Ist Arnold Gehlens Kompensationsidee mit Arthur Schopenhauers Theorie des "egoistischen Menschen" zu begründen?

Der Mensch als ein durch Egoismus determiniertes "Mängelwesen"


Hausarbeit, 2019

9 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Philosophische Anthropologie

2. Hauptteil
2.1 Arnold Gehlen: „Mangelwesen“
2.2 Arthur Schopenhauer: Egoismus

3. Reflexion

4. Literatur

1. Einleitung: Philosophische Anthropologie

Definiert man die Philosophische Anthropologie, so ist der Zusammenhang zu den Philosophen wie Scheler, Plessner und Gehlen unabdinglich.1 Sie pragten den Denkansatz bzw. das Paradigma der „Spannung zwischen Theoriekonstruktion und verschiedenen Empirien“2 bedeutend, wobei der zeitgenossische Bezug auf biologisches Wissen nicht auBer Acht gelassen wird.3 Gehlen vertritt hierbei eine rein positive Auffassung und versucht seine Philosophie durch ein empirisches Verfahren zu betreiben.4 Diese Empirie bedingt jedoch die Abhangigkeit von „der Geltung bestimmten empirischen Wissens“.5 Ziel dieser Philosophie ist die Entstehung eines Begriffs, durch indirekte Verfahren, welcher dem Menschen seine „Sonderstellung“ in der Welt zuschreibt.6 Ausgangspunkt dieses Verfahrens ist die Betrachtung der „Objekte im Kosmos, in der unbelebten und belebten Natur.“7 Das Selbstbewusstsein des Menschen wird hierbei vorausgesetzt und „das Phanomen des _ Lebens', das ylebendige Ding'“ steht in Wechselwirkung zu seiner „spezifischen Umwelt“.8 Einer dieser „System-Umweltverhaltnis[se]“ ist der „Tier-/Mensch- Vergleich“,9 dieser dient als Orientierung, um zum letztendlichen Begriff des Menschen zu gelangen.10 Demnach beginnt die Philosophische Anthropologie nicht beim Menschen, sondern beim Leben.11 Mit ihren Pramissen greift sie auBerdem tief in die Soziologie ein12 und bringt „Situation, Antriebs- und Reizuberflutung [...], Entlastung, Kunstlichkeit [...], Kompensation, Verkorperung [und] Distanz“ als Leitkategorien mit sich.13 Doch gehort moglicherweise auch der Aspekt des Egoismus zu diesen Leitbegriffen, um das Wesen des Menschen zu definieren? Diese Frage soll anhand der Theorien Gehlens und Schopenhauers beantwortet werden.

2. Hauptteil

2.1 Arnold Gehlen: „Mangelwesen“

Arnold Gehlen stellte seine Theorie des Menschen als Mangelwesen in seinem 1940 erschienenen Werk Der Mensch, seine Natur und seine Stellung in der Welt vor14 und beantwortet die Frage wie ein Mensch sein Leben, seine Existenz zu erhalten versucht.15 In den Mittelpunkt wird erstmals die „Handlung als spezifisch menschliche Verhaltensform“ gestellt, welche den Menschen charakterisieren und definieren soll.16 Als handelndes Wesen wird er hierbei von einer vergleichbaren Lebensform abgehoben und Gehlen intendierte einen Gegenbegriff zum Menschen zu erstellen, indem er vom „Allgemeinbegriff des Tieres“ ausging.17 Er differenziert auBerdem das Verhaltnis von Tier und Mensch zur Natur. Demnach sind Tiere in die Natur eingebunden und der Mensch bezieht zu jener eine gewisse Distanz. Auch die Triebgebundenheit der Tiere ist im Menschen nicht vorzufinden, denn dieser „ist in seinen Handlungen nicht festgelegt“18, hingegen die Tiere versuchen ihre biologischen Bedurfnisse zu erfullen.19 In jeder vom Menschen vollzogenen Handlung schwingt immer „ein Stuck erfahrene „Welt“ mit“ und wird vom Erfolgsfaktor mitgesteuert.20 Durch diese Umstande ist der Mensch schon von Beginn an vorbelastet und gezwungen sich von „einem Natur- in ein Kulturwesen“ zu entwickeln.21 Diese Unterschiede zwischen dem tierischen Verhalten und der menschlichen Handlung finden seinen Ursprung laut Gehlen in den jeweiligen Lebensvorausetzungen bzw. in der biologischen Ausstattung.22 Die Lebensform der Tiere ist somit „lebensdienlich[], umwelteingepaBt[] [und] spezialisiert[]“ und jene der Menschen „offen[], nicht festgelegt[] [und] unspezialisiert[]“.23 Aus dieser „Mangelausstattung“ des Menschen ergeben sich Gehlens wesentlicher Begriff des Menschen als Mangelwesen[24] und ein somit komplett neuer „Lebenstypus“.25 In der von Gehlen nicht vollends ausgefuhrten Frage nach der Herkunft dieser Lebensausstattungen wird den Tieren das Leben als Besitz zugeordnet, sodass diese von Beginn an „mit lebensdienlichen Organen“ beganstigt wurden und im Gegensatz dazu dem Menschen das Leben als zu bewaltigende Aufgabe zugewiesen wird.26 Aus dem Grund, dass die Umwelt des Menschen far ihn eher lebensfeindlich und fremd ist und die Tiere hingegen geborgen sind in der Natur, wird dem Menschen eine Sonderstellung eingeraumt, welche laut Gehlen seinen Grund im Dasein des Menschen findet.27

All diese zuvor definierten Begriffe und Zuschreibungen versucht Gehlen im Folgendem in Zusammenhang zu bringen, so sagt er, dass die Handlung als Spezifikum des Menschen zu verstehen ist, da dieser als ein handelndes Wesen existiert. Der Mensch ist demnach „Vollzug [und Ursprung] der Handlung“.28 Die Natur erl'ullt fur den Menschen nur einen negativen Zweck, welcher „den ,Zwang' zur Handlung“ darstellt, wobei die Handlung wiederum vom Menschen „selbststandig“ hervorgebracht und aufgebaut wird.29

Letztendlich bedeutet dies, dass der Mensch die Handlung und den Vollzug nutzt, um seine negativen Vorausetzungen umzukehren und diese „in ein fur ihn positives, lebenserhaltendes [Verhaltnis] um[zu]gestalte[n].“30 Gehlen definiert als Hauptgesetz der Handlung die Entlastung, diese nutzt der Mensch um die Distanz zur Umwelt herzustellen und sich somit von Bedrangnissen freizumachen. Diese „Gesetze der Handlung, d[er] Entlastung und de[s] Selbstaufbau[s] bestimmen die Vermogen des Menschen, Bewegung[en], Empfindung[en], Wahrnehmung[en], Sprechen, Denken usw.“31 Aus diesen Gesetzen wandelt sich die Kultur, die Welt der Menschen, zu einer „zweite[n] Natur“.32 Die Handlung durchlauft nach Gehlen verschiedene Stufen, welche dann die Handlung als „zusammenfassend[], entlastend[] und distanzierend[]“ beschreibt.33

[...]


1 Fischer, Joachim: Philosophische Anthropologie. Zeitschrift fur Soziologie 35.5. 2006. S. 322-337. Vgl. S. 323.

2 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 325.)

3 Gutmann, Mathias und Weingarten, Michael: Das Typusproblem in Philosophischer Anthropologie und Biologie - Nivellierungen im Verhaltnis von Philosophie und Wissenschaften. In: Alexandra Manzei, Mathias Gutmann & Gerhard Gamm. Zwischen Anthropologie und Gesellschaftstheorie: Zur Renaissance Helmuth Plessners im Kontext der modernen Lebenswissenschaften. Transcript Verlag. 2005. S. 183-194. Vgl. S. 183.

4 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 324.)

5 (G,M und W,M: Das Typusproblem in Philosophischer Anthropologie und Biologie - Nivellierungen im Verhaltnis von Philosophie und Wissenschaften. Vgl. S. 183.)

6 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 326.)

7 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 326.)

8 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 326.)

9 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 326.)

10 (G,M und W,M: Das Typusproblem in Philosophischer Anthropologie und Biologie - Nivellierungen im Verhaltnis von Philosophie und Wissenschaften. Vgl. S. 185.)

11 Fischer, Joachim: Biophilosophie als Kern des Theorieprogramms der Philosophischen Anthropologie. Zur Kritik des wissenschaftlichen Radikalismus. In: Alexandra Manzei, Mathias Gutmann & Gerhard Gamm. Zwischen Anthropologie und Gesellschaftstheorie: Zur Renaissance Helmuth Plessners im Kontext der modernen Lebenswissenschaften. Transcript Verlag. 2005. S. 159­182. Vgl. S. 167.

12 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 331.)

13 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 323.)

14 Pohlmann, Egert: Der Mensch - das Mangelwesen? Zum Nachwirken antiker Anthropologie bei Arnold Gehlen. Archiv fur Kulturgeschichte 52.2. 1970. S. 297-312. Vgl. 297.

15 Ballauff, Theodor: Der Mensch, seine Natur und seine Stellung in der Welt. Zeitschrift fur Philosophische Forschung, 6. 1951. S. 566-593. Vgl. S. 566.

16 Mahn, Anneliese: Uber die Philosophische Anthropologie Von Arnold Gehlen. Zeitschrift fur Philosophische Forschung, 6. 1951. S. 71-93. Vgl. S. 71.

17 (P,E: Der Mensch - das Mangelwesen? Zum Nachwirken antiker Anthropologie bei Arnold Gehlen. Vgl. 297.)

18 (M,A: Uber Die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 71.)

19 (M,A: Uber Die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 74.)

20 (M,A: Uber Die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 74.)

21 (P,E: Der Mensch - das Mangelwesen? Zum Nachwirken antiker Anthropologie bei Arnold Gehlen. Vgl. 298.)

21 Mahn, Anneliese: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Zeitschrift fur Philosophische Forschung, 6. 1951. S. 71-93. Vgl. S. 71.

22 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 71-72.)

23 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72.)

24 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72.)

25 (F,J: Philosophische Anthropologie. Vgl. S. 329.)

26 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72.)

27 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72.)

28 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72.)

29 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 72-73.)

30 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 73.)

31 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 73.)

32 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 73.)

33 (M,A: Uber die Philosophische Anthropologie von Arnold Gehlen. Vgl. S. 73-74.)

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Ist Arnold Gehlens Kompensationsidee mit Arthur Schopenhauers Theorie des "egoistischen Menschen" zu begründen?
Untertitel
Der Mensch als ein durch Egoismus determiniertes "Mängelwesen"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Einführung in die theoretische Philosophie
Note
1.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V516682
ISBN (eBook)
9783346118547
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthropologie, Mängelwesen, Arthur Schopenhauer
Arbeit zitieren
Jamy Schlaak (Autor), 2019, Ist Arnold Gehlens Kompensationsidee mit Arthur Schopenhauers Theorie des "egoistischen Menschen" zu begründen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516682

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