Was und wie denkt Mensch ohne Sprache? Eine Arbeit über die Kommunikationswelt Gehörloser


Hausarbeit, 2006
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kleine Biographie von Oliver Sacks

3. Mögliche Ursachen für Hörschäden

4. Das Bewusstwerden des Fehlens von Gehör und Sprache

5. Was und wie denkt Mensch ohne Sprache?

6. Zu Sack `s Reise

7. Die Gebärdensprache

8. Das Lippenlesen – Die visuelle Lautsprachperzeption

9. Persönliches Fazit und Reflexion

10. Literaturnachweis

1. Einleitung

Wir behandelten im Seminar „ Die Grundlagen der Sprache und Kommunikation “, die verschiedensten Formen und Arten der menschlichen Kommunikation.

Der Fokus lag meiner Meinung nach im Seminar auf der sprachlichen Kommunikation.

Ich habe den Entschluß getroffen, ein fundamental wichtiges Thema der menschlicher Kommunikation zu erläutern : Die Welt der Gehörlosen.

Ich bin auf diese Thematik gestoßen, da mir das Buch „Stumme Stimmen“ des Neurologen Oliver Sacks „in die Hände fiel“.

Die Thematik der Gehörlosen und der Gebärdensprache fand ich auf Anhieb sehr interessant. Ich mußte sofort umdenken! Wie konnte ich mir Anmaßen etwas über Kommunikation zu wissen? Wie können wir (die Hörenden) dies behaupten?

Mit dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in die Welt der Gehörlosen bieten.

Ich habe mich dazu entschlossen, so oft wie möglich in dieser schriftlichen Arbeit nicht das „ich“ zu benutzen, sondern das „wir“. Ich möchte darauf hinweisen, daß das „wir“ als ein „wir Hörende“ zu verstehen ist, denn bei dieser Arbeit mußte ich mehrfach Vergleiche der Hörenden , mit der Welt der Gehörlosen (den Begriff „Stumme“ habe ich versucht nicht zu berücksichtigen) anstellen. Anders gesagt mußte ich meine eigene Welt hinterfragen und mich selber in die Gruppe der „Normal-Hörenden“ kategorisieren.

Ich möchte mit dieser Arbeit einen Einblick n die Welt der gehörlosen schaffen, hierzu gehört auch die Gebärdensprache, oder das Lippenlesen. Allerdings möchte ich auch eine klare Fragestellung behandeln, welche schwieriger zu behandeln ist als z.B. die Gebärdensprache. Ich möchte einen Einblick in die Gedankenwelt Gehörloser bieten und somit werde ich mich auch damit befassen, was und wie Mensch denkt ohne Sprache. Dies soll die zentrale Frage meiner Arbeit darstellen.

Für diese Arbeit waren die Forschungen und Reisen des Neurologen Oliver Sacks von großer Bedeutung, deshalb möchte ich ihn hier besonders berücksichtigen.

2. Kleine Biographie von Oliver Sacks

Oliver Wolf Sacks wurde 1933 in London geboren. Sacks wurde durch seine Arbeiten mit Parkinsonkranken und den sich daraus ergebenden Fallschilderungen berühmt. Ende der 1950er Jahre begann er eine Gruppe von Kranken zu behandeln, bei denen die Parkinsonsche Krankheit bei einer 1916/1917 grassierenden "Epidemie" ausgebrochen war. Er benutzte dazu ein Catecholamin, das unter anderem als Transmittersubstanz über die Synapsen für die Signalübertragung zwischen den Nerven sorgt. Catecholamin kommt zum Beispiel in Gehirn, Nebenniere, sympathischen Nervenendungen vor und ist unter der allgemeinen Bezeichnung "Dopamin" bekannt ist. 1960 gelang Sacks damit der Nachweis, dass es dem Körper von Parkinsonkranken an diesem Neurotransmitter mangelt. Diese Behandlungen lieferten genug Material für einen Hollywoodfilm. Ende der 80er Jahre spielte der berühmte Schauspieler Robin Williams den Neurologen Oliver Wolf Sacks in dem Film „Awakenings - Zeit des Erwachens“. Sein Patient wurde gespielt von Robert de Niro .Der sentimental –traurige Film wurde zum Welterfolg.

Seine Schulausbildung erhielt Sacks, der aus einer englischen Ärztefamilie stammt, in London. Nach dem Abschluss der St. Paul´s School ging er 1951 an das Queen´s College in Oxford, wo er mit dem Medizinstudium begann. 1958 legte er am Middlesex Hospital in London sein Examen ab. Hier begann er, sich auf Chirurgie und Neurologie zu spezialisieren. 1960 wechselte er in die USA nach Kalifornien an das Mount Zion Hospital in San Francisco, wo er die Abteilung für Parkinsonkranke übernahm. Von 1962 bis 1965 war er an der Neurologischen Klinik der Universität von Kalifornien in Los Angeles tätig. 1966 erhielt er am Albert Einstein College of Medicine in New York einen Lehrstuhl für Klinische Neurologie. Daneben ist Sacks als medizinischer Berater mehrerer Senioreneinrichtungen und Krankenhäuser in New York tätig.

1973 veröffentlichte Sacks seine Berichte über Parkinsonpatienten ("Bewußtseinsdämmerung" ["Awakenings"]). Da seine Fallgeschichten nicht nur wissenschaftlich-analytisch, sondern zugleich erzählend sind, ermöglichte Sacks damit auch Nichtmedizinern eine Einblick in nervliche Erkrankungen und damit zusammenhängende Probleme wie die der Farb- und Bewegungswahrnehmung. Durch diese Darstellungen und weitere Fallgeschichten wie "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" (1985), „Stumme Stimmen“ (1990) und "Eine Anthropologin auf dem Mars" (1995). Durch Bücher zur Kopfschmerzkrankheit Migräne ("Migräne: Evolution eines häufigen Leidens", 1985), zur Taubheit und andere Erkrankungen fand Sacks viele Leser. Die Besonderheit an Sack`s Büchern ist stets, dass immer Einzelpersonen im Mittelpunkt stehen. Dies macht seine Bücher sehr persönlich und unglaublich intensiv.[1]

3. Mögliche Ursachen für Hörschäden

Hörschäden können durch Krankheiten, Infektionen und Fehlentwicklungen entstehen. Man unterscheidet die Ursachen des Hörschadens ob er pränatal (v.d. Geburt), perinatal (bei / während der Geburt) oder postnatal (n.d. Geburt) entstanden ist.

Pränatale Ursachen :

Erkrankung der Mutter durch z.B.:

-Röteln , Masern, Keuchhusten , Toxoplasmose , konnatale Lues, Zytomegalie, Diabetes,toxische Schäden (durch Alkohol, Drogen , Antibiotika ect.) .

Perinatale Ursachen :

Geburtsgewicht unter 1500g , Frühgeburt , Hypoxie , Neugeborenenasphyxie , Schädelverletzungen , Sepsis , Meningitis , Gelbsucht .

Postnatale Ursachen :

Meningitis , Encephalitis , Zoster oticus , Dystrophie , Mumps, Masern, Scharlach , Diphterie , bakterielle tympanogene Labyrinthitis , Lyme – Borreliose , Toxoplasmose , Lues, HIV – Infektion , Knall – und Explosionstrauma , Hörsturz , Morbus Menière , Presbyakusis .

Das Statistische Bundesamt hat Zahlen vorgelegt, aus denen man erkennen kann, dass in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1999 an Taubheit insgesamt (ohne Altersschwerhörigkeit) 48.747 Menschen „erkrankt“ waren.

Altersverteilung der Hörgeschädigten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Das Bewusstwerden des Fehlens von Gehör und Sprache

Hören ist eine Fähigkeit, deren Bedeutung der hörende Mensch fast immer unterschätzt. Spontan macht sich kaum jemand Gedanken darüber, in welchem Maß die Beziehung zwischen Individuum und Umwelt beeinträchtigt wird, wenn das Hören aus irgendeinem Grund ausfällt.

Denkt man aber über den Verlust bewusst nach, wird die Tragweite dieses Problems schnell bewusst.

Die zwischenmenschliche Kommunikation im Kontakt miteinander erlebt erhebliche Beeinträchtigungen, welche es zu benennen gilt.

Wir müssen uns bei diesem Problem bewusst werden, dass es für uns Normalhörende in der Regel etwas Selbstverständliches ist, nämlich Sprache anderer Mitmenschen zu hören (und zu verstehen). Den Wert des Hörens für die Entwicklung eines Menschen verstehen wir eigentlich erst, wenn die Funktionstüchtigkeit des Hörorgans herabgesetzt wird, oder sogar ein Verlust einsetzt.

Meine Erläuterung soll aber primär von dem Phänomen der absoluten Hörabstinenz handeln. Hierzu gehören Gehörlose, die ohne Gehör bereits geboren sind, der Verlust des Gehörs in späteren Jahren spielt für mich im Moment eine sekundäre Rolle.

Die primäre Aufgabe soll darin bestehen, Licht in das Dunkel der ABSOLUT Gehörlosen zu bringen, denn deren Kommunikationswelt ist meiner Meinung nach wenig erforscht. Subjektiv würde ich sagen, liegt dieses Erforschungsdefizit an der Anzahl der „Leidenden“, denn mit nicht mal 50.000 Betroffenen in der BRD, kann man von einer „Minderheit“ sprechen. Nun denn, um Licht in das Dunkel zu bringen, müssen wir (die Hörenden) uns bewusst machen, dass absolut Gehörlose sehr wichtige Lebensdinge nicht erfassen können. Es ist zu beschreiben, daß jene „wichtige Lebensdinge“ allerdings aus der Sicht der (Normal-)Hörenden als solche definiert werden!

Zum Beispiel fehlt vielen Gehörlosen oftmals das Instrument der Frageform.[2]

Dies wird hervorgerufen durch Sprachinkompetenz, denn es bestehen sowohl Mängel im lexikalischem, wie auch im grammatikalischem Bereich. DIES ist aber nur zutreffend, wenn wir Normalhörende es so definieren, denn schließlich ist unsere gesprochene Sprache auch (nur) konstruiert! Dies ist nach meiner Meinung nach sehr wichtig zu verstehen, denn nur so kann man das Gesamtbild der Welt der Gehörlosen ergründen oder eventuell sogar verstehen.

Diesen Punkt werde ich später vertiefen und unterstützen.

Ein sehr großes Problem für Gehörlose ist das Verstehen von Logik und zwar „normale“ Logik, über die sich Normalhörende selten oder gar nicht Gedanken machen würden .

Um dies zu erfassen können wir diese Logik Fragen uns selber stellen.

Wir müssen uns nur selber fragen „ Warum ist DIESES so - warum ist JENES anders?“.

Die meisten Menschen sind mit Urteilen behaftet bezüglich Gehörlosen, weil sie das Phänomen nicht verstehen. Ich denke dies wird hervorgerufen durch mangelnde Aufklärung in der Bevölkerung (siehe: bereits beschriebene These der Gehörlosen Minderheit). Es wird berichtet von Normalhörenden, die denken, Gehörlose würden eine "ewige Stille hören ". Dies ist genauso unzutreffend, wie die Annahme, Blinde würden eine "tiefe Schwärze sehen". Wer nicht hören bzw. sehen kann, wird auch nicht die Erfahrung machen "Stille zu hören" oder "tiefe Schwärze sehen".

Außerdem müssen wir eigentlich das Wort >taubstumm< aus unserem (Wort-)Gebrauch verbannen, denn stumm sind Gehörlose keineswegs.

Sie besitzen den gleichen intakten Sprachapparat wie Normalhörende, nur können sie ihre Sprache nicht einsetzen, weil sie sich selber nicht sprechen hören können. So ist es also unzutreffend zu behaupten, Gehörlose fehle die Sprache.

Viele Gehörlose müssen heutzutage noch Jahre lang das Lippenlesen erlernen um mit ihren Mitmenschen „normal“ reden zu können . Ich bin der Meinung solch ein extrem großer Aufwand an Geduld und (Lern-) Eifrigkeit ist beispiellos.

[...]


[1] Gefunden bei http://www.faventia.de:81/lexikon/objekt/Oliver_Sacks/, gekürzt und verändert

[2] Siehe „Stumme Stimmen“, Oliver Sacks, S.102 ff.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Was und wie denkt Mensch ohne Sprache? Eine Arbeit über die Kommunikationswelt Gehörloser
Veranstaltung
Grundlagen der Sprache und Kommunikation
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V56606
ISBN (eBook)
9783638512466
ISBN (Buch)
9783638811835
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mensch, Sprache, Eine, Arbeit, Kommunikationswelt, Gehörloser, Grundlagen, Kommunikation
Arbeit zitieren
Tobi Hempel (Autor), 2006, Was und wie denkt Mensch ohne Sprache? Eine Arbeit über die Kommunikationswelt Gehörloser , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56606

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Was und wie denkt Mensch ohne Sprache? Eine Arbeit über die Kommunikationswelt Gehörloser


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden