Free Flow of Oil - Leitlinien der Nahostpolitik unter Truman


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

34 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Krieg und Öl: US-Erdölstrategie von Roosevelt bis Truman
1. Etappen amerikanischer Erdölpolitik für den Nahen Osten
1.1. Determinanten amerikanischer Erdölpolitik im Weltkrieg
1.2. Der Nahe Osten als neuer Schwerpunkt
2. Amerikanische Erdölpolitik während des Zweiten Weltkriegs: Saudi Arabien

III. Years of Decision: Der Nahe Osten als Spielball um die Vorherrschaft der Großmächte
1. Schlüsselstellung des Nahen Ostens für die Truman-Administration
1.1. Die geostrategische Lage des Nahen Ostens
1.2. Die ökonomische und politische Bedeutung des „Middle East Oil“
2. Großbritannien und die USA: Partner oder Rivalen?
3. Eindämmung sowjetischer Expansion
3.1. Iran Krise 1946: Die erste Konfrontation des Kalten Krieges

IV. Years of Trial and Hope: Stabilisierung des amerikanischen Erdölimperiums in Nahost
1. Instrumente und Mechanismen US-amerikanischer Ölpolitik
1.1. Strukturelle Kontrolle
1.2. Kooperation mit den „Oil Companies“
1.2.1. Die „Krake Aramco“
2. Bestrebungen der Erdölländer und Dynamiken der Region
2.1 Fünfzig : Fünfzig - der New Deal für Öl
2.2 Iranischer Nationalismus
3. Das arabische Öl und Israel
3.1. Interessenkollision: Truman und das State Department
3.2. Das arabische Risiko

V. Folgewirkungen der Erdölpolitik Trumans im Nahen Osten
1. Steigerung und Kontrolle der nahöstlichen Erdölproduktion
2. Umbruch und Abhängigkeit von Petrodollar
3. Leitlinien amerikanischer Nahostpolitik in den Jahren nach Truman

VI. Fazit

Anhang: Literatur

I. Einleitung

Eine Fülle von wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich mit den Ursachen des Kalten Krieges. Die meisten konzentrieren sich auf die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA im Europa der Nachkriegszeit, das Aufeinandertreffen der beiden Großmächte im Nahen Osten1 - unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs - wird außer Acht gelassen.

Diese Einschätzung stellt Bruce R. Kuniholm seiner 1980 veröffentlichen Monographie „The Origins of the Cold War in the Near East“ voran, gleichzeitig betont er: „[The] Great Power relations in the Near East cast significant light on the origins of Cold War [...].“2 Der Nahe Osten wurde zum ersten Schauplatz der Konfrontation zwischen den ehemaligen Alliierten, früher als in Europa kam hier die amerikanische Containment-Strategie zur Anwendung.

Gründe für die zentrale Bedeutung der Region waren die strategische Lage als Puffer zwischen den sowjetischen Einflusssphären in Osteuropa und Fernost, im besonderen aber der ökonomische Wert der beträchtlichen Erdölvorkommen der Golfregion. Der Zweite Weltkrieg hatte die Bedeutung der strategischen Ressource Erdöl nachdrücklich unterstrichen, Erdöl war die wichtigste Energie- und Treibstoffquelle. „After World War II oil use icreased dramatically everywhere, but new [oil] discoveries in the United States did not keep pace. [...] The Middle East was clearly the major production area of the future, even though it was far away from the consumer countries, vulnerable to attack from the Soviet Union, and internally unstable. U.S. foreign policy therefore faced a whole new set of political issues.“3

Im folgenden soll untersucht werden, welche Rolle das Erdöl des Nahen Ostens für die Außenpolitik der Truman-Administration in den Jahren des beginnenden Kalten Krieges einnahm.

Inwieweit haben ökonomische Interessen und das Ziel, die Verfügungsgewalt über ein möglichst großes Potenzial an Erdölreserven zu erlangen, eine Konfrontation zwischen USA und Sowjetunion intensiviert oder sogar erst entfacht?

Trug die Außenpolitik der USA sogar imperialistische Züge, mit dem Gedanken, die ökonomische, politische und militärische Hegemonie über den Nahen Osten zu gewinnen?

Gegenstand der Darstellung sind Kontinuitäten und Wandel amerikanischer Politik gegenüber den erdölproduzierenden Ländern am Persischen Golf, die Symbiose zwischen staatlichen und privaten Ölinteressen, die ambivalente Haltung gegenüber Großbritannien sowie die Konfrontation mit der Sowjetunion in Nahost.

II. Krieg und Öl: US-Erdölstrategie von Roosevelt bis Truman

1. Etappen amerikanischer Erdölpolitik für den Nahen Osten

Das Vordringen amerikanischer Ölkonzerne in den Nahen Osten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte in drei Etappen: Am Ende des Ersten und Zweiten Weltkrieges jeweils auf Initiative des Staates aufgrund von Verknappungserscheinungen auf dem eigenen Kontinent und in der Zwischenetappe der 30er Jahre durch Engagement privater Konzerne, die rein kommerziellen Interessen folgten.4

Diese drei Etappen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Umfangs und der Qualität der amerikanischen Bemühungen um eine Beteiligung an der nahöstlichen Ölproduktion. Die bedeutendste Etappe stellt die Entwicklung einer staatlichen Erdölstrategie im Zuge des Zweiten Weltkrieges dar.5

1.1. Determinanten amerikanischer Erdölpolitik im Weltkrieg

Schon in Friedenszeiten war Erdöl die Ressource, von der die überlegene Stellung der Wirtschaftsmacht USA in der Welt und der der Wohlstand der amerikanischen Gesellschaft zu einem großen Teil abhing.6 Die USA förderten schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges mehr Öl als die gesamte restliche Welt.7

Der Zweite Weltkrieg unterstrich die Bedeutung der Ressource Erdöl erst recht. Ein bis dahin nicht gekannter Einsatz von motorisierten Truppenverbänden, Panzern und Flugzeugen machte Erdöl zur unersetzlichen Treibstoffquelle.8 „An seinen Höhepunkten erreichte der Benzinverbrauch im Zweiten Weltkrieg das Hundertfache von jenem im Ersten Weltkrieg. Die typische amerikanische Division setzte im Ersten Weltkrieg 4000 PS ein; im Zweiten Weltkrieg waren es dagegen 187 000 PS.“9 Öl machte etwa die Hälfte der während des Kriegs aus den USA verschifften Tonnage aus.10 Die Erdölproduktion der Westmächte beruhte fast allein auf Ressourcen der USA.11 „Als die Vereinigten Staaten von Amerika [...] in den Krieg eintraten, war in Washington jedermann binnen kurzer Zeit klar, dass in diesem Weltkrieg nur derjenige siegen würde, der einen unbegrenzten und ungehinderten Zugang zum Erdöl behielt.“12 Die Verfügbarkeit über große Mengen an Erdölreserven wurde für die Kriegs- und Nachkriegsplanung zum Interesse der nationalen Sicherheit. Langfristig mussten die Erdölreserven der USA, so die Planung, groß genug sein, um für diesen und für jeden weiteren Krieg gerüstet zu sein.13 Harold L. Ickes - im Dezember 1942 zum Petroleum- Verwalter für den Krieg ernannt - brachte diese Strategie in der Formel: „To oil another war“14, zugespitzt zum Ausdruck.

1.2. Der Nahe Osten als neuer Schwerpunkt

Als Grundlage der Formulierung einer konkreten Erdölpolitik mussten zunächst umfangreiche Studien über sämtliche vorhandenen und vermuteten Welterdölreserven angestellt werden. Im Februar 1942, nur wenige Monate nach dem Kriegseintritt der USA, setzte der amerikanische Kongress einen Untersuchungsausschuss ein, der alle Phasen der Kriegsproduktion und des Nachschubs - insbesondere der Erdölfrage - auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen sollte. Der Vorsitzende diese Ausschusse war der spätere Präsident Truman.15

In einer 65 Tage (ab dem 26. Juli 1943) dauerden Inspektionsreise wurden die wichtigsten Operations- und Nachschubbasen in der Welt aufgesucht - im Nahen Osten besuchte man unter anderem Kairo, Jerusalem, Abadan und Basra.16

Die Studie sollte drei Aspekte der Erdölfrage klären: „1. Die Auswirkungen des Krieges auf die Ölversorgung der Vereinigten Staaten und der Welt. 2. Die Zunkunft der Vereinigten Staaten in der Welterdölwirtschaft. 3. Die Formulierung einer nationalen Politik für Erdöl und Erdölverwaltung.“17

Im Abschlussbereicht präsentierte der Ausschuss seine wichtigsten Einschätzungen am 17. Februar 1944 vor dem Senat. Demnach standen einem Ölverbrauch der USA in Höhe von 1,63 Milliarden Barrel im Jahr 1943, nachgewiesene Reserven im eigenen Land von 20,08 Milliarden Barrel gegenüber.18

Vor diesem Hintergrund wurde Erschöpfung der amerikanischen Reserven, bei kontinuierlicher Fördermenge, innerhalb von 14 Jahren vorausgesagt, während die Reserven des Nahen Ostens noch für 161 Jahre reichen sollten.19

Andere Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Eine Studie der Joint Chiefs of Staff im Mai 1943 bezifferte die Rohölreserve in den USA auf 20 Milliarden Barrel, zum Vergleich wurden die Rohölvorkommen im gesamten Nahen Osten auf 56 Milliarden Barrel geschätzt.20 Die jährliche Rohölförderung in den USA betrug 1943, laut Joint Chiefs of Staff, 1,5 Milliarden Barrel. Dagegen war das nahöstliche Erdölpotenzial mit einer Förderrate von 127 Millionen Barrel wenig erschlossen.

Aufgrund der starken Beanspruchung heimischer Erdölreserven im Krieg erscheint die Formulierung einer auwärtigen Erdölstrategie, mit dem Ziel der Verlagerung des Schwerpunktes von Reserven der Heimat und der Karibik hin zu den Reserven des Nahen Ostens, fast zwangsläufig. „Das ‚unterentwickelte‘ nahöstliche Erdölpotenzial [rückte] in die Planung der langfristigen auswärtigen Erdölpolitik der USA“21.22 Als staatliches Instrument zur Koordination einer langfristigen auswärtigen Ölpolitik wurde die Petroleum Reserve Corporation (PRC) gegründet.

2. Amerikanische Erdölpolitik während des Zweiten Weltkriegs: Saudi Arabien

Saudi Arabien rückte erst spät in den Fokus westlicher Ölgesellschaften. Im Jahr 1933 vergab der saudische König Ibn Saud die einzige Ölkonzession an die „Standard Oil of California“ (Socal). Die „Texas Oil Company“ (Texaco) schloss sich 1936 an, zusammen bildeten sie die „California Arabian Standard Oil Company“ (Casoc, seit 1944 in Aramco umbenannt).23 Ölvorkommen in wirtschaftlichen Mengen wurden in Saudi-Arabien 1938 entdeckt24.

Der Zweite Weltkrieg stürzte Saudi Arabien allerdings in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, da die Zahl der Pilgerfahrten nach Mekka - Haupteinnahmequelle Saudi Arabiens - im Krieg drastisch zurück ging.25 In dieser Situation wendete sich Ibn Saud an Casoc und verlangte von der Gesellschaft Vorschusszahlungen zukünftiger Tantiemen aus dem Ölgeschäft in Höhe von sechs Millionen Dollar jährlich.26

Washington lehnte Wirtschaftshilfe für Saudi Arabien ab und verwies an die Zuständigkeit Großbritanniens. Roosevelt teilte den Briten mit: „Take care of the King of Saudi Arabia [since] this is a little far afield for us!“27

Zwei Jahre später hatte Roosevelt seine Meinung geändert. Das generelle Umdenken in der Erdölfrage - zuvor beschrieben -, ließ für die amerikanische Außenpolitk nicht länger zu, Saudi Arabien zu ignorieren.28 Die Erdölvorkommen des Nahen Ostens sollte nicht allein privaten Ölgesellschaften oder den Briten überlassen, sondern von nun an ebenso durch die US-Regierung entwickelt werden.

Als die Präsidenten von Socal, Texaco und dem Gemeinschaftsunternehmen Casoc im Februar 1943 nach Washington kamen, um die Regierung um Finanzhilfe zu bitten, wies sie Roosevelt nicht ab. Die Vertreter der Ölgesellschaften argumentierten, nur durch amerikanisches Lend-Lease für Saudi Arabien, könnten die Briten in ihre Schranken gewiesen und eine „Fortführung rein amerikanischer Unternehmungen nach dem Krieg“29 sicher gestellt werden.30 Im Gegenzug für staatliche Auslandshilfe sollte die US-Regierung „eine Art Sonderzugang oder Option auf das saudische Öl“31 erhalten. W.S.S. Rodgers, Chairman der Texas Oil Company, warnte vor „rapidly increasing British economic influence in Saudi Arabia, because of the bearing it [...] [might] have on the continuation of purely American enterprise there after the war“32.

Roosevelt beschloss am 18. Februar 1943, ein halbes Jahr nachdem er erklärt hatte, „Saudi Arabien liege bisschen zu weit weg“, ein Lend-Lease Programm für Saudi Arabien.33 Nach eigener Aussage Roosevelts vom 18. Februar 1943 galt Saudi-Arabien in Zukunft sogar als lebenswichtig für die Verteidigung der USA.34

Die britischen Subventionen an Ibn Saud, zuvor noch als willkommene Entlastung empfunden, trugen nun zu den zunehmenden Irritationen zwischen den USA und Großbritannien in Nahost bei.35 Nach Louis stellt die Entwicklung in Saudi Arabien einen Mikrokosmos des Konkurrenzkampfs zwischen den USA und Großbritannien dar.36

III. Years of Decision: Der Nahe Osten als Spielball um die Vorherrschaft der Großmächte

1. Schlüsselstellung des Nahen Ostens für die Truman-Administration

Die Roosevelt-Administration stellte die Bedeutung des Nahen Ostens fest, ihre Nahostpolitik hatte aber kaum konkrete Maßnahmen hervor gebracht (Ausnahme bildeten das Lend-Lease Programm für Saudi-Arabiens und vage Versprechen, die arabischen Staaten in der Palästinafrage zu konsultieren).

Kuniholm sieht im Übergang von Roosevelt zu Truman eine Zäsur in der amerikanischen Nahostpolitik, die er mit den Worten „from policy to commitment“37 bezeichnet. Die von der Roosevelt-Administration formulierten Vorgaben eines „positive encouragement“38 im Nahen Osten, sollten unter Truman in die Praxis umgesetzt werden. Das Neue der Nahostpolitik unter Truman waren kaum inhaltliche Gesichtspunkte, sondern die Art der konkreten Umsetzung.

Neben der von Roosevelt erkannten wirtschaftlichen Bedeutung der nahöstlichen Erdölvorkommen, trat nun die sicherheits-politische Bedeutung des Nahen Ostens in der Eindämmungsstrategie gegenüber der Sowjetunion.39

Um die politisch-militärische Dimension einer zukünftigen Nahostpolitik zu analysieren, ließ Truman vom State-War-Navy Coordinating Committee (SWNCC) schon 1945 einen Untersuchungsausschuss für die Region einrichten. Sein Lagebericht vom 25. Juli 1945 sollte wegweisend für die weitere Politik Trumans sein.

Die Rede war von einer an Rohstoffen reichen, aber sozial unterentwickelten Region, die infolge der imperialen Schwäche Großbritanniens, der lauernden Sowjetunion anheim zu fallen drohte.

Die Forderungen an eine amerikanische Außenpolitik lauteten: „The evolution of this area, because of its resources and geographical position, must be guided by nations following the path of Western democratic civilization rather than by Eastern dictatorships. [...] As a world power the United States cannot longer fail to take careful and constant account of the Near and Middle East and to play a part in the area which will protect our national interests.“40

1.1. Die geostrategische Lage des Nahen Ostens

Im Sicherheitskordon von Skandinavien über Europa und den Nahen Osten nach Südostasien bis zum Fernen Osten stellte die Erdölregion eine strategisch herausragendes Zwischenglied dar.41 Vom Nahen Osten her waren die Ölfelder im Kaukasus und bei Emba - das Rückgrat der sowjetischen Industrie - verwundbar. Der Nahe Osten war damit eine Zone, in der es nicht nur um Verteidigung des westlichen Ölimperiums, sondern um ein militärisches Aufmarschgebiet für einen Angriff gegen die Sowjetunion im Falle eines Krieges ging.42

1.2. Die ökonomische und politische Bedeutung des „Middle East Oil“ im beginnenden Kalten Krieg

Erdöl war zu dem Rohstoff geworden, von dem die gesamte industrielle Produktion - das heißt sowohl der militärisch-industrielle Komplex, als auch die Preise für zivile Industriewaren - abhing. Der Anspruch der USA, Führungsmacht der westlichen kapitalistischen Welt zu sein, implizierte die Kontrolle über diesen Rohstoff.43 Dabei galt um so mehr: Begrenzte eigene Reserven bei stetig wachsendem Bedarf sind „[...] potential threats to the nation´s strategic position and to the long-term health of the U.S. economy.“44

Ende 1945 lagerten 14 Prozent der Welterdölreserven, nach einer Schätzung einschließlich möglicher zukünftiger Funde, unter dem Gebiet der USA, 30 Prozent unter dem der Sowjetunion und 40 Prozent unter den Ländern des Nahen Ostens.45

Die zunehmende Menge von Öllieferungen aus dem Nahen Osten waren entscheidend für das ERP-Programm und den Wiederaufbau des verwüsteten Europa. 1946 und 47 führte Kohlemangel in Europa zu einer schweren Energiekrise, die britische Energieproduktion kam praktisch drei Wochen zum erliegen.46 Erdöl konnte die Kohle in Industrieanlagen und Kraftwerken ersetzen, diente außerdem als Treibstoff für Fahrzeuge. Das Öl sollten, nach US Planungen, die Länder des Nahen Ostens liefern. Während 1946 noch 77 Prozent des europäischen Bedarfs aus dem Westen kam, rechnete das National Security Council (NSC) im Juli 1949 mit einer enormen Verschiebung: 80 Prozent des Erdöls für das ERP- Programm würden bis 1951 aus dem Nahen Osten importiert.47 Der Verlust des Erdöls aus dem Nahen Osten hätte das ERP-Programm ernsthaft in Gefahr gebracht.48

2. Großbritannien und die USA: Partner oder Rivalen?

Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte Großbritannien den Nahen Osten über anderthalb Jahrhunderte kontrolliert, um die Wege nach Indien und Fernost offen zu halten.

[...]


1 Mit dem Sammelbegriff „Naher Osten“ ist in dieser Arbeit die Region vom östlichen Mittelmeer bis zum Golf von Persien gemeint: Bahrein, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Saudi Arabien, Syrien.

2 Kuniholm (1980), xxi. Vgl. dazu Mejcher: „Die Geschichte über die Entstehung des Kalten Krieges und über die Teilung der Welt wird erst dann ausführlich geschrieben werden können, wenn die Interdependenzen zwischen den regionalen Krisenfeldern im globalen Maßstab gründlich erforscht und sorgfältiger, als bisher geschehen, gewichtet werden.“ Mejcher (1990), 23.

3 Encyclopedia of U.S. Foreign Relations 3 (1997), 111.

4 Fields (1975), 10f.

5 In der Zwischenkriegszeit wurden zwar die Grundlagen für das Engagement amerikanischer Ölgesellschaften im Nahen Osten gelegt (Erwerb möglichst großer Konzessionsgebiete, besonders im Irak und Saudi Arabien), im Vergleich zu späteren Jahren waren diese Aktivitäten aber eher bescheiden. Für diese Jahre gilt nach Campbell: „As a government and as a nation [...] the United states as a nation took no stand and had no policy.“ Campbell (1960), 29.

6 Von 1920 bis 1941 wuchs die Bevölkerung der USA von 106 auf 133 Millionen Menschen, gleichzeitig stieg der pro Kopf Verbrauch eines jeden Amerikaners von 4,3 Barrel (1920) auf 11,2 Barrel (1941) pro Jahr. Ein Grund für den steigenden Ölverbrauch der USA in der Zwischenkriegszeit stellte der stetig wachsende Bedarf an Treibstoff dar. Die Anzahl der Motor betriebenen Fahrzeuge nahm von 7,6 Millionen (1919) auf 34,47 Millionen (1941) zu. Painter (1986), 9.

7 1938: 60 Prozent der Welterdölprodkution. Anderson (1981), 37.

8 Vgl. Painter (1986), 11. Fields (1975), 36. Painter (1993), 165.

9 Yergin (1991), 487.

10 Yergin (1991), 487.

11 „Die Vereinigten Staaten sollten fast neunzig Prozent des Ölbedarfs der Alliierten im Zweiten Weltkrieg produzieren.“ Yergin (1991), 502. Die Menge der bekannten Erdölreserven auf dem Gebiet der USA waren von 6,7 Milliarden Barrel im Jahr 1919 auf 19,5 Milliarden Barrel im Jahr 1941 gestiegen, was 46 Prozent der weltweit bekannten Reserven entsprach. Dagegen waren Ölförderung der USA jedoch im gleichen Zeitraum von 3,7 Millionen Barrel pro Jahr auf 1,4 Milliarden pro Jahr angewachsen (1941: 63 Prozent der weltweiten Produktion). Painter (1986), 9.

12 Mejcher (1990), 65.

13 Mejcher (1990), 67.

14 Zitiert nach: Mejcher (1990), 67.

15 Vgl. Mejcher (1990), 68f.

16 Truman Report, 3.

17 Truman Report, 4.

18 Truman Report, 4f.

19 Mejcher (1990), 83. Vgl. Truman Report, 5.

20 Anderson (1981), 38.

21 Mejcher (1990), 72.

22 Eine eher militärische Betrachtung zugrunde legend erklärt Campbell, die Abkommandierung von USTruppen und Ingenieuren in den Nahen Osten, um die Nachschub-Versorgung der Sowjetunion zu sichern, habe den Impuls für das amerikanische Interesse an der Region gegeben. Campbell (1960), 31.

23 Anderson (1981), 25-28.

24 Anderson (1981), 28.

25 Vgl. Louis (1984), 178f. Anderson (1981), 29. Anderson (DH 1979), 415.

26 Anderson (1981), 30. Anderson (DH 1979), 415.

27 Memorandum, Roosevelt an Jones, 18.7.1941. FRUS III 1941, 643.

28 Anderson (1981), 33-34.

29 Anderson (1981), 46-48.

30 Vgl. Yergin (1991), 503.

31 Yergin (1991), 503.

32 Zitiert nach: Anderson (1979), 417.

33 Bei einem Mittagessen soll Harold Ickes, als Befürworter von staatlich gelenkter Ölpolitik, Roosevelt überzeugt haben, Saudi Arabien finanziell zu unterstützen. Anderson (1981), 48. „Es waren die Argumente Ickes und anderer Regierungsmitglieder und nicht die Petition der Ölbosse“, die Roosevelt zum Lend-Lease zustimmen ließen. Yergin (1991), 503. Vgl. Anderson (1981), 49.

34 F. D. Roosevelt an Stettinius, 18.2.1943. FRUS IV 1943, 859.

35 Großbritannien befürchetete ein „economic take-over“oder „economic exploitation“ des gesamten Nahen Ostens durch die USA. Jenen Verdächtigungen der Briten standen Sorgen amerikanischer Unternehmen, die Briten könnten ihnen bestehende Ölkonzessionen „stehlen“, gegenüber. Louis (1984), 179-180, 184.

36 „Saudi Arabia could be regarded as a microcosm in which the economic and political aims of the United States vied with those of the British Empire.“ Louis (1984), 183.

37 Kuniholm (1980), 383.

38 Kuniholm (1980), 383.

39 Painter (1986), 1. Vgl. Bryson (1981), 178.

40 SWNCC 165, 25 July 1945. Enclosure: Memorandum by the Acting Chairman. FRUS VIII 1945, 45-48.

41 Mejcher (1990), 365. Talks on the Middle East, FRUS V 1947, 566.

42 Mejcher (1990), 365. Talks on the Middle East, FRUS V 1947, 566f.

43 Yergin (1991), 538f. Painter (1986), 199f.

44 Painter (1986), 200.

45 Mejcher (1990), 299.

46 Yergin (1991), 533ff.

47 FRUS VI 1949, 32, 42, 549, 1644-45, 1681-82. Vgl. Yergin (1991), 535f.

48 Vgl. Kuniholm (1989), 309.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Free Flow of Oil - Leitlinien der Nahostpolitik unter Truman
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Die Weltpolitik der USA in der Truman-Ära
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
34
Katalognummer
V51028
ISBN (eBook)
9783638471008
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Free, Flow, Leitlinien, Nahostpolitik, Truman, Weltpolitik, Truman-Ära
Arbeit zitieren
Jörg Hackhausen (Autor), 2001, Free Flow of Oil - Leitlinien der Nahostpolitik unter Truman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51028

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