Nachhaltige, effiziente Energieversorgung im Zusammenhang mit einem Klimaschutzkonzept für den niedersächsischen Landkreis Holzminden


Bachelorarbeit, 2013

45 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Ziel der Arbeit & Vorgehensweise

2 Grundlagen: Historie
2.1 Entwicklungsansicht
2.2 Gesetzliche Auslegung

3 KlimaschutzkonzeptHolzminden
3.1 Energiepolitische Rahmenbedingungen
3.1.1 Zielsetzung der Europäischen Union
3.1.2 Zielsetzungen des Landes Niedersachsen
3.2 Energie und CO2-Bilanz
3.2.1 Endenergieverbrauch im Landkreis Holzminden im Jahre 2010
3.2.2 Endenergieverbrauch Wärme
3.2.3 Endenergieverbrauch Strom
3.2.4 CO2-Emissionen
3.2.5 Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien - Strom
3.3 Klimaschutzhandlungsfelder
3.3.1 Ausbau der erneuerbaren Energie
3.3.2 Windenergie
3.3.3 Fotovoltaik
3.3.4 Biomasse
3.4 Erneuerbare Energie in der Wärmeerzeugung
3.4.1 Solarthermie
3.4.2 Feste Biobrennstoffe
3.4.3 Ausblick für den Landkreis Holzminden
3.5 Energieeinsparung und Energieeffizienz
3.5.1 Energieeffizienz in Wohngebäuden
3.6 Klimafreundliche Mobilität

4 Maßnahmenempfehlungen
4.1 Windenergie
4.2 Biomasse
4.3 Solarthermie
4.4 Intelligente Stromversorgung

5 Ausblick

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: AGEnergiebilanzen, BMU; Stand: 3/2013

Abbildung 2: Regionale Verteilung der Windenergieanlagen im Betrieb nach Anzahl und Leistung; Quelle: LK Holzminden, Stabsstelle, strategische Planung - Regionalplanung, Stand: März 2011

Abbildung 3: Quelle Klimaschutzkonzept Holzminden; Einspeisung der PV-Anlagen in den Einheits- und Samtgemeinden im Landkreis Holzminden 2010

Abbildung 4: Quelle Erneuerbare Energien in Zahlen, BMU 2012; Langfristig realisierbares, nachhaltiges Nutzungspotenzial von Fotovoltaik in Deutschland

Abbildung 5: Standorte, elektrische Leistung, Baujahrund Inputmaterial derBiogasanlagen im Landkreis Holzminden; Quelle: Klimaschutzkonzept Holzminden 2012

Abbildung 6: Funktionsweise Solarthermie; Quelle: Göning GmbH

Abbildung 7: Endenergieverbrauch in Deutschland nach Sektoren 2010; Quelle: BMWi

Abbildung 8: Anteile der Energieträger an der Wärmeerzeugung 2010; Quelle: Klimaschutzkonzept Holzminden 2012

Abbildung 9: Quelle: UfU Unabhängiges Institut für Umweltfragen; http://www.ufu.de/media/content/images/Fachgebiete/Klimaschutz/KWK/kwk- prinzip.bmp

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Von der Ersten zur Dritten Industriellen Revolution

Tabelle 2: Endenergieverbrauch 2010, aufgeteilt auf Wärme/ Stromverbrauch/Verkehr; Quelle Klimaschutzkonzept Holzminden

Tabelle 3: Wärmeverbrauch nach Sektoren 2010; Quelle: KlimaschutzkonzeptHolzminden.

Tabelle 4: Anteil der Sektoren am Stromverbrauch;Quelle Klimaschutzkonzept Holzmindenll

Tabelle 5: Quelle: KlimaschutzkonzeptHolzminden S. 17

Tabelle 6: Quelle Klimaschutzkonzept Holzminden: Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im Landkreis Holzminden 2010

Tabelle 7: Quelle Klimaschutzkonzept Holzminden: Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in MWh/a in den Einheits- und Samtgemeinden 2010

Tabelle 8: Entwicklung der installierten Leistung und der Netzeinspeisung von WEAin Deutschland; Quelle : BUM, 2012

Tabelle 9: Weiterverarbeitung von Biomasse; Quelle: Fachverband Biogas, Inst. f. Energetik

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Die Menschen nutzen für das was sie körperlich nicht bewerkstelligen können Energie. Was ist Energie? Energie tritt in unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. In der Vergangenheit wurde Energie durch reine Muskelkraft erzeugt. Als diese nicht mehr ausreichte, bedienten sich die Menschen der Hilfe von Lasttieren (Pferd, Esel, Vieh). Als das Rad entstand, wurden die Tiere daran gespannt (Pferdekutschen) und konnten auf diesem Weg Güter trans­portieren. Der Transport war in der damaligen Zeit sehr schwer, da es wie oben beschrieben ohne elektrischen Strom geschah. Selbst die Galeeren wurden damals durch Muskelkraft der Männer im Inneren des Bootes angetrieben. Schließlich lernte der Mensch, sich die Mechanik durch die Wind- und Wasserkraft in Form von Mühlen nutzbar zu machen. Zum Mahlen der Getreide wurden zwei Steine durch körperliche Anstrengung bewegt. Durch die Erfindung konnte sich der Mensch lediglich auf die Bedienung der Mühle konzentrieren, die die Steine durch Wasser oder Windkraft bewegte. Die Menschen lernten immer mehr Methoden und Techniken, um schwere Arbeit verrichten zu können. Beispielsweise wurde beim Bau des Ulmer Münsters oder beim Bau des Colloseums in Rom das Hebelgesetz be­nutzt.

Die Dampfmaschine brachte Veränderungen in höchstem Maße hervor. Sie definierte den Begriff der Energie neu. Das Zeitalter der Industrialisierung wurde eingeläutet. Massen­produktionen standen an der Tagesordnung. Dadurch ist der Bedarf an Gütern erheblich ge­stiegen. Die führenden Industrienationen sind für 80 Prozent der weltweiten Treibhaus­gas-Emissionen verantwortlich, obwohl sie nur 20 Prozent der Erdbevölkerung beheimaten. Somit übt der Mensch einen außerordentlichen Einfluss zur deutlichen Erwärmung der Erde aus.

Durch die revolutionäre Erfindung des Stroms gab es sowohl positive als auch negative Konsequenzen in allen Bereichen der Energienutzung. Für den Strombedarf der Industrien und Haushalte wurden unter anderem Talsperren angelegt. Das Landschaftsbild durch Windenenergieräder verändert. Durch Atomwerke entstand viel Atommüll, bei dem das Problem der Endlagerung noch nicht geklärt ist. Durch die Entdeckung des Öls wurden die Autos besser mit Kraftstoff versorgt, was entsprechende Abgase (CO2) verursacht. Dies stellt einen erheblichen Angriff in die Natur dar und führt zu entsprechenden Konsequenzen für die Ökologie. Durch unsere Entwicklung sind die Auswirkungen auf das Klima, Wasser und Lebensräume nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: AG Energiebilanzen, BMU; Stand: 3/2013

Die Berichte über Klimaerwärmung sind seit Jahren weltumspannend. In der einen Woche sind es Berichte über den Anstieg der Meeresspiegel und der damit verbundenen Über­schwemmung niedriggelegener Landgebiete und in der anderen Woche sind es Nachrichten über das Abschmelzen der Polkappen und der Bedrohung des natürlichen Lebensraumes der darin lebenden Tiere und Pflanzen. Dies sind die Folgen der globalen Erderwärmung. Dennoch lässt sich der Klimawandel der letzten Jahrzehnte nicht nur anhand natürlicher Klima­schwankungen erklären.

Der Energiesektor befindet sich seit einigen Jahren in einem Wandlungs­prozess im Bezug auf die Energie­gewinnung. Die Zukunftsfähigkeit der gegenwärtigen Struktur, basierend auf einer Energieversorgung mit fossilen Energieträgern wird nicht nur von Wissenschaftlern, sondern nun auch von politischer Seite angezweifelt. Durch den globalen Klimawandel als Konsequenz der Erderwärmung, die sinkende Akzeptanz der Kernenergie durch Sicherheitsrisiken und ungelöste Atommüllentsorgung sowie die stetig wachsende Menge von emittierten Treibhausgasen, steht die Menschheit vor der schwierigen Heraus­forderung, einen selbst verursachten Prozess zu verlangsamen oder ihm gar entgegenzu­wirken. Zu erwähnen ist auch, dass ein zunehmendes Konfliktpotenzial durch die Abhängig­keit der Öl- importierenden Länder von den Fördernationen besteht. Außerdem stehen die Politiker unter Zeitdruck, denn die Erhöhung der globalen Temperatur um mehr als 2 °C, kann zu schwerwiegenden Störungen des weltweiten Klimasystems führen. Auch darf der Tenor nicht nur in der Entwicklung neuer Quellen liegen, sondern muss auch die Frage nach dem, „Wie“ wird etwas entwickelt gestellt werden. In den Energiekonzepten sollte es auch diesbezüglich Lösungen geben. Das „Wie“ wird oft unterschätzt, was am Beispiel eines Kohle-Tagbaus deutlich wird. Dort findet ein enormer Eingriff in die Natur und Lebensräume von Mensch und Tier statt, um an Ressourcen für die Stromproduktion zu gelangen.

Bereits gemachte Fehler sind Tatsachen der Vergangenheit, die es zu akzeptieren gilt und deren Auswirkungen dringend abzumildern sind, indem z. B. nicht weiterhin mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen wird. Daher sind etablierte Strukturen auf den Prüfstand gestellt und Veränderungen für unabdingbar erklärt worden. Es beginnt somit die Zeit der erneuer­baren Energieträger und sogenannten „alternativen“ Techniken. Der neue Fokus für diese energiepolitische Ära liegt in der Nachhaltigkeit.

„Nachhaltige Entwicklung befriedigt die Bedürfnisse der heutigen Generation, ohne die Fähigkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihre eigenen Lebensstile zu wählen“1 (Brundlandt-Kommision)

Deutschland deckt derzeit 22 % seines Energieverbrauches durch erneuerbare Energien ab. Das sind etwa 2 % mehr als im Jahr 2011. Den größten Anteil an der Erzeugung erneuer­barer Energie trägt die Windleistung mit einem Anteil von 7,4 %. Laut einer Leitstudie des Bundesumweltministeriums soll spätestens bis zum Jahre 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung mindestens 35 Prozent betragen2. Bis zum Jahre 2050 hält man eine 100%-Deckung durch diese Erzeugungsformen für möglich3. Um diese klima­politische Zielsetzung zu erreichen, bedarf es eines nachhaltigen Energiemixes und der Ausschöpfung regionaler Potenziale, die in Deutschland vorzufinden sind.

Auch der Landkreis Holzminden ist gezwungen eine geeignete Energiekonzeption zu ent­wickeln, welche speziell auf die regionalen Ressourcen anwendbar ist. In diesem Fall ist es besonders wichtig eine Lösung zu konzipieren, die allen Bürgern und der Industrie, aber auch den klimapolitischen Zielsetzungen Deutschlands, gerecht wird. Angesichts dessen ist es notwendig, die Bevölkerung in Entscheidungsprozesse einzubeziehen und gemeinsam nachhaltige Strategien zur energetischen Versorgung zu entwickeln.

Wie ich gerade aufgezeigt habe, gibt es im Bereich der Energie verschiedene Ansätze und Aspekte, die ich im Rahmen meinervorliegenden Arbeit nicht ausführlich behandeln kann, da dies den Rahmen sprengen würde. Aus diesem Grund werde ich mich in meiner Bachelor­Thesis auf den Aspekt der Wärme- und Stromerzeugung im Landkreis Holzminden konzentrieren.

1.2 Ziel der Arbeit & Vorgehensweise

Diese Arbeit soll Aufschluss über die derzeitige Situation in verschiedenen Landkreisen und den Stand der Technologien von erneuerbaren Energien geben, Möglichkeiten zur Um­strukturierung aufzeigen und Denkanstöße vermitteln. Daher möchte ich mit dieser Thesis Lösungen für eine nachhaltige, effiziente Energieversorgung im Zusammenhang mit einem Klimaschutzkonzept für den niedersächsischen Landkreis Holzminden aufzeigen. Ebenso werde ich die einzelnen Technologien erklären und analysieren.

Zu Beginn der Arbeit werde ich mich mit den Grundlagen, Entwicklungsansicht und der gesetzlichen Auslegung beschäftigen. Anschließend wird das Klimaschutzkonzept Holz­mindens analysiert und die Möglichkeiten sowie gegebenenfalls Schwächen des Landkreises erörtert.

Im Hauptteil werden Maßnahmenempfehlungen für ein Energiekonzept gegeben. Hierbei möchte ich vor allem auf die Chancen und Risiken in ökologischen wie auch ökonomischen Aspekten eingehen. Diese werden nicht detailliert aufgeführt, sondern im beschreibenden Stil dargestellt. Gegen Ende der Arbeit werde ich einen Ausblick für die Zukunft verfassen.

2 Grundlagen: Historie

2.1 Entwicklungsansicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Von der Ersten zur Dritten Industriellen Revolution

Im 20. Jahrhundert wurde die industrielle Massenproduktion aufgrund von günstigen Roh­stoffen gestärkt und wesentlich ausgeweitet. Als Folge wurde für den Faktor Arbeit eine ausgesprochen hohe Produktivität ermöglicht. Fossile Energien schafften durch Kohle in der Ersten und Öl in der zweiten Industriellen Revolution erleichterte Bedingungen für die Produktion, den Verkehr und Konsum. In der Ersten industriellen Revolution war die Ver­wendung von Kohle statt Holz als Brennstoff und Stahl als Baustoff kennzeichnend. Vor allem konnte dadurch erstmalig der Bau der Eisenbahn durchgeführt werden. Durch die Entwicklung der Dampfmaschine und der dadurch gewonnenen Erkenntnis über die Nutzung des Wasserdampfes fand eine Revolution der Produktionsprozesse statt, da nun keine Ab­hängigkeit zu den Ressourcen Wind und Wasser bestand. Das war der Beginn einer noch nie da gewesenen Mobilität, da die Abhängigkeit zu den alten Energieträgern, die meist sehr standortgebunden war nicht mehr bestand4.

Maßgebend für die zweite industrielle Revolution war der Einsatz elektrischer Energie und Erdöl, welches neben der Kohle eine alternative Option zur Energiegewinnung war. Mit ihr wurde das Augenmerk auch auf die Kohlenstoffchemie geworfen. Massenproduktion und Produktivitätserhöhung durch zum Beispiel Aufteilungen in kleinsten Arbeitsschritten führten zu einer enormen Produktivitätssteigerung sowie einem beginnenden Wohlfahrtsstaat. Die Industrialisierung, die weltweite Steigerung des Wohlstands, der Weltgüterverkehr und das Bevölkerungswachstum führten zu zunehmendem Bedarf an Rohstoffen wie Erdöl oder Uran.

Durch die Ressourcenknappheit ist die Verfügbarkeit allmählich nicht mehr preiswert. Daraus resultieren die Marktstörungen durch Engpässe in der Rohstoffversorgung. Demzufolge ist die Strategie, auf Öl, Uran oder Kohle zu bauen, heutzutage nicht mehr tragbar. Die negativen Folgen der globalen Erderwärmung sind für das Weltklima und damit unser aller Umwelt bedrohlich.

In der heutigen dritten Phase geht es um die effiziente Gestaltung und Entwicklung nach­haltiger Strategien und Möglichkeiten für einen erneuerbaren Energiemix.

2.2 Gesetzliche Auslegung

Der Auslöser für die enorme Steigerung regenerativer Energieträger in Deutschland liegt hauptsächlich in der Politik. In den letzten zwanzig Jahren wurden Rahmenbedingungen für die Implementierung erneuerbarer Energien geschaffen. Das erste Gesetz, das die Ent­wicklung der erneuerbaren Energien in Gang setzte, war 1990 das Stromeinspargesetz (StrEG) welches im Jahr 2000 durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgelöst worden ist. Das erstmals im Jahre 2000 eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG basiert auf dem folgenden Prinzip: „Regenerativ erzeugter Strom wird vorrangig und garantiert ins öffentliche Netz eingespeist und mit einem Mindestsatz vergütet"5.

Die Vergütungen sind nach den Erfordernissen, der jeweiligen Sparten gestaffelt. Durch die degressive Staffelung sinkt die Vergütung Jahr für Jahr. Somit wird eine Kostenreduzierung im Energietechnologien-Sektor erreicht, um mittelfristig wettbewerbsfähige Marktpreise zu erhalten. Dennoch ist die Gewährung einer temporären Förderung durch die regenerativen Technologien (z.B. Windkraft, Solarenergie, Biogas, Wärmetausch, Geothermie...) von Nöten um die gewünschten Marktpreiseffekte erzeugen zu können. Die Gewährung der zeitweiligen Förderung wie sie in der Vergangenheit anderen Energietechnikträgern wie der Kernenergie gewährt wurden ist für die regenerativen Technologien von enormer Wichtigkeit. Die ge­wünschte Kostenreduzierung ist nur durch die zeitweilige Förderung der Technologien mög­lich.

Der erfolgreiche Umstieg auf erneuerbare Energieträger bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts ist nur dann realisierbar, wenn hierfür die Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit gegeben und bewiesen ist. Angesichts dieser Tatsache und der Weiterführung des Erneuer- baren-Energie-Gesetzes entwickelten sich Ende 2003 Diskussionen zwischen den beiden Parteien Politik und Energiewirtschaft. Schließlich erfolgte die Einigung darüber, das EEG als Kerninstrument weiterzuführen. Das Ziel den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2010 auf mindestens 12,5 % und bis 2020 auf mindestens 20 % zu er­höhen wurde 2004 im EEG als Ziel angesetzt6.

„Seit seiner Einführung hat sich das Gesetz auch im Vergleich zu anderen Fördersystemen als hocheffizientes Instrument erwiesen und ist dadurch zum Exportschlager geworden: 65 Länder weltweit haben mittlerweile Fördersysteme nach dem Vorbild des EEG eingeführt“7.

3 Klimaschutzkonzept Holzminden

3.1 Energiepolitische Rahmenbedingungen

3.1.1 Zielsetzung der Europäischen Union

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) haben sich für eine nachhaltige Zukunft der Klima- und Energiepolitik für das Jahr 2020 die sogenannte 20-20-20 Regel gesetzt. In dieser Periode sollen die Treibhausgas-Emissionen um 20 % gegenüber den Werten im Jahr 1990 gesenkt werden, parallel dazu soll die Erzeugung erneuerbarer Energien und Energie­effizienz um 20 % gesteigert werden. Als übergeordnete Zielsetzung hat sich die EU bis zum Jahr 2050 die Verringerung der Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Betrachtungsjahr 1990 um 80% vorgenommen. Die Europäische Kommission verfolgt neben Energie und klimapolitischen Zielsetzungen als strategisches Ziel, die Erschließung von Potenzialen und Chancen für Innovation, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung8.

3.7.2 Zielsetzungen des Landes Niedersachsen

Das niedersächsische Energiekonzept wurde am 31. Januar 2012 durch die nieder­sächsische Regierung beschlossen. Das neue Konzept soll in den kommenden Jahren dazu beitragen die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Der Anteil erneuerbarer Energien in Niedersachsen soll im Gegensatz zu der Zielsetzung Europas nicht 20 %, sondern 25 % decken. Dies bedeutet eine Erhöhung in der Strom- und Wärmeerzeugung sowie eine Steigerung der Energiebereitstellung im Mobilitätssektor. Erwähnenswert ist auch, dass in Niedersachsen das größte Kontingent an regenerativem Strom aus Windkraft und Biogas­anlagen deutschlandweit vorzufinden ist. Dadurch besteht die Chance in Niedersachsen ab 2020 bilanziell mehr Strom zu generieren, als im Land beansprucht wird.

Die Erhöhung des Anteils an erneuerbarer Energie steht jedoch vor einem enormen Kostenblock, der sich durch die hohen Investitionssummen in die jeweiligen Technologien anhand des Strompreises bemerkbar machen wird. Diesbezüglich wird sich die Landes­regierung laut Energiekonzept gegenüber der EU und dem Bund zur Wehr setzen9.

3.2 Energie und CO2-Bilanz

Durch die Energie- und CO2-Bilanz werden die gesamten Energieverbräuche und CO2- Emissionen des Landeskreises, der Einheits- und der Samtgemeinden ermittelt und be­wertet. Dadurch lassen sich die zu behandelnden Schwerpunkte für Klimaschutzaktivitäten und die jeweiligen Maßnahmen identifizieren. Für die Bilanzierung werden die Rubriken Energie (Wärme und Stromverbrauch) sowie Verkehr (auf Basis Bundesdeutscher Durch­schnittswerte) herangezogen.

3.2.7 Endenergieverbrauch im Landkreis Holzminden im Jahre 2010

Im Jahr 2010 lag der Endenergieverbrauch im Landkreis Holzminden bei etwa 2700 Giga­wattstunden (GWh), was etwa zu 0,1 % dem Endenergieverbrauch in Deutschland ent­spricht. Allerdings wurden in Holzminden 6,1 MWh mehr gegenüber dem Bundesdurchschnitt (30,77 MWh) je Einwohner verbraucht. Die Verteilung des Endenergieverbrauches in Holz­minden ist in den drei Sektoren wie folgt verteilt: Verkehr (40 %), Wirtschaft (20 %) und private Haushalte (20 %). Diese Verteilung gewährt einen Einblick, wo im Landkreis (LK) die größten Einsparpotenziale bestehen. Den geringsten Anteil am Gesamtverbrauch haben mit knapp 1 % die kommunalen Liegenschaften.

Im Landkreis Holzminden wird die Endenergie zu 45 % für die Wärmeversorgung, zu 39 % für den Verkehr, zu 16 % für den Stromverbrauch bereitgestellt. Hier ist der Stromanteil am Endenergieverbrauch geringer als der des Bundesdeutschen Durchschnitt von 20,5 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Endenergieverbrauch 2010, aufgeteilt aufWärme/ Stromverbrauch/ Verkehr; Quelle Klimaschutzkonzept Holzminden

Der größte Anteil am Endenergieverbrauch bezogen auf die Energieträger lag jedoch an den Treibstoffen Diesel und Benzin mit einem Verbrauch von 37 %. Andere Energieträger lagen deutlich unter diesen Werten. So betrug der Anteil von Erdgas 21 %, Heizöl 19 % und Strom lag bei 16 % des Endenergieverbrauches.

3.2.2 Endenergieverbrauch Wärme

In Holzminden wird für die Wärme ein enormer Anteil (45%) an Endenergie (1.208.000 MWh) verbraucht. Der Bedarf wird durch Erdgas (46 %) und durch Heizöl (42 %) gedeckt. Die Wärme wird zu einem Drittel in dem Bereich der Haushalte verbraucht. Die restlichen zwei Drittel werden durch die Wirtschaft genutzt. Zu Bedenken ist, dass der Schwerpunkt auf die energieintensiven Industriebetriebe wie zum Beispiel Symrise in Holzminden liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Wärmeverbrauch nach Sekloren 2010; Quelle: KlimaschutzkonzeptHolzminden

3.2.3 Endenergieverbrauch Strom

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Anteil der Sektoren am Stromverbrauch;Quelle KlimaschutzkonzeptHolzminden

[...]


1 BMU(2011),S.8.

2 Vgl. BMU (2012), S. 9.

3 Vgl. Forschungsverbund Erneuerbare Energien (2010), S. 12.

4 Vgl. BMU, (2008), S. 11.

5 Bührke/Wengenmayr, (2011), S. 7.

6 Vgl. Sven Geitmann, (2010), S. 53.

7 BWE, (2013) Internet.

8 Vgl. Landeskreis Holzminden (2012), S. 9.

9 Vgl. Landkreisen Holzminden (2012) S. 10.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige, effiziente Energieversorgung im Zusammenhang mit einem Klimaschutzkonzept für den niedersächsischen Landkreis Holzminden
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Veranstaltung
Industrial Engineering Infrastructure
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V540124
ISBN (eBook)
9783346147615
ISBN (Buch)
9783346147622
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Effiziente Energieversorgung, Energieversorgung, Smart City, Klima, climate, Klimaschutz, Klimaschutzkonzept, Holzminden, Landkreis, Bachelor, Thesis, Erneuerbare Energie, Energy, suistanable, environment
Arbeit zitieren
Edy Afonso-Girao (Autor), 2013, Nachhaltige, effiziente Energieversorgung im Zusammenhang mit einem Klimaschutzkonzept für den niedersächsischen Landkreis Holzminden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540124

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