Der ostasiatische Entwicklungsstaat Taiwan

Das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaftswachstum


Hausarbeit, 2018
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklungsstaattheorie

3 Taiwans politische Anfänge

4 Taiwans Aufstieg als Industrienation

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

In der Nachkriegszeit war der Gedanke, dass der Staat eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes spielt, nicht befremdlich, vielmehr war es eine Selbstverständlichkeit. Auch die Initiierung eines freien Marktes wurde als eine absolute Notwendigkeit erachtet, um angestrebte Ziele zu erreichen. Ob der entstandene Wirtschaftswachstum jedoch tatsächlich nur mit dem bewussten Einschreiten der Politik oder diverser anderer Faktoren zu erklären sei, ist eine Fragestellung, die bereits in den 60er Jahren eine Diskussion unter Ökonomen eröffnete. In eben dieser Zeit formierte sich das Konzept des ostasiatischen Entwicklungsstaates zu einem Modell.

Die World Bank veröffentlichte 1993 den Artikel „The East Asian Miracle“, in welchem der rapide Wirtschaftswachstum erklärt wurde. Der Bericht gab an, dass die ostasiatischen Regierungen die wirtschaftlichen Märkte verbesserten und somit auch den Wettbewerb förderten. Insbesondere wurden dabei Taiwans und Koreas Regierungen genannt, bei denen deutlich herausgestellt werden konnte, dass ein Eingriff der Regierung in die Entwicklung der Industrie stattgefunden hat, wohingegen der kausale Zusammenhang noch grundsätzlich in Frage gestellt wurde (vgl. World Bank 1993: 131ff.).

Diese Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklungsstaattheorie, wobei insbesondere der ostasiatischer Staat Taiwan, als Beispiel herangezogen wird. Um sich der Theorie zu nähern, werden wichtige Argumente, Fakten und Beobachtungen dargelegt sowie kritisch untersucht. Im nächsten Schritt wird in Kürze der historische Hintergrund Taiwans dargestellt, wonach eine genauere Betrachtung der wirtschaftlichen Veränderungen von 1950 bis 1990 folgt. Dabei wird der Fokus immer wieder auf die Positionierung der Regierung Taiwans zu jener Zeit gelegt.

Mit der Ausarbeitung der Theorie drängt sich folglich die Frage auf, ob diese auf andere Staaten übertragbar ist. Um jedoch im gesetzten Rahmen dieser Hausarbeit zu bleiben, können Aspekte wie diese nicht berücksichtigt werden so auch z.B. der Einfluss von Ethnizität, Bildung, Religion und Unternehmertum aufdie Entwicklung des Landes.

Schwerpunkt dieser Arbeit ist es, das Wirtschaftswunder Taiwans und ihr Zusammenhang zur Politik zu untersuchen.

2 Entwicklungsstaattheorie

Historisch betrachtet war Chalmers Johnson der erste Politikwissenschaftler und Asienexperte, der sich ernsthaft und ausführlich mit den Entwicklungsstaaten auseinandergesetzt hat. Er ist der Verfasser von „MITI and the Japanese Miracle“ (Johnson 1988), wo er am Beispiel von Japan den Prozess bzw. die Entwicklung Japans analysiert. Rückblickend wird davon ausgegangen, dass Japan aufgrund der strikten Regierungsplanung ein Entwicklungsstaat in der Meiji-Zeit war (vgl. Woo-Cumings 1999: 9f.). Seiner Definition zufolge braucht ein Entwicklungsstaat im Allgemeinen zunächst eine Regierung, sofern ein wirtschaftliches System vorhanden ist und erst dann können auch entsprechende Entwicklungsbedingungen geschaffen sowie reguliert werden. Johnsons Theorie basiert auf empirischen Fällen, die eine erfolgreiche Industrialisierung zurückgelegt haben. Allerdings war auch diese immer wieder mit einer enorm staatlichen Intervention verbunden (vgl. Dent 2003: 467). Seine Arbeit über Japan wurde über die Jahre sehr bekannt, was vor allem auf seine präzise Theorie und Analytik eines Entwicklungsstaates zurückzuführen ist, die er aus heutiger wissenschaftlicher Sicht im Kern richtig erkannte und darstellte (vgl. Woo-Cumings 1999: 5).

Meredith Woo-Cumings schließt sich Johnsons Meinung über den Entwicklungsstaat an und schreibt: “’Developmental state’ is a shorthand for the seamless web of political, bureaucratic, and moneyed influences that structures economic life in capitalist Northeast Asia” (Woo-Cumings 1999: 1). Die Theorie war ihrer Meinung nach eine Erklärung für die Industrialisierung in Ostasien.

Auf der Grundlage empirischer Untersuchungen konnten Wissenschaftler wie zum Beispiel Johnson, Amsden, Evans und Wade nachweisen, dass der Staat eine weitaus wichtigere Funktion in der Verbesserung der Wirtschaft einnimmt als die dazu vergleichenden liberalen Staaten (vgl. Dent 2003: 466f.). Ostasiatische Länder wie Japan, Korea, Taiwan oder Singapur wurden dabei insbesondere unter die Lupe genommen.

„The developmental state is peculiar in that state and other elites expect economic policies to transform the economy from a less to a more industrialized stage and tolerate enormous state discretion over resource allocation“ (Schneider 1999: 288). Für den Wissenschaftler Chang stellte sich heraus, dass höherer Wirtschaftswachstum regeneriert werden kann, wenn eine starke staatliche Intervention stattfindet (vgl. Chang 1999: 183), da die Politik im Stande ist, nicht entwickelte Staaten in die Industrialisierung zu führen.

Die Entwicklungsstaattheorie, die in den 1990er Jahren aufgestellt wurde, war das Ergebnis verschiedener zusammenhängender Theorien. Zu einer von ihnen gehört Greschenkrons, in der er behauptet, dass Entwicklungsländer, die anfangs vom eigenen Regierungsstaat in eine gewisse wirtschaftspolitische Richtung angestoßen wurden, anschließend einen Markt entwickeln, der im Laufe der Zeit eine selbstregulierende Rolle im Industrialisierungsprozess einnimmt (vgl. Dent 2003: 463).

Amsden zeigt am Beispiel von Korea, welch eine starke Einflussnahme des Staates erforderlich war, um die späte Industrialisierung des Landes zu bewerkstelligen (vgl. Hamilton 1990: 1611f.). Somit wird das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum in Ostasien nach dem 2. Weltkrieg durch die autoritäre Regierungsform in einem Entwicklungsstaat erklärt. Die Entwicklungsstaattheorie stellt den Staat in den Mittelpunkt, der die Entwicklung des Landes maßgeblich bestimmt.

3 Taiwans politische Anfänge

1894 brach der Sino-japanische Krieg, aufgrund der japanischen Invasion Koreas, aus. China war - militärisch gesehen - schwach ausgerüstet und somit kein ebenbürtiger Gegner für Japan, sodass China den Krieg bereits nach kurzer Zeit verlor. China war gezwungen die Insel Taiwan an Japan abzutreten, da es Teil des Friedensabkommens war.

Der verlorene Krieg und der Verlust der Insel bewirkten große Aufruhen im chinesischen Land, denen die Dynastie Qing nicht standhalten konnte. 1911 kam es letztlich dazu, dass die chinesische nationalistische Partei Kuomintang (KMT), die Macht ergriff. So wurde das kaiserliche China zur Volksrepublik China.

1945 endet der Zweite Weltkrieg und Japan gehörte zu den Verlierern, daher musst es auch alle Kolonien zurückgeben, worunter auch Taiwan mit inbegriffen war (vgl. Gulati 1992: 165).

Während Taiwan unter der Herrschaft Japans stand, wurde von der Kolonialmacht veranlasst, eine Infrastruktur zu errichten, um erste Schritte der Modernisierung aufder Insel zu unternehmen (vgl. Bridges 2008: 579).

Mit dem Aufkommen der kommunischten Partei, unter der Führung von Mao Zedong, kam es zu ständigen Auseinandersetzungen mit der KMT. Die letztere Partei war nicht bereit Kompromisse einzugehen, daher endete dieser Konflikt in einem Bürgerkrieg (Dirlik 1975: 59).

Chiang Kai-shek ging als Verlierer aus dem Bürgerkrieg und floh 1949 auf die Insel Taiwan. Ab diesem Zeitpunkt erklärte die KMT einen Kriegszustand zwischen China und der Insel Taiwan, welcher bis 1987 aufrechterhalten wurde. Chiang Kai-sek regierte bis zu seinem Tod 1975 in Taiwan. Sein Sohn Chiang Chin-Duo übernahm das Amt und 1987 ergriff er die notwendigen Maßnahmen, um den Krieg zu beenden (vgl. Seymour 1988: 74ff.). Im Jahr 2000 wurde Chen Shui-bian von der Democratic Progressive Party (DPP) Präsident, der die Regierungszeit der KMT aufTaiwan beendete.

4 Taiwans Aufstieg als Industrienation

Taiwan gehört zu den vier „kleinen Tigern“ und hatte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die höchste Wachstumsrate verzeichnet (vgl. Page 1994: 219). Dieser wirtschaftliche Erfolg, der vorwiegend auf den Wirtschaftswachstum ausgerichtet ist, machte viele Wissenschaftler und Forscher neugierig. Das Interesse an den ostasiatischen Tigern kam verstärkt in den 1990er Jahren auf. In dieser Zeit entstand auch „The East Asian miracle“ (World Bank 1993), das zu den bekanntesten Werken über die schnelle und unerwartete Wandlung eines ostasiatischen Entwicklungslandes zu einem Industriestaat darstellt und es als Wirtschaftswunder bezeichnet.

Wenn man im besonderen Taiwan und die anderen asiatischen Länder vergleicht, kommt die Frage auf: Was hat Taiwan anders gemacht als diese Länder, denn sie hatten eigentlich ähnliche Ausgangspunkte.

Taiwan verzeichnete über den Zeitraum von I960 bis etwa 1994 einen Wirtschaftswachstum im Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 8,7% (vgl. Collins 1996: 136). Hier sei betont, dass Taiwan diesen Prozess in einer sehr kurzen Zeitspanne durchlief, sodass es kein kurzes, einmaliges Phänomen war, sondern ein nachhaltiges und dauerhaftes Ereignis.

Das große Interesse der Forscher kann nur dadurch erklärt werden, dass sie darum bemüht waren, das Beispiel von Ostasien in anderen Entwicklungsstaaten nachzuahmen. Schließlich ist eine Theorie darin definiert, dass diese wiederhol-, mess- und empirisch überprüfbar sein muss. (vgl. Thiel 1996: 260ff.)

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der ostasiatische Entwicklungsstaat Taiwan
Untertitel
Das Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaftswachstum
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V513036
ISBN (eBook)
9783346099686
ISBN (Buch)
9783346099693
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklungsstaat, taiwan, verhältnis, staat, wirtschaftswachstum
Arbeit zitieren
Kristina Kremer (Autor), 2018, Der ostasiatische Entwicklungsstaat Taiwan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513036

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