Soziale Medien und der Selbstwert. Einfluss der Nutzungsdauer

Eine empirische Untersuchung


Bachelorarbeit, 2019

63 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Stand der Forschung
2.1.1 DAK Studie
2.1.2 Status of Mind - RSPH
2.1.3 Teens, Social Media & Technology – Pew Research Center
2.2 Theoretischer Hintergrund
2.2.1 Der soziale Vergleich von Leon Festinger
2.2.2 Der globale Selbstwert von Rosenberg
2.2.3 Big 5 Persönlichkeitseigenschaften
2.2.4 Need-to-Belong von Baumeister & Leary
2.3 Zusammenfassung theoretischer Teil

3 Empirischer Teil
3.1 Forschungsfragen und Hypothesen
3.2 Methodik
3.2.1 Gütekriterien der quantitativen Forschung
3.2.2 Forschungsdesign
3.2.3 Datenerhebung
3.2.4 Stichprobenbeschreibung
3.2.5 Datenauswertung
3.3 Ergebnisse
3.3.1 Deskriptive Statistik
3.3.2 Ergebnisse Hypothesen

4 Diskussion
4.1 Interpretation der Ergebnisse
4.2 Limitation der Arbeit

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Nutzungsdauer von sozialen Medien auf den Selbstwert. Anhand der im Zeitraum 10.03.2019 bis 24.03.2019 erhobe-nen Nutzerdaten von 250 Personen, konnte eine quantitative Querschnittsststudie durch-geführt werden. Die Stichprobe beinhaltet weibliche und männliche Nutzer von sozialen Medien im Alter zwischen 11 und 56 Jahren. Innerhalb der Umfrage wurden Nutzungs-daten zu den sechs weltweit am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken (Statista, 2019) Facebook, Instagram, YouTube, Twitter, Snapchat, TikTok, sowie Twitch (eine Live-Streaming Plattform für Videospieler) erhoben. Zudem wurde der Big-Five Frage-bogen zur Messung der Persönlichkeitseigenschaften Neurotizismus und Extraversion, sowie Rosenberg´s Self-Esteem Scale, zur Messung des Selbstwerts eingesetzt. Anhand eines signifikanten Testergebnisses (p = 0.001), lässt sich statistisch nachweisen, dass die Nutzungsdauer von sozialen Medien einen Einfluss auf den Selbstwert hat. Ebenso wurde ermittelt, dass dieser Zusammenhang nicht von Kontrollvariablen wie soziodemografi-sche Daten, den Big-Five Persönlichkeitseigenschaften Neurotizismus und Extraversion oder von Daten zur Online-Interaktion beeinflusst wird. Die vorliegende Arbeit kann be-legen, dass das Alter (p = 0.000), das Geschlecht (p = 0.005), sowie die Persönlichkeits-eigenschaften Neurotizismus (p = 0.000) und Extraversion (p = 0.000) einen signifikanten Zusammenhang mit dem Selbstwert haben. Darüber hinaus wurde bestätigt, dass das Al­ter (p = 0.000), der Bildungsabschluss (p = 0.001) und die Interaktionsstärke (p = 0.000) mit der Nutzungsdauer von sozialen Medien korrelieren.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Forschungsmodell (Eigene Darstellung)

Abbildung 2. Beschäftigungsverhältnis der Stichprobe (Eigene Darstellung)

Abbildung 3. IQ Werte Population (Stangl, 2018)

Abbildung 4. Nutzung Kanäle nach Geschlecht (Eigene Darstellung)

Abbildung 5. Durchschnittliche Nutzungsdauer aller sozialen Medien in Minuten nach Altersgruppen (Eigene Darstellung)

Abbildung 6. Gründe der Nutzung von sozialen Medien (Eigene Darstellung)

Abbildung 7. Persönliches Verhalten gegenüber Online Freunden (Eigene Darstellung)

Abbildung 8. Zusammenhang Nutzungsdauer von sozialen Medien auf den Selbstwert (Eigene Darstellung)

Abbildung 9. Zusammenhang Alter und Selbstwert (Eigene Darstellung)

Abbildung 10. Zusammenhang Nutzungsdauer soziale Medien und Alter (Eigene Darstellung)

Abbildung 11. Zusammenhang der Nutzungsdauer von sozialen Medien und Höhe des Bildungsabschlusses (Eigene Darstellung)

Abbildung 12. Zusammenhang Extraversion und Selbstwert (Eigene Darstellung)

Abbildung 13. Zusammenhang Neurotizismus und Selbstwert (Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Stanine-Normwerttabelle (Eigene Darstellung nach Satow, 2012)

Tabelle 2 Mittelwert und Standardabweichung zum Selbstwert und Nutzung von sozialen Medien der Teil nehmer (Eigene Darstell ung)

Tabelle 3 Zusammenhang Nutzungsdauer soziale Medien Kan äle und Selbstwert (Eigene Darstellung)

Tabelle 4 Zusammenhang soziodemografische Daten und Selbstwert (Eigene Darstellung)

Tabelle 5 Zusammenhang Interaktion soziale Medien mit dem Selbstwert und Nutzungsdauer soziale Medien (Eigene Darstellung)

Tabelle 6 Zusammenhang Big-Five Pers önlichkeitsmerkmale mit dem Selbstwert und Nutzungsdauer sozialer Medien (Eigene Darstellung)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Internet hat sich von einem reinem Sicherheits- und Wissenssystem zu einem popu-lären und universalen Netzwerk entwickelt. Was ursprünglich mit einem einfachen Infor-mationsaustausch begann, hat sich nach kurzer Zeit zu neuen Kommunikationsmöglich-keiten bis hin zu virtuellen Netzwerken gebildet. Heutzutage ist das Internet, vor allem aber die sozialen Netzwerke, kaum mehr wegzudenken. Sie werden genutzt um Informa-tionen auszutauschen, sich über die aktuellsten Nachrichten zu informieren, Trends zu entdecken und sich mit Menschen aus der ganzen Welt digital zu vernetzen. Die sozialen Netzwerke haben potenziell große Nutzergruppen und erfreuen sich in der Bevölkerung an einer immer wachsenden Beliebtheit. Es gibt regionale, nationale oder internationale Netzwerke in den unterschiedlichsten Themen- und Interessentengebieten (Tarlig, 2010). Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden die sozialen Netzwerke immer mehr Begeisterung. 95% der Jugendlichen besitzen mittlerweile ein Smartphone und 45% geben laut einer Studie des Pew Research Centers an, dass sie stetig online sind (Ander­son & Jiang, 2018). Auch der Begriff „Freundschaft“ hat sich durch die Nutzung der sozialen Netzwerke in den letzten Jahren in der jüngeren Gesellschaft gewandelt. Die Online-Freunde auf sozialen Netzwerken nehmen einen immer wichtiger werdenden Stel-lenwert ein. Dabei spielt die Basis des Vertrauens eine kleinere Rolle als zu Zeiten, in denen es noch keine Online-Netzwerke gab (Urbanite, 2015). Die Anzahl an Nutzern, die täglich Bilder, Videos und Geschichten aus dem eigenen Leben teilen und gleichzeitig viel Zeit damit verbringen, dem Inhalt der Online-Gemeinschaft zu folgen, ist in den letz-ten Jahren stark gestiegen1. Deshalb stellt sich die Frage, welche Konsequenzen es mit sich bringt, wenn sich Menschen dauerhaft selbst inszenieren und mit einer Welt kon-frontiert werden, die unerreichbar perfekt zu sein scheint.

Die vorliegende Arbeit ist in fünf Hauptkapitel gegliedert und untersucht den Einfluss der Nutzungsdauer von sozialen Medien auf den Selbstwert. Nach der Einleitung folgt der theoretische Teil, indem zum einen der aktuelle Stand der Forschung, zum anderen der theoretische Hintergrund aufgeführt wird. Für den aktuellen Forschungsstand wurden drei relevante Studien detailliert ausgearbeitet. Der theoretische Hintergrund umfasst wiede-rum vier psychologische Theorien, auf die in der empirischen Untersuchung rückge-schlossen wird. Im empirischen Teil folgen die Forschungsfragen und Hypothesen, die durch den aktuellen Stand der Forschung hergeleitet wurden. Die Methodik befasst sich im Anschluss ausführlich mit dem Forschungsdesign, der Datenerhebung, der Stichpro-benbeschreibung und der Datenauswertung. Zuletzt folgen im empirischen Teil die Er-gebnisse der Untersuchung. Diese werden anhand von Tabellen und Plots vorgestellt, welches einen einheitlichen Überblick der Lösungen schaffen soll. In der Diskussion wer-den die Ergebnisse der empirischen Untersuchung interpretiert. Der letzte Punkt beinhal-tet zum einen das Fazit zur Diskussion der Ergebnisse, sowie den Ausblick, welches an die Limitation der Arbeit anknüpft.

2 Theoretischer Teil

Für die durchgeführte Literaturrecherche wurden ausschließlich deutsch- und englisch-sprachige Publikationen berücksichtigt. Um einen ersten inhaltlichen Überblick zu erhal-ten, wurden die Einleitungen bzw. Abstracts der Veröffentlichungen gelesen. Die darauf-hin identifizierten Quellen wurden als Gesamttext studiert. Theorien und Untersuchun-gen, sowie weitere Autoren, Zeitschriften und Institutionen, die sich im Zuge der Recher­che als besonders relevant herausgestellt haben, werden im ersten Teil dieses Kapitels (2.1) vorgestellt. Auf dieser Grundlage konnten auch zahlreiche psychologische Prozesse und Konstrukte identifiziert werden, die im darauffolgenden Kapitel (2.2) vertreten sind.

2.1 Stand der Forschung

In diesem Kapitel wurden drei repräsentative Studien zum Thema Nutzung von sozialen Medien und deren Auswirkung auf das physische und psychische Wohlbefinden von Nut-zern ermittelt und detailliert ausgearbeitet. Neben den Ergebnissen der Forschungen wer-den Informationen zur Stichprobe, Datenerhebung und zur allgemeinen Vorgehensweise vorgestellt. Weitere Studien werden in Kapitel 2.3 erläutert.

2.1.1 DAK Studie

Im Auftrag der DAK-Gesundheit wurde innerhalb einer repräsentativen Umfrage zum Thema „Nutzung von sozialen Medien” das Suchtrisiko sozialer Medien untersucht. Ins-gesamt wurden 1.001 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren in einer Erhe-bungsphase vom 14. August bis zum 16. September 2017 in der Bundesrepublik Deutsch-land befragt. Im Rahmen der Befragung wurden Daten zur Nutzungsintensität von sozia-len Medien und die damit verbundenen Auswirkungen erhoben. Der Fragebogen der Stu-die bestand aus insgesamt neun Fragen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden konnten. Bei fünf oder mehr „Ja“-Antworten wird von einer problematischen Nutzung sozialer Medien ausgegangen. Betroffene, die mehr als fünf Mal mit „Ja“ geantwortet haben, wiesen gleichzeitig auch einen deutlich höheren Mittelwert in der Social Media Disorder Scale2 (SMDO) auf als Nicht-Betroffene. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Be-troffene eine höhere tägliche Nutzungsdauer sozialer Medien aufweisen als Nicht-Be-troffene.

Die Befragung ergab, dass die Mehrheit (85%) der Altersgruppe täglich soziale Medien nutzen. Weitere 8% der Befragungsgruppe haben eine Nutzungshäufigkeit von fünf bis sechs Tagen in der Woche. Nur ein kleiner Bestandteil der Befragten nutzen soziale Me-dien seltener als einmal in der Woche oder gar nicht. Durch die Datenerhebung wurde ermittelt, dass die durchschnittliche Nutzungshäufigkeit mit zunehmendem Alter an-steigt. In der Altersgruppe 16- und 17- Jährige nutzen fast alle Befragten soziale Medien täglich. Durch die Studie wurde deutlich, dass viele Nutzer den Kontakt zu Freunden ausschließlich über soziale Medien pflegen. Außerdem zeigt sich, dass Mädchen durch-schnittlich mehr Zeit auf sozialen Medien verbringen als Jungen. Jugendliche können in ihrer Identitätsentwicklung von sozialen Medien profitieren, indem sie in kürzester Zeit verschiedene Selbstdarstellungen ausprobieren und darauf entsprechend Rückmeldung von ihrer Online Gemeinschaft erhalten (Thomasius, 2017). Die hohe Nutzung von sozi-alen Medien bringt allerdings auch Folgen mit sich. Die Studie bestätigt, dass die Nutzung von sozialen Medien süchtig macht und gleichzeitig bei intensiver Nutzung der Gesund-heit und dem Familienleben schadet (Mortler, 2015). 2,6% der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland erfüllen die Kriterien für eine Abhängigkeit nach der SMDO. Die hohe Nutzungsintensität von sozialen Medien führt außerdem zu nicht ausreichendem Schlaf, Realitätsflucht und Streit mit den Eltern. Darüber hinaus gibt es einen Zusammenhang zwischen der Social Media Sucht und Befindlichkeitsstörungen. Hier wurde nachgewiesen, dass jeder dritte Betroffene mit einem problematischen Ge-brauch sozialer Medien eine depressive Symptomatik aufweist.

Laut der Untersuchung haben soziale Medien bei den befragten Kindern und Jugendli-chen häufig unterschiedliche negative Auswirkungen, auch wenn diese nicht als süchtig gelten. Um der Suchtgefahr von sozialen Medien entgegenzuwirken, setzt die DAK-Ge-sundheit ihre Aufklärungskampagne mit diversen Angeboten fort (DAK, 2018).

2.1.2 Status of Mind - RSPH

Im Jahr 2017 hat die Royal Society for Publich Health (RSPH) zusammen mit der Young Health Movement (YHM) eine Studie zum Thema „Status of Mind: Social media and young people´s mental health and wellbeing” veröffentlicht, welche die Wirkung von so-zialen Medien auf die menschliche Psyche, das Wohlbefinden und die Gesundheit Ju-gendlicher und Kinder untersucht. Für die Studie wurden 1.479 junge Erwachsene im Alter von 14 bis 24 Jahren innerhalb des vereinigten Königreichs befragt. Die Studie stellte positive als auch negative Effekte auf das Wohlbefinden und die Gesundheit Ju-gendlicher fest.

Folgend werden die negativen Effekte erläutert, die durch die intensive Nutzung von so-zialen Medien laut der Studie hervortreten können. Teilnehmer der Befragung gaben an, dass vier von den fünf angegeben Plattformen3 für Nervosität bei den Nutzern sorgen. Junge Erwachsene, die soziale Medien mehr als zwei Stunden täglich nutzen, leiden eher an einer schwachen psychischen Gesundheit und zeigen eher Symptome von Nervosität und Depressionen auf als Nicht-Nutzer. Die dauernde Bestrahlung von Erlebnissen von Freunden, die im Urlaub schöne Bilder veröffentlichen oder gefühlt ständig unterwegs sind, gibt den Jugendlichen ständig das Gefühl, sie würden etwas verpassen. Das Gefühl kann dafür sorgen, dass sich die Betroffenen ständig miteinander vergleichen. Dieses Phänomen kann wiederum zur Verzweiflung führen, da das Erreichen aller Erlebnisse nicht möglich ist. Die unrealistischen Erwartungen und das Streben nach Perfektion, die durch soziale Medien gegeben sind, können bei Betroffenen zu einem niedrigerem Selbst-bewusstsein und Selbstwertgefühl führen. Die Studie zeigt, dass die Nutzung mehrerer Netzwerk-Plattformen die Symptome der sozialen Dysphorie4 steigern können. Ein weiteres negatives Ergebnis der Studie ist der mangelnde Schlaf, der durch die starke Nutzung von sozialen Medien entsteht. Laut der RSPH haben Schlaf und psychische Ge-sundheit einen starken Zusammenhang. Eine schwache geistige Gesundheit führt zu schlechten Schlafverhältnissen, die wiederum für eine noch geringere psychische Verfas-sung sorgen können. Auch weitere Studien zeigen, dass eine erhöhte Nutzung von sozia-len Medien einen signifikanten Zusammenhang mit einer schlechten Schlafqualität bei jungen Erwachsenen hervorruft. Vier von Fünf Nutzern gaben in der Befragung an, sie würden nachts aufwachen, um ihre Nachrichten auf sozialen Netzwerken zu prüfen. Die­ses Verhalten sorgt dafür, dass die Betroffenen häufiger müde in der Schule sind, als Nicht-Betroffene Klassenkameraden.

Auch der Begriff Cyber-Mobbing wird immer präsenter. Mobbing im Jugendalter ist ein bedeutender Risikofaktor für eine Reihe von negativen Effekten, die die psychische Ge-sundheit, Bildung und soziale Beziehungen betreffen, welche langfristige Schäden bis ins Erwachsenenalter führen können (Scott, Dale, Russel & Wolke). Die Nutzung von sozi-alen Medien ermöglicht einen konstanten Kontakt, indem junge Menschen zueinander-stehen. Dabei ermöglichen die Plattformen häufig Gelegenheiten, Bilder oder Texte zu veröffentlichen, die in der Realität nicht gezeigt oder gesagt werden würden. So können sich unter anderem Grüppchen bilden, in der Nutzer ausgeschlossen oder öffentlich dis-kriminiert werden können. Laut der RSPH Studie haben 7 von 10 Nutzer schon einmal Online-Mobbing erdulden müssen. Opfer von Cyber-Mobbing sind häufiger davon be-troffen schwächere akademische Leistungen hervorzubringen und innere Unruhe und Einsamkeit zu fühlen.

Auch die „Fear of Missing out“ (FoMo), ist einer der negativen Effekte, der durch die Nutzung von sozialen Medien hervorgerufen wird. Die FoMo beschreibt die Angst von Nutzern, soziale Events oder erstrebenswerte Aktivitäten zu verpassen. Sie hat einen Zu-sammenhang mit schlechter Laune und niedriger Lebenszufriedenheit. Außerdem korre-liert sie mit einer hohen Nutzung von sozialen Medien (Pryzbylski, 2016), was zu Stress und Nervosität junger Nutzer führen kann. Das konstante Miterleben von Bildern und Videos über die Aktivitäten anderer Nutzer kann dazu führen, dass sich Nutzer ausge-schlossen fühlen und das Gefühl haben, sie würden etwas verpassen. Die RSPH berichtet in ihrer Studie auch von positiven Effekten über die Nutzung von sozialen Medien. Durch das beobachten starker Persönlichkeiten, kann das Selbstbe-wusstsein junger Menschen mit schwacher psychischer Verfassung gestärkt werden. Das Lesen von Blogbeiträgen und Ansehen von Videoblogs über die Gesundheitsprobleme anderer Nutzer im selben Alter, kann helfen die eigene Gesundheitsbildung zu steigern und dadurch bessere Gesundheitsentscheidungen zu treffen. Auch Gesundheitskampag-nen können dazu führen, dass sich Nutzer vermehrt mit ihrem Lebensstil auseinanderset-zen und dadurch Copingstrategien5 anwenden (Ziebland & Wyke, 2012). Des Weiteren kann die Netzwerk-Gemeinde besonders dann eine emotionale Unterstüt-zung bieten, wenn dem Nutzer keine persönlichen Kontakte gegeben sind. Laut der Studie gaben 7 von 10 Befragten an, dass sie in schweren Zeiten seelische Unterstützung durch soziale Medien erhalten (RSPH, 2017).

2.1.3 Teens, Social Media & Technology – Pew Research Center

Das Pew Research Center hat im Jahr 2018 eine Befragung in den Vereinigten Staaten zum Konsumverhalten von sozialen Medien, sowie der Nutzung von Smartphones durch-geführt. Innerhalb der Umfrage gaben 98% der befragten Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren an, dass sie ein Smartphone besitzen oder zumindest Zugriff auf eines haben. Des Weiteren sagten 45% der Teilnehmer aus, dass sie konstant online verfügbar sind. Der größte Teil der befragten geht davon aus, dass soziale Medien weder einen positiven noch negativen Einfluss auf sie hat. Etwa ein Drittel (31%) der Nutzer geht davon aus, dass soziale Medien einen positiven Einfluss auf ihr Privatleben haben. Ein Großteil die-ser Gruppe führte auf, dass sie soziale Medien hauptsächlich für den Kontakt zu Freunden und Familienmitgliedern nutzen. Weitere Gründe für die positiv gestimmte Gruppe waren einfacher bestimmte Nachrichten zu finden, sowie andere Menschen kennenzulernen, die dieselben Interessen verfolgen. Der kleinere Teil, etwa (24%) der Befragten geht davon aus, dass soziale Medien einen eher negativen Einfluss auf sie ausübt. Der negative Ein-fluss liegt nach Aussage der Befragten hauptsächlich an Cyber-Mobbing, fehlendem per-sönlichen Kontakt, sowie dem unrealistischen Einblick in das perfekt zu scheinende Le-ben anderer Nutzer.

2.2 Theoretischer Hintergrund

Nachdem im vorangegangenen Kapitel der aktuelle Stand der Forschung beschrieben wurde, sollen in diesem Kapitel die theoretischen Hintergründe, sowie die für die Unter-suchung relevanten psychologischen Konzepte erläutert werden.

2.2.1 Der soziale Vergleich von Leon Festinger

Soziale Vergleiche spielen für die menschliche Interaktion und Selbstwahrnehmung eine zentrale Rolle. Sie haben einen ausschlaggebenden Einfluss auf das Wohlbefinden und beeinflussen das Selbstbild. Die Theorie des sozialen Vergleichs wurde von Leon Festin-ger 1954 in der Zeitschrift Human Relations mit dem Titel „A Theory of Social Compa­rison Processes“ veröffentlicht.

Nach Festingers Theorie haben Menschen das Grundbedürfnis, sich ein realistisches Bild der Welt und des eigenen Selbst zu machen. Das Bedürfnis tritt besonders zum Vorschein, wenn eine adäquate Einschätzung des Selbst notwendig ist. Die mittlerweile weiterent-wickelte Theorie geht davon aus, dass sich Menschen bei Ihrer Selbsteinschätzung an anderen Personen orientieren. Menschen sollen sich mit möglichst ähnlichen Personen vergleichen, um so eine genauere Bewertung des Selbst zu erhalten. Denn ohne Ver-gleichsstandard sei keine subjektive Bewertung möglich. Es werden objektive Standards, also physikalische Überprüfungen für den Vergleich gegenüber sozialen Vergleichen be-vorzugt. Der Vergleich bezieht sich hauptsächlich auf einzelne Merkmale, z.B. körperli-che Attraktivität, berufliche oder sportliche Leistungsfähigkeit, sozialer Status, etc. Dabei werden soziale Vergleiche in drei Aspekte untergliedert. Zum einen der kognitive Aspekt, der die Selbsteinschätzung und das Selbstkonzept beinhaltet. Zum anderen der emotio-nale Aspekt, der sich im Selbstwertgefühl zeigt. Der letzte Teil beschreibt den motivati-onalen und verhaltensbezogenen Aspekt, wie die Selbstentwicklung und Selbstwirksam-keit (Döring, 2013).

Der soziale Vergleich gliedert sich in drei Vergleichs-Typen. Zum einen der Aufwärts-Vergleich (upward comparisons), indem sich Menschen mit Personen vergleichen, die ihnen innerhalb eines Interessengebiets überlegen sind. Die Überlegenheit kann als An-sporn genutzt werden, um dem Vorbild nachzueifern. Dies könnte beispielsweise ein Amateur-Läufer sein, der sich mit einem Marathon-Läufer vergleicht. Allerdings kann der Aufwärts-Vergleich auch einen negativen Effekt mit sich bringen, z.B. wenn das nachgeeiferte Ziel als unerreichbar scheint. So kann der Aufwärtsvergleich einerseits zur Verbesserung in einem Merkmal oder Leistungssteigerung führen, andererseits das ei-gene Selbstwertgefühl verringern, wenn das Erreichen des Vergleichs unmöglich ist.

Der zweite Vergleichstyp ist der Abwärts-Vergleich (downward comparisons). Hier ver-gleichen sich Menschen mit Personen, die ihnen in einem bestimmten Merkmal unterle-gen sind. Der Vergleichsprozess steigert das Selbstwertgefühl und kann in schwierigen Lebenssituationen als Hilfestellung dienen. Wenn sich ein krebskranker Mensch bspw. mit einem noch schwerer erkrankten Menschen vergleicht, kann dies dazu führen, dass das eigene Selbstwertgefühl gesteigert wird. Ebenso kann auch ein Abwärts-Vergleich zum früheren Ich erfolgen, indem die vorhergehende, schlechte Vergangenheit mit dem heutigen Ich verglichen wird. Für den positiven Effekt muss eine kontrastive Verarbei-tung erfolgen, indem eine Abgrenzung zur unterlegenen Person stattfindet. Ebenso kann eine assimilative Verarbeitung auftreten, in der befürchtet wird, dass das Selbst in die Lage der benachteiligten Person oder des vergangenen Ichs zu gelangt. Im horizontalen Vergleich (horizontal comparisons) vergleichen sich Menschen mit Per-sonen, die ihnen selbst ähnlich sind oder in einem bestimmten Interessengebiet ähnliche Eigenschaften vorweisen. Dieser Vergleichstyp hilft Menschen eine realistische Selbst-einschätzung zu vollziehen.

Soziale Vergleichsprozesse sind sehr komplex und von vielen Einflussfaktoren abhängig. Es wird davon ausgegangen, dass sich Männer eher geschlechtsrollenkonform hinsicht-lich ihres sozialen Status mit anderen Männern vergleichen. Frauen hingegen vergleichen sich stärker im Hinblick auf äußerliche Attraktivität mit anderen Frauen. Ebenfalls belegt ist, dass ein geringes Selbstwertgefühl oder eine konkrete Unzufriedenheit mit einem be-stimmten Merkmal die Neigung zu sozialen Vergleichen steigert (Döring, 2013).

2.2.2 Der globale Selbstwert von Rosenberg

Der Selbstwert wird als affektiv-evaluative Komponente des Selbst verstanden. Diese kann sich sowohl auf die Bewertung der Selbstbeschreibung in unterschiedlichen Situa-tionen (Shavelson, Hubner & Stanton, 1976), als auch auf die globale Bewertung der ei-genen Person beziehen (Potreck-Rose & Jacob, 2003). Morris Rosenberg suchte in seiner Arbeit „Society and the adolescent self-image“ (1965) verschiedene Zusammenhänge des Selbstwertgefühls mit Persönlichkeitsmerkmalen, wie z.B. dem sozialen Hintergrund, dem Platz der Geschwisterreihe oder dem Geschlecht (Jachs, 2010).

Der Selbstwert steht in Beziehung zum Selbstkonzept, sodass die Entwicklung des Selbst-wertes im Hinblick auf die Selbstkonzeptentwicklung betrachtet wird (Thomsen, Lessing, Greve & Dresbach, 2018). Rosenberg unterteilt das Selbstkonzept in drei Bereiche. Das Konzept des aktuellen Selbst (extant self) wird als Selbstwert definiert und beschreibt, wie sich eine Person selbst wahrnimmt. Das sich darstellende Selbst (presenting self) de-finiert das Auftreten einer Person gegenüber anderen. Das letzte Konzept des gewünsch-ten Selbst (desired self) beschreibt, wie eine Person gerne sein würde und wird in drei weitere Konzepte unterteilt. Es beinhaltet das verpflichtende Selbstkonzept (commited image), das moralische Selbstkonzept (moral image) und das Idealselbst (idealized image) (Rosenberg, 1979).

Die Bewertung des Selbst wird als eine überdauernde persönliche Eigenschaft oder als Attribut (trait) angesehen. Dieses beschreibt das konstante Verhalten und Erleben eines Menschen über verschiedene Situation hinweg (Brown, Dutton & Cook, 2001). Trotz der Beständigkeit handelt es sich beim Selbstwert um eine dynamische Eigenschaft, die be-einflusst werden kann und somit veränderbar ist (Chung, Robins, Trzesniewski, Noftle, Roberts & Widaman, 2014). Rosenberg (1965) entwickelte in seiner Arbeit die Self-Es­teem-Scale, in der anhand von 10 Items und einer vierstufigen Antwortskala, der globale Selbstwert gemessen werden kann.

2.2.3 Big 5 Pers önlichkeitseigenschaften

Der Big-Five Ansatz ist ein Modell der Persönlichkeitspsychologie, anhand dessen die Persönlichkeit einer Person in fünf Hauptdimensionen eingestuft wird. Es umfasst einen Persönlichkeitstest, der von Dr. Lars Satow entwickelt und im Jahr 2010 veröffentlicht wurde. Der Big-Five Fragebogen zählt im deutschsprachigen Raum zu den am häufigsten eingesetzten psychometrischen Persönlichkeitstests (Satow, 2012).

Der Ursprung des Big-Five Modells geht in das Jahr 1947 zurück. In diesem Jahr postu-lierte der deutschstämmige Psychologe Hans Jürgen Eyseneck drei Persönlichkeitsdi-mensionen, darunter auch die Faktoren Neurotizismus und Extraversion. Etwas später entwarf Raimond Cattell (1957, 1965) mit Hilfe des neuen Verfahrens der Faktorenana-lyse 16 Faktoren der Persönlichkeit. Diese wurden nach eigenen empirischen Analysen fünf Faktoren zugeordnet. Nachdem eine weitere Forschergruppe (Allport 1937, Norman, 1963, Costa McCrae 1985) ebenfalls fünf Persönlichkeitsdimensionen ermitteln konnte, führte Goldberg (1981) den Begriff „Big-Five“ für diese fünf Dimensionen ein. Dies sollte zum Ausdruck bringen, dass es sich bei diesen Faktoren um allgemeingültige Di- mensionen handelt. Der Big-Five-Persönlichkeitstest wurde mit dem Ziel entwickelt, die Ausprägungen dieser grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen zu erfassen (Satow, 2012).

Die fünf Persönlichkeitseigenschaften werden anhand folgender Dimensionen beschrie- ben:

- Offenheit für Erfahrungen
- Gewissenhaftigkeit
- Extraversion
- Verträglichkeit
- Neurotizismus

Die Offenheit für Erfahrungen beschreibt die Aufgeschlossenheit einer Person. Menschen mit einem hohen Wert an Offenheit sind besonders tolerant, neugierig und an vielen Din-gen interessiert. Die Gewissenhaftigkeit ist der Perfektionismus eines Menschen. Perso-nen mit einer hohen Ausprägung an Gewissenhaftigkeit sind pflichtbewusst und ord-nungsliebend. Die Extraversion ist die Geselligkeit, Gesprächigkeit und das Ausmaß der Abenteuerlust einer Person. Die Verträglichkeit drückt wiederum die Rücksichtnahme, Kooperationsbereitschaft, Empathie oder Beliebtheit einer Person aus. Die letzte Eigen-schaft, der Neurotizismus, beinhaltet die emotionale Labilität und Verletzlichkeit einer Person. Menschen mit einer hohen Ausprägung an Neurotizismus sind ängstlich, nervös und angespannt. Unter dem Modell werden anhand der Persönlichkeitsdimensionen (auch Faktor genannt) besonders wichtige Merkmale verstanden, die bei allen Menschen vor-handen, allerdings unterschiedlich ausgeprägt sind (Satow, 2012).

2.2.4 Need-to-Belong von Baumeister & Leary

Baumeister und Leary veröffentlichten im Juni 1995 ihr Werk “The Need to Belong: De­sire for Interpersonal Attachements as a Fundamental Human Motivation”, in der sie dar-legen, dass Menschen ein grundlegendes Bedürfnis haben, eine minimale Anzahl an lang-fristigen und positiven zwischenmenschlichen Beziehungen aufrechtzuerhalten. Um die­ses Bedürfnis zu befriedigen, benötigt es zum einen regelmäßige und positive Interaktio- nen mit den gleichen Bezugspersonen. Zum anderen erfordert es eine vertrauensvolle Be-ziehung mit ausreichend Fürsorge und Interesse zueinander. Dabei ist die stabile und für-sorgliche Interaktion mit einer ausgewählten Anzahl an Personen zufriedenstellender, als das Verhältnis zu mehreren unterschiedlichen Personen.

Laut Baumeister und Leary sind Menschen auf natürliche Weise dazu angespornt, ein beständiges Zugehörigkeitsgefühl mit ihren Bezugspersonen zu etablieren. Weiterhin ar-gumentieren sie, dass Menschen in vielen Fällen ungern Beziehungen auflösen, auch wenn sie in diesen keinen Sinn mehr sehen. Das Bedürfnis, dazuzugehören, geht über die Notwendigkeit oberflächlicher sozialer Beziehungen oder sexueller Interaktionen hinaus und ist für das menschliche Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung. Das Fehlen des Zugehörigkeitsgefühls wiederum kann unerwünschte Folgen mit sich bringen. Bei-spielsweise kann es die Gesundheit, die Zufriedenheit und die Ausgeglichenheit einer Person beeinträchtigen. Der Mangel an dem Zugehörigkeitsgefühl kann des Weiteren zu psychischen und körperlichen Erkrankungen führen, die von Verhaltensproblemen über Kriminalität bis hin zu Selbstmord reichen können. Zudem kommen Leary und Baumeis-ter zu dem Schluss, dass die Liebe innerhalb einer Beziehung nur dann wünschenswert ist, wenn sie wechselseitig ist. Wenn also die Liebe ohne das Zusammengehörigkeitsge-fühl entsteht, wie in einer unerwiderten Liebe, ist das Ergebnis typsicherweise Leid und Enttäuschung (Baumeister & Leary, 1995).

2.3 Zusammenfassung theoretischer Teil

Die vorangegangenen Theorien zeigen psychologische Phänomene und Verhaltenswei-sen, die auch in der Online-Welt nicht außer Betracht gelassen werden können. Heutzu-tage spielt der soziale Vergleich innerhalb der persönlichen Online-Netzwerke eine wich-tige Rolle. Nutzer von sozialen Medien vergleichen sich tagtäglich, bewusst oder unbe-wusst, mit anderen Nutzern. Diese können, wie beim Abwärts- und teilweise auch Auf-wärtsvergleich, teils positive Merkmale mit sich bringen. Allerdings können unbewusst auch häufig negative Ereignisse hervortreten. Vergangene Studien bestätigen, dass On-line-Vergleichsprozesse einen Einfluss auf den Selbstwert haben (Wilcox & Laird, 2000) und dass der Selbstwert von Jugendlichen zum großen Teil davon abhängt, ob sie sich online akzeptiert fühlen (Chmielarz, 2010). Der aktuelle Fall einer jungen Britin zeigt, welche Konsequenzen Online-Vergleiche mit sich bringen können. Die 14-jährige beging im Februar 2019 Suizid, nachdem sie mit Bildern von Selbstverletzungen auf sozialen Netzwerken in Berührung kam (Fischer, 2019). Die junge Nutzerin nahm Personen mit suizidalen Online Veröffentlichungen offenbar als Vorbild und versuchte diesen Eigen-schaften nachzugehen.

Die vorangegangene Theorie von Baumeister und Leary beschreibt das Grundbedürfnis von Menschen, weshalb sie in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen leben möchten und die Kommunikation mit anderen benötigen. Das ständige Vorhandensein der Online-und Social-Networking-Community hat die Art und Weise verändert, wie Menschen mit Freunden und Fremden kommunizieren. Das Bedürfnis, dazuzugehören, ist laut der Need-to-Belong-Theory eines der grundlegenden sozialen Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft und spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von sozialen Verbindungen und Kommunikationspartnern (Leary & Baumeister 1995). Eine weitere, aktuelle Studie be-stätigt, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis dazuzuge-hören und der sozialen Online-Interaktionen von Menschen gibt. Die Studie zeigt, dass Menschen mit einem niedrigeren Zugehörigkeitsgefühl, auch weniger soziale Informati-onen aufnehmen und ebenso weniger neue soziale Kontakte online knüpfen (Guan, 2016).

Eine weitere Studie belegt, dass es Zusammenhänge zwischen den Big-Five Persönlich-keitseigenschaften und der Nutzung von sozialen Medien gibt. Es wurde untersucht und bestätigt, dass Nutzer mit einer ausgeprägten Persönlichkeitseigenschaft „Offenheit“ eine höhere Facebook Nutzung und eine größere Freundesanzahl auf der Plattform zeigen, als Personen mit einer niedrigen Ausprägung (Skues, Williams & Wise, 2012). Des Weiteren geht aus dem Stand der Forschung hervor, dass bei Nutzern von sozialen Medien, die Sorge um das eigene Körperbild höher ist als bei Nicht-Nutzern (Tiggemann, 2013). Stündlich werden Nutzern von sozialen Medien millionenfach neue Bilder zur Verfügung gestellt (Mayer-Schönberger, 2013). Da ohnehin schon 9 von 10 Teenage-Mädchen un-glücklich mit ihrem Körper sind (Lamb, 2015), kann dies für einen erhöhten Druck sorgen und weitere negative Effekte mit sich bringen.

Auch im Bereich der Hirnforschung werden Untersuchungen zur Nutzung von sozialen Medien durchgeführt. Forscher interessieren sich dafür, wie das Belohnungssystem im Gehirn durch Interaktionen auf sozialen Medien reagiert. Das Belohnungssystem ist für die Aktivierung der Motivation zuständig und spielt eine entscheidende Rolle beim Ler-nen, dem Gedächtnis und Gefühlen. Mit Hilfe von positiven Verhaltensverstärkern wird das Belohnungszentrum aktiviert. Durch die Aktivierung wird Dopamin ausgeschüttet, welches zu einer unmittelbaren Befriedigung führt. Auch das Gefühl von Anerkennung wird von diesem Zentrum belohnt und ist eine Triebkraft für die Nutzung von sozialen Medien. In einer Studie in Frontiers in Human Neuroscience konnte bewiesen werden, dass das neuronale Belohnungssytem am stärksten auf soziale Anerkennung reagiert (Me-shi, Morawetz & Heekeren, 2013).

[...]


1 Die Anzahl der Nutzer von sozialen Netzwerken weltweit ist vom Jahr 2010 bis 2017 von 0,97 Milliar-den auf 2,46 Milliarden gestiegen. Eine Prognose sagt aus, dass die Anzahl der Nutzer weiter steigen wird und bis zum Jahr 2021 bei 3,02 Milliarden Nutzer liegen soll (Statista, 2017).

2 Der Social Media Disorder Scale ist ein psychometrisches Instrument, das anhand von neun Items das Suchtverhalten, sowie Befindlichkeitsstörungen, die durch soziale Medien entstehen, misst (van den Eijn-den, Lemmens & Valkenburg, 2016).

3 Innerhalb der Untersuchung wurden Daten zur Nutzung von den sozialen Netzwerken Facebook, You-tube, Instagram, Snapchat und Twitter erfasst.

4 Als Dysphorie bzw. Dysthymie wird eine langanhaltende chronische Verstimmung oder Niedergeschla-genheit bezeichnet (Brennecke, 2019).

5 Der Begriff Copingstrategien (auch Bewältigungsstrategien genannt) beschreibt alle Bemühungen einer Person, mit den Anforderungen einer Situation, die die persönlichen Kompetenzen fordert, zurechtzu-kommen (Lazarus & Launier, 1981).

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Details

Titel
Soziale Medien und der Selbstwert. Einfluss der Nutzungsdauer
Untertitel
Eine empirische Untersuchung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Autor
Jahr
2019
Seiten
63
Katalognummer
V584633
ISBN (eBook)
9783346206831
ISBN (Buch)
9783346206848
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, einfluss, medien, nutzungsdauer, selbstwert, soziale, untersuchung
Arbeit zitieren
Reyhan Tüzün (Autor), 2019, Soziale Medien und der Selbstwert. Einfluss der Nutzungsdauer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/584633

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