Intertextualität in "Wolken.Heim." von Elfriede Jelinek. Dichterhimmel, Elfenbeinturm und Hochsicherheitstrakt


Hausarbeit, 2019

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Intertextualität

3 Elfriede Jelineks Wolken.Heim
3.1 Funktionen der Zitate
3.1.1 Titel
3.1.2 Vorwort
3.1.3 Nachwort
3.2 Funktionen der Dramenform

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ich habe schon oft gesagt, daß sic ich kein Theater von ihnen will. … Sie dürfen aber auch nicht sie selber sein wollen. Das Allerschlimmste ist, wenn sie, was sie da werden sollen, mit dem in Übereinstimmung zu bringen suchen, was sie bereits sind.1

Mit dieser Aussage beschreibt Elfriede Jelinek das postdramatische Theater. Dies ist eine zeitgenössische Form des Theaters, die sich vom klassischen Sprechtheater lösen möchte.2 Dabei rückt der Text in den Hintergrund und stattdessen wird das Theater selbst hinterfragt.3 Dadurch soll eine neue Art der Aufführung geschaffen werden, die nicht mehr von der Textvorlage abhängt.4 Die Schauspieler verkörpern keine Rollen mehr und stellen keine Handlung mehr dar, sondern die Performativität ihrer Arbeit steht im Vordergrund.5 Das bedeutet, dass die Sprache von ihren Figuren getrennt wird.6 Die Themen solcher Aufführungen sind meist von hoher Aktualität, da nicht nur das Theater und seine Schauspieler, sondern auch zeitgenössische Diskurse hinterfragt werden.7

Der Theatertext Wolken.Heim . von Elfriede Jelinek kann dem postdramatischen Theater zugeordnet werden. Dieses Werk wird 1988 als Auftragsarbeit für das Schauspiel Bonn geschrieben und 1990 erstmalig als Druck veröffentlicht.8 Es ist ihr erster Theatertext, der ohne Szenen, Figuren und Regieanweisungen auskommt.9 Dadurch kann dieses Werk eher als Lesedrama und nicht als Bühnendrama gesehen werden. Lesedramen können aufgrund ihrer Form oder ihres Inhalts eigentlich nicht aufgeführt werden.10 In diesem Werk hängt die Problematik der Umsetzung vor allem damit zusammen, dass sogenannte intertextuelle Bezüge verwendet werden. Der Text besteht nämlich aus einem langen Monolog des deutschen Nationalgeistes, der durch Zitate von deutschen Dichtern, Philosophen und einer terroristischen Vereinigung oder anders formuliert aus dem „Dichterhimmel, Elfenbeinturm und Hochsicherheitstrakt“11 ergänzt wird.

Dieser Theatertext von Elfriede Jelinek wurde bisher schon oft in der Forschung behandelt, da er eine hohe Dichte an intertextuellen Bezügen vorweisen kann. Die Ansätze in der Forschung sind dabei unterschiedlich, doch die Einbindung der Zitate in die Untersuchungen ist kaum zu vermeiden: von intertextuellen, über hermeneutische, bis zu rein sprachkritischen Ansätzen.12 Diese Untersuchung wird der Frage nachgehen, welche Funktionen die Zitate in Wolken.Heim. einnehmen und dafür soll die Theorie der Intertextualität genutzt werden. Außerdem wird auf die Theorien des postdramatischen Theaters und des Lesedramas eingegangen, um die Funktionen der vorhandenen Dramenform herauszufinden.

2 Intertextualität

Der Begriff der Intertextualität ist noch relativ jung, da er erst in den 1960er Jahren durch Julia Kristeva, ausgehend von Michail Bachtins Theorie der Dialogizität, geprägt wird.13 In den letzten Jahrzehnten werden noch weitere Theorien zur Einteilung von intertextuellen Phänomenen aufgestellt. Die Untersuchung von Bezügen zwischen verschiedenen Texten, und damit der Intertextualität, findet jedoch schon seit langer Zeit statt.14 Unter anderem können diese Bezüge durch Nennungen der Prätexte, Zitate oder Anspielungen auf Figuren und Handlungen erzeugt werden.15 Die heutige Bandbreite an Theorien zur Intertextualität sorgt dafür, dass im Folgenden nur einige Phänomene erläutert werden, die auch für die Untersuchung von Elfriede Jelineks Wolken.Heim. genutzt werden können.

Eine der wichtigsten Typologien stellt Gérard Genette in seinem Werk Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe auf. Dabei nennt er jedoch als Oberbegriff die Transtextualität, zu der die verschiedenen Unterbegriffe gehören.16 Den ersten Typ bezeichnet er als Intertextualität, womit direkte Bezüge zwischen mehreren Texten gemeint sind.17 Dies können beispielsweise Zitate, Plagiate oder Anspielungen sein. Die Unterscheidung von Zitaten und Plagiaten sieht Genette nur im ethischen oder juristischen Bereich.18 Wenn Zitate ohne Anführungszeichen oder Fußnoten eingebunden werden, müssen sie jedoch nicht automatisch Plagiate sein.19 Bei Anspielungen werden ähnliche Formulierungen verwendet, die den Leser an den Prätext erinnern und somit setzen sie literarisches Wissen voraus.20 Der zweite Typ wird Paratextualität genannt und bezeichnet alle Bezüge innerhalb des Rahmens des Textes.21 Dazu zählen vor allem der Titel, aber auch Vorwort, Nachwort und Fußnoten. Jede Formulierung, neben dem eigentlichen Text, kann also damit gemeint werden.22 Den dritten Typ bezeichnet Genette als Metatextualität.23 Hierbei handelt es sich um Bezüge von theoretischen Texten zum eigentlichen Text.24 Das können Kommentare oder Anmerkungen des Autors selbst sein. Als vierter Typ wird die Hypertextualität genannt, womit allgemeine Bezüge zwischen mehreren Texten gemeint sind.25 Darunter sind immer literarische Texte zu verstehen, von denen der zweite nicht ohne den ersten entstehen kann.26 Zu unterscheiden sind zwei grundlegende Untertypen der Hypertextualität, zu der die Transformation und die Nachahmung zählen.27 Bei der Transformation wird der Inhalt des Prätextes in einer veränderten Form übernommen, während bei der Nachahmung die Form mit einem anderen Inhalt wiedergegeben wird.28 Der fünfte und letzte Typ ist die Architextualität und damit bezeichnet Genette die Bezüge zwischen einer Gattung und dem eigentlichen Text.29 Im Gegensatz zu den anderen Typen muss die Gattung nicht direkt oder indirekt genannt werden, sondern sie wird durch die Form des Textes dargestellt und durch den Leser erkannt.30 Es können etwa ein Versmaß, Regieanweisungen oder Dialoge darauf hinweisen.

Ergänzend dazu stellen Ulrich Broich und Manfred Pfister grundlegende Überlegungen in ihrem Werk Intertextualität: Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien auf. Dabei prägen sie die Begriffe der Skalierung und Markierung der Intertextualität, sowie die Unterscheidung zwischen Einzeltextreferenz und Systemreferenz. Die Skalierung wird in verschiedene Typen aufgeteilt. Den ersten Typ bezeichnen sie als Referentialität und dabei geht es um die Intensivität des Bezuges, durch den der Prätext offengelegt wird.31 Der zweite Typ ist die Kommunikativität, mit dem die Bewusstheit der Intertextualität beim Autor und beim Leser ausgedrückt wird.32 Als dritten Typ nennen sie die Autoreflexivität und damit ist gemeint, dass die Intertextualität selbst thematisiert wird.33 Den vierten Typ definieren sie als Strukturalität, der die Intensivität der Bezugnahme des Prätextes bezeichnet.34 Der fünfte Typ ist die Selektivität und hiermit ist die Pointierung bestimmter Teile aus dem Prätext gemeint.35 Der sechste und letzte Typ wird als Dialogizität bezeichnet.36 Dabei geht es um die Intensivität der Spannung zwischen den Texten, wenn diese in semantischer und ideologischer Spannung zueinander stehen.37 Die Markierung wird ebenfalls in verschiedene Typen aufgeteilt. Die Markierung der Intertextualität kann demnach direkt oder indirekt erfolgen.38 Die Bezüge können in Nebentexten markiert werden.39 Dazu zählen, wie bei der Typologisierung von Genette, der Titel, Fußnoten, Vorwort und Nachwort. Außerdem können die Bezüge zum einen im inneren Kommunikationssystem markiert sein, indem die Figuren selbst den Prätext thematisieren.40 Zum anderen können sie auch im äußeren Kommunikationssystem markiert sein, wobei nur die Leser den Prätext erkennen.41 Als letztes erläutern Broich und Pfister die Unterscheidung zwischen den zwei genannten Referenzen. Bei der Einzeltextreferenz werden direkte Bezüge zwischen Texten durch Zitate, Anspielungen oder Ähnliches hergestellt.42 Mit der Systemreferenz werden dagegen allgemeine Bezüge zwischen Texten durch Textsysteme, Diskurse oder Textgattungen bezeichnet.43

In der vorliegenden Untersuchung von Wolken.Heim. wird auf die genannten intertextuellen Phänomene besonders geachtet. Dadurch, dass der Text eine hohe Anzahl an Zitaten aufweisen kann, werden vermutlich auch unterschiedliche Typen von intertextuellen Bezügen vorhanden sein. Daher kann durch die Untersuchung dieses Werkes auch einiges über die Möglichkeiten der Intertextualität ausgesagt werden.

3 Elfriede Jelineks Wolken.Heim

3.1 Funktionen der Zitate

Elfriede Jelineks Text zeichnet sich durch die Verwendung von Zitaten verschiedener Personen aus. Die Intertextualität wird in den Nebentexten, also dem Titel, Vorwort und Nachwort markiert. Die Zitate werden jedoch nicht mittels Fußnoten oder Anführungszeichen kenntlich gemacht. Daher können in der Untersuchung nur die bereits in der Forschung erkannten Prätexte hinzugezogen werden. Die Vielfalt und Menge an Zitaten verdeutlichen ihre Bedeutung für das Werk. Im Folgenden wird nun auf die verschiedenen Funktionen der Zitate in Wolken.Heim. eingegangen.

3.1.1 Titel

Schon der Titel des Werkes erinnert an andere Theatertexte. Zum einen wird damit auf Die Wolken und Die Vögel von Aristophanes verwiesen und zum anderen auf Wolkenkuckucksheim von Karl Kraus, dessen Text wiederum auf den Dramen von Aristophanes beruht.44 Damit handelt es sich hierbei um Einzeltextreferenzen, weil auf die einzelnen Prätexte Bezug genommen wird. Die Vögel handelt von einer Gedankenfiktion, in der Gelehrte einen Vogelstaat mit dem Namen Wolkenkuckucksheim bilden, der in den Wolken liegt.45 Ausgehend von diesem Werk geht es in Wolkenkuckucksheim um den Beginn des 19. Jahrhunderts, wenn der deutschen Nation das Heimatgefühl fehlt und daher über eine Staatsbildung nachgedacht wird.46 Jelinek greift diese Themen in ihrem Werk auf, indem sie den deutschen Nationalgeist über Heimat und Ausgrenzung referieren lässt. Sie bezieht sich damit, neben dem Inhalt der genannten Werke, auch auf die Politisierung des Theaters zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wenn Kraus seinen Theatertext verfasst.47 Diese intertextuellen Bezüge sorgen dafür, dass die Themen des Werkes bereits zu Beginn definiert sind und die Verwendung der Intertextualität auch erkannt werden kann. Der Leser verbindet möglicherweise etwas mit diesem Titel, da seine Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch bekannt ist. Der Begriff Wolkenkuckucksheim wird gleichbedeutend mit dem Begriff Luftschloss verwendet, das nur eine Utopie ist und nie Wirklichkeit werden kann. Genauso handelt es sich bei Jelineks Wolken.Heim. nur um Gedanken an Heimat und Ausgrenzung, die nicht verwirklicht werden. Der deutsche Nationalgeist beschreibt damit seine Utopie eines Staates. Diese intertextuellen Bezüge werden zum Typ der Paratextualität gezählt, da die Bezüge im Rahmen des Werkes vorkommen. Der Titel fällt jedoch nicht nur durch seine Intertextualität auf, sondern auch durch seine Form. Die Punkte trennen die beiden Begriffe voneinander, weshalb sie auch einzeln untersucht werden sollten. Die Begriffe Wolken und Heim weisen jeweils Ambivalenzen auf. Die Wolken können einerseits hell und freundlich erscheinen, aber andererseits können sie auch ein Gewitter und Regen verursachen.48 Außerdem stehen sie für etwas unerreichbares und flüchtiges und können somit den unerfüllten Wunsch nach einer deutschen Nation darstellen.49 Damit vergleichbar kann das Heim für die Heimat stehen oder für das Stammheim, in dem die Mitglieder der RAF zu Tode gekommen sind.50 Deren Briefe werden nämlich ebenfalls im Werk mit aufgenommen. Der Begriff kann außerdem für das Unheimliche und die Heimsuchung stehen und damit die Stimmen der Untoten in dem Text beschreiben.51 Die Ambivalenz des Titels zieht sich durch das gesamte Werk, in dem die Gegensätze Heimat und Ausgrenzung thematisiert werden. Somit enthält allein der Titel des Theatertextes viele intertextuelle Bezüge.

3.1.2 Vorwort

Vor dem eigentlichen Text setzt Jelinek einen „Dank an Leonhard Schmeiser ( ‹‹Das Gedächtnis des Bodens ››) und Daniel Eckert.“52 Hiermit wird das einzige Mal ein verwendetes Werk direkt genannt. Es handelt sich wieder um eine Einzeltextreferenz, da Schmeisers Text aufgegriffen wird. In dem Essay werden die Ideologien des Nationalsozialismus thematisiert und die Entwicklung der Intellektuellen zu Zeiten des Idealismus erläutert.53 Diese Themen greift auch Jelinek auf und nutzt Zitate von deutschen Dichtern und Philosophen aus derselben Zeit. Damit handelt es sich bei diesem Bezug auch um den Typ der Paratextualität, weil das Vorwort ebenfalls zum Rahmen des Textes zählt. In dem Essay nimmt Schmeiser wiederum Bezug auf das Märchen Das eigensinnige Kind der Brüder Grimm.54 Dieses handelt von einem Kind, das für seinen Eigensinn gegenüber der Mutter von Gott mit dem Tod bestraft wird.55 Aus dem Grab streckt der weiterhin bestehende Eigensinn des Kindes mehrmals die Hand heraus.56 Die Mutter schlägt daraufhin auf die Hand ihres Kindes, um sie zur Ruhe zu bringen.57 Die Moral dieses Märchens soll sich auf die deutsche Geschichte beziehen. Demnach soll der Eigensinn des Kindes auf das Elend der deutschen Nation im Laufe der Geschichte hindeuten, die immer wieder falsch handelt und nicht aus ihren Fehlern lernt.58 In Wolken.Heim. wird auch eine Hand beschrieben, die sich aus dem Grab herausstreckt.

Das Ende der Geschichte ist uns misslungen. Sie kommt immer wieder auf uns zu, rasend auf ihren Schienen. Warum stirbt sie nicht? Was haben wir getan? Was haben wir getan? Warum wächst ihr die Hand aus dem Grab? Und zeigt auf uns?59

In Jelineks Text wird der Tod des Kindes auf die Vorstellung der Untoten übertragen, die ihre nationalistischen Gedanken noch aus dem Grab heraus weiterleben lassen.60 Der deutsche Nationalgeist will vergessen werden, aber die Geschichte kann den Nationalismus nicht vergessen.61 Deshalb streckt die Geschichte die Hand aus dem Grab heraus und zeigt auf die Untoten, die falsch gehandelt haben und nicht aus ihren Fehlern lernen. Der Nationalgeist in Jelineks Text ist somit gleichbedeutend mit der Nation aus der Moral des Märchens der Brüder Grimm. Die Gegensätze des Vergessens und Erinnerns sind damit von großer Bedeutung.62 Das Werk behandelt die grausamen Zeiten der deutschen Geschichte und macht auf das Überdauern von nationalistischen Gedanken aufmerksam. Diese intertextuellen Bezüge sorgen dafür, dass die Stimmen im Text bereits als Untote definiert und die Themen rund um den Begriff der Nation dargestellt werden. Außerdem erinnert das Grab an den Begriff des Bodens und daraus wird eine Anspielung auf die Blut- und Bodenideologie des Nationalsozialismus geformt.63 Dieser Begriff wird immer wieder verwendet, aber weist dabei Ambivalenzen auf. Einerseits steht der Boden für den Tod durch die Kriege für die Heimat, aber andererseits steht er auch für das Leben in der Heimat.64 Außerdem wird dieser Begriff im Titel von Schmeisers Essay verwendet, weshalb neben dem Inhalt auch der Titel von Bedeutung scheint. Der Begriff des Gedächtnisses des Bodens kann mit dem Nationalgeist gleichgesetzt werden, der dieses Gedächtnis selbst darstellt. Bei diesem Bezug kann von dem Typ der Metametatextualität gesprochen werden, da nicht direkt Schmeisers Text, sondern das Märchen der Brüder Grimm aufgegriffen wird.65 Somit wird sozusagen ein intertextueller Bezug aus einem intertextuellen Bezug übernommen.

3.1.3 Nachwort

Nach dem eigentlichen Text nennt Jelinek die weiteren Personen, jedoch ohne die Werke direkt zu erwähnen. „Die verwendeten Texte sind unter anderem von: Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und aus den Briefen der RAF von 1973 – 1977.“66 Hierbei bezieht sie sich auf Prätexte von deutschen Dichtern, Philosophen und einer terroristischen Vereinigung. Die Werke der genannten Personen verwendet Jelinek ausschließlich durch die Nutzung von Zitaten. Somit handelt es sich bei diesen Bezügen um den Typ der Intertextualität, da die Prätexte mithilfe von direkten und indirekten Zitaten eingebunden werden. Zusätzlich handelt es sich um den Typ der Hypertextualität und genauer gesagt der Transformation, weil Jelineks Werk ohne den Einsatz der Prätexte nicht entstanden wäre. Dabei werden ebenfalls nur Einzeltextreferenzen genutzt. Mit den genannten Personen kann eine große Vielfalt an Materialien ausgemacht werden, die für die Intertextualität des Theatertextes genutzt werden.

Insgesamt verwendet Jelinek die meisten Zitate aus den literarischen Werken von Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist. Die Werke dieser Dichter haben gemeinsam, dass sie für die allgemeine Stimmung und die sprachliche Gestaltung im Text sorgen. Die genannten Personen Hölderlin, Hegel, Fichte und Kleist stammen in etwa aus derselben Zeit und können damit ähnliche Welterfahrungen sammeln.67 Im späten 18. bis frühen 19. Jahrhundert erleben sie viele gesellschaftliche und politische Umbrüche.68 Die Werke von diesen Dichtern und Philosophen werden von der preußischen Regierung und später von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke genutzt.69 Dabei werden sie häufig neu kontextualisiert und politisch instrumentalisiert.70 Diese Vorgehensweise findet auch in Jelineks Werk statt, indem sie die Texte ebenfalls für ihre Zwecke neu kontextualisiert und literarisch instrumentalisiert. In der Forschung wurden von Hölderlin bisher die folgenden Werke als Prätexte erkannt: Der Tod fürs Vaterland, Die Liebe, Wie wenn am Feiertage, Die Wanderer, Heimkunft, Gesang des Deutschen, An die Deutschen und Brot und Wein. 71 Von Kleist wurden die folgenden Dramen und eine Erzählung als Prätexte ausfindig gemacht: Die Herrmannsschlacht, Prinz Friedrich von Homburg, Die Familie Schroffenstein, Das Erdbeben in Chili und Penthesilea. 72 In diesen Werken geht es vorrangig um die Themen Heimat und Ausgrenzung, die auch in Jelineks Werk von Bedeutung sind. Dabei werden die positiven Aspekte der Nation hervorgehoben. Die folgenden Beispiele sollen diese Aspekte verdeutlichen. Sie werden bruchstückhaft wiedergegeben und sorgen daher für die hohe Selektivität der Intertextualität.

[...]


1 Jelinek, Elfriede. Sinn egal. Körper zwecklos. In: Jelinek, Elfriede: Stecken, Stab und Stangl – Raststätte oder Sie machens alle – Wolken.Heim. 3. Aufl., Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2004, S. 8.

2 Vgl. Lehmann, Hans-Thies. Postdramatisches Theater. 6. Aufl., Frankfurt am Main: Verlag der Autoren, 2015, S. 27.

3 Vgl. ebd., S. 27f.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. Klessinger, Hanna. Postdramatik. Berlin: De Gruyter, 2015, S. 7.

6 Vgl. ebd., S. 7f.

7 Vgl. ebd., S. 9f.

8 Vgl. Annuß, Evelyn. Wolken.Heim. In: Janke, Pia (Hrsg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart u.a.: Metzler, 2013, S. 147.

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. Puchner, Martin. Theaterfeinde. 1. Aufl., Freiburg i. Br. u.a.: Rombach, 2006, S. 29ff.

11 Annuß, Evelyn: Wolken.Heim., S. 148.

12 Siehe u.a. Annuß, Evelyn: Wolken.Heim. & Vogel, Juliane. Intertextualität. In: Janke, Pia (Hrsg.): Jelinek-Handbuch. Stuttgart u.a.: Metzler, 2013.

13 Vgl. Berndt, Frauke; Tonger-Erk, Lily. Intertextualität. Berlin: Schmidt, 2013, S. 17.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Genette, Gérard. Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Dt. Erstausg., 1. Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1993, S. 9.

17 Vgl. ebd., S. 10f.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. ebd.

20 Vgl. ebd., S. 10f.

21 Vgl. ebd., S. 11f.

22 Vgl. Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe, S. 11f.

23 Vgl. ebd., S. 13.

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. ebd., S. 14 – 17.

26 Vgl. ebd.

27 Vgl. ebd.

28 Vgl. ebd.

29 Vgl. ebd., S. 13f.

30 Vgl. ebd.

31 Vgl. Pfister, Manfred. Konzepte der Intertextualität. In: Broich, Ulrich; Schulte-Middelich, Bernd (Hrsg.): Intertextualität. Tübingen: Niemeyer, 1985, S. 26f.

32 Vgl. ebd., S. 27.

33 Vgl. ebd., S. 27f.

34 Vgl. ebd., S. 28.

35 Vgl. ebd., S. 28f.

36 Vgl. ebd., S. 29.

37 Vgl. Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität, S. 29.

38 Vgl. Broich, Ulrich. Formen der Markierung von Intertextualität. In: Broich, Ulrich; Schulte-Middelich, Bernd (Hrsg.): Intertextualität. Tübingen: Niemeyer, 1985, S. 31ff.

39 Vgl. ebd., S. 35 – 38.

40 Vgl. ebd., S. 39f.

41 Vgl. ebd., S. 41ff.

42 Vgl. Broich, Ulrich. Zur Einzeltextreferenz. In: Broich, Ulrich; Schulte-Middelich, Bernd (Hrsg.): Intertextualität. Tübingen: Niemeyer, 1985, S. 48 – 52.

43 Vgl. Pfister, Manfred. Zur Systemreferenz. In: Broich, Ulrich; Schulte-Middelich, Bernd (Hrsg.): Intertextualität. Tübingen: Niemeyer, 1985, S. 52 – 58.

44 Vgl. Annuß, Evelyn. Elfriede Jelinek – Theater des Nachlebens. 2., durchges. und erw. Aufl., München u.a.: Fink, 2007, S. 142f.

45 Vgl. ebd., S. 142.

46 Vgl. ebd., S. 143.

47 Vgl. ebd.

48 Vgl. Schaffrick, Matthias. Wolken.Heim. genießen. In: Grabbe, Katharina (Hrsg.): Das Imaginäre der Nation. Bielefeld: transcript, 2012, S. 202.

49 Vgl. ebd., S. 202.

50 Vgl. ebd., S. 202f.

51 Vgl. Schaffrick, Matthias: Wolken.Heim. genießen, S. 202.

52 Jelinek, Elfriede. Wolken.Heim. In: Jelinek, Elfriede: Stecken, Stab und Stangl – Raststätte oder Sie machens alle – Wolken.Heim. 3. Aufl., Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2004, Vorwort.

53 Vgl. Annuß, Evelyn: Elfriede Jelinek – Theater des Nachlebens, S. 242.

54 Vgl. ebd.

55 Vgl. ebd., S. 242ff.

56 Vgl. ebd.

57 Vgl. ebd., S. 242.

58 Vgl. ebd.

59 Jelinek, Elfriede: Wolken.Heim., S. 144.

60 Vgl. Schaffrick, Matthias: Wolken.Heim. genießen, S. 211f.

61 Vgl. ebd.

62 Vgl. Schaffrick, Matthias: Wolken.Heim. genießen, S. 201.

63 Vgl. ebd., S. 209f.

64 Vgl. ebd.

65 Vgl. ebd., S. 209.

66 Jelinek, Elfriede: Wolken.Heim., Nachwort.

67 Vgl. Kurz, Gerhard. Hölderlin. In: Killy, Walther; Kühlmann, Wilhelm (Hrsg.). Killy Literaturlexikon: Har – Hug. 2., vollst. überarb. Aufl., Berlin u.a.: de Gruyter, 2009, S. 479 – 490.

68 Vgl. ebd.

69 Vgl. Annuß, Evelyn: Elfriede Jelinek – Theater des Nachlebens, S. 141f.

70 Vgl. ebd.

71 Vgl. Geier, Andrea. „Schön bei sich sein und dort bleiben“. In: Müller, Sabine; Theodorsen, Cathrine (Hrsg.): Elfriede Jelinek: Tradition, Politik und Zitat. Wien: Praesens-Verlag, 2008, S. 178.

72 Vgl. Annuß, Evelyn: Elfriede Jelinek – Theater des Nachlebens, S. 146.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Intertextualität in "Wolken.Heim." von Elfriede Jelinek. Dichterhimmel, Elfenbeinturm und Hochsicherheitstrakt
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
23
Katalognummer
V514887
ISBN (eBook)
9783346115959
ISBN (Buch)
9783346115966
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elfriede Jelinek, Gegenwartsliteratur, Wolken.Heim., Intertextualität
Arbeit zitieren
Sophia Rohan (Autor), 2019, Intertextualität in "Wolken.Heim." von Elfriede Jelinek. Dichterhimmel, Elfenbeinturm und Hochsicherheitstrakt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514887

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