Phonologie der Laut- und Gebärdensprache


Hausarbeit, 2019

20 Seiten

Nadine Gradenberger (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Phonologische Grundbegriffe
2.1 Phonologie
2.2 Phonem
2.3 Minimalpaaranalyse

3. Die deutsche Gebärdensprache
3.1 Manuelle Komponenten einer Gebärde
3.2 Non-Manuelle Komponenten einer Gebärde

4. Phonologie der deutschen Gebärdensprache

5. Phoneme der deutschen Laut- und Gebärdensprache
5.1 Phoneme der deutschen Lautsprache
5.2 Phoneme der deutschen Gebärdensprache

6. Silben
6.1 Silben in der deutschen Gebärdensprache
6.2 Sonorität

7. Phonologischer Wandel in der Gebärdensprache

8. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eines der wichtigsten Mittel zwischenmenschlicher Kommunikation ist die Sprache. Sie ermöglicht uns eine schnelle Weitergabe von Informationen, Gefühlen oder Belangen. Unter Zuhilfenahme von Organen wird die Sprache von Menschen in der Regel produziert und wahrgenommen. Dennoch ist es nicht jedem Menschen möglich Sprachen wie wir es kennen wahrzunehmen und in der Folge dessen dementsprechend zu reproduzieren. Gehörlosen Menschen bleibt der Zugang zu der Sprachaufnahme über das Hören verwehrt. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand die Gebärdensprache, mit der es möglich ist, sich über Zeichen, den sogenannten Gebärden, zu verständigen.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich nun mit zwei Sprachen des Deutschen, der Lautsprache und der Gebärdensprache. Dabei wird der Fokus auf die Phonologie gelegt und letztendlich ein kontrastiver Vergleich hergestellt.

Während das zweite Kapitel eine Beschreibung des Phonems, der Phonologie und der Minimalpaaranalyse liefert und somit einen Einblick in die Grundbegriffe der Phonologie gewählt, werden in Kapitel drei die manuellen und nichtmanuellen Komponenten einer Gebärde genauer betrachtet. Nachdem anschließend auf die Phonologie der Gebärdensprache eingegangen wird, werden in Kapitel fünf die Phoneme der deutschen Laut- und Gebärdensprache mit Hilfe der Minimalpaaranalyse untersucht. Anschließend erfolgt die Betrachtung und die Frage nach einer möglichen Silbenstruktur innerhalb der Gebärdensprache. Abschließend erfolgt in einem Fazit eine Gegenüberstellung der deutschen Laut- und Gebärdensprache.

2. Phonologische Grundbegriffe

2.1 Phonologie

Die Phonologie ist ein Teil der Sprachwissenschaft, welche die lautliche Struktur einer Sprache, als auch die Funktion eben dieser Struktur beschreibt und erfasst. Sie grenzt sich von der artikulatorischen, akustischen und auditiven Seite der Sprachwissenschaft, also der Phonetik, ab.

Allerdings wird der Begriff der Phonologie nicht nur in der Lautsprache, sondern auch in der Gebärdensprache verwendet. Der zentrale Punkt ist dabei, dass bei der Phonologie „die Betrachtung der Funktion von kleinsten bedeutungsunterscheidenden Spracheinheiten im Vordergrund steht“ (Papaspyrou/ Von Meyenn/ Mattei/ Herrmann 2008, 9). Artikulatorische Merkmale der Gebärdensprache sind manuelle und nonmanuelle Komponenten, die eben diese Spracheinheiten produzieren.

2.2 Phonem

Einzelne Laute werden in der Phonologie als Phone bezeichnet. Unterscheiden sich nun aber Wortformen nur hinsichtlich eines einzigen Lautes, so dass die Wortformen eine ganz andere Bedeutung erhalten, ist eben dieser Laut ein Phonem. Ein Phonem ist daher also die kleinste bedeutungsunterscheidende lautsprachliche Einheit, die durch die Notation /а/ transkribiert wird.

Phoneme können mehrere Realisierungsvarianten aufweisen, also bedeutungsgleich sein, und werden dann Allophone genannt. Sie werden unterteilt in kombinatorische Allophone und fakultative Allophone. Kombinatorische Allophone sind zwei phonetisch ähnliche Phoneme, die nie in derselben lautlichen Umgebung vorkommen können und daher eine komplementäre Distribution aufweisen wie zum Beispiel [x] und [ç] (vgl. Altmann/ Ziegenhain 2007, 74). Fakultative oder auch freie Allophone sind zwei Phoneme, die genau in derselben lautlichen Umgebung vorkommen und deren Vertauschung die Bedeutung nicht ändert. Im Deutschen kommen Allophone bei der dialektischen Aussprache des <r> vor. Unter anderem das Vibrant­Zäpfchen-r [r], das Vibrant Zungenspitzen-r [r] und das Frikativ Zäpfchen-r [к] (vgl. Staffenfeldt 2010, 80).

In der Gebärdensprache wird ebenfalls der Begriff des Phonems verwendet, da auch bei Gebärden bedeutungsunterscheidende sprachliche Zeichen durch die Verschiebung eines einzelnen Parameters entstehen können.

2.3 Minimalpaaranalyse

Wie bereits in Kapitel 2.2 beschrieben, sind Minimalpaare „zwei Wortformen, die sich in nur einem Laut unterscheiden und aber zwei verschiedene Bedeutungen haben“ (Staffenfeldt 2010, 74). Die bedeutungsunterscheidenden Laute sind dabei Phoneme. Die Schreibung ist bei der Minimalpaarbildung nicht entscheidend, sondern ausschließlich die Lautung. Die deutsche Lautsprache beinhaltet ca. 36.198 Wortformen, die 18.099 Minimalpaare bilden, wobei einige Wortformen mehrfach Vorkommen und es somit keine 36.198 verschiedene Wortformen gibt (vgl. Ortmann 1983, 36).

Gebärden, die aufgrund nur eines unterschiedlichen Parameters, also eines Phonems, eine komplett andere Bedeutung erhalten, werden auch in der Gebärdensprache Minimalpaar genannt.

Mithilfe der Minimalpaaranalyse lässt sich das Gesamtinventar der Phoneme sowohl der Lautsprache als auch der Gebärdensprache identifizieren.

Bei einer Minimalpaaranalyse werden ausschließlich zwei Wortformen gegenübergestellt und zunächst transkribiert. Die Transkription erfolgt mittels des sogenannten IPA-Alphabets und ist wichtig, um die lautliche Struktur der Wortformen sichtbar zu machen (vgl. ebd. 36). Die Laute können dann hinsichtlich der artikulatorischen Merkmale untersucht und distinktive Merkmale festgestellt werden. Die akustischen und artikulatorischen Eigenschaften eines Lautes können in nur einem oder einigen Eigenschaften unterschieden werden und stellen so distinktive Merkmale dar. Sie bilden eine Opposition und können als Phoneme identifiziert werden (vgl. ebd. 36).

Die Minimalpaaranalyse funktioniert in der Deutschen Gebärdensprache genau so, allerdings erfolgt hier keine Transkription und es werden die manuellen Komponenten einer Geb ärde hinsichtlich Oppositionen untersucht.

3. Die Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache basiert auf Handzeichen, Mimik und Körperhaltung und ist daher eine visuell-manuelle Sprache mit einer eigenen umfangreichen Lexik, sowie komplexen Grammatik, die auf eigenen Normen beruht (vgl. Deutscher Gehörlosen Bund e. V. 2014).

3.1 Manuelle Komponenten einer Gebärde

Manuelle Komponenten einer Gebärde beruhen allein auf Handzeichen, die sich in die vier Parameter Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung aufteilen. Als Handform wird „die äußere Gestalt der Hand“ (Papaspyrou/ Von Meyenn/ Mattei/ Herrmann 2008, 16) verstanden, die aufgrund ihrer anatomischen Beweglichkeit verschiedene Handformen bilden kann. Sechs Handformen werden international, so auch in Deutschland, am meisten benutzt und sind folglich: Die Faust, die Flachhand, die „O“-Hand, die „C“-Hand, der gestreckte Zeigefinger und die Spreizhand.

Bei Gebärden kann die Hand viele Stellungen einnehmen und wird daher in zwei verschiedenen Kriterien eingeteilt. Das erste Kriterium ist die Handflächenorientierung, die angibt, in welche Richtung die Handinnenfläche beim Gebärden zeigt. Zu beachten ist, dass die Beschreibung aus Sicht des Sprechers erfolgt und sich somit die Handflächenorientierung nach rechts, nach unten oder nach rechts unten ergibt (vgl. ebd., 32). Analog erfolgt die Orientierung auch nach oben, nach links oder nach links oben. „Die geradlinige Verlängerung des Handrückens zeigt die Fingeransatzrichtung an“ (ebd., 33). Da die Hände sich in einem dreidimensionalen Raum bewegen, wird der Gebärdenraum bei der Fingeransatzrichtung in eine waagerechte, eine senkrechte und eine frontale Ebene unterteilt, wobei die Ausführung einer Gebärde nicht ausschließt, dass die Ebenen miteinander verknüpft werden können. Die Ausführungsstelle „ist der Ort, an dem eine Gebärde ausgeführt wird“ (ebd., 16) und unterteilt sich in die Ausführungsstellen am Körper und die Ausführungsstellen im Raum. Die Ausführungsstellen am Körper werden ebenfalls unterteilt in Ausführungsstellen am Kopf (vor / über / hinter dem Kopf, sowie Schläfe, Ohr und Hals), Ausführungsstelle im Gesicht (Stirn, Auge, Nase, Wange, Mund, Kinn), Ausführungsstellen am Rumpf mit Schulter, Brust, Bauch, Unterleib und Hüfte und die Ausführungsstelle an der Hand mit z.B. Oberarm, Ellenbogen, Handrücken, Handkante und weiteren Stellen. Die Ausführungsstelle im Raum wird wie bei der Fingeransatzrichtung in eine waagerechte Ebene (nah am Körper / etwas weiter entfernt / weit weg vom Körper), eine senkrechte Ebene (links vor dem Körper / vor dem Körper / rechts vor dem Körper) und eine frontale Ebene (Kopfhöhe / Oberkörperhöhe / Bauchhöhe) aufgeteilt (vgl. ebd., 39ff.).

Die manuelle Komponente Bewegung wird hinsichtlich der Beschaffenheit und der Ausrichtung einer Bewegung unterschieden, wobei hier auch die Bewegung im Raum als auch die Bewegung der Hand selbst aufgrund von Veränderungen der Handstellung oder Handform, gemeint ist (vgl. ebd., 50). Die Bewegung lässt sich in die handexterne und die handinterne Bewegung gruppieren. Handexterne Bewegungen hinterlassen Bewegungsspuren wie Wellenbewegungen, Kreisbewegungen oder Spiralbewegungen und erfolgen somit in einem be- stimmten Gebärdenraum oder aber direkt am Körper (vgl. ebd., 50). Sie werden ebenfalls über die Bewegungsrichtung, die den Anfangs- und Endpunkt einer ausführenden Gebärde markiert, definiert. Beugebewegungen, als auch Schüttel- und Drehbewegungen der Hand gehören zu den handinternen Bewegungen, die Bewegungen mit Handgelenksbeteiligungen oder Fingerbewegungen kennzeichnen (vgl. ebd., 53), wie zum Beispiel die Krümmbewegung, die Knickbewegung oder die Spreizbewegung.

3.2 Nonmanuelle Komponenten einer Gebärde

Nonmanuelle Komponenten einer Gebärde sind sprachliche Informationen, die nicht mit den Händen gebildet werden. Sie werden allerdings in den meisten Fällen zeitgleich zu anderen Gebärden produziert. Hierzu zählen die Mimik, die Blickrichtung, die Kopf- und Oberkörperhaltung und die Mundbewegungen. Einzelne Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, besonders hervorgebracht durch Augen und Mund, lassen einen bestimmten Gesichtsausdruck entstehen und werden Mimik genannt. In Deutschland gibt es die nichtsprachliche Mimik und die sprachliche DGS-Mimik (Deutsche Gebärdensprachen Mimik). Die nichtsprachliche Mimik ist von den Kulturen der Menschen geprägt und nur wenige Gesichtsausdrücke, die durch Emotionen ausgelöst werden, sind universell (vgl. ebd, 69). So gehören lediglich Freude, Überraschung, Trauer, Wut, Angst und Ekel zu den sechs Basisemotionen (vgl. Ekman, 1982, zit. In: Papaspyrou/ Von Meyenn/ Mattei/ Herrmann 2008, 69). Die Mimik übernimmt in der Deutschen Gebärdensprache weiterhin morphologische und pragmatische Funktionen. So kann zum Beispiel auf morphologischer Ebene, parallel zur Ausführung einer Gebärde, eine Mimik eine Information näher bestimmen, sodass aus der Gebärde ARBEITEN die Gebärde ARBEITEN-motiviert oder ARBEITEN-lustlos wird (vgl. Papaspyrou/ Von Meyenn/ Mattei/ Herrmann 2008, 71).

Der Blick zum Gesprächspartner, aus einer Handlungsrolle hinaus oder auf die gebärdende Hand, sind die drei Typen der Blickrichtung.

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Phonologie der Laut- und Gebärdensprache
Hochschule
Universität Bielefeld
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V510592
ISBN (eBook)
9783346082077
ISBN (Buch)
9783346082084
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phonologie, laut-, gebärdensprache
Arbeit zitieren
Nadine Gradenberger (Autor), 2019, Phonologie der Laut- und Gebärdensprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510592

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