Der Griff Heinrichs des Zänkers nach der Krone zur Zeit der Minderjährigkeit Ottos III.


Seminararbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bestimmung des Quellenwertes – Der Autor

3. Der historische Kontext

4. Quelleninterpretation
4.1 Die Darstellung der Ereignisse
4.2 Die Darstellung Heinrichs des Zänkers
4.3 Der Griff nach der Macht – und sein Scheitern
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Weh dir, Land, dessen König ein Kind ist und dessen Fürsten schon in der Frühe tafeln!“[1] Auf keine Zeit scheint dieser Ausspruch besser zu passen, als auf den Beginn der Herrschaft des dreijährigen Otto III., welcher von dem Herrschaftsanspruch Heinrichs des Zänkers überschattet wird. Die Position eines minderjährigen Königs war keineswegs gefestigt und stellte aufgrund seiner eingeschränkten Handlungsfähigkeit eine Gefahr sowohl für sein Reich als auch für seine eigene Person dar. Nicht selten geschah es, dass der Minderjährige zum Spielball der nach der Macht im Reich strebenden Kräfte wurde. Die Nachfolge Ottos III. kann dabei als herausragendes Beispiel für den Herrschaftsantritt eines minderjährigen Königs und die daraus resultierenden Konflikte gelten. In dieser Arbeit sollen die Vorgänge des besagten Thronstreites genauer untersucht werden, wobei die Person Heinrichs des Zänkers im Mittelpunkt stehen wird. Als Quelle wird dazu die Chronik Thietmars von Merseburg herangezogen, die die betreffenden Ereignisse am Ausführlichsten beschreibt.

2. Bestimmung des Quellenwertes – Der Autor

Thietmar von Merseburg wurde am 25.07.975 als Sohn des Grafen Siegfried von Walbeck geboren und entstammte damit einem sächsischen Adelsgeschlecht, das über weitreichende verwandtschaftliche Beziehungen zu den einflussreichsten Großen des Heiligen römischen Reiches, wie den Herzögen von Sachsen und Schwaben verfügte.

Thietmar, der als drittgeborener Sohn für die geistliche Laufbahn bestimmt worden war, erhielt seine erste Erziehung im Stift zu Quedlinburg bei Emnilde, der Tante seines Vaters und wurde schließlich 987 nach Magdeburg geschickt. Hier erfuhr er eine sowohl gründliche als auch allumfassende Bildung und begann bereits damit, Geschehnisse von politischer Tragweite aufzuzeichnen. Am 21.12.1004 erhielt er die Priesterweihe in Allstedt durch den Erzbischof Tagino von Magdeburg, wobei Heinrich II. anwesend war und ihm ein Messgewand schenkte. Tagino, der zusätzlich ein Vertrauter des Königs war, setzte sich für Thietmar ein und durch seine Fürsprache wurde dieser am 20.4.1009 zum Bischof von Merseburg geweiht. Bis zu seinem Tod am 1.12.1018 stand Thietmar in einer recht nahen Beziehung zum König, der häufig in Merseburg weilte.[2]

Seine Chronik sollte ursprünglich allein die Geschichte der Stadt und des Bistums Merseburg umfassen, doch schon bald erkannte Thietmar, dass dieses ohne Miteinbeziehung der Geschichte der sächsischen Herrscher nicht möglich war: 968 ließ Otto der Große das Erzbistum Magdeburg mit seinen Suffraganbistümern Zeitz, Meißen und Merseburg errichten, wofür das Bistum Halberstadt einen Teil seiner Besitzungen zur Verfügung stellen musste. Die Wiedergutmachungsansprüche, die dieses Bistum daraufhin immer wieder stellte, wurden 981 von Otto II. dermaßen berücksichtigt, dass das Bistum Merseburg aufgelöst wurde und seine Ländereien wieder an Halberstadt zurückfielen. Erst 1004 wurde es von Heinrich II. wiedererrichtet. Da die ottonischen Kaiser das Schicksal des Bistums Merseburg weitgehend bestimmten, war Thietmar „gezwungen“, deren Geschicke in seine Darstellung mit einzubinden.

Seine Chronik, die er in der Zeit von 1012 – 1018 verfasste, gliedert sich in acht Bücher, von denen das vierte sich mit Otto III. beschäftigt. Für die unmittelbare Zeit nach dem Tode Ottos II., in der Heinrich der Zänker versuchte, die Macht im Reiche an sich zu reißen (983 – 984), kann Thietmar, der 975 geboren wurde und demnach noch nicht einmal zehn Jahre alt war, wohl kaum als Zeitzeuge betrachtet werden. Vielmehr nutzte er für die Darstellung dieser Vorgänge die Quedlinburger Annalen, deren Aussagen er in sein Werk mit einarbeitete. Seine Freundschaft mit Bischof Bernward von Hildesheim, der der Erzieher Ottos III. gewesen war, sein nahes Verhältnis zu Heinrich II. aber auch seine umfangreichen verwandtschaftlichen Beziehungen haben es ihm weiterhin ermöglicht, umfangreiche Informationen über den betreffenden Zeitraum zu erhalten. Thietmars Chronik kann daher als recht glaubwürdiges Zeugnis gelten. Allerdings kann man ihm ein gewisses Wohlwollen für einzelne sächsische Herrscher, das von ihren Taten zugunsten seines Bistums herrührt, nicht absprechen. Seine Chronik darf aber dennoch nicht als Loblied auf die ottonische Dynastie verstanden werden, deren Kaiser er auch zu kritisieren versteht.

Thietmars Chronik ist uns im Original erhalten geblieben. Es ist die Authentizität dieser Handschrift, die seinen größten Wert darstellt, da sie unmittelbar vom Autor selbst überprüft und mit Randnotizen versehen worden ist. Die in dieser Arbeit verwendeten Quellenauszüge gehen alle auf den Originalcodex zurück.[3]

3. Der historische Kontext

Am 7.12.983 starb Kaiser Otto II. in Rom und hinterließ das Reich in einer gefährlichen Situation: Nachdem die Sarazenen, die ihren Sitz auf Sizilien hatten, mehrfach in Süditalien eingefallen waren, sah sich Otto II. gezwungen einen Feldzug gegen sie zu führen. Dieser endete im Juli 982 mit einer vernichtenden Niederlage des deutschen Heeres bei Cotron.

983 fielen nun die östlich der Elbe siedelnden Slaven in das deutsche Reich ein und verwüsteten die Bistümer Brandenburg und Havelberg. Die Großen des Reiches verlangten daraufhin die Anwesenheit des Kaisers, der sich zum Hoftag in Verona einfand. Hier kam es nach dem Tode Herzog Ottos zu einer Neubesetzung der Herzogtümer Bayern und Schwaben (Bayern wurde an Heinrich den Jüngeren, Schwaben an den Konradiner Konrad verliehen[4] ) und zur Königswahl Ottos III., des Sohnes Ottos II. Der Thronfolger wurde daraufhin nach Aachen, dem traditionellen Krönungsort, gebracht und erhielt die Königsweihe durch Willigis von Mainz und Johannes von Ravenna. Der unerwartete Tod des Kaisers im Juli 983 hatte zur Folge, dass Heinrich der Zänker, der wegen Konspiration gegen Otto II. von diesem inhaftiert worden war, freigesetzt wurde. Da er der Swertmagen, der nächste männliche Verwandte väterlicherseits des jungen Ottos III. war, konnte er Ansprüche auf die Vormundschaft für den minderjährigen König erheben. Beruhend auf dem ius propinquitatis wurde ihm daher Otto III. von Warin von Köln übergeben, in dessen Gewahrsam er sich befunden hatte.[5]

Theophanu, die Mutter des Minderjährigen, begab sich unterdessen nach Pavia zu ihrer Schwiegermutter Adelheid. Bestrebt den Thron für ihren Sohn zu erhalten, gewann sie hier Gerbert von Aurillac für sich, der sich beim Reimser Erzbischof Adalbero für sie einsetzte, wodurch sich Theophanu einen Einfluss auf König Lothar von Frankreich erhoffte. Dieser war über seine Mutter Gerberga, eine Tochter Heinrichs I. und Schwester Ottos I., ebenfalls mit Otto III. verwandt und konnte daher ebenso wie Heinrich der Zänker Ansprüche auf dessen Vormundschaft erheben.[6] Heinrich vereinbarte eine Zusammenkunft mit Lothar in Breisach zur Abschließung eines Freundschaftspaktes, wobei er dem letzteren Lotharingien versprach. Nachdem Heinrich aber in dieser Region auf Widerstand gegen seine Regentschaft gestoßen war, wandte er sich nach Sachsen und erschien nicht zu dem vereinbarten Treffen mit Lothar. Währenddessen hatte der Reimser Erzbischof sich bei dem Frankenkönig für den minderjährigen Otto III. eingesetzt, so dass Lothar zusammen mit seinem Sohn Ludwig V. an einer Versammlung in Lüttich teilnahm, die beschloss, die Königsherrschaft Ottos III. gegen Heinrich den Zänker zu unterstützen. Dabei wurde eine Vormundschaft Lothars anvisiert.

Am Palmsonntag 984 lud Heinrich die sächsischen Großen nach Magdeburg und am Osterfest, das er in Quedlinburg feierte, wurde er öffentlich zum König ausgerufen, wobei er unter anderem Unterstützung von Miezko von Polen, Boleslav von Böhmen und dem Abodritenfürsten Mistui erhielt. Angesichts der Niederlage von 982 und den jüngsten Einfällen der Slaven führte die Unterstützung dieser Fürsten Heinrich einige Anhänger zu, die sich in dieser Situation einen starken Herrscher wünschten, während ein Minderjähriger ihnen keine Garantie auf Sicherheit und Stabilität bieten konnte. Allerdings fielen auch viele Große des Reiches nach seiner Ausrufung zum König von Heinrich ab, da sie Otto III. bereits den Treueeid geschworen hatten und ihn daher als rechtmäßigen Herrscher betrachteten.

[...]


[1] Prediger 10, 16.

[2] Vgl.: W. Wattenbach, Bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts (Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter 1), Stuttgart und Berlin7 1904, S. 390f.

[3] Vgl.: Rudolf Buchner (Hrsg), Thietmar von Merseburg. Chronik (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 9), Berlin, S. XVIII – XXIX.

[4] Vgl.: Beumann, Helmut, Die Ottonen (Urban Taschenbücher), Stuttgart – Berlin – Köln4 1997, S. 122.

[5] Vgl.: Althoff, Gerd, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (Urban Taschenbücher), Stuttgart – Berlin – Köln 2000, S. 154.

[6] Vgl.: Althoff, Gerd, Otto III. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1996, S. 41.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Griff Heinrichs des Zänkers nach der Krone zur Zeit der Minderjährigkeit Ottos III.
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Das Königtum Minderjähriger im Hochmittelalter
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V53208
ISBN (eBook)
9783638487191
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Griff, Heinrichs, Zänkers, Krone, Zeit, Minderjährigkeit, Ottos, Proseminar, Königtum, Minderjähriger, Hochmittelalter, Mittelalter, Geschichte
Arbeit zitieren
Yvonne Holländer (Autor), 2003, Der Griff Heinrichs des Zänkers nach der Krone zur Zeit der Minderjährigkeit Ottos III., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53208

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