Aristoteles - Nikomachische Ethik: Das 7. Buch, über die Lust und wie wir mit ihr umgehen


Seminararbeit, 2005
23 Seiten, Note: 1,0
Larissa Remmler (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einige Thesen aus dem zweiten Buch der Nikomachischen Ethik
1.2 Aufbau des siebten Buches

2 Hauptteil
2.1 Über die Lust und die unterschiedlichen Arten mit ihr umzugehen
2.1.1 Über die Lust
2.1.2 Über die verschiedenen Charaktere
2.2 Was wir daraus für den Umgang mit Jugendlichen ableiten können
2.3 Ich will Spaß, ich will Spaß: Lebensmotto der Fungesellschaft

3 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Aristoteles beschäftigt sich im siebten Buch der Nikomachischen Ethik mit der Lust. Mit Selbstbeherrschung und Unbeherrschtheit, mit Weichlichkeit und Abgehärtetheit und so letztendlich auch mit der Willensschwäche. Es geht um Leidenschaften und ob man sie besiegt oder von ihnen besiegt wird.

1.1 Einige Thesen aus dem zweiten Buch der Nikomachischen Ethik

Schon im zweiten Buch sprach Aristoteles von Lust und Schmerz und deren Zusammenhang mit den Tugenden. Einige Thesen daraus möchte ich nun der Behandlung des siebten Buches voranstellen:

1. Denn diese (die Lust) ist allen Lebewesen gemeinsam und begleitet alles , was zur Entscheidung kommt. Denn auch das Schöne und das Förderliche erscheint angenehm.

(NE 1104 b 34)

Ferner ist uns allen dies von unserer Säuglingszeit her anerzogen. Darum ist es auch schwierig, diese Empfindung abzustreifen, da das Leben ganz davon durchtränkt ist.(NE 1105 a 1 )

2. Durch die Enthaltung von Lust werden wir besonnen und wenn wir es geworden sind, so können wir uns auch am leichtesten der Lust enthalten (NE 1104 a 32)

So verhält es sich auch mit den anderen Tugend, man wird nur gerecht, wenn man gerecht handelt und wenn man gerecht geworden ist, fällt es leicht gerecht zu handeln.

3. Erkennbar sind die Eigenschaften an der Lust oder dem Schmerz, der die Taten begleitet. Denn wer sich der körperlichen Lüste enthält und sich eben daran freut, der ist besonnen, wer es aber ungern tut, ist zügellos; und wer Furchtbares aushält und sich daran freut oder doch keinen Schmerz empfindet, der ist tapfer, wer es dagegen mit Schmerzen tut ist feige. So bezieht sich also die ethische Tugend auf Lust und Schmerz. Denn wegen der Lust tun wir das Schlechte, und wegen des Schmerzes versäumen wir das Gute. Also müssen wir gleich von Jugend an dazu erzogen werden,

wie Platon sagt, dass wir Freud und Schmerz empfinden, wo wir sollen. Denn darin besteht die rechte Erziehung (NE 1104 b 4)

Die Menschen werden schlecht durch Lust und Schmerz, indem sie das eine erjagen, das andere meiden, und zwar entweder was [...] oder wann [...] oder wie man nicht soll. [...]. Darum [...] (ist) Tugend eine Art von Leidenschaftslosigkeit und Stille. Dies ist freilich falsch, [...] ohne beizufügen: wie man soll und wie man nicht soll und das Wann usw. ( NE 1104 b 20)

Wir ordnen auch die Handlungen [...] gemäß Lust und Schmerz. [...] Denn es bedeutet für das Handeln nicht wenig, ob man sich in richtiger Weise freue und Schmerz empfinde oder nicht. Schließlich ist es noch schwieriger mit der Lust zu kämpfen als mit dem Zorn. [...] Wer mit diesen Dingen (Lust und Schmerz) richtig umgeht, der wird tugendhaft sein, wer es schlecht tut, schlecht (NE 1105 a 5)

Es kommt also bei der Bestimmung der Eigenschaften, ob man tugendhaft handelt oder nicht, auf die Empfindung von Lust und Schmerz bei dieser Tat an. Wenn zwei dasselbe tun, z.B. mit anderen teilen, der eine aber tut es mit Lust, der andere mit Schmerz, dann handelt nur der erste tugendhaft.

4. Wenn [...] auf jede Leidenschaft und jede Handlung Lust und Schmerz folgen, so bezieht sich auch aus diesem Grunde die Tugend auf Lust und Schmerz. Dies zeigt sich weiterhin daran, dass die Züchtigungen in diesem Bereich ausgeübt werden. Denn sie sind eine Art von Heilung, und die Heilungen werden naturgemäß durch das Entgegengesetzte vollzogen. (NE 1104 b 13 )

Wenn also einer zum Übermaß neigt, und der Schmerz als Heilung wirkt, dann deswegen, weil derjenige durch Lust zum Übermaß getrieben worden ist.

1.2 Aufbau des siebten Buches

Aristoteles baut auch das siebte Buch der Nikomachischen Ethik nach dem bekannten Schema auf. Zuerst beschreibt er die „Phänomene“, also die Formen mit Lust und Schmerz umzugehen, die man bei den Menschen beobachten kann und welche Schwierigkeiten diese

aufzeigen. Darauf wird er verschiedene Meinungen wiedergeben und versuchen die genannten Schwierigkeiten zu lösen. Dann wird nur das Anerkannte übrig bleiben und die richtigen Aussagen nachgewießen sein. (NE 1145 b 2 )

2 Hauptteil

Ich werde im Hauptteil nun zu Beginn darlegen, was Aristoteles im siebten Buch über die Lust sagt und anschließend die einzelnen Charaktere im Bezug auf die Lust, die Aristoteles nennt, beschreiben. Ich werde mich dabei auf die einzelnen Kapitel beziehen und danach versuchen einen Bezug zur aktuellen Schul- und Lebenswelt herzustellen.

2.1 Über die Lust und die unterschiedlichen Arten mit ihr umzugehen

2.1.1 Über die Lust

Wie ich auch schon in den Thesen aus dem 2. Buch der Nikomachischen Ethik dargelegt habe, ist die Lust und der Schmerz etwas, mit dem es nach Aristoteles alle Menschen zu tun haben. Lust kann von unterchiedlichen Dingen erzeugt werden. Diese unterteilt Aristoteles in notwendige, wie z.B. alles körperliche, also auch Nahrung, und in solche, die nicht notwendig sind, aber durchaus wünschbar, wie Sieg, Reichtum und ähnliche gute und angenehme Dinge. Er stellt dann auch klar, dass nicht jeder, der aus Lust etwas tut, schlecht, zügellos oder unbeherrscht ist, sondern dies ist nur der, der aus schimpflicher Lust handelt. So ist es z.B. sehr edel aus der Lust die Wahrheit zu sagen zu handeln. (Kapitel 6 und 10)

Es ist nicht nur so, dass alle Menschen mit der Lust zu tun haben, auch stellt Aristoteles fest, dass für die meisten Menschen die Glückseligkeit unmittelbar mit der Lust verbunden ist. Zur Frage ob die Lust also ein Gut oder vielleicht sogar das höchste Gut ist nennt Aristoteles drei gängige Meinungen: Keine Lust ist ein Gut, weder an sich noch beiläufig. Die Lust wird hier als „wahrnehmbares Werden auf einen naturgemäßen Zustand hin“ gesehen. Da nun Werden und Ziel verschiedenen Gattungen angehören (wie auch z.B. ein Haus bauen und das Haus) , und ein Gut eben ein Ziel ist, kann die Lust kein Gut sein, da sie Werden und nicht Ziel ist. Auch wird argumentiert, dass der Kluge nie die Lust sucht sondern wohl eher die

Schmerzlosigkeit und sie somit kein Gut ist, da der Kluge sie sonst suchen würde. Auch hindert die Lust das Denken, so ist es z.B. sehr schwierig, wie man es sicher schon oft selbst erlebt hat, mit hungrigem Magen zu lernen. Außerdem gibt es keine Wissenschaft von der Lust und das Gute ist immer Werk der Wissenschaft. Letztendlich können auch Tiere und Kinder der Lust nachgehen und damit ist sie sicher kein Gut. Die zweite Meinung ist, dass nur einige Arten von Lust gut sind, die Mehrzahl aber schlecht, das heißt schändlich und verwerflich, weil sie schädlich sind, wie z.B. zu viel Süßes der Gesundheit schadet. Die dritte Meinung ist, dass alle Arten der Lust gut sind, die Lust aber trotzdem nicht das Beste ist, wieder mit der Begründung, dass sie Werden und nicht Ziel ist. Aristoteles legt hier aber nahe, dass man daraus eigentlich nicht schließen darf, dass die Lust kein Gut ist oder sogar das Beste. (Kapitel 12)

Aristoteles nimmt nun Stellung zu den angeführten Meinungen. Er beschreibt zwei Typen der Lust: Zum einen ist sie die Wiederherstellung des naturgemäßen Zustandes, zum anderen ist sie das Tätigsein im naturgemäßen Zustand. Es muss dann nicht unbedingt etwas besser sein als die Lust, denn einige Lüste sind selbst Tätigkeit und Ziel. Für Aristoteles entstehen die Lüste, wenn wir in einem Zustand handeln. Sie ist aber kein wahrnehmbares Werden, sondern naturgemäßes, ungehindertes Verhalten, also kein Werden sondern eine Tätigkeit, welche nicht das gleiche sind. Dass die Lust schlecht sein soll, weil sie wie beschrieben auch gesundheitsschädlich sein kann, greift nicht. Man müsste bei dieser Argumentation dann auch sagen, dass manches, das die Gesundheit fördert, schädlich ist, weil es das Vermögen angreift. Zudem schadet auch das Denken manchmal der Gesundheit und es wird wohl niemand behaupten wollen, dass das Denken schlecht sei. Zur Frage, ob die Lust das Denken hindert, sagt Aristoteles, dass das Denken oder auch anderes Verhalten nicht durch die aus ihm entspringende Lust gehindert wird. Denn die Lust am Forschen und Lernen fördert das Denken. Dass die Lust kein Werk der Wissenschaft ist, ist für Aristoteles klar, da sich Wissenschaften nie auf Tätigkeiten, was die Lust ja ist, sondern auf Fähigkeiten beziehen. Aber auch wenn sie selbst nicht Subjekt der Wissenschaften sein kann, dann ist es aber doch so, dass sich einige Wissenschaften, wie die Kochkunst oder die Parfürmerie auf Lüste beziehen. (Kapitel 13)

Aristoteles erklärt nun, wie die Lust und die Glückseligkeit in Zusammenhang stehen. Er stellt fest, was wohl leicht nachzuvollziehen ist, dass nämlich Schmerz ein Übel ist, entweder schlechthin oder weil er hindert. Aber auf jeden Fall ist er deshalb zu meiden. Das Gegenteil des Schmerzes muss dann aber, wenn er schlecht ist, etwas Gutes sein. Und da die Lust das

Gegenteil des Schmerzes ist, ist sie somit ein Gutes. Auch wenn einige Arten von Lust durchaus verwerflich sind, so ist doch nicht auszuschließen, dass eine bestimmte Lust das Beste sein kann. Die meisten Menschen verflechten die Lust mit der Glückseligkeit, denn sie glauben alle, das glückselige Leben sei angenehm und lustvoll. Es ist nun auch tatsächlich so, dass keine Tätigkeit vollkommen ist, wenn sie gehindert wird. Die Glückseligkeit nun gehört zum Vollkommenen. Damit sie nicht gehindert wird und deshalb vollkommen ist, bedarf sie auch der körperlichen Güter, der äußeren Güter und des Glückes. So kann einer, der in großes Unglück gerät nicht nur dadurch, dass er tugendhaft ist, glückselig sein.

Wie schon festgestellt suchen sowohl Menschen als auch Tiere die Lust. Sie scheint also in gewisser Weise das Beste zu sein. Aristoteles stellt nun weiter fest, dass aber nicht immer dasselbe Verhalten oder dieselbe Natur das Beste ist oder für das Beste gehalten wird. Doch wenn auch nicht alle dieselbe Lust suchen, so suchen doch alle Lust. Und es mag durchaus sein, dass doch alle dieselbe Lust suchen, und nicht die, die sie als solche bezeichnen. Für viele steht Lust vor allem für körperliche Lustempfindungen, weil man leicht in diese hineingerät und sie auch allen bekannt sind und sie jeder erfährt. Und so meint man leichtfertig, dass sie die einzigen Lüste seien. (Kapitel 14)

Weiter versucht Aristoteles nun zu klären, warum die körperlichen Lüste als so besonders begehrenswert erscheinen. Zum einen vetreiben sie den Schmerz und bei einem Übermaß an Schmerz sucht man sie quasi als Heilmittel, so tröstet sich jemand bei Liebeskummer zum Beispiel mit Schokolade. Außerdem wirken sie sehr heftig, weil sie so immer neben ihrem Gegenteil erscheinen. Da ihnen ja aber immer ein Mangel voraussgehen muss, so sind sie auch als Heilmittel nicht tugendhaft, so wie es immer besser ist gesund zu sein, als gesund zu werden. Gerade weil diese Lustempfindungen so heftig sind werden sie vor allem von denen gesucht, die sich nicht an anderen erfreuen können. Dies ist auch solange nicht zu tadeln, solange es nicht schädlich ist. Es ist auch so, dass für viele ein neutraler Zustand von Natur aus schmerzlich ist und sie deshalb die körperlichen Lüste aufsuchen. Ein besonderer Fall sind die Jugendlichen. Sie befinden sich wegen ihrem Wachstum in einem Zustand ähnlich der Trunkenheit, was sich wohl auch auf die hormonelle Umstellung bezieht, und so ist die Jugend auch lustvoll. Wer aber auf Grund der „Säftemischung“ stets gereizt ist und sich in heftiger Begierde befindet, muss geheilt werden. Denn die starke Begierde und Lust vertreibt jeden Schmerz und diese Menschen würden zügellos und schlecht werden.

Es gibt aber auch Lustempfindungen, bei denen kein Schmerz dabei ist. Diese haben dann auch kein Übermaß und sind verbunden mit dem von Natur aus Angenehmen. Sie dienen also

nicht als Heilmittel. Die Lüste, die als solches eingesetzt werden sind nur zfällig lustvoll. Sie scheinen angenehm zu sein, aber eigentlich bewirken nicht sie, sondern das, was noch an Gesundem übriggeblieben ist, die Heilung. Für ein Wesen, das seiner Natur nach einfach ist, ist stets dasselbe Handeln lustvoll. Der Mensch ist aber nicht einfach, was der eine Teil tut, kann dem anderen widernatürlich sein. Wenn ein Gleichgewicht besteht, dann scheint dieses Handeln weder schmerzlich noch angenehm. (Kapitel 15)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Aristoteles - Nikomachische Ethik: Das 7. Buch, über die Lust und wie wir mit ihr umgehen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Veranstaltung
Seminar: Aristoteles: Nikomachische Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V55818
ISBN (eBook)
9783638506779
ISBN (Buch)
9783656132981
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Nikomachische, Ethik, Das7, Buch, Lust, Seminar
Arbeit zitieren
Larissa Remmler (Autor), 2005, Aristoteles - Nikomachische Ethik: Das 7. Buch, über die Lust und wie wir mit ihr umgehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55818

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Aristoteles - Nikomachische Ethik: Das 7. Buch, über die Lust und wie wir mit ihr umgehen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden