, die mehrere Genres innerhalb eines Filmes parodierten. Auch in Deutschland blieben parodistische Filme nicht aus. Mit der Parodie zu den Winnetou- Filmen Der Schuh des Manitu gelang Michael Herbig im Jahr 2001 den bis dato erfolgreichsten deutschen Film mit über 11 Millionen Kinobesuchern2. Mit (T)Raumschiff Surprise – Periode 1, der Science-Fiction Filme wie Star Wars und Star Trek parodierte, gelang es Herbig erneut mit einer Parodie in die Top 3 der erfolgreichsten deutschen Filme zu gelangen.

Während die genannten Filme stets andere Filme und Filmgenres parodieren, beinhaltet Switch und dessen Nachfolger Switch Reloaded parodistische Sketche zu bekannten deutschsprachigen Fernsehformaten. Durch die authentischen Settings und Darstellungen der parodierten Originale erlangte die Sendung eine große Beliebtheit. Der FAZ-Autor Jörg Thomann bezeichnete die Sendung in seinem Artikel „Ich habe im Internet retschertschiert“ als „Lichtblick im Programm“3. In dieser Hausarbeit soll anhand eines Vergleiches zwischen der Parodie von Switch Relaoded und dem Original der Sendung Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz analysiert werden, wie die Parodie in einem audiovisuellen Format funktioniert. Dazu soll zunächst einmal die Historie und Ästhetik der Parodie vorgestellt werden. Anschließend werden die jeweilige Ästhetik und der inhaltliche Aspekt des Originals und der Parodie analysiert, um zu erkennen, was die beiden Formate gemeinsam haben, in welchen Aspekten die Unterschiede liegen und was das Komische an der Parodie ist. Die Sendung Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz wurde als Vergleichsmaterial für diese Arbeit ausgewählt, da auch das Original selbst schon komische Züge besitzt, die sich die Parodie dann zu Nutze macht. Was genau damit gemeint ist und wie Switch Reloaded diese Ästhetik übernimmt oder auch verzerrt ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit.

2. Die Parodie

Das Wort Parodie leitet sich aus dem griechischen parōdía im Sinne von „Gegengesang“ ab4. Parōdía definiert eine Veränderung der formalen Seite einer Darbietung, jedoch keine inhaltliche „Neugestaltung der Rezitationsvorlage“5. Der umfangreichste Teil der Parodieforschung bezieht sich auf literarische Werke. Schon 335 vor Christus erwähnte Aristoteles in seiner Poetik die Parodie. Dabei handelte es sich jedoch nur um eine Nachahmung von ‚schlechteren Charakteren‘6.

Parodien gibt es in den verschiedensten Bereichen, wie zum Beispiel in der Musik, im Theater und auch im Film und Fernsehen. Der wohl wichtigste Charakter einer Parodie ist, dass sie sich immer auf eine Vorlage bezieht, also auf ein Original, das dann imitiert, nachgeahmt und nachgebildet, „aber gleichzeitig auch variiert (verändert, adaptiert)“7 wird. Laut dem Literaturwissenschaftler Frank Wünsch entsteht das Komische, in der Art dieser Variation. Je nachdem wie die Parodie das Original verzerrt bzw. die Parodie vom Original abweicht, bildet sich „eine komische Diskrepanz zwischen Original und Parodie“8. Mit Verzerrung meint Wünsch alle auf die Parodie bezogenen Änderungstechniken9. Ist die Variation nicht komisch bzw. verzerrend in Bezug auf das Original, handelt es sich nicht um eine Parodie, sondern um eine Imitation oder ein Plagiat10. Es lässt sich also festhalten, dass nur dann von einer Parodie die Rede ist, wenn eine Auseinandersetzung von einem bereits existierenden Original vorliegt. Wünsch bezieht sich in seiner Definition lediglich auf parodistische Texte, allerdings lässt sich die Definition auch auf andere Medien übertragen. In seiner allgemeinen, kurzgefassten Definition heißt es:

„Eine Parodie ist ein Text, der einen anderen Text dergestalt verzerrend imitiert, daß eine gegen diese Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht.“ 11

In Bezug auf Parodien im Film und Fernsehen, in der Musik oder anderen Medien lässt sich diese Definition ebenfalls anwenden. Der Unterschied liegt dann darin, dass kein Text vorliegen muss, sondern ein Original, welches dann im selben Medium parodiert wird. Ein Film zum Beispiel kann also nach dieser Definition auch nur innerhalb eines anderen Films parodiert werden, andernfalls wäre es keine Parodie, sondern eine Imitation, welche „das Original in dessen Sinne aufgreift und als Wertmaßstab bzw. - gegenstand akzeptiert“12, wohingegen sich eine Parodie dem Original entgegenstellt (Gegengesang). Eine Parodie ist außerdem stets bewusst inszeniert. Jenes bedeutet, dass sie sich bewusst gegen ihr Original richtet. Wünsch grenzt deshalb auch die sogenannte „unfreiwillige Parodie“ aus, da dieser nicht bewusst ist, dass es ein Original gibt. Er betitelt solche Fälle als „verunglückte Originale bzw. mißlungene (affirmative oder neutrale) Imitationen“13. Eine Parodie ist zudem ihrer parodistischen Natur bewusst und sollte auch gegenüber dem Rezipierenden deutlich als Parodie gekennzeichnet werden, da sonst die Gefahr besteht, dass ihm/ihr nicht bewusst ist, dass es sich um eine Parodie handelt. Parodien setzen außerdem voraus, dass der Rezipierende das Original kennt. Andernfalls verliert die Parodie ihre Wirkung, da ihm/ihr nicht bewusst ist, dass bei dem rezipierten Format eine Verzerrung stattgefunden hat.

In Wünschs Schnelltest, um eine Parodie erkenntlich zu machen, werden drei Fragen gestellt. Sind alle Antworten zu den Fragen positiv, handelt es sich um eine Parodie nach Wünschs Definition. Auch hier bezieht sich Wünsch ausschließlich auf literarische Werke, jedoch lassen sich die Fragen ebenfalls auf andere Medien übertragen.

Die zu klärenden Fragen lauten:

a) Ist ein Vorlagenbezug (Imitation) vorhanden?
b) Kann man von Komik (komischer Verzerrung) sprechen?
c) Richtet sich diese Komik (auch oder ausschließlich) gegen die Vorlage?14

Auffällig bei Frage b und c ist das Wort ‚Komik‘. Wünsch benutzt dieses als Oberbegriff „für alles, was Lachen erregt, also gleichermaßen für so verschiedenartige Phänomene wie Humor und Satire“15. Was genau an der Parodie der Ludolfs in Switch Reloaded lustig ist, wird in einem späteren Kapitel analysiert.

Wie bereits erwähnt, ist eine Parodie stets als ein nachträgliches Verfahren anzusehen. Robert Fajen vergleicht in dem Buch Facetten der Popkultur die Parodie mit dem Prinzip eines Parasiten. Anstelle eines Originals, welches die Parodie benötigt, ist der Parasit auf einen Wirt angewiesen. Der Parasit passt sich dem Wirt an, so wie sich die Parodie dem Original anpasst und dessen Strukturen übernimmt16.

Parodien funktionieren in unterschiedlichen medialen Kontexten, sowohl in der Literatur, als auch in der Musik, dem Spielfilm und im Fernsehen. Aber auch im Alltag kann es zum Beispiel durch das Nachäffen einer Person zu einer Parodie kommen. Die Parodie hat laut Fajen außerdem eine aufdeckende Funktion, denn „sie bringt die Strukturen des imitierten Modells an den Tag, sie macht sie bewusst und ermöglicht es so, über sie nachzudenken“17. Parodien können also innerhalb ihres Mediums selbstreflexiv sein und machen so die Strukturen des Originals deutlich. Sie sind somit nicht nur zur reinen Unterhaltung für den Rezipierenden gedacht, sondern auch als kritisches Instrument. Weshalb auch Switch Reloaded als Kritik und Anregung zur Reflektion des deutschen Fernsehprogramms gesehen werden kann, wird im Laufe der Arbeit noch beschrieben.

3. Die Ludolfs

3.1 Allgemeine Informationen

Die Ludolfs – 4 Brüder auf’m Schrottplatz ist ein Fernsehformat, das zwischen 2006 und 2011 auf dem Sender DMAX lief. Die Sendung lässt sich in das Genre der Doku- Soap einordnen. Als Doku-Soap bezeichnet man eine Mischung aus einer Dokumentation und einer fiktionalen Serie, bei der jedes Ereignis fiktionalisiert werden kann18. Insgesamt gibt es acht Staffeln mit insgesamt 92 Folgen, die jeweils ca. 42 Minuten dauern. Inhaltlich geht es um die vier Ludolf-Brüder (Uwe, Horst- Günther, Peter und Manfred), die gemeinsam einen Schrottplatz besitzen und betreiben. Dabei wird dokumentarisch festgehalten, wie die Brüder leben, was ihre Aufgaben auf dem Schrottplatz sind und wie sie arbeiten.

3.2 Die Ästhetik des Originals

Das Intro der Sendung ist Cartoon-artig gestaltet und musikalisch untermalt. Die Sendung wird durch eine Off-Stimme begleitet. Die Hauptelemente der Sendung sind unter anderem das Reparieren und Tunen von Oldtimern, das Ausbauen von Autoteilen, das Zubereiten des Mittagessens und das Zusammensitzen von Peter Ludolf und Horst-Günther Ludolf in der Küche.

Die Küche, welche einer der wichtigsten Schauplätze in der Doku-Soap darstellt, sieht etwas in die Jahre gekommen aus. Die Tapeten erinnern an vergangene Jahrzehnte und auf den Tischen stapeln sich Verpackungen, Plastikflaschen und Geschirr. Was die Serie unter anderem populär gemacht hat, sind die zum Teil ungewöhnlichen Persönlichkeiten der vier Brüder. Jeder hat seine eigene Aufgabe auf dem Platz und seine eigenen Angewohnheiten. Da sich der Vergleich in dieser Hausarbeit auf eine bestimmte Szene der Serie und in der Parodie bezieht, in welcher nur Horst-Günther und Peter zu sehen sind, sollen die beiden Darsteller kurz beschrieben werden, um das Original mit der Parodie besser vergleichen zu können und um zu untersuchen, was die Parodie verändert.

Peter Ludolf ist ein eher ruhigerer Mensch, der meistens gute Laune hat und oft Weisheiten und Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Er ist der Geschäftsführer und ist für die Logistik des Schrottplatzes zuständig. Er weiß genau, welche Teile sich an welchem Ort im Lager befinden. Eine immer wiederkehrende Angewohnheit von Peter ist das Einschlafen auf seinem Stuhl in der Küche. Horst-Günther Ludolf ist ebenfalls ein ruhigerer Mensch, der hauptsächlich für den Kundenkontakt zuständig ist. Ein Element, welches in der Doku-Soap immer wiederkehrt, ist das Entgegennehmen der Kundenanfragen per Telefon. Während des Telefonats gibt Horst-Günther Ludolf die Fragen der Kunden direkt weiter an Peter Ludolf, da nur er weiß, ob sich die Teile im Lager befinden. Switch Reloaded parodiert genau dieses immer wiederkehrende Element der Sendung.

[...]


1 Vgl. Prisma: Hot Shots! Die Mutter aller Filme. Online: https://www.prisma.de/filme/Hot-Shots-Die- Mutter-aller-Filme,319083 (Letzter Zugriff: 15.03.2018)

2 Vgl. Inside Kino: Die Erfolgreichsten deutschen Filme seit 1963. Online: http://www.insidekino.com/DJahr/DAlltimeDeutsch50.htm (Letzter Zugriff: 15.03.2019)

3 Frankfurter Allgemeine: Ich habe im Internet retschertschiert. Online: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/switch-reloaded-ich-habe-im-internet- retschertschiert-1682576.html (Letzter Zugriff: 15.03.2019)

4 Vgl. Verweyen, Theodor: Die Parodie in der neuern deutschen Literatur: Eine systematische Einführung. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1979. S. 7

5 Ebd.

6 Vgl. Wirth, Uwe (Hg.): Komik: Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart, Springer-Verlag, 2017. S. 26

7 Wünsch, Frank: Die Parodie: zu Definition und Typologie. Hamburg, Kovač, 1999. S. 11

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Vgl. Ebd. S. 12

11 Ebd. S. 13

12 Ebd. S. 12

13 Ebd. S. 17

14 Ebd. S. 13

15 Ebd. S. 11

16 Vgl. Niedlich, Florian (Hg.): Facetten der Popkultur: Über die ästhetische und politische Kraft des Populären. Hg. Florian Niedlich, transcript Verlag, Bielefeld, 2012. S. 137

17 Ebd. S. 137

18 Vgl. Faulstich, Werner: Grundkurs Fernsehanalyse. Wilhelm Fink, Paderborn 2008. S. 137.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Switch Reloaded als parodistisches Format im deutschen Fernsehen
Untertitel
Ein Vergleich zwischen "Die Ludolfs - 4 Brüder auf'm Schrottplatz" und der Parodie aus "Switch Reloaded"
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Medienästhetik - Ästhetik des Komischen
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V510251
ISBN (eBook)
9783346084958
ISBN (Buch)
9783346084965
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anhang ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten
Schlagworte
Humortheorie, Parodie, Fernsehen, Ludolfs, Switch Reloaded, Popkultur, Ästhetik, Humor
Arbeit zitieren
Christof Schnauß (Autor), 2019, Switch Reloaded als parodistisches Format im deutschen Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510251

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