Kulturelle Unterschiede. Was bedeutet das für die Sozialpsychologie?

Am Beispiel der independenten und interdependenten Selbstkonstruktion


Ausarbeitung, 2019
5 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Ausarbeitung Sozialpsychologie

Kulturelle Unterschiede - Was bedeutet das für die Sozialpsychologie? Am Beispiel der independenten und interdependenten Selbstkonstruktion

1. Die independente und die interdependente Selbstkonstrution

In der folgenden Ausarbeitung wird auf die häufig zitierte Klassifizierung von Kulturen eingegangen, nach der sich die Kulturen in der jeweiligen Ausprägung des Individualismus oder Kollektivismus voneinander unterscheiden (Hofstede, 1980: ). Dabei wird nach Markus und Kitayama (1991) dargestellt, dass Menschen aus eher individualistischen Kulturen ihr „Selbst“ als independent entwickeln, während Menschen aus einer eher kollektivistischen Kultur ihr „Selbst“ als Interdependenz definieren.

2. Die kulturvergleichende Perspektive des „Selbst“

Der Individualismus und der Kollektivismus sind die wichtigsten Dimensionen, auf denen sich Kulturen voneinander unterscheiden. Diese Differenzierung wurde 1980 von Hofstede in die kulturvergleichende Forschung eingeführt. In einer seiner Studien erfasste Hofstede arbeitsbezogene Werthaltungen von Arbeitnehmer_innen des Konzerns IBM aus über 50 verschiedenen Ländern. Die Auswertung der Studie erfolgt mittels einer Faktorenanalyse, wobei vier Kulturdimensionen erfasst wurden:

1. Individualismus-Kollektivismus (individualism-collectivism)
2. Machtdistanz (power distance)
3. Vermeidung von Unsicherheit (uncertainity avoidance)
4. Kulturelle Männlichkeit-Weiblichkeit (cultural masculinity-femininity) .

Seit jeher wurden eine Vielzahl von Untersuchungen durchgeführt und bestätigten die Dimension des Individualismus-Kollektivismus.

Nach Triandis (1989, 1995) unterscheiden sich Mitglieder_innen individualistischer Kulturen hinsichtlich zahlreicher Aspekte von Mitglieder_innen einer kollektivistischen Kultur. Typische Vertreter für Nordamerika und Westeuropa sind individualistische Kulturen, welche in einem relativ lose zusammengehaltenen sozialen Netzwerk leben, die entweder nur für sich selbst oder nächste Familienangehörige sorgen. Dabei legen sie einen hohen Wert auf Freiheit, Ich-Bewusstsein, auf emotionale Unabhängigkeit, Recht auf Privatheit und sehnen sich nach einem starken Streben nach Unterhaltung. Des Weiteren gehören Selbstbestimmung und -verwirklichung zu den wichtigen Aspekt der individuellen Kulturen. In asiatischen Kulturen beispielsweise sind kollektivistische Kulturen in der Mehrheit, in der Menschen in einem eng geknüpften Netzwerk miteinander leben. Mitglieder_innen dieser Kulturen pflegen ein Wir-Bewusstsein, kollektive Identität und Gruppensolidarität. Demnach herrschen in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche kulturelle Imperative (Oyserman&Markus, 1995). Folglich trägt das Ausmaß des Individualismus bzw. Kollektivismus einer Kultur die Konsequenzen für die Art und Weise, wie die Mitglieder_innen sich selbst als Menschen definieren. Nach Markus und Kitayama (1991) gibt es eine Vielzahl von Befunden, die die Unterschiede zwischen individualistischen und kollektivistischen Kulturmitglieder_innen auf das Selbstkonzept dieser Gruppen zurückführen. Die prototypische Selbstsichtweise bei individualistischen Kulturmitglieder_innen wird „independent“ genannt. Diese Sichtweise beschreibt, dass das Selbst präferiert wird. Dies geschieht durch die Benennung von abstrakten Eigenschaften, Fähigkeiten oder Einstellungen. Zusammengefasst wird dies als „autonomes“ Selbstwissen. Diesem steht die sogenannte „interdependente" Selbstsicht bei kollektivistischen Kulturmitglieder_innen gegenüber. Markant hierbei sind die sozialen Selbstwissensinhalte, durch die das Selbst zu anderen Gruppen definiert wird.

3. Unterschiede zwischen independent und interdependent

Doch was für Unterschiede gibt es zwischen diesen beiden Sichtweisen und deren Mitglieder_innen? Gegebene Unterschiede zeigen sich beispielsweise, wenn Mitglieder_innen der jeweiligen Gruppen spontan eine Aufgabe mit 20 Fragen auf die Frage „Wer bin ich?“ (20-Statements-Test, Kuhn und McPartland, 1954; vgl. Trafimow et al. 1991) beantworten müssen. Mitglieder_innen aus individualistischen Kulturen, die ein independetes Selbstkonzept besitzen, beschreiben sich selbst mit Hilfe von abstrakten Eigenschaftsbegriffen, welche autonome Inhalte besitzen und keine Abhängigkeit von konkreten sozialen Menschen oder Kontexten aufweisen.

Abbildung 1: Independentes vs. interdependentes Selbst (Markus&Kitayama, 1991)

Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, repräsentiert das „X“ verschiedene Aspekte des Selbst oder der anderen Personen wie „Freund“, „Kollege“ oder einem Familienmitglied. Deutlich wird, dass die independete Person von ihrem Kontext getrennt dargestellt wird. Somit ist das „Selbst“ eine Einheit für sich, die von den anderen Einheiten abgeschirmt ist.

Mitglieder_innen aus kollektivistischen Kulturen mit einem überwiegend interdependenten Selbstkonzept beschreiben sich durch ihre Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen, d.h. zu bestimmten sozialen Kontexten. Mitglieder_innen, die interdependent sind, sind bestrebt, intensive Kontakte zu anderen Mitglieder_innen zu pflegen, in den sozialen Kontext sich zu fügen und die Erwartungen anderer zu erfüllen. Diese Mitglieder_innen verfügen zwar auch über eine Repräsentation internaler Merkmale des „Selbst“, jedoch stellen die relevanten interdependenten Selbstkonstrukte den Bezug zu anderen Mitglieder_innen her. Aus diesem Grund ist das interdependente „Selbst“ mit anderen Mitglider_innen verbunden (s. Abbildung 1).

Darüberhinaus haben viele Autor_innen festgestellt, dass die beiden Arten der Selbstkonstruktion sich in ihrem Abstraktionsgrad unterscheiden (Rhee, Uleman, Lee & Roman, 1995). Diese haben ein Kategoriensystem vorgeschlagen, mit Hilfe dessen die Antworten des „20-Statements-Test“ und die Dimensionen „autonom-sozial“ und „abstrakt-konrekt“ klassifiziert wurden. Dementsprechend zeigte sich, dass Mitglieder_innen individualistischer Kulturen sich durch autonom-abstrakte Selbstkonstrukte definieren, während Mitglieder_innen kollektivistischer Kulturen sich durch sozial-konkrete Selbstkonstrukte definieren. Dies kann so erklärt werden, dass interdependente Selbstkonstrukte an konkrete Kontexte gebunden sind, in denen ein Mitglieder einer anderen bedeutsamen Bezugsperson begegnet. Folglich sind interdepentende Selbstkonstrukte situationsspezifisch. Im Gegensatz dazu stellen independente Selbstkonstruke abstrakte Generalisierungen über verschiedene Kontexte dar, die sich auf unabhängige, konstante Merkmale der eigenen Person beziehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Kulturelle Unterschiede. Was bedeutet das für die Sozialpsychologie?
Untertitel
Am Beispiel der independenten und interdependenten Selbstkonstruktion
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
5
Katalognummer
V510840
ISBN (eBook)
9783346130891
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialpsychologie, psychologie, pädagogik, interdependent, interdependenz
Arbeit zitieren
Gamze Keklik (Autor), 2019, Kulturelle Unterschiede. Was bedeutet das für die Sozialpsychologie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510840

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kulturelle Unterschiede. Was bedeutet das für die Sozialpsychologie?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden