Der Niedergang der Hanse:1474-1669


Essay, 2004

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Abgrenzungen

3. Kam der verfassungsrechtliche Durchbruch der Hansestädte durch die Aufnahme in den Westfälischen Frieden 1648 zu spät? Hätte der Niedergang der Hanse aufgehalten, hätte die Teilnahme an den Hansetagen wieder verstärkt werden können?

4. Schluß

Literatur

1. Einleitung

Ein wissenschaftliches Interesse an der Hanse gibt es in Deutschland seit Jahrhunderten – dies mag an der möglichen Vorbildfunktion der Hanse für nachfolgende Generationen liegen. Doch erst die Rückgabe bestimmter Quellen bzw. hansischer Archive nach den Kriegs – und Nachkriegswirren hat eine umfassendere Beschäftigung mit der Thematik möglich gemacht und der Hanseforschung einen neuen Schub gegeben – namentlich zu nennen sind z.B. Stoob und Grasmann. Aber nicht nur in Deutschland ist die Hanseforschung aufgeblüht. Die Forschung in Ländern wie Frankreich, Polen, Großbritannien und Rußland, sowie Skandinavien und dem Baltikum hat gezeigt, daß die Hanse ein Teil gesamteuropäischer Geschichte und nicht regional oder national zu begrenzen ist.

Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die großen Hanseausstellungen in Köln (1973) und Hamburg (1989).

Zur Hanse gehörten in der Glanzzeit nahezu 200 See – und Binnenstädte in einem Gebiet von 1500 km Länge zwischen der Zuidersee und dem Finnischen Meerbusen, der Ostsee und Thüringen. Die Hanse entstand und blieb zum Schutz ihrer Kaufleute im Ausland und zur Erweiterung ihres Handels - sie wurde zu einer politischen Macht ersten Ranges in Nordeuropa, die in der Lage war, gegen die benachbarten Staaten siegreich Kriege zu führen – diese Kriege dienten immer wirtschaftlichen Zielen. Die Mitgliedstädte der Hanse beherrschten den Warenaustausch zwischen Ost und West – insbesondere über der Ostsee, wo die Fertigwaren des Westens gegen die Rohstoffe des Ostens und Nordens ausgetauscht wurden. Die Drehscheibe war Lübeck, wo auch die meisten Hansetage stattfanden. Hansekontore (vorgeschobene Posten) unterhielten die Städte London, Brügge, Bergen und Novgorod.

Das Geheimnis der langen Lebensdauer von nahezu einen halben Jahrtausend lag im Solidaritätsgefühl, das die Mitglieder jahrhundertelang verband.

Die Spätphase der Hanse vom Frieden von Utrecht 1474 bis zum letzten Hansetag 1669 gilt als eine Zeit des Niedergangs und des Scheiterns gegenüber inneren und äußeren Kräften – so sind Verfall der unternehmerischen Kräfte, Struktur der bürgerlichen Gesellschaft, Rückständigkeit und Fehlentwicklung der hansischen Wirtschaftspolitik, Ausbildung nationaler Wirtschaftssysteme und das Aufkommen der Territorialherrschaft zu nennen. Schon im 15. Jahrhundert waren die Zeichen eines Rückgangs der Monopolstellung der Hansestädte im Ostseehandel erkennbar. Ursprünglich wurde der Handel durch die Privilegien der Hansestädte in den Königreichen der Handelsgebiete gestützt. Doch die Schließung der Kontors in Novgorod 1494 und in Brügge zugunsten Antwerpens, aber auch die Schließung

des Stalhofes in London können als schrittweisen Niedergang des Einflusses der Hanse gewertet werden. Die Ostsee und die Gebiete rund um sie waren zu dieser Zeit stark umkämpftes Gebiet – die Konkurenz aus England, Holland und allen voran Dänemark machten dem Handel der Hanse schwer zu schaffen. Aber auch die Reformation erschütterte den Zusammenhalt der Hanse.

Der Phase des Niedergangs der Hanse wird in der Forschung zu meist nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In den einschlägigen Gesamtdarstellungen zur Hanse von Friedland bzw. Stoob werden diesem Zeitraum nur wenige Seiten gewidmet. Auch die Quellensammlungen wurden beinahe ausnahmslos nicht bis zum 17. Jahrhundert geführt.

Hier soll jedoch der Niedergang der Hanse im Mittelpunkt der Betrachtung stehen – dazu wurden folgende Fragen formuliert: Kam der verfassungsrechtliche Durchbruch der Hansestädte durch die Aufnahme in den Westfälischen Frieden 1648 zu spät? Hätte der Niedergang der Hanse aufgehalten, hätte die Teilnahme an den Hansetagen wieder verstärkt werden können?

Aus der genannten Fragestellung ergeben sich einige Teilfragen, die der Beantwortung vorangestellt werden müssen. Was wird unter dem Begriff ‚Hanse‘ verstanden? Was sind ‚Hansetage‘? Kann ein Zusammenhang zwischen der Teilnahme an den Hansetagen und dem Niedergang der Hanse gesehen werden, wie es die Frage suggeriert?

2. Abgrenzungen

Durch die Fragestelltung ergibt sich zunächst der Zwang zur Klärung bestimmter Begriffe. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff ‚Hanse‘? Hanse bedeutet zunächst und sehr allgemein ‚Schar‘, bzw. ‚Gemeinschaft‘ – seit dem 12. Jahrhundert wird unter dem Begriff ‚Hanse‘ ein engerer Sinn, nämlich die Gruppe oder Gemeinschaft reisender Kaufleute gemeint. Zudem bezeichnet ‚Hanse‘ auch die Abgaben, die für die Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppe gezahlt werden mußten, aber auch deren gemeinschaftliches Recht. Das Wort ‚Hanse‘ wird somit für eine Vielzahl von ‚Hansen‘ gebraucht.

Die Hanse besaß keine Souveränität, dies macht ein rechtliche Einordnung schwierig, denn sie blieb im Verband des Reiches und ihre Mitglieder standen weiterhin mehr oder weniger direkt unter der Gewalt verschiedener kirchlicher oder weltlicher Herrschaften. Die einzige Institution war der Hansetag, der recht selten und unregelmäßig zusammentrat und niemals vollzählig war. Ein solcher Hansetag war dazu da, alle Fragen die das Verhältnis der

Kaufleute und Städte untereinander oder die Beziehungen zu Handelspartnern im Ausland betrafen, zu diskutieren.

3. Kam der verfassungsrechtliche Durchbruch der Hansestädte durch die Aufnahme in den Westfälischen Frieden 1648 zu spät? Hätte der Niedergang der Hanse aufgehalten, hätte die Teilnahme an den Hansetagen wieder verstärkt werden können?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, gab es eine Vielzahl von Faktoren, die eine Rolle beim Niedergang der Hanse spielten. Hier soll nun der Reformation und ihren Auswirkungen besondere Beachtung in einem kurzen historischen Überblick geschenkt werden, kann man doch den Westfälischen Frieden 1648 – den Frieden von Münster und Osnabrück – als Schlußpunkt dieser Jahrzehnte andauernden Auseinandersetzung auch zwischen den Konfessionen sehen.

In Deutschland hatten sich die Gegensätze seit dem Augsburger Regligionsfrieden von 1555 verschärft: Die katholische Kirche hatte große Gebiete für den alten Glauben zurückgewonnen, neben den Lutheranern gab es größere calvinistische (refomierte) Gemeinden. Die Religionsparteien standen sich in Kampfbündnissen gegenüber – so wurde 1608 die protestantische Union und 1609 die katholische Liga gegründet. Der Prager Fenstersturz 1618 gilt gemeinhin als Auslöser für einen 30jährigen Krieg auf deutschem Boden. Er begann zunächst als Religionskrieg, wurde dann aber zum Machtkampf zwischen Kaiser und Fürsten und Städten, zwischen Schweden und dem Kaiser, zwischen Frankreich und Habsburg. Zunächst gelang es den Katholiken und dem Kaiser, die evangelischen Gegner zu besiegen und in Böhmen die Herrschaft der Habsburger wiederherzustellen. Trotz des Eintritts Dänemarks in den Krieg zur Unterstützung der Protestanten blieben die kaiserlichen Feldherren Tilly und Wallenstein siegreich. Als aber der Kaiser durch das Restitutionsedikt von 1629 zu mächtig zu werden schien, stellten sich auch die katholischen Fürsten gegen ihn. Als das Heer Wallensteins siegreich die Ostküste erreichte, trat König Gustav Adolf von Schweden auf die Seite der Protestanten. Er kämpfte ebenso für den Protestantismus wie für die schwedische Machtstellung an der Ostsee. Leiden und Verluste der Bevölkerung wurden außerordentlich groß.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Niedergang der Hanse:1474-1669
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
10
Katalognummer
V59316
ISBN (eBook)
9783638532952
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Text bearbeitet die Frage: "Kam der verfassungsrechtliche Durchbruch der Hansestädte durch die Aufnahme in den Westfälischen Frieden 1648 zu spät? Hätte der Niedergang der Hanse aufgehalten, hätte die Teilnahme an den Hansetagen wieder verstärkt werden können?"
Schlagworte
Niedergang, Hanse
Arbeit zitieren
M.A. Melanie Carina Schmoll (Autor), 2004, Der Niedergang der Hanse:1474-1669, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59316

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