Eine Analyse der Vernichtung lebensunwerten Lebens im Nationalsozialismus anhand den theoretischen Überlegungen Judith Butlers

Der Wert eines Lebens


Seminararbeit, 2017

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Überblick über die Vorgeschichte der NS-Euthanasie

3. Erwachseneneuthanasie

4. Der Wert eines Lebens nach Judith Butler
4.1 Betrauerbarkeit
4.2. Anerkennung
4.3. Wesen eines Menschen

5. Analyse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ob ich ein Leben mit Wert führen kann oder nicht, kann ich nicht selbst entscheiden, denn es zeigt sich, dass dieses Leben mein eigenes und doch nicht mein eigenes ist und dass ich genau darin ein soziales und ein lebendiges Wesen bin.“- Judith Butler 1

Die NS- Euthanasie2 fand während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland von 1939 bis 1945 statt und kostete ca. 200.000 deutschen Bürgern das Leben (vgl. Aly 2013, S.9). Unterteilt war sie in die Kinder- und Jugendeuthanasie und in die Erwachseneneu­thanasie (vgl. Benzenhöfer 2009, S. 192). Planungen in Richtung der NS-Euthanasie gab es schon vor Eintreten des Krieges, doch es war von Adolf Hitler geplant, sie wäh­rend des Krieges „wenn der Wert des Menschenlebens ohnehin minder schwer wiegt“ zu vollziehen (vgl. o.V. 1984, S. 65). Sie richtete sich haupt- aber nicht ausschließlich an psychisch kranke und körperlich oder geistig behinderte Menschen und nach dem His­toriker Götz Aly zu urteilen entnahm sie ihnen ihre Würde (vgl. Aly 2013, S. 10; vgl Klee 1999, S. 61). Der Begriff „Euthanasie“ wurde von den Nationalsozialisten in seiner Be­deutung entwendet, da er mit seiner eigentlichen aus der Antike stammenden Bedeu­tung eines würdigen, leichten und schnellen Todes hier nichts mehr gemein hatte (vgl. Benzenhöfer 2009, S. 19). Als Synonym für die NS-Euthanasie bildete sich die Beschrei­bung der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ heraus (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1065). Daraus ergab sich für mich die Frage, wie ein Leben in solch einer Form entwertet werden kann und grundlegender, was den Wert eines Lebens bedingt. Um diesen Fra­gen zu beantworten möchte ich mich in der hier vorliegenden Arbeit mit den Überlegun­gen der Theoretikerin Judith Butler (geb. 1956) auseinandersetzen, welche sich in ihren Werken insbesondere im Kontext von Geschlechternormen aber auch bezüglich von Kriegssituationen mit dem Wert eines Lebens befasst.

Ich möchte nun gerne auf den Ablauf meiner Arbeit zu sprechen kommen. Als erstes möchte ich gerne auf die Entwicklung eingehen, die vor der NS-Euthanasie stattgefun­den hat, um darzustellen, wie die Wahrnehmung von einem lebensunwerten Leben er­möglicht wurde. Dabei ist es jedoch mein Anliegen nur einen Überblick über dieser Ent­wicklung zu geben, durch die man die meines Erachtens wesentlichen Punkte ersehen werden können. Es soll mir dabei nicht, und darauf möchte ich gerne ausdrücklich hin­weisen, um eine Wiedergabe des Verlaufes der NS-Euthanasie gehen. Im Anschluss werde ich ein wenig detaillierter (nur) auf die Organisation der Erwachseneneuthanasie und nicht der Kinder- und Jugendeuthanasie eingehen, da ich es für die Anwendung von Judith Butlers Theorie für geeigneter halte. Da beide jedoch in ihrem Verlauf und noch wesentlicher in den ihnen zu Grunde legenden ideologischen Grundgedanken grundle­gende Gemeinsamkeiten aufwiesen, ist diese Arbeit meines Erachtens auch auf die Kin­der- und Jugendeuthanasie anwendbar (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S.200). Nach­dem ich somit auf die Grundlagen der Geschehnisse eingegangen bin, werde ich versu­chen die Theorie von Judith Butler zum Wert eines Lebens darzustellen. Diesen Teil werde ich nach einer kurzen Einleitung in drei Unterpunkte - Betrauerbarkeit, Anerken­nung und das Wesen eines Menschen- gliedern. Bevor ich meine Arbeit dann mit einem Fazit beende, werde ich die dargestellten theoretischen Überlegungen Butlers auf die Umstände der NS- Euthanasie beziehen, um die Antwort meiner Fragestellungen zu er­schließen.

Für das Ziel meiner Arbeit, einen Beitrag für das Verständnis zu leisten, was in der NS- Euthanasie passiert ist, soll mir der folgende Satz von Götz Aly dienen: „Geschichte er­fordert Demut und hält nur die eine Lehre bereit: Niemand steht auf der sicheren Seite.“ (Westermann 2011, S. 231).

2. Ein Überblick über die Vorgeschichte der NS-Euthanasie

Die Zielgruppe der NS-Euthanasie war schon Jahrzehnte vor dem Beginn dieser als minderwertig definiert (vgl. Westermann 2011, S. 232). Es herrschten Vorurteile gegen­über kranken und behinderten Menschen und es galt die Ansicht sie als Ballast in wirt­schaftlich schweren Zeiten wahrzunehmen (vgl. Hofmann 2011, S. 71). Diesen Umstand machten sich die Nationalsozialisten zunutze, indem sie die deutsche Bevölkerung mit­tels Propaganda ab dem Jahr 1935 aktiv auf die Euthanasie vorbereiteten und somit aktiv in das moralische Bewusstsein in der Bevölkerung einwirkten (vgl. Klee 1999, S.53). Lassen Sie mich diese Propaganda anhand von zwei Beispielen fest machen.

Zum einen sollte durch das Filmen der schlechten Umstände in den Heil- und Pflegean­stalten ein Bewusstsein dafür geweckt werden, dass die NS-Euthanasie eine Erlösung für die PatientInnen darstellt, die sich in diesen befanden (vgl. Klee 1999, S. 53). Diese schlechten Umstände, durch die die PatientInnen jahrzehntelang vor der NS-Euthanasie ausgesetzt waren und die sich in mangelhaften Versorgungen und riskanten Therapie­verfahren äußerten, spitzten sich durch die Sparmaßnahmen der 30er Jahre zu (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1066). Das andere Beispiel bezieht sich auf die Zeitung der SS mit dem Namen „Das Schwarze Korps“. In der Ausgabe von 1937 wurde von einem Vorfall berichtet, bei dem ein Vater seinen geisteskranken Sohn auf dessen Wunsch getötet hat. Dieser Vorfall wurde als ein „mutiger Schritt“ kommentiert und es wurde be­schrieben, dass diese „Geschöpfe“ in der Natur und somit ohne eine Unterstützung von außen nicht lebensfähig seien, da sie verhungern würden (vgl. o.V. 1984, S 64). Dieser Gedanke wurde auch von Karl Binding in dem so angesehenen Grundwerk der Eutha­nasie formuliert (s. unten) (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 194)

Der Grundgedanke der Euthanasie wurde von Charles Darwins Werk „Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampf ums Dasein“ (1859) entnommen (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 193). In diesem beschrieb er den Prozess der natürlichen Auslese, durch den Tiere aufgrund ihrer schlechten Anpassung in der freien Natur selektiert werden. Der Psychiater Eugen Beuhler, wie auch viele andere Personen verwendeten diese Theorie auf die menschli­che Gesellschaft und entwendeten diese dadurch von ihrer eigentlichen Bedeutung. Die „Unangepassten der Gesellschaft“ stellten für sie die späteren Opfer der NS-Euthanasie dar (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 193). Diesen Gedanken griff Hitler in „Mein Kampf“ (1925) auf, in dem er von einer „Humanität der Natur“ schrieb, die um „der Stärke“ mehr Platz zu geben „die Schwäche“ vernichten würde (vgl. o.V. 1984, S. 63). Für ihn stand die körperliche und geistige Gesundheit in einem direkten Zusammenhang mit der Würde eines Menschen (vgl. o.V. 1984, S. 64). Diese Einstellung stellte die Grundlage für die Sterilisation der psychisch und körperlich kranken Menschen dar, des­sen Fortpflanzung es zu verhindern gab (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 193). Diese wurde im Juli 1933 mit dem Gesetz „zur Verhütung erbranken Nachwuchses“ vom nati­onalsozialistischen Regime verabschiedet (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). Unter dem Vorwand das Leid nicht weitervererben zu wollen, wurde es als eine „Tat der Nächstenliebe“ beschrieben (vgl. o.V. 1984, S. 67). Es kam zu einer Massensterilisation von ca. 400.000 psychisch und körperlich kranken Menschen (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S.194). Gerichtet war sie an diejenigen Menschen, die an angeboren „Schwach­sinn“, Schizophrenie, Bipolaren Störungen, erblicher Fallsucht, Chorea Huntington, erb­licher Blind- oder Taubheit, schwerer erblicher körperlichen Missbildung oder schwerem Alkoholismus litten (vgl. Nedoschill 2009, S. 508). Die NS-Euthanasie stellte folglich „nur“ einen Höhepunkt einer bereits schon vorher begonnenen Entwicklung der Erb- und Ras­senhygiene dar (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1066). Es versteht sich durch die Ausfüh­rungen von selbst, dass die NS-Euthanasie zu einer letztlichen „verbesserten Volksge­sundheit“ führen sollte, indem es hauptsächlich leistungsstarke und gesunde Individuen geben sollte (vgl. Klee 1999, S. 59). Zu diesem Zweck sollte der Teil der Gesellschaft, der als leistungsschwach galt und als weniger wertvoll angesehen wurde vernichtet wer­den (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1068).

Der deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge äußerte sich indes gegenüber dem Gesetz, welches die Sterilisation ermöglichte befürwortend, anstatt es durch seine eigentliche Funktion, die in der Unterstützung dieser Opfer lag, zu verhindern zu versu­chen (vgl. Klee 1999, S. 61).

Erste deutlichere Andeutungen in Richtung der Euthanasie kamen von dem Mediziner Ernst Haeckel, der 1904 seine Schrift „Die Lebenswunder“ veröffentlichte (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). In dieser sprach er von einem infrage stellendem Recht oder einer Pflicht das „schwere“ Leiden der „Mitmenschen“ zu beenden, wenn diese auf­grund ihrer mangelnden Aussicht auf Besserung ihrer Krankheit selbst um „Erlösung vom Übel“ bitten würden. Mit der Bezeichnung „Mitmenschen“ bezog er sich auf erwach­sene geisteskranke Menschen und körperlich oder geistig behinderte Kinder. Den „Akt der Erlösung“ sei durch Mitleid und Vernunft geleitet. Vernünftig sei diese Handlung des­halb, da die Erhaltung dieser „armseligen Leben“ für die Betroffenen, als auch für deren sie unterstützenden Familie ein Elend darstellen würde. In diesem Zusammenhang stellte er den Nutzen für die Gesellschaft und der Betroffenen infrage, wenn diese ohne eine Form von Unterstützung nicht lebensfähig seien (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). Eine ähnliche Wahrnehmung gegenüber den späteren Opfern der NS-Euthana­sie findet sich in der Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ (1920) wieder, die der Jurist Karl Bindung und der Psychiater Alfred E. Hoche veröffent­lichten (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). Binding sprach in diesem von einem Erhalt des „lebensunwerten Lebens“, für welches, meist ohne einen Nutzen, Arbeit, Ge­duld und Geld verwendet werden und die Natur erst „mitleidlos spät“ den Tod herbeifüh­ren würde (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). Viktor Brack, ein Oberdienstleiter der Kanzlei des Führers stellte den Nutzen in Zusammenhang mit der vorhandenen Kriegssituation, in der viele gesunde Menschen sterben und es demnach auf die Be­troffenen der NS-Euthanasie nicht in einem erheblichen Maß ankommen würde. Mit die­ser Überzeugung trat er unter anderem den Ärzten und Anstaltsleitern gegenüber, die in der NS-Euthanasie mitwirken sollten (vgl. o.V. 1984, S. 67).

Auch wurde in dieser Schrift von Binding und Hoche das erste Mal der Zusammenhang zum ökonomischen Zweck der Euthanasie hergestellt, der von Anfang an im Mittelpunkt der Planungen und Überlegungen der NS-Euthanasie stand (vgl. Klee 1999, S.60). Es gäbe eine wirtschaftliche und moralische Bürde gegenüber dem Leben der „geistig To­ten“ zu tragen (vgl. Castell und Nedoschill 2001, S. 194). Einen ähnlichen Ansatzpunkt vertrat scheinbar der damalige Reichsärzteführer Dr. Gerhard Wagner, der 1934 im „Deutschen Ärzteblatt“ (1934) einen Beitrag veröffentlichte, in dem er seine Rechnung von 1,2 Milliarden Reichsmark wiedergab, welche jährlich für die deutschen Geisteskran­ken, Blinden, Taubstummen, Trinker und „Fürsorgezöglinge“ durch den Staat zu decken wären (vgl. Klee 1999, S.53). Auch in den Mathematikbüchern schlichen sich in Rechen­aufgaben solche Art Kosten-Nutzen-Rechnungen ein. Die Botschaft, die dadurch vermit­telt werden sollte lautete, dass durch diese Kosten weniger Geld für den gesunden Bür­ger zu Verfügung stehen würde, der demnach darunter zu leiden hätte (vgl. Klee 1999, S. 53).

3. Erwachseneneuthanasie

Die Erwachseneneuthanasie lässt sich als die erste zentral organisierte Massenvernich­tungsaktion im Nationalsozialismus beschreiben (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1065). Sie begann am 18. August 1939 (vgl. Aly 2013, S. 43). Im September 1939 kam es zu einem Erlass des Reichsinnenministeriums des Innern an unter anderem außerpreußi­sche Landesregierungen. Der Erlass besagte, dass in ca. einem Monat ein Verzeichnis der Heil- und Pflegeanstalten zu erstellen sei, die Geisteskranke, Epileptiker und Schwachsinnige beherbergen (vgl. Klee 1999, S. 109). Wenig später erfolgte ein Rund­erlass des Reichsinnenministeriums an Anstalten in Süddeutschland, welches angab, dass die PatientInnen durch versandte Meldebögen erfasst werden sollen. Der angege­bene Zweck dieser Maßnahme lautete die Anstalten planwirtschaftlich erfassen zu wol­len. In diesen Meldebögen galt es von Menschen zu berichten, die unter Krankheiten leiden, welche nicht oder nur durch mechanische Arbeiten zu beschäftigen sein. Die Zielgruppen dieser Erfassung stellten unter anderem Schizophrene, Epileptiker, Men­schen mit einer senilen Erkrankung, Menschen mit Chorea Huntington oder Menschen mit einem mindestens 5 Jahre anhaltenden Aufenthalt in Anstalten dar. Im Verlauf der Erwachseneneuthanasie beschränkte sich diese Erfassung nicht weiter nur auf solche in Süddeutschland, sondern erstreckte sich deutschlandweit (vgl. Klee 1999, S. 109).

Beim Begutachten der Meldebögen war das wichtigste Merkmal die Arbeitsfähigkeit oder Unfähigkeit (vgl. Klee 1999, S. 112). Weiterhin wurde die Selektion der Opfer anhand der Kriterien der vorhandenen Erbkrankheit oder Unheilbarkeit vollzogen (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1065). Nachdem die Gutachter einen ersten Blick auf diese Meldebögen warfen und dadurch eine erste Selektion der PatientInnen vollzogen, entschieden die Obergutachter letztlich über ihr Schicksal (vgl. Klee 1999, S. 112). Entweder die Patien­tInnen wurden dann von ihren Heil- und Pflegeanstalten direkt durch Busse in die Ver­nichtungszentren oder zunächst in eine Zwischenanstalt gebracht (vgl. Klee 1999, S. 200). Die Vernichtungsbeinhalteten Gaskammern und Krematorien. Die PatientInnen wurden durch das Gas Kohlenmonoxyd in Gruppen umgebracht und danach in den Kre­matorien verbrannt. Mehr als 70. 000 PatientInnen kamen auf diese Weise um (vgl. Klee 1999, S. 170). Die sechs Vernichtungszentren waren Grafeneck (bei Reutlingen), Bran­denburg an der Havel, Bernburg an der Saale, Hadamar in Nordhessen, Hartheim bei Linz und Sonnenstein bei Pirna (vgl. Aly 2013, S. 48). Zu dem Zweck der Bescheinigung des Todes der getöteten Menschen wurden Sonderstandesämter errichtet (vgl. Klee 1999, S. 112).

Lassen sie mich nun einen Einblick auf die Organisation der Erwachseneneuthanasie geben. Die Kanzlei des Führers arbeitete mit der Medizinalabteilung und dem Reichsin­nenministerium zusammen (vgl. Hohendorf et al. 2002, S. 1066). Dem Leiter der Kanzlei Philipp Bouhler und dem Arzt Dr. med. Brandt oblag die Verantwortung der durchgeführ­ten Euthanasie. Denn im Oktober 1939 befugte Hitler sie dazu Ärzten den Gnadentod bei Menschen mit unheilbaren Krankheiten zu gewähren (vgl. Klee 1999, S. 109). Die Vernichtung lebensunwerten Lebens wurde dadurch jedoch nicht rechtlich legitimiert und war es auch bis zum offiziellen Ende ihrer Durchführung am 24.8. 1941 nicht (vgl. Klee 1999, S. 111). Zur Verschleierung des Prozesses der Erwachseneneuthanasie wurden mehrere Tarnorganisationen gegründet, die die durch die Gesellschaft weitaus unbe­merkte bürokratische Arbeit der Organisatoren ermöglichten (vgl. Klee 1999, S. 110).Als Tarnbezeichnung der Erwachseneneuthanasie wurde sie im späteren Verlauf auch Ak­tion T4 genannt. Dieser Name ergab sich aus der Adresse der Dienststelle in der Tier­gartenstraße 4 (vgl. Aly 2013, S. 46). Ab Ende des Jahres 1941 begann die Eingliede­rung dieser Zentraldienststelle in den Staatsapparat (vgl. Klee 1999, S. 47).

4. Der Wert eines Lebens nach Judith Butler

Unter dem Begriff des Lebens versteht Butler eine Konstruktion derjenigen, die die Macht besitzen zwischen einem Leben mit einem Wert oder Leben mit weniger Wert zu unter­scheiden (vgl. Kurianowicz 04.02.2009, o.S.).

In ihrer Entscheidung orientieren sie sich an gesellschaftliche und politische Normen, die demnach in der Lage sind den Wert eines Lebens zu bestimmen (vgl. Butler 2009, S. 28). Nach Butler zeigt sich gerade durch diese Lage, in der das Individuum selbst nicht über den Wert des Lebens entscheiden kann, sein eigenes Wesen (s. Zitat Einlei­tung) (vgl. Butler 2012, o.S.). Deswegen ist es mir ein Anliegen später (Punkt 4.3.) darauf einzugehen, was den Menschen nach Butler ausmacht.

Da der Wert eines Lebens selbst maßgeblich mit der Betrauerbarkeit und der Anerken­nung des Lebens zusammen hängt, und dieser wie erwähnt durch Normen beeinflusst wird, sind auch diese wiederum durch Normen bestimmt (vgl. Butler 2009, S. 12; S. 57).

[...]


1 (Butler 2012, o.S.)

2 Wie Ernst Klee in seinem Buch >>Euthanasie<< im NS-Staat. Die >>Vernichtung lebensunwerten Lebens<< werde ich den Begriff der Euthanasie nicht in Anführungszeichen setzen. Er gab an dies nicht zu tun, da der Missbrauch die­ses Wortes durch die Nationalsozialisten deutlich sei.

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Details

Titel
Eine Analyse der Vernichtung lebensunwerten Lebens im Nationalsozialismus anhand den theoretischen Überlegungen Judith Butlers
Untertitel
Der Wert eines Lebens
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V513523
ISBN (eBook)
9783346107886
ISBN (Buch)
9783346107893
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, analyse, vernichtung, lebens, nationalsozialismus, überlegungen, judith, butlers, wert
Arbeit zitieren
Louisa Landschein (Autor), 2017, Eine Analyse der Vernichtung lebensunwerten Lebens im Nationalsozialismus anhand den theoretischen Überlegungen Judith Butlers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513523

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