Regulierung des CFD-Handels in Deutschland und die Auswirkungen auf Privatanleger


Projektarbeit, 2019

40 Seiten, Note: B

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Einführung und Überblick
2.1 Erste Einführung in Begriffe und Funktionsweise
2.2 Ursprung von CFDs und Entwicklung in den letzten Jahren
2.3 Abgrenzung CFD zu anderen Hebelprodukten

3. Analyse der Chancen und Risiken von CFDs
3.1 Risiken
3.1.1 Auswirkungen des Hebels
3.1.2 Interessenkonflikt Kunde – Broker
3.1.3 Reduktion des Risikos durch besondere Orderformen?
3.1.4 Handel mit CFDs im Forex-Markt
3.2 Chancen für den Anleger
3.3 Kosten
3.4 Der Versuch CONTREX

4. Regulierung des CFD-Handels
4.1 Auswirkungen des EUR/CHF-Crashs vom 15. Januar 2015
4.2 Produktintervention durch BaFin und ESMA
4.2.1 Allgemeinverfügung der BaFin vom 08. Mai 2017
4.2.2 Restriktionen durch die ESMA
4.3 Ausblick

5. Auswirkungen der Regulatorik
5.1 Entwicklung des Marktes im Umfeld der Regulierung
5.2 Folgen für Privatanleger
5.2.1 Reduktion der Risiken
5.2.2 Erhöhung der Chancen?
5.4 Folgen für Anbieter

6. Zusammenfassung und Wertung

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht

CHF Schweizer Franken

DJIA Dow Jones Industrial Average

EBA European Banking Authority

ESMA European Securities And Markets Authority

KWG Kreditwesengesetz

LIBOR London Interbank Offered Rate

MiFIR Markets In Financial Instruments Regulation

WpHG Wertpapierhandelsgesetz

Abbildungsverzeichnis Seite

Abb. 1 Einfache Darstellung der Funktionsweise

Abb. 2 Entwicklung des gehandelten Volumens von CFDs seit 2012

Abb. 3 Entwicklung der Transaktionen, Volumina pro Transaktion und Kontenanzahl seit 2012

Abb. 4 Gehandelte Basiswerte 2018

Abb. 5 Chronologie der Maßnahmen der BaFin und ESMA zur Regulierung des CFD-Handels

Abb. 6 Entwicklung der Anzahl der Transaktionen, Konten und Volumina im Umfeld zunehmender Regulierung seit 2016

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Direkter Vergleich Optionsschein mit CFD

Tab. 2 Beispielhafte Performance eines Long-CFD mit Hebel 20:1 in Abhängigkeit von der Kursentwicklung des Basiswerts

1. Zielsetzung und Vorgehensweise

Hebelprodukte sind für viele Kleinanleger interessant, da mit geringerem Kapitaleinsatz, als bei einem Direktinvestment in den zugrunde liegenden Basiswert, an dessen Entwicklung partizipiert werden kann. Dabei wird von vielen, insbesondere unerfahrenen Anlegern, die durch hohe Rendite durch Hebel gelockt werden, außer Acht gelassen, dass der Hebel stets in beide Richtungen wirkt, das heißt, die überproportionalen Renditechancen werden mit ebenso hohen Verlustrisiken erkauft.

Contracts For Difference (CFDs) sind eine spezielle Art von Hebel-produkten, die vor allem im Internet stark beworben werden und finanzielle Freiheit versprechen. Im selben Atemzug muss der Anbieter jedoch darauf hinweisen, dass über 80% der Kunden mit diesem Produkt ihr Geld verlieren.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie sich die Chancen und Risiken eines CFDs tatsächlich darstellen, und inwiefern dieses Instrument für den Kleinanleger geeignet ist.

In den letzten Jahren ist der Handel mit CFDs zunehmend beschränkt worden, durch nationale, wie auch europäische Finanzaufsichtsbehörden. Daher wird im hinteren Teil – nach einer detaillierten Untersuchung und Erörterung der Restriktionen - untersucht, wie sich die neuen Vorschriften auf die Chancen von Anlegern und auch auf die Anbieter ausgewirkt haben.

2. Einführung und Überblick

2.1 Erste Einführung in Begriffe und Funktionsweise

CFD ist das Akronym für Contract For Difference (zu Deutsch: Differenz-kontrakt).

Technisch gesehen handelt es sich bei einem CFD um eine Spezialform des Swaps. Grundsätzlich ist ein Swap eine Vereinbarung zwischen Vertragspartnern, zukünftig Cash Flows auszutauschen.1

CFDs werden OTC (over the counter) gehandelt (siehe dazu Kap. 3.1.2). Der Kunde vereinbart mit seinem Broker die Entwicklung eines bestimmten Basiswerts (underlying) auszutauschen. Die Entwicklung des Basiswerts wird gehebelt nachvollzogen, da für die Eröffnung einer CFD-Position lediglich die Hinterlegung einer sogenannten Margin erforderlich ist, die in Prozent der Positionsgröße angegeben ist. Der Kunde partizipiert mit seinem Investment, obwohl er nur einen Bruchteil der Positionsgröße hinterlegt hat, eins zu eins an der Entwicklung des Basiswerts, dadurch entsteht ein Hebel, der umso größer wird, je geringer die Margin im Verhältnis zur Positionsgröße ist.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einfache Darstellung der Funktionsweise (Eigene Darstellung)

Welche Folgen der Handel mit diesem Hebel für die Erfolgs- aber auch Verlustaussichten des Anlegers hat, wird ausführlich in Kap. 3 behandelt. Es sei aber an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, dass der Handel mit CFDs das Risiko birgt, weit mehr, als das eingesetzte Kapital zu verlieren, das heißt, nachschusspflichtig zu werden.

Mit CFDs ist es sowohl möglich Long zu gehen, das heißt auf steigende Kurse des Basiswerts zu setzen, wie auch Short zu gehen, also auf fallende Kurse zu setzen.

Die Short-Position entspricht dabei einem Leerverkauf. Bei einem Leerverkauf wird der Wert zuerst verkauft und anschließend gekauft, um an fallenden Kursen zu partizipieren. Beauftragt ein Kunde seinen Broker mit einem Leerverkauf, leiht sich dieser das entsprechende Wertpapier von einem anderen Kunden und verkauft es am Markt. Zu einem späteren Zeit-punkt kauft der Kunde das Wertpapier wieder ein, ist dies bis dahin im Kurs gesunken, vereinnahmt der Kunde die Differenz zwischen Ver- und Ankaufspreis als Gewinn (der Anleger muss aber jede Ausschüttung aus dem Papier, z.B. in Form von Dividende an den Broker zahlen). Üblicherweise muss der Kunde bei seinem Broker ein Margin-Konto hinter-legen als Sicherheit. Möglicherweise kann es zur Nachschussforderung kommen, wenn der Kurs entgegen den Erwartungen des Anlegers steigt. Kommt der Kunde dieser Forderung nicht nach, wird die Short-Position geschlossen.3

Basiswerte sind typischerweise (Aktien-)Indizes, Aktien oder Devisenpaare (siehe auch Kap. 2.2 Abb. 4).

CFDs sind Finanzinstrumente, genauer gesagt Derivate, im Sinne des §1 Abs. 11 KWG. Gemäß §§32 ff KWG ist daher für den gewerbsmäßigen Vertrieb im Inland eine Erlaubnis der BaFin erforderlich. Sie werden nicht am geregelten Markt gehandelt, sondern der Kunde schließt den Vertrag direkt mit seinem Broker, der neben der Bereitstellung der notwendigen Handelsplattform und Infrastruktur in der Regel als market maker auftritt (siehe dazu Kap. 3.1.2).

Da es sich bei einem CFD um ein Derivat handelt, mit dem lediglich auf die Differenz der Kurse bei Ein- und Ausstieg spekuliert wird, besitzt der Anleger in einem Aktien-CFD nicht die zugrunde liegende Aktie, dennoch erhalten Inhaber einer CFD-Long-Position in der Regel Dividendenzahlung, wie bei einem Direktinvestment in den entsprechenden Titel. Inhaber einer Short-Position müssen dagegen in der Regel die Dividende an ihren Broker bezahlen, da, wie oben bereits festgestellt, Shorten dem Leerverkauf entspricht, die Aktien also vom Broker geliehen werden, dieser also weiterhin der Besitzer und damit dividendenberechtigt ist.4

2.2 Ursprung von CFDs und Entwicklung in den letzten Jahren

CFDs tauchten erstmals in den 1990er-Jahren in Großbritannien auf. Da mit CFDs keine Übertragung, also physische Lieferung des zugrunde liegenden Basiswerts (z.B. einer Aktie), verbunden ist, sondern lediglich auf die Kursdifferenz spekuliert wird, unterlagen diese Geschäfte nicht der sogenannten Stempelsteuer und erfreuten sich deshalb zunehmender Beliebtheit.

Sie entstanden außerdem aus dem Bedarf professioneller Kunden (vor allem Fondsgesellschaften), sich gegen fallende Kurse und Kursschwankungen abzusichern.5

Die Studie des Research Centers For Financial Services der Steinbeis Hochschule im Auftrag des CFD Verbands e.V., hat im Jahresvergleich von 2012 bis 2018 die Entwicklung des CFD-Marktes in Deutschland untersucht und gibt einen detaillierten Einblick in Zahl der Konten, gehandelte Volumina und gehandelte Basiswerte. Allerdings ist anzumerken, dass CFD-Broker nicht verpflichtet sind, ihre Trades zu veröffentlichen und die angegebenen Daten somit nur repräsentativ sein können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entwicklung des gehandelten Volumens von CFDs seit 2012 (in Anlehnung an CFD Verband e.V. (Hrsg.) (2019), Online im Internet)

2018 lag das gehandelte Volumen bei rund 1.580 Mrd. Euro und es ist ein Rückgang des gehandelten Volumens seit 2015 zu beobachten. Von 2015 auf 2016 fiel das Volumen um rund 6%, von 2017 auf 2018 bereits um 8%.

Wird jedoch auf der anderen Seite die Entwicklung der Anzahl der CFD-Konten betrachtet, ist seit 2012 ein starker Zuwachs zu betrachten. 2018 gab es über 200.000 CFD-Konten in Deutschland und damit bereits mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2013, wo es rund 98.000 waren. Die Anzahl der Transaktionen ist von 68 Millionen im Jahr 2016 auf 56 Millionen im Jahr 2017 um 18% eingebrochen, aber von 2017 auf 2018 um über 23% wieder stark auf 69 Millionen angestiegen. Während das Volumen pro Transaktion von 2016 auf 2017 von knapp 27.000 auf über 30.000 um 14% gestiegen ist, hat es sich auf 2018 um 25% auf knapp 23.000 verringert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der Transaktionen, Volumina pro Transaktion und Kontenanzahl seit 2012 (in Anlehung an CFD Verband e.V. (Hrsg.) (2019), Online im Internet)

Werden die gehandelten Basiswerte betrachtet (siehe Abb. 3), dann haben CFDs auf Aktienindizes fast 90% des gehandelten Volumens ausgemacht. Mit großem Abstand wurden mit 9% am zweithäufigsten Devisenpaare gehandelt und gemessen am Volumen ist der Anteil von Aktien, Rohstoffen und Renten beinahe zu vernachlässigen.

Wird die Verteilung des Volumens auf Aktienindizes genauer betrachtet, machen CFDs auf den DAX fast 60% aus, gefolgt von 35% auf den Dow Jones. Das übrige Volumen verteilt sich in vernachlässigbarer Größenordnung auf Indizes wie den EuroStoxx oder den S&P 500. Auch wenn der Anteil von Devisen sehr gering ist, sei angemerkt, dass das Währungspaar EUR/USD mit 70% am häufigsten als Basiswert fungiert hat.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gehandelte Basiswerte 2018 (in Anlehnung an CFD Verband e.V. (Hrsg.) (2019), Online im Internet)

2.3 Abgrenzung CFD zu anderen Hebelprodukten

Da die Zahl der derivativen Hebelprodukte, insbesondere durch die vielfältige Ausgestaltung in Form von Zertifikaten (vgl. Knock-Out-Zertifikate etc.) erheblich ist, kann hier nur ein exemplarischer Vergleich erfolgen. Im Folgenden werden CFDs daher kurz zu den beiden klassischen Produkten, Optionsscheinen (siehe Tab. 2) und Futures abgegrenzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Direkter Vergleich Optionsschein mit CFD (Eigene Darstellung)

Zur Abgrenzung des CFDs vom Optionsschein sei noch darauf Bezug ge-nommen, wie das Derivat den Kurs des Basiswerts nachvollzieht. Der CFD entwickelt sich in aller Regel eins zu eins wie der Basiswert. Beim Optionsschein hängt die Kursbildung jedoch davon ab, ob der Options-schein im/am oder aus dem Geld ist. Liegt der Optionsschein weit aus dem Geld, hat eine Veränderung des Kurses des Basiswerts kaum einen Einfluss auf den Kurs des Scheins, am Geld sind die Auswirkungen sehr stark und weit im Geld wird der Kurs fast eins zu eins nachvollzogen.

Futures sind unbedingte Termingeschäfte, die standardisiert an Terminbörsen wie der EUREX gehandelt werden. Wenn Futures individuell ausgestalten werden und OTC gehandelt werden, heißen sie Forwards. Im Groben gibt es wie bei CFDs die Möglichkeit, auf steigende (long) oder fallende Märkte (short) zu setzen. Ebenso wie bei CFDs ist die Hinterlegung einer Margin erforderlich. Zum Kontraktbeginn wird die sogenannte Initial Margin auf das Margin-Konto eingezahlt. Es kommt dann zum Margin Call, wenn der Saldo auf dem Konto die Maintenance Margin, also den Mindestsaldo unterschreitet; kommt der Anleger seiner Verpflichtung die Margin aufzustocken nicht nach, wird die Position geschlossen.7 Anders ist es bei CFDs, bei denen, wie weiter oben gezeigt wurde, der Saldo des Kontos negativ werden kann. Wann oder ob hier ein Margin Call kommt, hängt vom Broker ab.

Da Futures-Kontrakte beispielsweise auf den DAX an der geregelten Börse gehandelt werden, sind diese Produkte sehr liquide, während bei CFDs ein Market Maker, typischerweise der Broker, eingeschaltet wird. Der Market Maker stellt verbindliche Geld- und Briefkurse um Liquidität und Handelbarkeit zu gewährleisten. Durch den Spread (die Differenz zwischen dem An- und Verkaufspreis) erzielt der Market Maker einen Gewinn.8 Unter anderem infolge dessen sind die Spreads auf dem CFD-Markt größer als auf dem Futures-Markt.

Weiterhin ist beim Handel mit Futures-Kontrakten häufig ein Mindestvolumen von 50.000 Euro auf dem Handelskonto erforderlich. Daher ist es möglich mit CFDs die entsprechenden Märkte bereits mit einem geringeren Betrag zu handeln.

3. Analyse der Chancen und Risiken von CFDs

3.1 Risiken

3.1.1 Auswirkungen des Hebels

Kunde und Broker vereinbaren, die Kursdifferenz des Basiswerts auszutauschen. Üblicherweise haben CFDs keine Laufzeitbegrenzung, daher wird die Position entweder auf Wunsch des Kunden geschlossen oder nach Ermessen des Brokers (Erläuterungen finden sich in den jeweiligen Geschäftsbedingungen), wenn beispielsweise die Margin aufgebraucht ist.

Entwickelt sich der Kurs, wie vom Kunden erhofft – er steigt bei einer Long-Position oder fällt bei einer Short-Position – erhält er die Differenz zum Einstiegskurs von seinem Broker ausgezahlt und erhält dadurch gegenüber dem Direktinvestment, da er lediglich die Margin hinterlegen muss, eine Überrendite. Entwickelt sich der Kurs allerdings entgegen den Erwartungen des Anlegers – er fällt bei einer Long-Position oder steigt bei einer Short-Position – schuldet er seinem Broker die Differenz zum Einstiegskurs. Dies geschiet in der Form, dass sich die Margin auf dem CFD-Konto entsprechend den Verlusten verringert. Je nach Broker und Ausgestaltung kann es bei Unterschreitung bestimmter Grenzen zum Margin-Call kommen, das heißt der Kunde wird aufgefordert, Kapital auf sein Konto nachzuschießen. Manche Broker schließen auch dann die Positionen ihrer Kunden, wenn die Margin komplett oder zu einem gewissen Grad aufge-braucht ist.

Ist die Margin komplett aufgebraucht, ist dies dennoch nicht der mögliche Maximalverlust des Kunden. Der Verlust des Kunden kann über das eingezahlte Kapital hinausgehen, wenn sich die Position zu seinen Ungunsten entwickelt. In diesem Fall wird er nachschusspflichtig und muss die Differenz aus seinem übrigen Vermögen aufbringen.

Durch den Einsatz eines hohen Hebels ist es möglich, dass die Größe der Position sogar das vorhandene Gesamtvermögen des Anlegers übersteigt.

In Tabelle 1 ist beispielhaft die Performance eines CFD-Investments (long) in Abhängigkeit von der Entwicklung des Basiswerts dargestellt. Angenommen die CFD-Position des Anlegers umfasst 1.000 Aktien der X-AG, die bei jeweils 20€ notieren, dann ist das Volumen dieser Position insgesamt 1.000*20€ = 20.000€. Weiterhin wird unterstellt, dass der Anbieter eine Margin von 5% verlangt (20.000*5% = 1.000€), damit beträgt der Hebel dieses Investments 20:1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Beispielhafte Performance eines Long-CFDs mit Hebel 20:1 in Abhängigkeit von der Kursentwicklung des Basiswerts (in Anlehung an Roegele, E. (2017), Online im Internet)

Diese Abbildung verdeutlicht, wie sich durch die Hebelwirkung bereits kleine Schwankungen des Basiswerts auf die Performance des CFD-Investments auswirken. Steigt der Kurs der X-Aktie in diesem Szenario beispielsweise um 5%, hat der Anleger bereits einen Gewinn von 100% realisiert. Allerdings wirkt der Hebel stets in beide Richtungen, das heißt, wenn der Kurs der Aktie um 5% fällt, erleidet der Anleger bereits einen Totalverlust. Und im dunkelrot gekennzeichneten Bereich geht der Verlust sogar über die Initial-Margin auf dem CFD-Konto des Anlegers hinaus, das heißt, der Anleger wird nachschusspflichtig, wenn der Anbieter die Position nicht vorher geschlossen hat.

Je geringer die zu hinterlegende Margin, umso größer ist der Hebel. Je größer der Hebel, umso überproportionaler ist die Partizipation an der Entwicklung des Basiswerts möglich, nach unten, wie auch nach oben.

Gerade diese Möglichkeit, mit geringem Kapitaleinsatz, hohe Gewinne zu erzielen, reizt viele Kleinanleger, ihr Geld in CFDs anzulegen.

Dennoch zeigen Auswertungen, dass rund 80% der Anleger beim Handel mit CFDs keinen Gewinn erzielen, sondern im Gegenteil, ihr eingesetztes Kapital verlieren.9

CFDs sind daher den hochspekulativen Produkten zuzuordnen.

Neben dem Risiko der Totalverlustes (bzw. darüber hinaus im Falle der Nachschusspflicht) ergeben sich insbesondere weitere Risiken dadurch, dass die Kursfestsetzung durch den Broker stattfindet, der gleichzeitig als Vertragspartner auftritt – dies wird ausführlich im folgenden Kapitel erläutert.

3.1.2 Interessenkonflikt Kunde – Broker

CFDs werden OTC gehandelt, das heißt, es handelt sich um einen bilateralen Vertrag zwischen Kunde und Broker.10 Der Broker tritt hierbei als market maker auf, indem er An- und Verkaufskurse stellt. Entsprechend korreliert ein Gewinn des Kunden immer mit einem Verlust des Brokers und umgekehrt – dies führt offensichtlich zu einem Interessenkonflikt. Umgangen werden kann dieses Problem, wenn der Broker sich absichert, indem er das Risiko an den sogenannten liquidity provider abgibt und sich damit unabhängig von der Entwicklung des Basiswerts macht und eine neutrale Stellung einnimmt. Kauft der Kunde beispielsweise einen Aktien-CFD auf eine bestimmte Anzahl von Aktien, dann kauft idealerweise der liquidity provider genau diese Aktien an der Börse und zahlt die Gewinne an den Broker, der sie an den Kunden weitergibt.11

Allerdings sind Broker nicht verpflichtet, sich entsprechend abzusichern und geht der Broker davon aus, dass seine Kunden mit ihren Einschätzungen falsch liegen und sichert sich nicht ab, besteht dieser Interessenkonflikt weiterhin und es ist nicht auszuschließen, dass die Kursfestsetzung zu Ungunsten des Anlegers geschiet.

Ein weiteres Risiko ergibt sich dadurch, dass Anleger ihre CFDs nicht zu Orderbuchkursen handeln - die Festlegung verbindlicher An- und Verkaufskurse durch den Anbieter kann je nach Ausgestaltung der Geschäftsbedingungen des Brokers mehr oder weniger stark vom tatsächlichen Kurs des Basiswerts abweichen, ebenso kann der Spread (die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs) im Vergleich zum Referenzmarkt deutlich höher ausfallen (siehe dazu auch Kap. 3.3). Sogenannte DMA-Broker (direct market acess) werben damit, dass Kunden zu Orderbuchkursen handeln können.12

[...]


1 Vgl. Hull, J. (2009), S. 194

2 Vgl. Stobbe, W. (2010), S. 34 f.

3 Vgl. Hull, J. (2009), S. 138 - 140

4 Vgl. Schütz, D. (2017), S. 135 - 139

5 Vgl. Schütz, D. (2017), S. 18 f.

6 Vgl. CFD-Verband e.V. (Hrsg.) (2019), Online im Internet.

7 Vgl. Hull, J. (2009), S. 54

8 Vgl. Hull, J. (2009), S. 242 f.

9 Vgl. Ristau, O (2019), S. 86 f.

10 Vgl. Schütz, D. (2017), S. 145 f.

11 Vgl. Schütz, D. (2017), S. 151 - 153

12 Vgl. Schütz, D. (2017), S. 162 f.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Regulierung des CFD-Handels in Deutschland und die Auswirkungen auf Privatanleger
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim
Note
B
Jahr
2019
Seiten
40
Katalognummer
V537638
ISBN (eBook)
9783346196583
ISBN (Buch)
9783346196590
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regulierung, CFD, Contract for Difference, Hebelprodukte, Bafin, ESMA, Nachschusspflicht, Margin Call, Futures, Optionsscheine, Totalverlust, Investment, privatanleger, Verbraucherschutz, Trading
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Regulierung des CFD-Handels in Deutschland und die Auswirkungen auf Privatanleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537638

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