Katholischer Widerstand im Dritten Reich, Adolf Kardinal Bertram (1859-1945)


Referat (Ausarbeitung), 2006
18 Seiten, Note: bestanden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Nationalstaaten und Kulturkampf

2. Adolf Bertram als Generalvikar von Hildesheim

3. Adolf Bertram - Bischof von Breslau

4. Adolf Hitler - Auf dem Weg zur Macht

5. Reichskonkordat und Verfolgung der katholischen Kirche

6. Kardinal Bertram – Widerstand im Dritten Reich

7. Kardinal Bertram – Hilfe für „Nichtarier“

8. Kardinal Bertram – Hilfe für Polen

9. Schlussgedanken

10. Literatur

Lebenslauf von Adolf Bertram (1859-1945)

1859 Am 14. März wird Adolf Bertram in Hildesheim geboren.

1877 Abitur am Bischöflichen Gymnasium Josephinum in Hildesheim

Theologiestudium in Bayern (wegen Kulturkampf in Preußen)

1881 Am 31. Juli Priesterweihe in Würzburg (für Hildesheim).

1883 Promotion zum Dr. theol. in Würzburg

1884 Promotion zum Dr. iur. can. in Rom

1905 Am 1. März wird er zum Generalvikar der Diözese Hildesheim ernannt.

1906 Adolf Bertram wird zum Bischof konsekriert.

1914 Bertram wird Bischof von Breslau.

1919 Bertram wird zum Kardinal ernannt.

1920 Bertram wird Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz.

1945 Am 6. Juli stirbt Kardinal Adolf Bertram an den Folgen eines Gehirnschlags.

1945 Am 11. Juli wird er auf dem Friedhof von Jauernig begraben.

1991 Die sterblichen Überreste werden von Jauernig nach Breslau überführt und dort

am 9. November im Dom beigesetzt.

1. Einleitung: Nationalstaaten und Kulturkampf

Im Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert entwickelte sich im Zuge der Aufklärung eine neue, demokratische Staatsidee. Zunächst in Nordamerika und dann, ausgehend von der französischen Revolution 1789, auch in Europa. Moderne Staatsverfassungen wurden beschlossen, allgemeine Menschen- und Bürgerrechte proklamiert und Grenzen neu gezogen.

Europa wurde neu geordnet und es war der Beginn der modernen, demokratischen Nationalstaaten.

1871 gelingt es schließlich Bismarck im europäischen Kräftespiel verschiedene deutsche „Staaten“ zu einem „Zweiten Deutschen Kaiserreich“ unter preußischer Führung zu etablieren.

Neben der Existenzsicherung Deutschlands betrachtete Bismarck es als seine wichtigste Aufgabe, das politische Gleichgewicht Europas zu stabilisieren.[1]

Das Kaiserreich bismarckscher Prägung wurde von der katholischen Kirche „im großen und ganzen loyal unterstützt“. Die meisten Katholiken wollten in dem „wilhelminischen Obrigkeitsstaat“ unter Beweis stellen, dass sie gute Patrioten sein können.[2]

Bismarck versuchte jedoch zwischen 1871 und 1878 mittels Gesetzen den Einfluss der katholischen Kirche, die mit 37 % eine Minderheit war, im öffentlichen Leben einzudämmen.[3]

Dieser so genannte Kulturkampf hat Deutschland über ein dreiviertel Jahrhundert lang geprägt.[4]

Auch Kardinal Bertram war von dieser seelsorgerlichen Notsituation der Kulturkampfjahre geprägt, wie wir später noch sehen werden.

„Diese gefährlichen Kulturkampfauswirkungen und ihre negativen Folgen für das seelsorgerliche Leben standen ihm vor allem später – in der Zeit des Nationalsozialismus, als er selbst die oberste Stelle in der katholischen Kirche Deutschlands einnahm – vor Augen.“[5]

2. Adolf Bertram als Generalvikar von Hildesheim

Adolf Kardinal Bertram lebte von 1859 bis 1945. Als er zum Ende des Zweiten Weltkriegs starb, war er 86 Jahre alt. Bis zu seinem Tod war er 31 Jahre als Erzbischof von Breslau im Amt.

Die damaligen politischen Umstände erlaubten es nicht, dass Kardinal Bertrams in „seinem“ Dom zu Breslau beerdigt werden konnte.

Erst am 9. November 1991, also 46 Jahre nach Bertrams Tod, ermöglichte dies sein Nachfolger, Henryk Roman Kardinal Gulbinowicz.

Adolf Bertram wurde in 1859 in Hildesheim bei Hannover geboren. In der Zeit des preußischen Kulturkampfes musste er nach Bayern um Theologie zu studieren, da in Preußen die Priesterseminare geschlossen waren. 1881 wurde er in Würzburg für seine Heimatdiözese Hildesheim zum Priester geweiht.[6]

1905 ist er als Generalvikar der Diözese Hildesheim u. a. mit der Seelsorge an Polen beauftragt. (Der Beginn der seelsorgerlichen Betreuung der Polen im Bistum Hildesheim reicht bis 1880 zurück.)

Um 1910 gab es im preußischen Teil des Bistums Hildesheim ca. 16'000 polnisch sprechende Diözesanen. Dazu kamen noch im Sommer eine ähnliche Anzahl polnischer Saison- und Wanderarbeiter.[7]

Kardinal Gulbinowicz bezeichnete dies in seiner Homilie am 9.11.1991 anlässlich der Beisetzung von Kardinal Bertram im Breslauer Dom als ein Grundprinzip Bertrams: Den ethnischen Minderheiten eine seelsorgerliche Betreuung in ihrer Muttersprache zukommen lassen.[8]

„Seinen Einsatz für die Polenseelsorge betrachtete er nicht als eigentliche Amtspflicht gegenüber seinen Diözesanen, sondern ‚als Liebespflicht gegenüber polnischen Diözesanen fremder Diözesen’“.[9]

Nach Bertrams Verständnis schadete die rücksichtslose Verbannung der polnischen Sprache aus dem öffentlichen Leben, wie sie später von den Nazis praktiziert wurde, nicht nur den seelsorgerlichen Bemühungen, sondern auch der richtig verstandenen deutschen Kultur.[10]

Kardinal Gulbinowicz betont in seiner Homilie:

„Nach der Machtergreifung von Hitler 1933 musste der Kardinal gegen das totalitäre System, das von ihm die Abschaffung der polnischen Sprache aus der Kirche, den Ämtern und Schulen verlangte, hart kämpfen.“[11]

3. Adolf Bertram - Bischof von Breslau

1914 wird Adolf Bertram zum Bischof von Breslau ernannt und wenige Jahre später zum Kardinal gekürt. Das fiel mit dem Ende des 1. Weltkrieges (1914-1918) zusammen. Somit war Kardinal Bertram mit der politischen und kirchlichen Umbruchssituation in Oberschlesien jener Zeit konfrontiert.

„Die Siegermächte des Ersten Weltkrieges (1914-1918) hatten die Wiedererrichtung des polnischen Staates beschlossen, der seit mehr als 120 Jahren nicht mehr bestanden hatte.“[12]

Laut Versailler Vertrag sollten die Oberschlesier in einer Volksabstimmung selbst bestimmen, ob Oberschlesien weiterhin bei Deutschland bleiben oder zu Polen kommen sollte.[13]

Vor der Abstimmung 1921 gab es hochschlagende Wellen der Propaganda auf polnischer und deutscher Seite.

Die englischen Historiker Norman Davies und Roger Moorhouse werfen nun in ihrem Buch „Breslau. Die Blume Europas“ Kardinal Bertram vor, er habe sich zum „Anwalt der deutschen Sache“ gemacht:

„Als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz seit 1919 und Oberhaupt der größten Diözese Deutschlands war Kardinal Bertram sehr einflussreich. Doch seine politischen Stellungnahmen waren oft ambivalent. Er behauptete, für die Polen in seiner Gemeinde einzutreten, machte sich jedoch während der oberschlesischen Volksabstimmung zum Anwalt der deutschen Sache.“[14]

Ich denke, diese Behauptung kann man so nicht stehen lassen. Natürlich war Adolf Bertram Deutscher und als solcher konnte er einer drohenden Abspaltung Teile Schlesiens, das ja von Polen immerhin um die 700 Jahre durch eine der stabilsten Grenzen Europas getrennt war, nicht gleichgültig gegenüber stehen. Doch ließ er jedem Priester und jedem Laien – wie er selbst betonte – „volle Meinungs- und Äußerungsfreiheit darüber, was für die ideellen und materiellen Interessen Oberschlesiens das Gesundere (!)“ sei.[15]

Allerdings war Bertram dagegen, dass Geistliche innerhalb der Kirche und bei kirchlichen Veranstaltungen ihre Position ausnützten und mittels „Kanzelmissbrauch“ Wahlpropaganda betrieben. Kardinal Bertram wollte, dass sein Klerus unparteiisch blieb.[16]

„In einem Dekret vom 24. Juni 1919 warnte er die Geistlichen vor Verstrickung in politische Kämpfe und mahnte sie zu strenger Sachlichkeit und zu Vermeidung von nationalen Leidenschaften…“[17]

Adolf Bertram forderte Klerus und Volk seiner Diözese stets zu Ruhe und Besonnenheit auf und – um die politischen Spannungen in Oberschlesien abzubauen – hob er stets das Recht jedes Gläubigen auf Seelsorge in der eigenen Muttersprache hervor.[18]

„Ausschlaggebend allein ist das seelsorgliche Interesse, also die Rücksicht darauf, in welcher Sprache Verständnis und Herz für die religiöse Belehrung, Anleitung, Ermahnung und Erbauung am besten zu gewinnen ist.“[19]

[...]


[1] Vgl. Nipperdey, Deutsche Geschichte, 427ff.

[2] Vgl. Roon, Widerstand, 101.

[3] Vgl. Liepach, Geschichte, 35.

[4] Vgl. Nipperdey, Deutsche Geschichte, 364.

[5] Marschall, NS-Staat, 256.

[6] Vgl. ebd, 256.

[7] Vgl. Aschoff, Hildesheim, 27f und Nowe Zycie, 32f.

[8] Vgl. Gulbinowicz, Homilie, 18.

[9] Aschoff, Hildesheim, 29.

[10] Vgl. Nowe Zycie, 34.

[11] Gulbinowicz, Homilie, 18.

[12] Marschall, Bischof, 526.

[13] Vgl. Liepach, Geschichte, 56.

[14] Davies/Moorhouse, Breslau, 432.

[15] Marschall, Bischof, 527.

[16] Ebd, 526ff.

[17] Ebd, 527. Vgl. auch Marschall, Erzbischof, 48.

[18] Vgl. Marschall, Erzbischof, 49.

[19] Ebd, 50.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Katholischer Widerstand im Dritten Reich, Adolf Kardinal Bertram (1859-1945)
Veranstaltung
Seminar: Der deutsche Widerstand und Schlesien
Note
bestanden
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V56269
ISBN (eBook)
9783638509978
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Referat wurde anlässlich einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Kreisau/Krzyzowa (Polen) gehalten. (Vgl. www.kreisau.de). Diese Jugendbegegnung wurde von der Robert-Bosch-Stiftung finanziell unterstützt.
Schlagworte
Katholischer, Widerstand, Dritten, Reich, Adolf, Kardinal, Bertram, Seminar, Schlesien
Arbeit zitieren
Ferdinand Creutz (Autor), 2006, Katholischer Widerstand im Dritten Reich, Adolf Kardinal Bertram (1859-1945), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56269

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