Der altersdemographische Aufbau als Herausforderung für Gesundheitswissenschaftler


Hausarbeit, 2006

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Demographische Entwicklung
2.1. Ursachen des Wandels für die vergangene und zukünftige Entwicklung
2.2. Prognose 2001 - 2050
2.2.1. Der Zuwanderungszuschuss nimmt ab
2.2.2. Die Bevölkerung wird kleiner
2.2.3. Eigene Betrachtung
2.3. Lösungsansätze, die keine sind
2.4. Andere Lösungsansätze

3. Höhere Lebenszeiterwartung und die Folgen
3.1. Lebensarbeitszeit - Wie lange kann und wird gearbeitet?
3.2. Frühberentung – vorwiegend aus gesundheitlichen Gründen? - Ein kurzer Exkurs
3.3. Die Rentenkassenentwicklung
3.4. Mutmaßliche Lebensarbeitszeit

4. Alter ist nicht gleichbedeutend Krankheit, Leiden und Siechtum
4.1. Altersstereotypen
4.2. Revolutionierung durch die Babyboomer
4.3. Biologisch-physiologisches, psychologisches und soziales Altern
4.3.1. Verluste
4.3.2. Gewinne
4.3.3. Konstanten

5. Beispiele guter Praxis – Das Aging workforce und die Umsetzung
5.1. Definition Aging workforce
5.2. Gesundheitliche Förderung und Prävention am Arbeitsplatz
5.3. Arbeitsorganisation
5.4. Altersdiskriminierung

6. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang I

Anhang II:

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literatur

"Sich zur Ruhe setzen, heißt für mich soviel wie sich zum Sterben anschicken. Ein Mensch, der arbeitet und sich nicht langweilt, ist auch nicht alt. Nie im Leben! Arbeiten und sich für Dinge interessieren, die Interesse verdienen, sind die besten Heilmittel gegen Alter. Jeden Tag fühle ich mich wie neugeboren, jeden Tag fange ich wieder ganz von vorne an."

Cellist und Dirigent Pablo Casals

1. Einleitung

Die demographische Alterspyramide gibt es nicht mehr – sie hat sich mittlerweile in die Form einer Tanne verwandelt und nach demographischen Aussagen wird sie in den nächsten Jahrzehnten eher einer Urne oder einem Kebabspieß gleichen.

Als ich das erste Mal in diesem Semester mit dem Thema „Demographische Altersentwicklung und die Probleme für die Zukunft“ konfrontiert wurde, dachte ich, dieses Thema geht mich nichts an. Das meine Generation vermutlich keine Rente mehr bekommen wird, hatte ich verinnerlicht; nicht jedoch die Probleme, die durch „kranke, gebrechliche Alte“ auf die Bevölkerung zukommen. Innerhalb weniger Wochen wurde ich durch einen Unternehmensberater das zweite Mal auf dieses Thema aufmerksam gemacht.

Unser zukünftiges Problem scheint sich nicht nur darauf zu beschränken, dass die Pflegeversicherungen und die Rentenkassen leer sein werden und die Bevölkerung immer älter wird, da die Geburtenzahlen in Deutschland rückläufig sind. Ein weiteres Problem, dass in Zeiten hoher Arbeitslosenquoten kaum vorstellbar zu sein scheint, ist, dass wir bereits in wenigen Jahren zu wenige Arbeitskräfte haben.

Betriebe, die heute keine Mitarbeiter beschäftigen, die älter als 50 Jahre alt sind, müssen ab 2020 damit rechnen, für diese Art des Altersrassismus viel zu bezahlen. Wer heute überwiegend Mitarbeiter um die 40 beschäftigt, muss in der Zukunft auf einen Schlag mehr Stellen neu besetzten, als es Bewerber geben wird. Bei einer Arbeitslosenzahl von 5 Millionen erscheint dieses Szenario augenblicklich noch absurd, doch allein durch den Geburtenmangel wird es 2020 bereits vier Millionen weniger Bundesbürger in Deutschland geben (Grill 2006:76). Arbeiter und Angestellte werden zukünftig viel weniger Rente bekommen.

Nach genauerem Hinsehen wurde mir bewusst, dass mich und alle anderen nachfolgenden Generationen dieses Thema sehr interessieren muss, da wir die Alten von morgen sind. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren und müssen heute Maßnahmen ergreifen, um von den potentiellen sozialen Problemen der Zukunft nicht mit vollem Ausmaß getroffen zu werden.

Fasziniert von der These „die heutigen 40 jährigen einzufrieren“ und sie mit ihrem aktuellen Gesundheitszustand in die Jahre 2020 / 2030 zu transportieren, um genügend Humankapital zu haben, spürte ich, dass dieses Thema hoch aktuell ist.

Die Frage, die ich bearbeiten möchte heißt: Wie können Gesundheitswissenschaftler mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zur Gesunderhaltung der alternden Bevölkerung beitragen, um den Erwerbstätigkeitsprozess länger aufrecht zu erhalten?

Zur Analyse der Fragestellung werde ich im zweiten Kapitel der Arbeit auf die demographische Bevölkerungsentwicklung, deren Ursachen und die Prognosedaten für die nächsten Jahrzehnte eingehen, um mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen.

Im Kapitel drei wird die Lebenszeiterwartung und deren Folgen für die Rentenkassen und die Lebensarbeitszeit analysiert, um im darauf folgendem Kapitel aufzuzeigen, was in unserer Kultur „Alter“ bedeutet und wie wichtig die Gesunderhaltung der jetzigen Bevölkerung ist, um einer Frühverrentung vorzubeugen.

Das fünfte Kapitel der Arbeit zeigt einen Lösungsweg und Beispiele guter Praxis für die Gesunderhaltung von Mitarbeitern in Betreiben auf, damit diese möglichst lange am Erwerbsleben teilhaben können.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Ausblick für die Zukunft erfolgen im abschließenden Teil.

2. Demographische Entwicklung

Das Statistische Bundesamt vermeldete im Juni 2003, dass sich das Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Menschen in den nächsten Jahren zahlenmäßig erheblich verschieben wird. Nach Berechnungen des Statischen Bundesamtes wird im Jahre 2050 die Hälfte der Bevölkerung 48 Jahre alt, und ein Drittel 60 Jahre oder älter sein. Des Weiteren wird damit gerechnet, dass die Einwohnerzahl trotz Zuwanderungsraten aus dem Ausland langfristig zurückgehen wird.

Seit 30 Jahren sterben in Deutschland mehr Menschen, als geboren werden. Dieser Trend wird sich in den nächsten fünf Jahrzehnten weiter fortsetzen. Vermutet wird, dass die jüngeren Altersjahrgänge bis zum Alter von etwa 50 Jahren einen wesentlich kleineren Umfang annehmen, als die der über 50 Jährigen (Statistisches Bundesamt 2003).

In Grafik 1 sind die Veränderungen von 2001 bis zu den prognostizierten Daten im 2050 bildlich dargestellt. Wie kommt es zu diesen angenommenen Veränderungen?

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland in den Jahren 2001 und 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Statistisches Bundesamt 2004: 59)

2.1. Ursachen des Wandels für die vergangene und zukünftige Entwicklung

Backes und Clemens (2003:34) nennen mehrere Gründe für die Veränderung von der Bevölkerungspyramide zur Urne: Zum einen sind es die demographische Auswirkungen von politischen Ereignissen. Durch die Weltkriege gab es weniger Geburten, es gab die Weltwirtschaftskrise und Gefallene und Opfer von Kriegen, die zur Veränderung der Bevölkerungsentwicklung betrugen.

Zum anderen traten im Anschluss an diese Phasen medizinische Fortschritte in den Vordergrund. Durch verbesserte hygienische Umstände nahm die Säuglingssterblichkeit ab und eine Senkung der Sterblichkeit von älteren Menschen konnte erreicht werden. In den 60er Jahren des 20sten Jahrhunderts gab es medizinische Möglichkeiten der Empfängnisverhütung (die „Pille“).

Soziale und wirtschaftliche Bedingungen verändern ebenfalls die Geburtenrate. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheiten bekommt die Bevölkerung weniger Kinder.

Zuletzt wäre noch das Wanderungsgeschehen gegenüber dem Ausland zu nennen. Kommen viele Menschen aus dem Ausland zu uns oder gehen viele Menschen aus Deutschland, wirkt sich das auf die Bevölkerungsentwicklung aus.

2.2. Prognose 2001 - 2050

Für die Prognose von 2001 bis 2050 wurden die Ergebnisse der mittleren Variante (5) der 10. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung herangezogen.

Folgende Annahmen liegen zugrunde:

- Die Geburtenhäufigkeit bleibt während des gesamten Zeitraums der Vorausberechnung bei 1,4 Kinder pro Frau;
- die Lebenserwartung bei Geburt steigt bis 2050 für Mädchen auf 86,6 Jahre und für Jungen auf 81,1 Jahre; die "fernere" Lebenserwartung beträgt 2050 für 60-jährige Frauen 28 weitere Lebensjahre und für gleichaltrige Männer etwa 24 Lebensjahre;
- der Außenwanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung beträgt 200.000 jährlich; die Nettozuwanderung der Deutschen geht von etwa 80.000 im Jahr 2002 schrittweise zurück bis zum Nullniveau im Jahr 2040.

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung, Variante 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Datenbasis: Pötzsch/Sommer 2003:42

Bei Betrachtung der aktuellen Zahlen, die im Juli 2006 vom Statistischen Bundesamt vorgelegt wurden, wird deutlich, dass die Realität anders aussieht, als prognostiziert.

2.2.1. Der Zuwanderungszuschuss nimmt ab

Gab es im Jahr 2002 noch einen Gesamtzuwanderungssaldo von 167.100 Menschen, beträgt dieser im Jahr 2005 nur noch 79.000. Der Zuwanderungssaldo ausländischer Mitbürger betrug im Jahr 2005 92.700. Zusätzlich verlassen immer mehr Deutsche das Land. Mit 144.800 Fortzügen gab es die höchste registrierte Abwanderung seit 1950. Da nur 128.100 Deutsche aus dem Ausland zurückkamen, liegt auch hier ein Negativsaldo von 16.800 Menschen vor. Das ist weit entfernt vom mittleren Wanderungssaldo der angenommen Variante 5 des Statistischen Bundesamtes von 200.000 Menschen.

Tabelle 1: Veränderungen von Zu- und Abwanderung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Datenbasis: http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p2690025.htm

2.2.2. Die Bevölkerung wird kleiner

Seit Jahren kommen in Deutschland immer weniger Kinder auf die Welt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2005 nur 685 784 Geburten (Ärztezeitung 2006). Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Geburtenzahl von 700 000 nach unten durchbrochen. Die Geburtenhäufigkeit der Frauen in Deutschland liegt heute bei statistischen 1,3 Kinder pro Frau (siehe Tabelle 2 /Seite 9).

2.2.3. Eigene Betrachtung

Aus demographischer Sicht ergibt sich folgendes Szenario: Die augenblickliche demographische Erscheinung einer „Tanne“ wird sich bis ins Jahr 2050 zu einer Urne verformen. Höchstwahrscheinlich mit einer höheren Geschwindigkeit, als bisher prognostiziert, da die Geburtenzahlen stärker abnehmen als erhofft; immer mehr Deutsche ins Ausland auswandern und immer weniger Ausländer nach Deutschland kommen oder in Deutschland bleiben.

Ausgehend von den oben erläuterten Ergebnissen sollte zur Betrachtung der folgenden Untersuchung die Variante 7 in Tabelle 2 der Bevölkerungsentwicklung herangezogen werden. Diese Variante geht von folgenden Faktoren aus:

- Hohe Lebenserwartung mit einem Altenquotient[1] mit Altersgrenze 65 Jahre
- Niedrigem Wanderungssaldo von mindestens 100.000[2]
Verglichen mit der Variante 5 in Tabelle 3 des Statischen Bundesamtes führt dies zu folgenden Ergebnissen:
- Die Gesamtbevölkerung in Deutschland wird nicht erst nach den Jahren 2020 abnehmen, sondern weist bereits heute eine negative Wachstumsrate aus.
- Die Geburtenzahlen nehmen immer weiter ab. Die Gesamtfruchtbarkeitsrate in Deutschland lag 2004 bei 1,3 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter. Die Schere zwischen der Anzahl der Geburten und Anzahl der Todesfälle ist zu Ungunsten der Geburtenzahlen geöffnet und wird sich immer weiter voneinander entfernen. Selbst eine potentiell höhere Anzahl von Sterbefällen in der Zukunft wird daran nichts ändern.
- Die Zahl der 65jährigen und älteren Menschen steigt stärker an als angenommen.
- Die Variante 5 geht davon aus, dass im Jahre 2020 22 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sein werden. 2030 liegt der Anteil bei 26,6 % und in 2050 bei 29,6 % der Bevölkerung.
- Ausgehend von der Variante 7 liegen die Zahlen im Jahr 2020 bei 22,7 %, 2030 bei 28,1 % und 2050 bei 32,5 % der Bevölkerung.

[...]


[1] Beschreibt, wie viele Menschen im Rentenalter auf 100 Erwerbstätige kommen

[2] Wie Tabelle 1 auf Seite 7 zeigt, liegt er zur Zeit mit 79.000 Menschen noch tiefer

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der altersdemographische Aufbau als Herausforderung für Gesundheitswissenschaftler
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Soziale Probleme und Lebenslagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V60932
ISBN (eBook)
9783638544955
ISBN (Buch)
9783638667692
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufbau, Herausforderung, Gesundheitswissenschaftler, Soziale, Probleme, Lebenslagen
Arbeit zitieren
Ulrike Binias (Autor), 2006, Der altersdemographische Aufbau als Herausforderung für Gesundheitswissenschaftler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60932

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