Max Weber. Leben, Werk, Wirkung.


Referat (Ausarbeitung), 2005
9 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Biographie, Werdegang, Karriere

2. Forschung und Werk

3. Wirken in Politik und Öffentlichkeit

4. Bedeutung für die Geschichtswissenschaft

5. Liste der verwendeten Literatur

1. Biographie, Werdegang, Karriere

Karl Emil Maximilian Weber wurde am 21. April 1864 als erstes von acht Kindern des Dr. iur. Max Weber und der Helene Weber, geb. Fallenstein, in Erfurt geboren. Die Familie Weber gehörte dem protestantischen Bildungsbürgertum an, aber unter ihren Vorfahren waren auch erfolgreiche Kaufleute und Fabrikanten. Webers Vater arbeitete nach seiner Promotion als Journalist und Verwaltungsangestellter in Berlin und als Stadtrat in Erfurt. Helene Weber, die Mutter, war Zeit ihres Lebens tief religiös und wurde in ihrem Glauben u.a. von den neo-calvinistischen Schriften zeitgenössischer amerikanischer Theologen beeinflusst, was auch Auswirkungen auf die Arbeiten ihres Sohnes haben sollte. 1869 kehrte die Familie Weber nach Berlin-Charlottenburg zurück, wo Max jun. nach dem Abschluss der Volksschule das humanistische Kaiserin-Augusta-Gymnasium besuchte, an dem er 1882 sein Abitur ablegte.

Noch im selben Jahr begann er in Heidelberg Jura, Nationalökonomie, Philosophie und Geschichte zu studieren. Dieses Studium setzte er in Göttingen und Berlin fort, unterbrochen nur von einem einjährigen Aufenthalt in Straßburg, wo er als Freiwilliger seinen Wehrdienst ableistete, nebenbei aber Vorlesungen an der Straßburger Universität hörte, wo sein Onkel Hermann Baumgarten als Professor für Geschichte tätig war. Nach dreijähriger Arbeit an seiner juristischen Dissertation mit dem Titel Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter promovierte er 1889 in Berlin, wo er im Anschluss als Assessor am Kammergericht Berlin-Charlottenburg arbeitete. Mit einer Arbeit über Die römische Geschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht habilitierte er sich 1891 und begann im darauf folgenden Jahr, Vorlesungen an der Friedrich- Wilhelms-Universität zu Berlin zu halten. In den Jahren 1891/92 arbeitete er an einer Studie des Vereins für Socialpolitik über die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland mit. Im Jahr seiner Heirat mit Marianne, geb. Schnitger, 1893, nahm Weber einen Ruf nach Freiburg an, wo er ab 1894 als Ordinarius für Nationalökonomie wirkte.

In der Folge hatte er Professuren für Handelsrecht in Berlin und Nationalökonomie in Freiburg inne, erlitt jedoch bald einen Nervenzusammenbruch und wurde 1899 auf unbestimmte Zeit beurlaubt. In den folgenden zehn Jahren unternahm Weber zahlreiche Reisen, u.a. nach Italien und in die USA, wo er wichtige Anregungen für seinen späteren Arbeiten zur Religionssoziologie erhielt. 1904 übernahm er die Redaktion der Zeitschrift „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ und widmete sich in den folgenden Jahren ganz der Forschung: Weber publizierte bahnbrechende Arbeiten zur Religions- und Wirtschaftssoziologie sowie, während des Ersten Weltkrieges, zur deutschen Kriegspolitik, außerdem engagierte er sich in der 1909 von ihm mitbegründeten „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“. Nach fast zwanzigjähriger Unterbrechung seiner Lehrtätigkeit wurde Weber 1918 Professor für Soziologie in Wien und wechselte 1919 nach München, wo er am 14. Juni 1920 an den Folgen einer Lungenentzündung starb.

2. Forschung und Werk

Die Arbeiten Max Webers lassen sich, der Einteilung in KÄSLER 1995 folgend, grob in drei große Gruppen unterteilen. Zunächst wären seine Studien zur Agrar- und Wirtschaftsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Antike und des Mittelalters zu nennen, die Weber größtenteils in der ersten Phase seines Schaffens bis zu seinem Zusammenbruch 1899 verfasste. Bereits in seiner Dissertation Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter von 1889, bearbeitete er den Themenkomplex der Entstehung und der Auswirkungen des modernen Kapitalismus, der ihn zeitlebens beschäftigen sollte. Weber untersuchte in dieser Arbeit die Ur- sprünge der 'Firma' als eigenständiges wirtschaftliches Subjekt unter zwei Gesichtspunkten: Zum einen als soziologische Entwicklung und Ergebnis der Loslösung der Betriebe von der Familiengemeinschaft, zum anderen bezüglich des Einflusses römischen bzw. germanischen Rechts auf die Handelsgesellschaften, wobei Weber zu dem Schluss kam, dass der starke Einfluss des - im Vergleich - weniger individualistischen germanischen Rechts die Entstehung der modernen Betriebe wesentlich gefördert habe.1 Auffällig ist, dass Weber bereits in seiner - eigentlich juristischen - Dissertation ökonomisch-soziologische Fragestellungen aufwirft, die auch sein späteres Werk prägen sollten. Auch für weitere Arbeiten aus dieser Schaffensphase, so z.B. die Arbeit über Die sozialen Gründe des Untergangs der antiken Kultur von 1889 und seine Habilitationsschrift Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht (1891) ist diese Synthese juristisch-ökonomisch-soziologischer Aspekte vor einem historischen Hintergrund kennzeichnend.

Einen zweiten großen Block in Webers Werk stellen seine Arbeiten zur Sozial- und Wirtschaftsverfassung des wilhelminischen Deutschland dar. Seine Mitarbeit an einer großangelegten Studie des Vereins für Socialpolitik über Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland (1890-1892) gilt als „ein entscheidender Schritt für die Entwicklung einer spezifischen Methodologie der empirischen Sozialwissenschaften in Deutschland“.2 Anhand des ihm zur Auswertung überlassenen Teils der Rohdaten, die durch eine Befragung von über zweitausend Arbeitgebern im Agrarbereich erhoben worden waren, analysierte Weber speziell die Lage der so genannten „Instleute“, fest angestellter Gutstagelöhner, deren Bezahlung sich aus einer Kombination von Geld, Naturalien, Landnutzungs- und Weiderechten zusammensetzte und je nach wirtschaftlicher Lage beträchtlich schwankte. Weber erkannte in diesem Lohnsystem einerseits Relikte mittelalterlicher Leibeigenschaft, andererseits aber auch eine von ihm positiv bewertete intensive Interessengemeinschaft von Gutsherrn und Instleuten innerhalb des „straff monarchisch- zentralisierten wirtschaftlichen Organismus“ (Weber) Gutshof. Durch die Umstellung des patriarchalischen Systems der Gutshöfe auf ein rein kapitalistisches, in dem ausschließlich in Geld entlohnte (häufig aus Polen stammende) Wanderarbeiter eine tragende Rolle zu spielen begannen und in dem die deutschen Instleute ihrer Aufstiegschance, zu unabhängigen Kleinbauern zu werden, beraubt wurden, sei, so Weber, die vollständige Verdrängung der deutschen Kleinbauern in den Ostgebieten eine drohende Gefahr. In weiteren Schriften beschäftigte sich Weber außerdem mit der Lage der Industriearbeiter (Deutschland als Industriestaat, 1897) und, in einem großen, zweibändigen Werk, mit der Börse (Die Börse I - Zweck und äußere Organisation, 1894, Die Börse II - Der Börsenverkehr, 1896).

Der letzte große Block, in den v.a. seine späteren Arbeiten fallen und der sich, wie fast alle Arbeiten Webers, mit einem bestimmten Aspekt der Entstehung des Kapitalismus befasst, umfasst Webers Arbeiten zur Religionssoziologie. Angeregt durch Werner Sombarts 1902 erschienenes Werk Der moderne Kapitalismus, in dem Sombart sich mit der Einfluss von Calvinismus und Quä- kertum auf selbigen beschäftigt, sowie durch eine Reise durch die USA, auf der Weber selbst mit mehreren protestantischen Sekten in Berührung kam, begann er, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie es dazu gekommen war, dass in der Reformation gerade wirtschaftlich prosperierende Regionen eine, wie Weber es nannte, „puritanische Tyrannei“ entwickelt hatten. In seinem zuerst 1904/05 veröffentlichten und später überarbeiteten Aufsatz Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus wertete Weber außerdem eine ihm vorliegende Feldstudie aus Baden aus, aus der hervorging, dass sich unter Kapitalbesitzern, Unternehmern usw. überproportional viele Protestanten befanden. Weber hatte sich zum Ziel gesetzt, herauszufinden, welche spezifische Eigenschaft des Protestantismus diese soziologische Sachlage verursacht hatte, und kam zu dem Schluss, dass die „religiöse Prämie“3 für ein strebsames Leben im Diesseits im Gefolge der Reformation größer geworden und das Führen eines solchen strebsamen Lebens damit, insbesondere im Calvinismus, zu einer Pflicht des reformierten Christen geworden sei. Eines der ambitioniertesten

[...]


1 vgl. KÄSLER 1995: 40.

2 KÄSLER 1995: 74.

3 zit. nach KÄSLER 1995: 107.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Max Weber. Leben, Werk, Wirkung.
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Grundseminar "Aspekte einer Alltagsgeschichte der Moderne" (Prof. Dr. Jürgen Reulecke)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V55231
ISBN (eBook)
9783638502429
ISBN (Buch)
9783640859276
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Referatsausarbeitung gibt einen Überblick über Leben und Schaffen des Soziologen Max Weber (1864-1920). Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die historische Dimension von Webers Werk geworfen und sein Verhältnis zur Geschichtswissenschaft beleuchtet.
Schlagworte
Weber, Leben, Werk, Wirkung, Grundseminar, Aspekte, Alltagsgeschichte, Moderne, Jürgen, Reulecke)
Arbeit zitieren
Tobias Gabel (Autor), 2005, Max Weber. Leben, Werk, Wirkung., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55231

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