Écriture und Involviertheit in Giacomo Debenedettis '16 ottobre 1943'


Bachelorarbeit, 2019

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitende Gedanken zur Besonderheit der écriture Debenedettis

2 Das glühende Werk des 16 ottobre 1943
2.1 Zur historiographischen Involviertheit des Autors
2.2 Die Frage nach der Gattung
2.2.1 Gattung und Involviertheit
2.2.2 Saggio-racconto – ein gattungstheoretischer Kompromissvorschlag

3 Zeitliche Dimensionen der Involviertheit – Rezeptionsgeschichtliche Aspekte
3.1 Ein Blick in die Vergangenheit
3.2 Der gesamtgesellschaftliche Umgang mit der storia bruciante
3.3 Zur Möglichkeit der individuellen Rezeption und Involviertheit des Lesers

4 Pluraler Chor – Chor der Pluralität
4.1 Chorinstanzen im 16 ottobre 1943
4.1.1 Der rekonstruierende Chor
4.1.2 Der ahnungslose Chor
4.1.3 Symbolisches und reales Involviert-Sein von Chor und Debenedetti
4.2 Ein Selektionsprozess – zur Rolle von Alter, Geschlecht und Identität
4.3 Das Wir als ein Tragödienchor
4.4 Celeste – die unerhörte Gnade?

5 Multiplizierte Perspektivierung bei Giacomo Debenedetti

6 Setzungen im Horiziont der Involviertheit – Erläuterungen a posteriori
6.1 Involviertheit (nicht) eingrenzen
6.2 Überlegungen zur Zeugenschaft im 16 ottobre 1943

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Internetquellen

1 Einleitende Gedanken zur Besonderheit der écriture Debenedettis

Am 16. Oktober 1943 ereignet sich im römischen Judenghetto eine Razzia mit der anschließenden Deportation von geschätzt zwischen 1022 und 10241 Bewohnern,2 die später in die Geschichtsbücher eingehen wird.3 Tobia Zevi4 beschreibt den Ablauf der Ereignisse kurz vor und nach der Evakuierung des Ghettos wie folgt:

inganno dell’oro (26-28 settembre) e prima vista a via Tasso (28 settembre); sequestro dei documenti della Comunità ebraica da parte delle SS (29 settembre); ispezione del filologo delle SS nella biblioteca della Comunità (11 ottobre); arrivo di Celeste – la matta – ed il suo avvertimento inascoltato (15 ottobre, sera); spari nella notte (15 ottobre, mezzanotte); inizio della razzia (16 ottobre, 5-5.30); storia di Laurina S.; attraversamento della città sui carri tedeschi (16 ottobre, mattina); al Collegio Militare; partenza e viaggio verso Auschwitz.5

Zevi ordnet die Abläufe des 16. Oktobers 1943 in ihrer chronologischen Reihenfolge. Wenn dieser dabei ankündigt, die Ereignisse durchzugehen,6 welche im 16 ottobre 1943 Giacomo Debenedettis rekonstruiert wurden, ist hierbei zu beachten, dass er sich in einem anderen spezifischen Kontext der Geschichte befindet als Debenedetti, der nur ein Jahr nach den Ereignissen bereits sein 16 ottobre 1943 in der ebenfalls 1944 gegründeten Zeitschrift Mercurio 7 veröffentlichte. Das debenedettianische Werk behauptet, noch nicht zu wissen, dass die Deportierten nach Ausschwitz gebracht wurden und die ganzen Ausmaße entsprechend nicht zu kennen (vgl. ottobre: 48f.)8.9 Entsprechend war es nicht möglich, eine valide vollständige Chronik zu erstellen, weshalb auch der Titel der 1993 erstmals im Deutschen erschienenen Ausgabe 16 Oktober 1943. Eine Chronik aus dem Ghetto zu hinterfragen ist (zumal die Rekonstruktion der Ereignisse auch in der schriftlichen Realität nicht chronologisch ist). Debenedetti war einer der ersten Autoren, der seine Aufarbeitung der Fakten publik machte.10 Es handelt sich um eine exakte und zugleich bewegte Aufarbeitung, einem – so Alberto Moravia – Sieg des Schmerzes über die Literatur, was der ècriture erlaubt habe, sich mit dem Schmerz zu mischen und dem Werk die formale Erhabenheit einer Tragödie zu verleihen.11

In der Nota zur Ausgabe von 1959 wird Debenedetti zitiert. Er sagt, er sei ein Kritiker und es wäre besser, den 16 ottobre 1943 einem anonymen Römer zuzuordnen.12 Auf der anderen Seite kommt im 16 ottobre 1943 eine Pluralität zu Wort, die sich in einem Wir manifestiert. Dieses Wir bezieht sich auf verschiedenen Ebenen auf die Ereignisse und wird gleichzeitig zum Gegenstand der écriture selbst. Bereits diese Indizien lassen eine besondere Form der Involviertheit vermuten. Das Verständnis von Involviertheit, das der vorliegenden Arbeit dabei zugrunde liegt, ist dieses, welches auch im alltäglichen Sprachgebraucht etabliert ist. Das Alltagssprachliche bedeutet allerdings nicht, dass in der Analyse gleichzeitig auf ein systematisches Vorgehen verzichtet werden kann. Daher seien an dieser Stelle zwei wesentliche, für die Arbeit relevante Gedanken angeführt. Erstens sei darauf aufmerksam gemacht, dass es bei einer Situation der Involviertheit auch etwas Involvierendes gibt: Man könnte von einer subjekthaft involvierenden und einer objekthaft involvierten Entität sprechen. Zweitens sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Involviertheit in einem spezifischen Kontext stattfindet und dieser sich verändern kann, während die involvierende Instanz mitunter konstant bleibt (im Falle dieser Arbeit das Werk Debenedettis rund um den 16. Oktober 1943 sowie die Realität des Ablaufs der Ereignisse selbst).

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die zwei Hauptströmungen der Rezeptionsästhetik berücksichtigend, zu welcher die Wirkungstheorie und die Rezeptionsgeschichte zählen,13 aufzuzeigen, auf welchen Ebenen innerhalb und außerhalb der écriture des 16 ottobre 1943 Involviertheit festzustellen ist, wie sich diese ausdrückt und welche Rolle sie spielt. Hierfür beginnt diese Arbeit ihre Analyse mit der Instanz des Autors.14 Wie begründet sich sein Interesse dafür, die Ereignisse des 16 ottobre 1943 festzuhalten? Welche Anzeichen können hierfür auf der biographischen Ebene und auf der Ebene der Schreibung gefunden werden? Ist Debenedetti selbst involviert gewesen? Und wenn dies der Fall ist, in welchem Ausmaß? Wenn die Arbeit dabei die Involviertheit des Autors untersucht, so ist darin nicht der Versuch zu sehen, den Willen des empirischen Autors zu untersuchen. Dieser nämlich ist nicht anhand der ècriture feststellbar. Vielmehr wird versucht, die Textintention im Sinne des am Text Beweisbaren zu untersuchen und die Intention des exemplarischen Autors herauszuarbeiten.15 Das beweisbare historiographische Involviert-Sein Giacomo Debenedettis wird hierbei dennoch aus argumentatorischer Notwendigkeit berücksichtigt.

Eng damit zusammen hängt auch die Frage nach dem Zweck der Dokumentation der Ereignisse. Ist es hauptsächlich eine nüchterne Reportage oder hingegen ein emotionaler Beitrag zur Aufarbeitung? Kann diese dichotome Unterscheidung von nüchtern und emotional der Einordnung des 16 ottobre 1943 gerecht werden? Dies führt die Arbeit zu einer gattungstheoretischen Diskussion und einem Kompromissvorschlag aus Notwendigkeit, der letztlich auch mit der Unmittelbarkeit, aus der heraus die Ereignisse dokumentiert wurden, zusammenhängt.

Dass die zeitliche Dimension beim Involvieren und Involviert-Sein tatsächlich einen zentralen Stellenwert einnimmt, soll daraufhin an weiteren Aspekten illustriert werden, die sich gesamtgesellschaftlichen und individuellen Ausmaßen widmen. Wie unterscheidet sich die Rezeption im Jahre 1944, nur ein Jahr nach den Ereignissen, von der heutigen Rezeption des Werkes? Und noch allgemeiner gefragt: Inwiefern kann uns die Zeitachse helfen, die These der besonderen Involviertheit im 16 ottobre 1943 besser auszudifferenzieren?

Die kollektive und individuelle Ebene spielt jeweils auch innerfiktional eine zentrale Rolle: Es kommt ein Chor zu Wort, ein Wir, das sich als vielschichtiges Konglomerat herausstellt, dessen einzelne Instanzen in unterschiedlichem Ausmaß involviert sind beziehungsweise sein können. Dieser multiperspektivische Chor soll anschließend mit den weiteren involvierten Instanzen in Relation gesetzt werden. Hierzu gehören auch einzelne Stimmen wie die der Celeste, einer tragischen Figur, welche die Anwohner hätte retten können, der jedoch nicht geglaubt wurde (ottobre: 4–6).

Grenzen und Möglichkeiten dieses Rekonstruierens müssen hierbei beachtet werden. Daher sollen in einem letzten Schritt weitere wichtige Fragen und Überlegungen zur Involviertheit in Debenedettis 16 ottobre 1943 angeführt werden, die von großer Relevanz sind, jedoch im Rahmen dieser Arbeit nur bedingt beachtet werden können. Wohl wissend, dass das Ergebnis dieser Analysen kein holistisches Finden von Involviertheit im debenedettianischen Werk sein kann und nicht alle zu berücksichtigenden Aspekte vollumfänglich bearbeitet werden können, soll im Ausblick auf den weiten Horizont der Involviertheit und weitere mögliche Untersuchungskriterien verwiesen werden.

Nach dem Credo „[d]ie Untersuchung […] ist ihrem Wesen nach unvollständig. Und mehr noch, je tiefer sie geht, desto unvollständiger wird sie“16, das Clifford Geertz ursprünglich für die Untersuchung kultureller Systeme formuliert hat, möchte sich diese Arbeit folglich auf explizit ausgewählte Aspekte beschränken, die der Analyse der besonderen Involviertheit im 16 ottobre 1943 eine begründete Stütze sein können. Schließt man sich ferner der Auffassung an, die Prosa Debenedettis sei unter den raffiniertesten und kompliziertesten des italienischen Novecento und mache aus ihm einen der größten Schriftsteller des letzten Jahrhunderts,17 versteht es diese Arbeit auch als Anliegen, die raffinierte Komplexität der Involviertheit zu systematisieren.

2 Das glühende Werk des 16 ottobre 1943

Ein erster Zugang zur Frage nach der Involviertheit kann erfolgen, indem man den Entstehungskontext des Werkes rekonstruiert, der zwangsläufig auch mit dem Autor selbst als Schöpfer des Werkes zusammenhängt. 16 ottobre 1943 wurde erstmals im Dezember 1944 in einer Sonderausgabe des Mercurio veröffentlicht. Selbige ist mit einer großen Quantität und Qualität an Beiträgen noch heute in wissenschaftlicher und historischer Betrachtung interessant.18 Inhaltlich reichen diese von der Bekanntgabe des Waffenstillstandes am 08. September 1943, dem darauffolgenden Beginn der Besetzung Italiens durch Deutschland und der Gefangennahme von über 600.000 italienischen Soldaten bis hin zur Befreiung Roms am 04. Juni 1944.19 Dieser ersten Ausgabe, die „assolutamente a caldo“20 nur wenig mehr als ein Jahr nach den Ereignissen rund um den 16. Oktober 1943 erschien, wurde eine kurze Einleitung hinzugefügt:

Giacomo Debenedetti narra con esemplare esattezza gli orrendi fatti che il 16 ottobre 1943 si svolsero nel Ghetto di Roma e gli avvenimenti che li precedettero. Le persone che appaiono nel racconto sono tutte reali e i loro gesti, le loro parole sono quali li descrissero testimoni oculari.21

Die Wahl des italienischen Tempus Passato remoto impliziert hierbei eine große zeitliche Distanz und Abgeschlossenheit. Die Ereignisse des 16. Oktober 1943 liegen faktisch zum Zeitpunkt des Erscheinens des Mercurio s jedoch lediglich ein Jahr zurück. Die Aufarbeitung ist noch lange nicht abgeschlossen. Auch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Autor sein Werk zwar unmittelbar im Anschluss an die Ereignisse schrieb, der Verlag Einaudi jedoch 16 ottobre 1943 ebenso wie Primo Levis Se questo è un uomo ablehnte.22 Das literarische Publikum war noch nicht bereit, mit dieser Realität konfrontiert zu werden. Erst circa zehn Jahre später, mit dem Prozess gegen Eichmann, änderte sich dies.23 In jedem Falle seien es Seiten einer „lettura bruciante“, wie es in der Nota zur Ausgabe von 1959 heißt.24 Die Analogie des glühenden [25] Werkes ist grundsätzlich berechtigt, weil es unmittelbar in Anschluss an die Ereignisse erschien, jedoch aufgrund verschiedener Determinanten im Entstehungskontext zu präzisieren. Das Stück Metall, das Giacomo Debenedetti im November 1944 schmiedet,26 ist ein vielschichtiges Konglomerat unterschiedlicher Materialität, die durch seine konkrete Kontextualisierung im spezifischen Zeitpunkt der Historie bedingt ist:

Seit 2000 Jahren wurden die Juden in Rom immer wieder verfolgt und in Ghettos verbannt. Dennoch feierten sie am Ufer des Tibers ihre Feste, unterrichteten an ihren Schulen und erledigten ihre Geschäfte – bis der italienische Faschismus zusammenbrach. Nachdem Mussolini im Juli 1943 abgesetzt wurde, besetzten die Deutschen Rom.27

Giacomo Debenedettis Werk ist ebendiesem Wendepunkt der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Rom zuzuordnen. Durch seinen doppelten Wert als Erinnerung und Zeugenschaft für zwei Generationen28 ist das Werk zwar bis heute glühend, jedoch ist die Substanz des Werkes unter anderem das Ergebnis einer 2.000 Jahre andauernden Entwicklung. Was veranlasste Debenedetti dazu, sich diesem tragischem Wendepunkt im römischen Judenghetto zu widmen, wo er doch – und dies unterstrich er selbst mit Nachdruck – hauptsächlich Literaturkritiker war?29 Alberto Moravia schildert in seiner Prefazione, die er in einen autobiographischen Teil und einen Teil über das Buch dividiert, seine eigene Involviertheit in die Ereignisse30. Er findet im Hintergrund der eigenen Vita zur Zitation Giacomo Debenedettis, den er als Freund und Vermieter einer Wohnung von 1936 bis 1937 gut kannte,31 folgende Worte:

Ci voleva anche il dolore. Soffre un critico? Partecipa al dolore del mondo? Ne dubito. Oltre tutto, inevitabilmente, tra lui e il dolore, si frappone il diaframma della letteratura. Ora Debenedetti ha avuto il coraggio di abbattere il diaframma e di accettare il proprio dolore come ‚motivo‘ principale della scrittura. Cosí dobbiamo vedere nel piccolo libro una vittoria del dolore sulla letteratura. Vittoria difficile che ha permesso alla letteratura di mischiarsi al dolore […].32

Es drängt sich die Frage auf, wie dieser Schmerz des Autors zu begründen ist, und aus welchen Gründen er derart groß ist, dass Moravia ihn als Leitmotiv für das Schreiben über die Ereignisse des 16. Oktobers 1943 interpretiert. Der logische Schluss würde eine zu definierende Form der Involviertheit Debenedettis – sei es auf physischer, sei es auf emotionaler Art und Weise – legitimieren. Diese These soll im Folgenden untersucht werden. Hierfür wird im realen Sein Giacomo Debenedettis nach Anhaltspunkten gesucht, die seinen Schmerz plausibel machen könnten. Gestützt wird diese Argumentation, indem auch Anhaltspunkte innerhalb der Verschriftlichung beachtet werden.

2.1 Zur historiographischen Involviertheit des Autors

Giacomo Debenedetti wird 1901 als Sohn jüdischer Eltern in Biella geboren. 1921 schließt Debenedetti seine laurea in Jura ab, 1927 beendet er erfolgreich sein zweites Studium in lettere. Bereits in jungen Jahren ist Giacomo Debenedetti literarisch produktiv und in regem Kontakt zu ebenfalls jüdischen Autoren, die später einmal die italienische Literaturlandschaft prägen werden. So freundet sich der erwachsene Debenedetti 1919 mit Carlo Levi an, der 1945 sein berühmtes Werk Cristo si è fermato a Eboli veröffentlichen wird. Auch Alberto Moravia, der 16 ottobre 1943 in der Ausgabe von 1978, einige Jahre nach dem Tod des Autors im Alter von 66 Jahren, bevorwortet, begegnet Debenedetti bereits in jungen Jahren. Zwar ist Giacomo Debenedetti selbst kein gläubiger Jude, doch beschäftigt er sich in seinen jungen Jahren intensiv mit den eigenen Wurzeln im Judentum. Analysen Emilio Jonas33, der posthum aufgetauchte Handschriften Giacomo Debenedettis untersuchte, zeigen, wie intensiv er sich beispielsweise mit den Propheten Israels auseinandersetzte.34 Antonio Debenedetti hebt den großen Stellenwert der Religion im Leben seines Vaters hervor:

[…] aveva un rapporto assai forte con la religione ebraica. Ebrei o mezzi ebrei erano i suoi autori preferiti […]. Anche la sua adesione al partito [comunista; F.G.] fu assolutamente lontana dall’ideologia: considerava il comunismo la fine delle persecuzioni. Oggi sappiamo che era una concezione sbagliata, ma allora ciò non era risaputo.35

Antonio Debenedetti bezeichnet auch den 16 ottobre 1943 selbst als ein religiöses Werk, indem er auf die unterschwellig immer mitklingende Frage, wie Gott die Ereignisse nur zulassen hat können, hinweist.36

Nachdem Giacomo Debenedetti für lediglich fünf Monate nach Turin gezogen war, kehrt er mit seiner Familie aufgrund der leggi razziali im Jahr 1938 wieder nach Rom zurück. Ab dem selbigen Wendepunkt publiziert Debenedetti nur noch anonym und arbeitet im Verborgenen. Wenn Ciocchetti von Veröffentlichungen spricht, die Giacomo Debenedetti zugeordnet werden können, dann handelt es sich dabei um mit den Initialen G.D.B. publizierte Schriftstücke.37 Die Verwendung von Initialen spielt auch im 16 ottobre 1943 eine zentrale Rolle. Einige jüdische Akteure wie Signora N. (vgl. ottobre: 40) oder Signora S. (vgl. ottobre: 32) werden durch die Angabe der Initialen abgekürzt.38

Als am 12. September 1943 schließlich deutsche Fallschirmjäger Mussolini befreien, flieht Debenedetti mit seiner Familie nach Cortona und lebt dort versteckt im Untergrund.39 Als sich die Situation am 16. Oktober 1943 dann hin zur Großrazzia zuspitzt, befindet er sich zufällig – der ursprüngliche Grund für den Aufenthalt ist nicht erfahrbar – in Rom und trifft einen Augenzeugen, wie dessen Sohn Antonio Debenedetti 2006 in einem Interview mit Tobia Zevi berichtet:

Se non sbaglio ci fu un uomo, un certo Spizzichino, che aiutò mio padre, integrando con altri dettagli i ricordi di quelle ore tremende. L’intera operazione tedesca nel libro è ricostruita con precisione […]. Fu scritto immediatamente.40

Debenedetti verfügt nach den Gesprächen mit den Augenzeugen über nicht vielmehr als ein canovaccio 41. Er selbst ist es, der – ähnlich wie die Akteure in der commedia dell’Arte des Cinquecento – die einzelnen fragmentierten Akte und Szenen zu einem Ganzen zusammensetzt. Dieses Zusammensetzen bedeutet dabei im 16 ottobre 1943 jedoch nicht das spontane Hinzuerfinden von Fakten, um die Kohärenz zu erhöhen und vorhandene Leerstellen zu füllen, sondern er macht an genau dem Punkt halt, an welchem seine Rekonstruktion der Fakten an ihre Grenzen stößt. Debenedetti selbst räumt hierbei ein, dass er nicht alles wisse, wenn er schreibt, dass es ihm nicht gelungen sei, einheitliche zeitliche Angaben durch die involvierten Augenzeugen zu erhalten (vgl. ottobre: 23f.). Auch gesteht er42 sich ein, dass bestimmte Fakten mit Sicherheit ein wenig rekonstruiert seien (vgl. ebd.: 8). Es handelt sich um ein Eingeständnis, welches die Wahrheit der Fakten in seiner Aufrichtigkeit nicht bedroht, sondern deren Validität stützt. Er transmittiert – insoweit es seine faktische Involviertheit zulässt – die unmittelbare Zeugenschaft der Augenzeugen. Weder diese noch der Autor selbst sind dabei historisch allumfassend informiert.43 Das Ende des 16 ottobre 1943 ist daher offen; offen insofern, als dass die Rekonstruktion der Ereignisse mit dem ungewissen Schicksal vieler Deportierter endet:

Né il Vaticano, né la Croce Rossa, né la Svizzera né altri Stati neutrali sono riusciti ad avere notizie dei deportati. Si calcola che solo quelli del 16 ottobre ammontino a piú di mille, ma certamente la cifra è inferiore al vero, perché molte famiglie furono portate via al completo, senza che lasciassero traccia di sé, né parenti o amici che ne potessero segnalare la scomparsa. (ottobre: 49)

Es tritt ferner auch eine linguistische Auffälligkeit zum Vorschein, welche die These einer besonderen historiographischen Involviertheit des Autors stützen könnte. Diese besteht im gemischten Gebrauch von italienscher Sprache und Jiddisch, dessen Debenedetti ebenfalls mächtig war:

Quando scrive in proprio il critico usa dunque il linguaggio che gli è più proprio, attingendo le parole dalla bocca di chi le pronuncia ad alta voce […]. Una miscela linguistica che ora commuove tutti.44

Der Autor verwendet vereinzelt jiddische Ausdrücke, um die Ereignisse zu schildern. Es handelt sich hierbei weniger um eine linguistische Notwendigkeit, denn das italienische Pendant wäre genauso treffend. Es ist vielmehr eine stilistische Entscheidung, welche die Rezipienten bewegt45 und gleichzeitig zumindest eine gewisse Informiertheit Debenedettis aufzeigt, wüsste der Leser nicht, dass Giacomo Debenedetti selbst jüdischer Herkunft war. Die italienischen Übersetzungen laden den Leser ein, sich authentisch in die Perspektive der Betroffenen hineinzulesen und jedes Wort zu begreifen. Der Autor übersetzt die jiddischen Begrifflichkeiten in vom Fließtext separierten Fußnoten am Seitenende für den Leser. So wird aus der „ cheilà46 die „communità“ (ottobre: 5), aus „ rascianím “ werden „cattivi“ (ebd.: 7) oder aus „ mamonni “ die „forza publica“ (ebd.: 23). Debenedetti weist den Leser gar darauf hin, dass es sich hierbei um den spezifischen Jargon der im römischen Ghetto lebenden Juden handle (vgl. ebd.). Ihre Sprache wurde fragmentarisch in 16 ottobre 1943 übernommen und steigert dadurch die bewegende Wirkung,47 aber auch die Authentizität.48 Debenedetti ist also zum einen der Autor, der die Augenzeugenberichte transkribiert, zum anderen ist er – wie nun aufgezeigt – persönlich auch jenseits der é criture historiographisch involviert. Zevi wirft im Kontext von Debenedettis Vorgehen eine relevante Frage auf: „è lecito, e fino a dove, l’indagine scientifica dello storico?“49. Mit Sicherheit sei keine Zeugenschaft ein gänzlicher Beweis beziehungsweise die beweisbare Rekonstruktion des Ablaufs, doch sei Zeugenschaft gleichzeitig Erzählung, werde zu Literatur und bedürfe eines Stils, der diese Zeugenschaft zu transkribieren wisse.50

Die Rekonstruktion von Debenedettis historiographischer Involviertheit in die Ereignisse führt zu wesentlichen Erkenntnissen für den weiteren Argumentationsstrang dieser Arbeit. Zwar war Debenedetti selbst kein direktes Opfer der Razzia, doch ist er ein Teil der Glaubensgemeinschaft der Deportierten, mit der er sich selbst intensiv auseinandergesetzt hat. Er kannte sich entsprechend auch gut mit der spezifischen Varietät des Jiddischen der Bewohner des römischen Ghettos aus. Ferner pflegte der Autor des 16 ottobre 1943 eine enge Freundschaft zu anderen jüdischen Autoren wie Alberto Moravia und Primo Levi. Diese Faktoren führten ihn womöglich dazu, über seine eigenen ihn fesselnden jüdischen Wurzen zu reflektieren.51 Dieses faktische Involviert-Sein aus einer biographischen Perspektive würde ein emotionales Involviert-Sein im Sinne eines Sich-Identifizieren-Könnens mit seinen Glaubensbrüdern und -schwestern nur allzu plausibel machen. Dennoch kann diese These nicht ohne konkrete Belege innerhalb der é criture in den Raum gestellt werden.

Die Tatsache, dass Debenedetti die Ereignisse zwar auf der einen Seite, so gut wie es in seiner Position im Zeit-Kontext nur möglich war, rekonstruierte und auf der anderen Seite jedoch innerhalb der Schriftlichkeit nach einer emotionalen Involviertheit gesucht werden soll, ist ein ambivalentes Verständnis des 16 ottobre 1943. Diese Ambivalenz müsste sich, wenn sich die Vermutung der mehrfachen Involviertheit bewahrheitet, in der gattungstheoretischen Diskussion widerspiegeln.

2.2 Die Frage nach der Gattung

Die Frage nach der Gattung spielt bei der Einordnung der Involviertheit des Autors, wie zuletzt erörtert wurde, eine große Rolle. Diese hat allerdings auch deshalb einen relevanten Stellenwert, da bereits die Bezeichnung der Gattung gegenüber dem Leser eine ganz eigene Faktizität oder Fiktionalität des Gelesenen behaupten kann und somit seinen Umgang mit den Inhalten der Lektüre beeinflussen könnte.

2.2.1 Gattung und Involviertheit

Risa Sodi fasst in ihrem Narrative & Imperative der italienischen Holocaust-Literatur von 1944 bis 1994 verschiedene Positionen in der diskursiven Auseinandersetzung mit Debenedettis Werk zusammen. Sie stellt fest, dass im Zusammenhang mit 16 ottobre 1943 verschiedene Klassifikationen vorgenommen wurden. Auffällig ist hierbei die Verwendung der Kategorien racconto und saggio. 52 Welche Konsequenzen haben die Positionen für die Behauptung und Definition der Ausmaße der Involviertheit? Um dies besser beurteilen zu können, sollen die Kategorien Essay und Erzählung zunächst näher beleuchtet werden.

Ein Essay ist eine „Prosaform, in der ein Autor seine reflektierte Erfahrung in freiem, verständlichem Stil mitteilt“53. Hierbei kommt ein reales empirisches Ich zu Wort, das in einer allgemein verständlichen Bildungssprache schreibt. Der Essay ist weder an eine vorgeschriebene strenge Systematik gebunden, noch sind Digressionen sowie das Benutzen rhetorischer und poetischer Mittel undenkbar.54 Dennoch steht der Zweck des Essays im Vordergrund, in anschaulicher Weise einen Gegenstand darzustellen und den Leser „für die Argumentation einzunehmen, so daß der Essay nicht zu den literarischen Formen im engeren Sinne zählt, die durch Fiktionalität gekennzeichnet sind“ [Hervorhebung des Verf.].55 Bereits die Bezeichnung impliziert beim Leser eine ganz eigene mögliche Faktizität. Spricht man von einem Essay, so erwartet der Leser in spe, der den 16 ottobre 1943 nicht gelesen hat, womöglich eine überaus sachliche Schilderung der Ereignisse des 16. Oktobers 1943. Er würde die involvierten Akteure und die zu Wort kommenden Stimmen womöglich als real betrachten und das Werk als authentische Rekonstruktion der Ereignisse sehen.

Manche Autoren bezeichnen 16 ottobre 1943 hingegen als Erzählung.56 Kennt der Leser lediglich die Klassifikation als Erzählung, so könnte er eine andere Erwartungshaltung haben und die Inhalte auf eine abweichende Art und Weise begreifen. Spricht man von einer Erzählung, einem racconto oder einer story, so handelt es sich um einen ungenau gefassten Sammelbegriff für eine Gattung geringen bis mittleren Umfangs,57 der „in der Regel auf die strukturelle Gemeinsamkeit […] aller Erzähltexte hin[weist]“58. Der inhaltliche Rahmen bleibt somit nahezu unbeschränkt, entsprechend ist auch ein unüberschaubares Maß an Fiktionalität möglich, da die Gattungsbezeichnung keinen expliziten Wahrheitsanspruch einfordert. Eine „engere Verwendung als die im Sinne des lockeren Sammelbegriffs [ist] nicht aussichtsreich“59, womit die Kategorien Essay und Erzählung in einem großen Kontrast stehen. Umso bemerkenswerter ist die Tatsache, dass dem 16 ottobre 1943 beide Gattungsbezeichnungen zugesprochen wurden, wo doch das Faktische und das Fiktive konträr gegenüberstehende Pole sind.

2.2.2 Saggio-racconto – ein gattungstheoretischer Kompromissvorschlag

Der ersten Ausgabe des 16 ottobre 1943, die 1944 im Mercurio veröffentlicht wurde, ist ein anonymer Kommentar hinzugefügt, der dem Leser unweigerlich darüber Aufschluss gibt, dass alle vorkommenden Personen real sind und die Rekonstruktionen auf Augenzeugenberichten beruhen.60 Dieser Kommentar wurde zwischen den Titel des Beitrags und den eigentlichen Text des 16 ottobre 1943 geschoben. Die Positionierung ist für die Argumentationslogik von Relevanz; denn das Vorwort zur Erstveröffentlichung im Mercurio ist in späteren Auflagen nicht mehr zu finden. Stattdessen werden diese Ausgaben unter anderem von Alberto Moravia61, Natalia Ginzburg62 oder dem Verlag selbst63 bevorwortet. Die Prefazione beziehungsweise die Nota ist dann jedoch immer streng vom eigentlichen 16 ottobre 1943 separiert und es obliegt dem Rezipienten, sich diese durchzulesen.64 In der Erstveröffentlichung ist die Einleitung deutlich präsenter und wird zum Teil des Werkes. Sie klärt den Leser unübersehbar über die Genese des 16 ottobre 1943 auf. Man könnte den Kommentar der Erstausgabe als aktiv rezeptionsleitend verstehen, wohingegen die Rezeption des Werkes in späteren Ausgaben ohne diesen Kommentar liberalisiert wird. Auch sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass die Erstausgabe im Rahmen einer rivista erschien, deren Beiträge den Ereignissen des Weltkriegs gewidmet waren, wobei spätere Auflagen nicht derart kontextualisiert wurden.

[...]


1 Pietrafesa, Luca (2014): 16 ottobre 1943. Viaggio nella memoria. Rom: Reality Book, 43.

2 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit in personenbezogenen Aussagen die grammatikalisch männliche Form gewählt; die weibliche Form ist hierbei immer mitgemeint, wenn nicht explizit auf einen abweichenden Gebrauch verwiesen wird.

3 Ein prominentes Beispiel hierfür wäre die Arbeit des Historikers Renzo De Felice (vgl. Felice De, Renzo (1962): Storia degli ebrei italiani sotto il fascismo. Turin: Einaudi, 525–529); die Historiker und Experten für italienische Zeitgeschichte Schlemmer und Woller mahnen, dass es sich um ein noch heute oftmals unhinterfragt zitiertes Standardwerk handle (vgl. Schlemmer, Thomas/Woller, Hans (2005): „Der italienische Faschismus und die Juden 1922-1945.“Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 2: 165–201.). Die von De Felice postulierte These, der Faschismus sei nicht wie der Nationalsozialismus rassistisch und antisemitisch gewesen, bezeichnen Schlemmer und Woller als „Vulgata, die sich tief in das kollektive Gedächtnis der italienischen Gesellschaft eingebrannt hat und in bestimmten politischen Kreisen noch heute zum historischen Standardrepertoire gehört“ (Schlemmer/Woller 2005: 166). Eine abgrenzende, weniger politisch denkende Arbeit zum 16. Oktober 1943 und der spezifischen Situation der Juden in Rom von 1943 bis 1944 nahm Andrea Riccardi vor (vgl. Riccardi, Andrea (2008): L'inverno piu lungo. 1943 - 44: Pio XII, i nazisti e gli ebrei a Roma. Rom: Laterza.).

4 Tobia Zevi, promovierter Linguist, war von 2005 bis 2006 Präsident von Ugei (Unione Giovani Ebrei d'Italia), dann von 2008 bis 2010 als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde in Rom aktiv. Seit 2009 ist er Präsident der Associazione di Cultura Ebraica Hans Jonas.

5 Zevi, Tobia (2007b): „Memoria e testimonianza a due generazioni da 16 ottobre 1943.“BET Magazine Mosaico. Sito ufficiale della Communità Ebraica di Milano. <http://www.mosaico-cem.it/vita-ebraica/personaggi-e-storie-vita-ebraica/la-lezione-di-giacomo-debenedetti> [Zugriff am 25.04.2019].

6 Vgl. ebd.

7 Debenedetti, Giacomo (1944): “16 ottobre 1943.“ In: Mercurio. Mensile di Arte, Politica e Scienze 4: 75–98.

8 Ab sofort gilt die Abkürzung ottobre aus Gründen der besseren Lesbarkeit als Verweis auf Debenedetti, Giacomo (2015): 16 ottobre 1943. Turin: Einaudi.

9 Ob der reale Giacomo Debenedetti tatsächlich so wenig wissen konnte, ist eine Frage, die im Kontext dieser Arbeit am Rande beachtet werden muss.

10 Pepe, Tommaso (2018): „‚The Persecution Continues‘: Giacomo Debenedetti, Giorgio Bassani and a Counter-Memory of the Shoah in Postwar Italy.“ In: Horizonte. Italianistische Zeitschrift für Kulturwissenschaft und Gegenwartsliteratur 3: 78–112, 79.

11 Vgl. Moravia (1978: 25–27).

12 Vgl. Nota (1959: 9).

13 Vgl. Köppe, Tilmann/Winko, Simon (2008): Neuere Literaturtheorien. Eine Einführung. Stuttgart/Weimar: Metzler, 88.

14 Bereits aus der angedeuteten Selbstpositionierung Giacomo Debenedettis ergibt sich die Notwendigkeit des sensiblen Umgangs mit dem Konzept des Autors. Ist in der vorliegenden Arbeit von einem Autor die Rede, ist damit der Schriftsteller Giacomo Debenedetti gemeint. Sollte dies an einzelnen Stellen der Arbeit nicht der Fall sein, wird dies stets erkenntlich gemacht.

15 Vgl. Eco, Umberto (2000): „Zwischen Autor und Text.“ In: Texte zur Theorie der Autorschaft, Fotis Jannidis (Hrsg.). Stuttgart: Reclam, 279–294, 281.

16 Geertz, Clifford (1983): Dichte Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theorie von Kultur. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 41.

17 Vgl. Zevi, Tobia (2007a): „Il critico che dialogò col nostro Novecento“L’Unità 21: 21, 21. Es handelt sich um eine Aussage des italienischen Literaturwissenschaftlers Alfonso Berardinelli im Interview mit Tobia Zevi anlässlich eines Kongresses zum 40. Todestag Debenedettis.

18 Vgl. Ciocchetti, Marcello (2006): Prima di piantare datteri. Giacomo Debenedetti a Roma (1944-1945). Pesaro: Metauro, 29.

19 Vgl. Sanctis de, Gino (1944): „Somario.“ In: Mercurio. Mensile di Arte, Politica e Scienze. 4: 3f.; vgl. Storch, Wolfgang/Ruschkowski, Klaudia (2013): Deutschland – Italien. Aufbruch aus Diktatur und Krieg. Dresden: Sandstein, 20–26.

20 Zevi (2006: 19).

21 Debenedetti (1944: 75); es handelt sich hierbei um eine anonyme Einleitung.

22 Vgl. Zevi (2006: 19); es handelt sich dabei um ein Interview, das Tobia Zevi mit Antonio Debenedetti, Sohn Giacomo Debenedettis, führte.

23 Vgl. Zevi (2007b).

24 Nota = Anonymus (1959): „Nota.“ In: 16 ottobre 1943, Giacomo Debenedetti. Rom: Il Saggiatore, 7–9, 8; es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass man das italienische bruciante auch im Sinne eines Enthusiasmus verstehen könnte, dem Brennen für die Thematik. Diese Arbeit fokussiert sich jedoch vielmehr auf das Glühen des Werkes als einen Teil der Zeitgeschichte, die noch qualmt (vgl. Tuchman, Barbara (1982): Geschichte denken. Essays. Düsseldorf: Claassen: 32).

25 Auf den Hitze-Topos der diskursiven Auseinandersetzung mit dem 16 ottobre 1943 wird an einer anderen Stelle expliziter eingegangen werden (vgl. Kapitel 3.2).

26 Vgl. Treskow, Isabella von (2013): Judenverfolgung in Italien (1938-1945) in Romanen von Marta Ottolenghi Minerbi, Giorgio Bassani, Francesco Burdin und Elsa Morante. Fakten, Fiktion, Projektion. Wiesbaden: Harrassowitz, 277.

27 Haufler, Daniel (1994): „Chronik aus dem Ghetto Roms. Öde wie Jerusalem.“Zeit 34. <https://www.zeit.de/ 1994/34/oede-wie-jerusalem> [Zugriff am 13.05.2019].

28 Vgl. Zevi (2007b); eigentlich handelt es sich nicht um die Erinnerung und Zeugenschaft an lediglich zwei Generationen, denn es kann davon ausgegangen werden, dass auch weitere Generationen Adressaten des 16 ottobre 1943 sind. Der Rezeptionsmodus kann jedoch hierbei von Generation zu Generation variieren.

29 Vgl. Nota (1959: 9).

30 Moravia berichtet, dass sein Vater Jude war und seine Mutter dafür gesorgt hatte, dass die Kinder später den nicht-jüdischen Namen der Großmutter erhielten, um ihnen größeren Schutz zu gewähren (vgl. Moravia 1978: 23).

31 Vgl. Cantatore, Lorenzo (1990): Bibliografia di Giacomo Debenedetti. Rom: Carucci, 45–47.

32 Moravia, Alberto (1978): „Prefazione.“ In: 16 ottobre e Otto ebrei, hg. von Ottavio Cecchi. Rom: Editori Riuniti, 23–27, 27.

33 Emilio Jona ist Anwalt und Schriftsteller sowie Redakteur der jüdischen Kultur-Zeitschrift Ha Keillah.

34 Vgl. Jona, Emilio (2001): „Radici ebraiche nel pensiero critico di Giacomo Debenedetti.“ In: Giacomo Debenedetti. L’arte del leggere. Atti del Convegno – Biella, Palazzo La Marmora febbraio 1996, Emilio Jona/Vanni Scheiwiller (Hrsg.). Mailand: Libri Scheiwiller, 57–81, 59.

35 Zevi, Tobia (2006): „Debenedetti: ‚Io e mio padre, segnati da quella Tragedia‘.“L’Unità 280: 19f..

36 Vgl. ebd.: 20.

37 Vgl. Ciocchetti (2006: 196f.).

38 Hierauf wird in Kapitel 4.2 expliziter eingegangen werden.

39 Die hier aufgelisteten biographischen Angaben zu Giacomo Debenedetti wurden in enger und konstanter Absprache mit der verwitweten Renata Orengo Debenedetti rekonstruiert und sind entsprechend als legitime Quelle zu betrachten (vgl. Cantatore 1990: 45–47).

40 Zevi (2006: 19).

41 Cinelli, Gianluca (2014): „Cronaca, storia e verosimile. 16 ottobre 1943 e storia della colonna infame.“ In: Italica Belgradensia 1: 81–98, 90.

42 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird immer deutlicher werden, dass es nicht ausreichend ist, dieses Eingeständnis auf ihn, also Debenedetti im Singular, zu beziehen. Die Argumentationslogik fordert diese Einschränkung zum aktuellen Stand dieser Arbeit jedoch ein.

43 Ob Giacomo Debenedetti allerdings tatsächlich so wenig wusste, wie es sein Werk impliziert, ist ungewiss. Eine gesonderte historische Arbeit könnte sich damit befassen zu untersuchen, inwiefern Debenedettis Ausführungen im Hintergrund seines Wissensschatzes möglicherweise das politische Interesse des „cattivo tedesco“ und des „bravo italiano“ symbolisieren (Focardi (2013): Il cattivo tedesco e il bravo italiano: la rimozione delle colpe della seconda guerra mondiale. Bari: Laterza.).

44 Pedullà, Walter (1990): Lo schiaffo di Svevo. Giochi, fantasie, figure del Novecento italiano. Mailand: Camunia, 127.

45 Vgl. ebd.

46 Die jiddischen Ausdrücke sind im 16 ottobre 1943 ebenfalls in kursiver Schrift abgedruckt.

47 Vgl. Pedullà (1990: 127).

48 Die Problematik der Authentizität spielt im Zusammenhang mit Zevis Frage eine wichtige Rolle. Da ein holistisches Untersuchen dieser den Rahmen dieser Arbeit und ihr eigentliches Anliegen verfehlen würde, wird hierauf in Kapitel 6.2 lediglich kurz eingegangen.

49 Zevi (2007b).

50 Vgl. ebd.

51 Vgl. Gervasi (2012: 56).

52 Vgl. Sodi, Risa (2007): Narrative & Imperative. The First Fifty Years of Italian Holocaust Writing (1944-1994). New York: Peter Lang, 182.

53 Schlaffer, Heinz (32010): „Essay.“ In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Georg Braungart u.a. (Hrsg.): De Gruyter, Band 1, 522–525, 522.

54 Vgl. ebd.

55 Ebd.

56 Für eine Kollage der Einordnung verschiedener Autoren vgl. Sodi (2007: 182).

57 Vgl. Schmeling, Manfred/Walstra, Kerst (22010): „Erzählung2.“ In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Georg Braungart u.a. (Hrsg.). Berlin: De Gruyter, Band 1, 519–522, 522.

58 Ebd.

59 Ebd.: 520.

60 Vgl. Debenedetti (1944: 75); es handelt sich hierbei um eine anonyme Einleitung.

61 Vgl. Moravia (1978: 23–27).

62 Vgl. Ginzburg, Natalia (2015): „Prefazione.“ In: 16 ottobre 1943, Giacomo Debenedetti. Turin: Einaudi, V–XI.

63 Vgl. Nota (1959: 7–9).

64 Natürlich obliegt es auch dem Rezipienten der Erstauflage, sich die Einleitung durchzulesen. Jedoch verschmilzt diese deutlicher mit dem eigentlichen Werk, als es in späteren Ausgaben der Fall ist, und wird somit zum vermeintlichen Teil des 16 ottobre 1943. Ob diese Einleitung von Giacomo Debenedetti oder hingegen beispielsweise der Redaktion des Mercurio verfasst wurde, bleibt hierbei jedoch unklar.

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Écriture und Involviertheit in Giacomo Debenedettis '16 ottobre 1943'
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Italienische Philologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
59
Katalognummer
V516572
ISBN (eBook)
9783346117960
ISBN (Buch)
9783346117977
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Italianistik, Rom, Debenedetti, Giacomo, Shoah, Involviertheit, literarische Verarbeitung, römisches Ghetto, 1943, 16. Oktober 1943, 16 ottobre 1943, Holocaust, Gattung und Involviertheit, involvieren, einbinden, Zeugenschaft, Zeugenschaftsproblematik, Authentizität, Chor, Subjektivität, Objektivität, Topos, Glühendes Werk, Zeugen, Rezeption, Rezeptionsästhetik, Rezeptionsgeschichte, subjektiv
Arbeit zitieren
Felix Gaillinger (Autor), 2019, Écriture und Involviertheit in Giacomo Debenedettis '16 ottobre 1943', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516572

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