Die Satanisierung des Fremden im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad


Hausarbeit, 2002

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kriegszug gegen die „Heiden“
2.1 Die Motivation
2.2 Die Darstellung der Christen
2.3 Die Darstellung der „Heiden“
2.4 Zusammenfassung

3. Der Zweikampf
3.1 Kaiser Karl
3.2 Des Teufels General: Paligan
3.3 Die Entscheidung

4. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist fremd?

Diese dieser Arbeit voran stehende Frage ist nicht leicht zu beantworten. Fremde ist keine Eigenschaft eines Objektes, sondern bezeichnet vielmehr das Verhältnis, in dem ein Subjekt zu einem bestimmten Gegenstand steht. Gleichzeitig wird diese Relation bewertet, denn „Fremde“ kann sowohl positiv als auch negativ wahrgenommen werden.[1]

Aber genauso wie das Erleben von „Fremde“, kann auch der Umgang und die Reaktion darauf unterschiedlich sein. Im Rolandslied des Pfaffen Konrad werden die „Fremden“ (nämlich die spanischen „Heiden“[2] ) nur sehr einseitig behandelt: es kommt zu einer beinahe konsequenten Ablehnung und Dämonisierung, die sowohl durch den Erzähler, als auch durch die christlichen Protagonisten erfolgt. Und während die „Heiden“ zu Werkzeugen des Teufels gemacht werden, erscheinen die Christen als Streiter Gottes. Die Antithetik, die sich bereits aus diesem Kontrast ersehen läßt, zeigt sich immer wieder dort, wo christliche und „heidnische“ Taten, Gebräuche und Eigenschaften beschrieben werden.

Der Umgang mit den „Fremden“ erfolgt vor allem vor diesem religiösen Hintergrund: Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Dabei bildet der Zweikampf zwischen dem „Heidenkönig“ Paligan und Kaiser Karl den Höhepunkt, der das Kampfgeschehen schließlich beendet.

Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, die Darstellung der „Heiden“ im Gegensatz zu den Christen zu untersuchen und dabei auch auf die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich die „Fremde“ äußert, zu sprechen zu kommen. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Gleichsetzung der „Heiden“ mit dem Teufel gelegt und auch die Zweikampfszene soll unter diesem Aspekt untersucht werden.

2. Der Kriegszug gegen die „Heiden“

2.1 Die Motivation

Kaiser Karl erhält den Auftrag zur Bekämpfung und Bekehrung der „Heiden“ durch einen Engel von Gott selbst[3]. Der Feldzug ist also nicht bestimmt von dem Streben eines Fürsten nach weltlichen Gütern, sondern es ist allein der Wille Gottes, den Karl als Christ erfüllen möchte.

Vor dem versammelten Heer beteuert Karl zum einen die Opferbereitschaft der Christen, die ihnen einen Platz im Himmelreich sichern wird, gibt aber auch noch einen weiteren Grund für den Feldzug an:

„si ritent in diu lant. / si stiftint rub unde brant. / di gotes hus si storent. / daz lut si hin furent / unt opherent si den apgoten. / daz ist des tuvelis spot. / ir martir des ist uil. / si sezzen si ze ir zil / unt schizent dar zu. / mochte wir da widire icht getu, / des were uns not.“[4]

Karl muss sowohl als Kaiser als auch als Christ auf diese Bedrohung reagieren: Er hat die Pflicht, sein Land und die Bewohner zu schützen und auch Mitleid mit deren Schicksal zwingt ihn zum Handeln. Dennoch stellen die Untaten der „Heiden“ nicht die Hauptmotivation für den Kriegszug dar, nicht Karl ist dessen eigentlicher Initiator , sondern es handelt sich vielmehr um den Auftrag Gottes, das Christentum in Spanien zu verbreiten. Gleichzeitig ist es Karl so möglich, seinen Pflichten nachzukommen.

Der Zweck der Beschreibung der verabscheuungswürdigen Taten der „Heiden“ liegt wahrscheinlich darin, diese als unmenschlich und roh darzustellen und somit das Heer und auch den Leser noch mehr gegen die „Ungläubigen“ einzunehmen.

2.2 Die Darstellung der Christen

Die christlichen Ritter stellen die vollkommenen Gläubigen dar. Sie haben nicht nur alle höchsten Tugenden wie Keuschheit, Sanftmut, Gehorsam, Demut und Verehrung für Gott[5], sondern sie sind auch allesamt bereit, für ihren Schöpfer zu sterben und somit ins Himmelreich einzugehen[6]. Dies scheint die alleinige Bestimmung ihres Lebens zu sein, woran sich auch zeigt, dass ihr Handeln nicht von weltlichen Aspekten gelenkt wird. Wie bereits aus der Kriegsmotivation hervorgeht, ist es ein Kampf für Gott, dessen Belohnung nicht mehr und nicht weniger als das ewige Leben ist. Die Darstellung geht dabei über das bloße Individuum hinaus und zeigt den „waren gotes chemphen“[7], ein idealisiertes Bild des Gottesstreiters, der nur für Gott alleine lebt. Möglicherweise hat dies auch eine Vorbildfunktion, um dem Leser das einzig wahre gottesfürchtige Leben vor Augen zu halten.

2.3 Die Darstellung der „Heiden“

Das Bild der „Heiden“ stellt sich im großen und ganzen so dar, dass es in fast allen Punkten dem der Christen widerspricht. Während diese durch alle Tugenden ausgezeichnet sind, sind die „Ungläubigen“ übermütig , hochmütig und anmaßend[8] und verkörpern somit alle von christlicher Seite verachteten Eigenschaften.

Der Schwerpunkt liegt allerdings auf der Darstellung ihrer Religion, die ja auch den Grund für den Kriegszug bildet. Während die Christen nur einen wahren Gott kennen, haben die „Heiden“ gleich mehrere, siebenhundert an der Zahl, die sie in Form von „Götzen“ anbeten.[9] Hierbei steht nun eine monotheistische einer polytheistischen Religion gegenüber, welche dem Christentum vollkommen widerspricht: Das Anbeten von Götzen, sowie die Existenz anderer Gottheiten neben Gott selbst, gehört zu den strikten Verboten dieses Glaubens. Schon aus diesem Grund sind die beiden Religionen unvereinbar. Wichtiger aber ist der Anspruch des Christentums, sowie fast jeder Religion, der einzig wahre Glaube zu sein. „nu scul wir heim gahen / an unser alt erben“[10] fordert Karl sein Heer auf und macht damit diesen Anspruch gültig, demzufolge die ganze Welt die Schöpfung Gottes ist und somit auch das Land der „Heiden“ und diese selbst eigentlich sein Werk sind. Als notwendige Konsequenz daraus ergibt sich die vollkommene Ablehnung der heidnischen Religion, die demnach nur die des Teufels sein kann. Und tatsächlich werden die „Heiden“ auch als des „tiuveles higen“[11] bezeichnet und von ihren Göttern wird gesagt, dass die Teufel in ihnen wohnen.[12]

[...]


[1] Krusche , Dieter: Literatur und Fremde: Zur Hermeneutik kulturräumlicher Distanz. München 1985.

[2] Der Begriff „Heide“ (Ungläubiger) ist im Mittelalter von vornherein negativ konnotiert. Um mich von der Ablehnung der Christen Andersgläubigen gegenüber zu distanzieren, wird dieser Begriff im folgenden immer in Anführungszeichen gesetzt.

[3] Vgl. Pfaffe Konrad: Das Rolandslied: Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Hg., übersetzt und mit einem Nachwort von Dieter Kartschoke. Frankfurt am Main 1973. Seite 9. Vers 54 – 64.

Im folgenden: Angabe RL. Seite. Vers.

[4] RL. S. 14. V. 201 – 211.

[5] Vgl. RL. S. 152. V. 3421 – 3425.

[6] Vgl. RL. S. 8. V. 80 – 82 und S. 14. V. 190 – 192.

[7] RL. S. 194. V. 4436.

[8] Vgl. RL. S. 18. V. 288 – 295.

[9] Vgl. RL. S. 154. V. 3489 – 3492.

[10] RL. S. 14. V. 194 – 195.

[11] RL. S. 194. V. 4440.

[12] Vgl. RL. S. 40. V. 805 – 810.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Satanisierung des Fremden im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Fremdheit und Fremdheitswahrnehmung in der mittelhochdeutschen Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V53212
ISBN (eBook)
9783638487238
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Satanisierung, Fremden, Rolandslied, Pfaffen, Konrad, Fremdheit, Fremdheitswahrnehmung, Literatur, Mittelhochdeutsch
Arbeit zitieren
Yvonne Holländer (Autor), 2002, Die Satanisierung des Fremden im "Rolandslied" des Pfaffen Konrad, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53212

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