Tiergestützte Intervention bei demenziell erkrankten Menschen. Ziele, Chancen und Herausforderungen


Facharbeit (Schule), 2019
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Definition
2.1 Demenz
2.2 Tiergestützte Intervention

3.Theorien
3.1 Die Biophilie Hypothese
3.2 Du-Evidenz
3.3 Bindungstheorie

4. Entwicklung und Geschichte der tiergestützten Intervention

5. Ziele der tiergestützten Intervention in der Demenz Erkrankung

6. Wie wirkt sich die tiergestützte Intervention bei demenziell Erkrankten aus?
6.1 Tiere als emotionale Stabilisatoren
6.2 Tiere als Bindeglied zwischen Bewohner und Therapeuten/ Pflegekräften
6.3 Tiere als Interaktionsbrücke
6.4 Tiere als Selbstwirksamkeitsförderer

7. Beispiele und Beobachtungen aus der Praxis
7.1 Hundebegleitdienst in einem Alzheimer Therapie Zentrum

8. Grenzen und potentielle Probleme der tiergestützten Intervention bei Demenzerkrankten

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Ich befasse mich in meiner Facharbeit mit der tiergestützten Intervention in der Altenpflege und besonders richtet sich mein Fokus auf die Arbeit mit Demenzerkrankten.

Die tiergestützte Intervention findet weltweit Beliebtheit in der Behandlung allgemeiner psychischer Erkrankungen. In Australien, Kanada, England, und den USA werden Tiere regelmäßig, standardmäßig und erfolgreich in die Behandlung psychisch Erkrankter Menschen eingesetzt. In Deutschland findet man in Seniorenheimen und anderen Einrichtungen für psychisch erkrankte Menschen hingegen nur wenig tiergestützte Intervention oder Angebote.

Oftmals finden nur sporadisch Hundebesuchsdienste statt, wo die Hunde gestreichelt werden können. Ein therapeutisches Konzept oder eine Zielsetzung findet man hier allerdings nicht. Ein anderes Beispiel; es ist eine Seltenheit das eigene Haustiere bei einem Umzug ins Altenheim mitgenommen werden dürfen. Jahrelange Begleiter wie Hunde oder Katzen können nicht mehr bei Ihren „Herrchen“ leben. Ein weiterer Einschnitt für jeden älteren Menschen und erst recht für einen demenziell erkrankten Menschen.

Mit der Frage, welche neuen Wege in der Aktivierung von Demenz erkrankten hat sich auch umfassend Carola Otterstedt befasst. In Ihrem 2013 erschienenem Buch zeigt sie, dass man durch tiergestützte Intervention positive Reaktionen bei demenzerkrankten hervorrufen kann. Sie zeigt in ihrem Buch, wie Begegnungsangebote professionell organisiert werden können, sodass positive Effekte für Mensch und Tier entstehen.

Die Facharbeit verfolgt drei Ziele; Im ersten Teil werden Begriffe erläutert und das Verständnis der tiergestützten Intervention verdeutlicht. Ziele der tiergestützten Intervention werden beschrieben und analysiert. Im zweiten Teil widme ich mich der Fragestellung; wie sich die tiergestützte Intervention durch einen Hundebegleitdienst in einem Alzheimer Therapiezentrum realisieren lässt und welche Beobachtungen ich hierzu gemacht habe. Zum Schluss gehe ich auf die Grenzen und potentiellen Probleme der tiergestützten Intervention bei Demenz Erkrankten Menschen ein.

2. Definition

Zunächst ist es wichtig die zwei Hauptbegriffe zu beschreiben. Ich habe hier einmal den Begriff Demenz und tiergestützte Intervention im Folgenden aufgeführt und Definitionen aus der gängigen Literatur gewählt.

2.1 Demenz

Demenz kommt von dem Lateinischen ,,mens“ für Verstand und ,,de“ für abnehmend.Demenz ist also gleichbedeutend mit abnehmendem Verstand oder chronisch fortschreitender Hirnabbau und Verlust früherer Denkfähigkeiten. (Vgl.Grond,E. (2005),S.16).

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Demenz; ,,eine erworbene globale Beeinträchtigung der höheren Hirnfunktionen einschließlich des Gedächnisses, der Fähigkeit Alltagsprobleme zu lösen, der Ausführung sensomotorischer und sozialer Fertigkeiten, der Sprache und Kommunikation sowie der Kontrolle emotionaler Reaktionen ohne ausgeprägte Bewusstseinstrübung. (Vgl. Gerber,W.D Basler,H.D; Tewes,U.(1994),S367

2.2 Tiergestützte Intervention

,,Tiergestützte Therapie“ umfasst bewusst geplante pädagogische, psychologische und sozialintegrative Angebote mit Tieren für Jugendliche, Erwachsene wie Ältere mit kognitiven, sozial-emotionalen und motorischen Einschränkungen, Verhaltensstörungen und Förderschwerpunkten. Sie beinhaltet auch gesundheitsfördernde, präventive und rehabilitative Maßnahmen.

Tiergestützte Intervention findet im Einzel- und Gruppensetting statt. Sie steht in enger Beziehung zu anderen verwandten Wissenschaftsdisziplinen wie Psychotherapie, Psychologie, Medizin, Pädagogik, Ethologie und Veterinärmedizin. Tiergestützte Therapie wird von einer Fachkraft mit einer Fachausbildung für tiergestützter Therapie und kontinuierlicher Weiterbildung durchgeführt. ( https://www.esaat.org/definition-tiergestuetzter-therapie/)

3.Theorien

Es gibt verschieden Theorien die erklären, warum die tiergestützte Therapie so erfolgreich angewandt werden kann. Was uns mit Tieren verbindet und wie wir auf Tiere reagieren.

3.1 Die Biophilie Hypothese

Die Biophilie Hypothese wurde in den 80er Jahren vom Biologen Edward Osborne Wilson entwickelt. Darin wird ausgesagt, dass wir alles Leben lieben und den lebendigen Dingen enger verbunden sind als den unlebendigen Dingen. ( Vgl. Wilson, E.O 1984)

Man geht davon aus, dass eine besondere Verbundenheit vom Menschen zur Natur in der Evolution angelegt wurde. Es entsteht eine Freundschaft zwischen Menschen und höheren Tieren was die Voraussetzung für die Tiergestützte Therapie ist. (Als „höheren Tieren“ beziehungsweise Höheren Lebewesen, werden Tiere bezeichnet die eine Wirbelsäule besitzen.)

Laut Kellert gilt als Basis für eine gesunde geistige und emotionale Entwicklung des Menschen eine physische, emotionale und kognitive Hinwendung und Verbundenheit zu Leben und Natur. (Vgl. Kellert S.R 1993). Daher wird die Biophilie Hypothese zur Erklärung der Wirkung von Mensch- Tier Beziehungen genutzt.

3.2 Du-Evidenz

Du-Evidenz bedeutet der Mensch kann eine Beziehung mit höheren Lebewesen eingehen. Also gehen Menschen auch mit Tieren wie z.B. Hunden und Pferden eine solche Du Beziehung ein. Er hat die Gewissheit es handle sich bei einer solchen Beziehung um eine Partnerschaft.

Also gilt ein Tier als Familienmitglied und bekommt einen Namen und es werden ihm menschenähnliche Eigenschaften zugesprochen, was ihn zum Individuum macht. ,,Die Du- Evidenz ist die unumgängliche Voraussetzung dafür, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch helfen können“ ( Greiffenhagen, 1991)

3.3 Bindungstheorie

Der britische Kinderarzt John Bowlby entwickelte in den 50er Jahren die Bindungstheorie. Laut Bowlby; ist die Suche und Verwirklichung von sozialen Bindungen in uns Menschen evolutionär verankert und ein Grundbedürfnis.

Kleinkinder haben laut ihm ein angeborenes Bedürfnis dauerhafte, enge und emotional intensive Sicherheit gebende Beziehungen zu ihren Bezugspersonen aufzubauen.(www.werner-eberwein.de/was-ist-die-bindungstheorie). Es stellt sich nun die Frage, ob diese Bindung auch auf Tiere (in diesem Fall Hunde) zutrifft.

1989 wurde daher ein Test der für Kinder entwickelt wurde zum ersten Mal von Heinz Weidt auf Hunde übertragen. Es wurde nachgewiesen, dass das Grundbedürfnis nach sicherer sozialer Bindung bei Hund und Mensch gleich gelagert ist. Das bedeutet das z.B. Hunde und Menschen nicht nur bindungsfähig sind, sondern auch soziale Bindungen brauchen wie die Luft zum Atmen.

4. Entwicklung und Geschichte der tiergestützten Intervention

Schon im achten Jahrhundert wurden Tiere therapeutisch eingesetzt z.B. wurden Tiere als Co- Therapeuten eingesetzt für Epileptiker und geistig psychisch gestörte Patienten.

Es wurden in dieser Zeit jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen dazu gemacht. Erst ein Buch des amerikanischen Kinderpsychologen Boris M.Levinson brachte 1969 den Durchbruch. Zuvor war es eher ein Zufall als er beobachtete, wie sein eigener Hund Zugang zu einem gestörten Jungen gefunden hat, was ihm zuvor selbst nicht gelang.

Er hat dann in Sitzungen mit Kindern erstmals Hunde eingesetzt und die Erfolge dokumentiert. Er erkannte die Möglichkeiten und führte genaue Beobachtungen und Befragungen durch und veröffentlichte seine Ergebnisse. Forscher aus der ganzen Welt begannen die Beziehung zu Mensch- Tier näher zu untersuchen.

Die Praxis kam dann rascher voran als die Theorie, es entstanden in kürzester Zeit Tierliebende Gruppen und Institutionen wie Tierschutzvereine und Hundezüchterverbände die mit eigens ausgebildeten Tieren in Altenheimen, Krankenhäusern oder psychiatrischen Anstalten zum Einsatz kamen.

Jedoch muss man erwähnen, dass das Wort Tiergestützt deutlich macht, dass die Tiere als zusätzliche Helfer die Therapeuten nur unterstützen, nicht aber ersetzen. (Vgl. Greiffenhagen, Tiere als Therapie S.15).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Tiergestützte Intervention bei demenziell erkrankten Menschen. Ziele, Chancen und Herausforderungen
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V512994
ISBN (eBook)
9783346091536
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tiergestützte, intervention, menschen, ziele, chancen, herausforderungen
Arbeit zitieren
Kerstin Strohbach (Autor), 2019, Tiergestützte Intervention bei demenziell erkrankten Menschen. Ziele, Chancen und Herausforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512994

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