Zur Ballade "Der Ring des Polykrates" von Friedrich Schiller - Die Parabel vom Glück


Hausarbeit, 2004

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung:

I Einleitung

II Hauptteil
1. Definition der Gattung Ballade
2. Entstehung
3. Die historische Vorlage
4. Analyse der Ballade
a) Metrik und Sprache
b) Inhalt und Aufbau
c) Charakterisierung der beiden Hauptpersonen
d) Das Leitmotiv „Glück“

III Schluss

IV Anhang
1. Bibliographie
2. Der Ring des Polykrates

I Einleitung

„Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“ – dieses Sprichwort trifft den Kern der Ballade Der Ring des Polykrates von Friedrich Schiller genau.

Was bedeutet diese Redewendung? Viel Gutes zieht immer auch viel Schlechtes nach sich? Auf viel Glück folgt unweigerlich viel Unglück? Gibt es überhaupt das Glück ohne Unglück, das reine Glück? Und wenn, ist es denn erstrebenswert? Oder muss übermäßiges Glück immer mit ebenso tiefem Leid verbunden sein – so wie ein Baum, dessen Wipfel den Himmel berühren, auch mit seinen Wurzeln immer tiefer ins Dunkle der Erde vordringen? Oder – um es mit einem anderen Sprichwort zu sagen – sorgt der Herrgott dafür, dass die Bäume nicht bis in den Himmel wachsen?

Der Ring des Polykrates regt dazu an, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

II Hauptteil

1. Definition der Gattung Ballade

Eine Ballade ist ein „Erzählgedicht, das ein besonderes, meist tragisches Geschehen wiedergibt, oft in dramatisch zugespitzter, mit Dialogen durchsetzter Form; [sie] enthält nach Goethe Elemente aller drei poetischen Gattungen: lyrische (Liedcharakter), epische (Erzählung) und dramatische (Dialogform)“[1]. Goethe bezeichnete dieses Zusammenspiel als „Urei“, da er es für vollkommen hielt. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Ballade lässt sich vom italienischen „ballare“ ableiten und bedeutet „Tanzlied“.

2. Entstehung

Das Jahr 1797 wird als das Balladenjahr der deutschen Literatur bezeichnet. Goethe und Schiller machten „die Ballade zum Gegenstand eines „bewussten Kunstwillens und ästhetischen Experiments““[2] und lieferten sich einen Wettstreit im Balladenschreiben, bei dem ihre schönsten Balladen entstanden. „Da beide Dichter sich in dieser Zeit intensiv mit gattungstheoretischen Fragen auseinandersetzten reizte es sie, [...] die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Ballade praktisch zu demonstrieren, wobei sie jeweils den epischen, lyrischen oder dramatischen Zug stärker betonten“[3]. Im „Musenalmanach für das Jahr 1798“, der auch Balladen-Almanach genannt wird, veröffentlichten Schiller und Goethe gemeinsam die entstandenen Balladen.

Von Schiller erschienen Der Taucher, Der Handschuh, Ritter Toggenburg, Die Kraniche des Ibykus und Der Ring des Polykrates. Goethe steuerte Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Der Gott und die Bajadere bei.

Bei Goethes Balladen handelt es sich meistens Naturballaden, die an der „volkstümlichen Tradition des Liedes“[4] festhalten und in denen es um „die magischen Mächte der Natur und des Schicksals“[5] geht. Seine Balladen „sind stets mystisch, „nordisch-dunkel““[6].

Schiller hingegen versuchte in seinen Ideenballaden „am konkreten Beispiel ein – häufig moralisches – Prinzip“[7] zu veranschaulichen. Stoff für diese neue Art von Balladen fand er vor allem in klassischen griechischen Werken. Goethe war allerdings der Meinung, „die Ballade [...][sei] völlig ungeeignet [...] zur Darstellung klassisch-griechischer Stoffe“[8]. Dennoch gefiel ihm Der Ring des Polykrates, er schrieb in einem Brief an Schiller: „Der Ring [...] hält sich bei wiederholtem Lesen sehr gut, er wird vielmehr besser, wie es jedes Gedicht von Wert tun muss [...]“[9].

Schillers Ideenballade „ist dem Drama benachbart. Die Wesenszüge der Schillerschen Dramatik gelten also auch im lyrischen Bereich: die Freude an Spannungen, Verwicklungen, Lösungen, jähen Wendungen und Überraschungen [...] und die Verdichtung zur dramatischen Pointe“[10].

Auf Grund der meist deutlich erkennbaren moralischen Lehre und „der unmissverständlichen Aufdringlichkeit der erzieherischen Absicht [die] häufig bis an die Grenze des Trivialen [reichen]“[11], „erfreuten sich [Schillers Ideenballaden] besonderer Beliebtheit im Deutschunterricht der Schulen, so dass sie nicht selten zerlesen und dann auch parodiert wurden“[12]. Die Beliebtheit der Balladen Schillers im Schulbetrieb lässt sich auch erkennen, wenn man Lesebücher zur Hand nimmt. In diesen lassen sich zahlreiche Balladen wie Die Bürgschaft, Die Kraniche des Ibykus, Der Taucher und auch Der Ring des Polykrates finden[13].

Anzumerken ist noch, dass „beide Dichter [...] die eher niedrig anzusetzende Stufe der Ballade innerhalb einer ästhetischen Werteskala [unterstrichen]“[14], sie hielten „die Balladen nicht für eine ganz vollwertige Gattung“[15]. Goethe schrieb sogar „vom „Reim- und Strophendunst“ der Balladen“[16].

3. Die historische Vorlage

Schillers Ballade Der Ring des Polykrates entstand nach einer historischen Vorlage von Herodot, einem griechischen Geschichtsschreiber. Schiller entnahm diese Vorlage dem Werk „Versuche über verschiedene Gegenstände aus der Moral, der Literatur und dem gesellschaftlichen Leben“ von Christian Garve[17]. Herodot schildert in seiner Erzählung die Geschichte des Polykrates. Dieser war nach einem Aufstand Herrscher über Samos, eine griechische Insel an der Westküste der heutigen Türkei. Er war mit Amasis, dem König von Ägypten, befreundet, und sie schickten sich gegenseitig Briefe und Geschenke. Polykrates hatte stets Glück bei seinen Feldzügen und wurde nie besiegt. Als Amasis von diesem großen Glück hörte, machte er sich Sorgen und schickte Polykrates einen Brief, in dem er seinen Freund vor dem Neid der Götter warnte. Wer so großes Glück hätte, würde ein schlechtes Ende haben. Er riet ihm, seinen wertvollsten Besitz wegzuwerfen, um gegen das Glück vorzugehen. Polykrates befolgte seinen Rat und warf seinen liebsten Siegelring ins Meer. Nach einigen Tagen brachte ihm ein Fischer einen frisch gefangenen Fisch als Geschenk. Als dieser ausgenommen wurde, fand man in seinem Bauch den Ring. Polykrates teilte dies seinem Freund in einem Brief mit. Amasis kündigte ihm daraufhin die Freundschaft, denn er war sicher, dass Polykrates ein schlimmes Ende nehmen würde und er wollte nicht, dass ihm selbst das Unglück des Freundes zu nahe ging.[18]

Polykrates wurde 522 v. Chr. „von dem persischen Sartrapen [Statthalter] Orötes nach Sardes [antike Hauptstadt von Lydien] gelockt und ans Kreuz geschlagen“.[19]

[...]


[1] s. von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte, S. 309

[2] s. http://www.literaturwelt.com/epochen/klassik.html

[3] s. von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte, S. 81/82

[4] s. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.140

[5] s. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.140

[6] s. von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte, S. 83

[7] s. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.139

[8] s. von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte, S. 83

[9] s. Köpf, Gerhard: Die Ballade, S. 176

[10] s. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.140

[11] s. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.140/141

[12] s. Rothmann, Kurt: Kleine Geschichte der deutschen Literatur, S.120

[13] vgl. Köpf, Gerhard: Die Ballade, S. 90

[14] s. von Borries, Ernst und Erika: Deutsche Literaturgeschichte, S. 82

[15] s. Eichner, Hans: Deutsche Literatur im klassisch-romantischen Zeitalter I, S. 53

[16] s. Eichner, Hans: Deutsche Literatur im klassisch-romantischen Zeitalter I, S. 53

[17] vgl. Wirsich-Irwin, Gabriele: Klassik, S.141

[18] vgl. http://www.gottwein.de/Grie/hdt03039.htm

[19] s. von Wiese, Benno: Friedrich Schiller, S 616

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zur Ballade "Der Ring des Polykrates" von Friedrich Schiller - Die Parabel vom Glück
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V59121
ISBN (eBook)
9783638531429
ISBN (Buch)
9783640856824
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ring, Polykrates, Parabel, Glück
Arbeit zitieren
Elena Zeitlmann (Autor), 2004, Zur Ballade "Der Ring des Polykrates" von Friedrich Schiller - Die Parabel vom Glück, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59121

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