Was ist Korruption - Definition, Formen, Erfassung


Seminararbeit, 2006

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung - Problemstellung und Vorgehensweise

2. Was ist Korruption? - Definition

3. Wie kann man Korruption kategorisieren? - Formen

4. Wie misst man Korruption? - Erfassung

5. Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Schematische Darstellung des Prinzipal-Agent-Modells

Abbildung 2 - Korruptionsverfahren und -straftaten vs. CPI in Deutschland

Abbildung 3 - Korrelationsmatrix

Abbildung 4 - Verschiedene Indices mit Korruptionsbezug

Abbildung 5 - Legalstatistik Korruption und CPI in Deutschland

Abbildung 6 - Korrelationsmatrix

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung - Problemstellung und Vorgehensweise

Korruption ist weder temporär, noch geografisch oder sozial begrenzt. Dieses komplexe und vielschichtige Phänomen hat multiple Ursachen und Wirkungen, während es verschiedene Formen und Funktionen in verschiedenen Kontexten annimmt. Das Problem der Korruption reicht vom simplen Akt einer gesetzeswidrigen Zahlung bis hin zu endemischen Funktionsstörungen wirtschaftlicher und politischer Systeme (Andvig et al. 2001:4, Kaufmann 1997:13). Nye (1967:419) ging sogar so weit, es als Perversion beziehungsweise den Wechsel von Gut zu Böse zu bezeichnen. Tatsächlich würde die grobe Übersetzung anhand des lateinischen Ursprungs „corrumpere“, Korruption als moralischen Verfall bezeichnen. Um Korruption in einem analytischen Kontext zu bearbeiten, ist es jedoch nötig, diesen gesellschaftlichen Vorgang etwas genauer zu definieren, als von bloßer ethischer Erosion auszugehen (Kaufmann 1997:2).

Im ersten Teil wird versucht, eine rudimentäre Übersicht existierender Definitionsansätze zu geben. Zum Verständnis der Struktur des Problems wird in diesem Zusammenhang etwas ausführlicher auf die Anwendung des Prinzipal-Agent-Models auf korrupte Vorgänge eingegangen. Der zweite Teil beleuchtet die verschiedenen Formen und Ausprägungen der Korruption. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Unterscheidung bürokratischer und politischer Korruption, da dieser Kategorisierung in der verwendeten Literatur besondere Signifikanz zugeordnet wurde. Im dritten Teil dieser Arbeit werden mögliche Vorgehensweisen bei der empirischen Quantifizierung von Korruption vorgetragen. Der praktische Aspekt der Erfassung und die damit verbundene Kritik soll dabei im Vordergrund stehen. Im letzten Abschnitt sollen Erkenntnisse und die wichtigsten Akzente der Arbeit zusammengefasst werden.

Die vorliegende Arbeit hat nicht den Anspruch, die Gesamtheit aller bestehenden Definitionen, Formen und Analyseansätze zu aggregieren, soll aber dem geneigten Leser die Möglichkeit eröffnen, sich einen strukturierten Eindruck über das behandelte Phänomen zu verschaffen.

2. Was ist Korruption? - Definition

Die Forschung beschäftigte sich in den vergangenen Jahren vermehrt mit der Klassifikation der unterschiedlichen Formen und Subformen von Korruption, mit dem Ziel, ein universell valides und analytisch anwendbares Konzept zu formulieren.

Das Problem der Korruption erwächst hauptsächlich, aber nicht exklusiv1, aus der Interaktion zwischen Staat und Marktwirtschaft (Tanzi 1998:8ff., Andvig et al. 2001:1ff.). Abed und Davoodi (2000:4) reduzieren Korruption auf ein Symptom für die Schwäche wirtschaftlicher und politischer Strukturen und Systeme, welche den Ursprung dessen bilden, was im Zusammenhang mit arbitragären Akten als Korruption im öffentlichen Sektor wahrgenommen wird. Prinzipiell ist Korruption überall dort zu finden, wo Gewinne - meist in Zusammenhang mit staatlicher Regulierung - zu machen sind, und Beamte mit Handlungsfreiheit diese zuteilen (Mauro 1998:11).

Das Phänomen der Korruption ist aus ethischer Perspektive betrachtet zwischen der Sphäre des moralisch Akzeptierten, aber Illegalen und dem sowohl Illegalen als auch Unmoralischen anzusiedeln und stellt damit den potentiellen Konflikt zwischen Handlungsethik und Ordnungsethik dar (Pies 2003:1ff.).

In der klassischen Definition von Nye (1967:419) ist Korruption ein von den formalen Aufgaben einer öffentlichen Position zur Erlangung privater Vorteile deviantes Verhalten. Diese Vorteile können sowohl monetärer als auch nicht-monetärer Natur sein. Weiterhin versteht Nye unter privat neben den handelnden Personen auch deren Familien und Mitglieder anderer sozialer Strukturen. Diese Definition beinhaltet weder die Verletzung moralischer Standards der betrachteten Gesellschaft noch die Überlegung, ob das abweichende Verhalten von öffentlichem Interesse sein könnte. Der Ausschluss von kulturellen Differenzen bei der Wahrnehmung von korruptem Verhalten zielt darauf ab, eine zwischen- staatliche Vergleichbarkeit zu garantieren, da die Grenze für sozial- akzeptables Verhalten nicht universell ist (Sissener 2001:18).

Die enzyklopädische Definition, auf deren Basis unter anderem die Weltbank und der IMF arbeiten, besagt, dass Korruption „the abuse of public power for private benefit“2 sei. Anders als bei Nye ist diese Definition nicht abhängig vom nationalen Legal-Status des jeweiligen Akts. Damit wird dem Argument Rechnung getragen, dass Korruptionswahrnehmung abhängig von der Kultur, dem Alter, dem sozialen Klima und den sozialen Gruppen einer Gesellschaft ist (Gallup 1999:1). Auch wenn die meisten Nationen korrupte Handlungen als illegal einstufen, mag die Kategorisierung, was als korrupt bezeichnet werden kann, kulturbedingte legislative Varianzen zwischen einzelnen Staaten aufweisen. Außerdem geht eine rechtsgestützte Definition implizit vom Vorhandensein eines politischen Systems aus, dessen gesetzlicher Rahmen neutral, objektiv und unpolitisch ist - was relativ unrealistisch erscheint (Sissener 2001:4). Nichtsdestotrotz wurde weiterhin Kritik an dieser Definition aufgrund ihrer Exklusivität der Betrachtung des Verhaltens von staatlichen Beamten unter Ausschluss jeglicher Reflektion über die Rolle des privaten Sektors geübt (Thomas / Meager 2004:3). Transparency International nahm sich

der erwähnten Kritik an und definierte Korruption als „the misuse of entrusted power for private gain“ (Transparency International 2006). Die Asian Development Bank geht noch einen Schritt weiter und definiert Korruption als „the behaviour on the part of officials in the public and private sectors, in which they improperly and unlawfully enrich themselves and/or those close to them, or induce other to do so, by misusing the position in which they are placed” (Asian Development Bank 2006).

Aufgrund der dem Phänomen anhaftenden Erfassungskomplikationen wird in wissenschaftlich-empirischen Untersuchungen die Definition oft stark spezifiziert. Shleifer und Vishny (1993:599) reduzierten mit ihrem Definitionsbegriff Korruption auf den Verkauf von öffentlichen Gütern durch öffentliche Institutionen oder Personen zur Erlangung eines privaten Vorteils als die Korruption eines Staates, um eine geeignete Messgröße zu erhalten.

Die Definitionen des Aktes der Korruption zeichnen sich also meist durch zwei Elemente aus. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass die Betroffenen vor dem Hintergrund von potenziellem Gewinn und den damit verbundenen Kosten im Kontext nutzenmaximierender Strategien (Rose-Ackermann 1999:4) entscheidet. Das zweite entscheidende Element einer korrupten Handlung ist der Missbrauch von Autorität (oder Vertrauen) beziehungsweise eine unautorisierte Transaktion (Groenendijk 1997:217ff.).

Die Prinzipal-Agent-Theorie wird in der Literatur oft zur Analyse des Phänomens herangezogen. Prominente Vertreter dieser Herangehensweise sind unter anderen Rose-Ackerman, Andvig und Klitgaard (Groenendijk 1997:208). Diese Theorie arbeitet mit einem Modell, welches das Verhältnis eines Auftraggebers und seines Vertreters reflektiert und berücksichtigt dabei sowohl Aspekte der Eigentumsrechts- als auch der Transaktionskostentheorie. Es wird angenommen, dass die Interessen von Prinzipal und Agent divergieren und eine Informationsasymmetrie zu Gunsten des Agenten vorherrscht - der Prinzipal jedoch die „pay-off rules“3 in diesem Verhältnis vorschreiben kann. Meist werden in der Literatur die Annahmen getroffen, dass der Agent die Resultate nicht absolut bestimmen und der Prinzipal die Handlungen seines Agenten nicht kostenfrei überwachen kann. Auch in dieser Betrachtungsweise sind Entscheidungen (i.e. für oder gegen korruptes Handeln) das Ergebnis der Abwägung involvierter Kosten und Gewinnchancen (Groenendijk 1997:210, Andvig et al. 2001:81).

Die Kosten des Agenten setzen sich zusammen aus den Aufwendungen durch die Verschleierung und Geheimhaltung seines Handelns, dem Risiko eines Misserfolgs (i.e. die Entdeckung seines Handelns durch den Prinzipal), moralischen Kosten und den Aufwendungen durch Suche und Selektion seines „Geschäftspartners“ sowie durch die Verhandlungen mit selbigem. Die letzteren zwei Kostenposten können allerdings in Abhängigkeit von den anfänglichen Intentionen des Agenten entfallen. Dem entgegen stellt sich der durch den Klienten bereitgestellte Gewinn (Groenendijk 1997:213) bzw. ein potentieller Nutzenzuwachs.

In die so genannte korrupte Transaktion müssen also dem Modell zufolge mindestens drei Institutionen oder Individuen verwickelt sein. Der Prinzipal (P), als Individuum oder Rechtsperson, welcher an die Reglementierung der ihm innewohnenden Position gebunden ist. Für P wird meist angenommen, dass er ehrlich ist. Der Agent (A), welcher sich an die Vorgaben halten sollte, fungiert als Transmitter für die Weisungen und Ziele P’s. Und der Klient (C), dessen Interessen von den Handlungen des Agenten beziehungsweise von den Weisungen P’s abhängig sind oder beschränkt werden (Gambetta 2000, Klittgaard 1988). Der Korruptionsakt kann sowohl von C als auch von A initiiert werden und ist danach zu unterscheiden.

Abbildung 1 - Schematische Darstellung des Prinzipal-Agent-Modells

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Paradoxerweise könnten auch Handlungen des Agenten mit der Absicht der Steigerung des Ergebnisses für den Prinzipal vor dem Hintergrund seiner nicht verifizierbaren Informationen - sich implizit aus der Expertise in seinem Arbeitsfeld ergebend - auch als Korruption wahrgenommen werden (Prendergast 2000:21).

Bei der Untersuchung von Korruption im Prinzipal-Agent-Modell werden, abhängig von der Zielsetzung, die Beziehungen zwischen P und A sowie zwischen A und C analysiert. Die Konditionen der verschiedenen Modelle hängen vom Fokus der jeweiligen Untersuchung ab. Groenendijk (1997:214) argumentiert, dass dem (seinem) Modell nicht notwendigerweise eine Hierarchie oder Delegation von Autorität zu Grunde liegen muss, sondern lediglich ein Vertrauensverhältnis zwischen P und A, um eine Allgemeingültigkeit zu garantieren.4

Die Basis des Modells bleiben trotz mannigfaltiger Variationen, wie schon erwähnt, die Zieldivergenz der einzelnen Akteure sowie eine vorherrschende Informationsasymmetrie (Andvig et al. 2001:80ff.). Weiterhin funktioniert das Modell nur unter der Annahme, dass der Prinzipal seine Machtstellung nutzen will, um die korrupten Handlungen des Agenten zu beenden, und Kontrolle über das Anreizsystem des Agenten besitzt. Außerdem wird eine gewisse Handlungs- und Entscheidungsfreiheit des Agenten vorausgesetzt. Es muss festgehalten werden, dass das Modell nicht auf systematisch korrupte Staaten anwendbar ist (Thomas / Meager 2004:14, Frank 2004:185).

3. Wie kann man Korruption kategorisieren? - Formen

Jede Form von (staatlicher) Macht kann theoretisch ge- oder verkauft werden. Dies schließt sowohl eine selektive Exekutive als auch eine auf Einzelinteressen ausgerichtete Legislative oder Judikative ein. Der erlangte Vorteil kann für die involvierte Person, ihre Familie, Freunde, Geschäftspartner und präferierte politische und ethnische Gruppen von Vorteil sein. Korruption kann dabei Zwang und physische Gewalt umfassen (Thomas / Meager 2004:2).

Nicht alle Korruptionsakte stehen mit der Transaktion von Werten in Verbindung. Ein öffentlicher Angestellter, der angibt, wegen Krankheit nicht zur Arbeit erscheinen zu können, aber in den Urlaub fährt, missbraucht seine Position für private Vorteile.

[...]


1 Tritt auch bei der Interaktion einzelner Organisationsstufen und -verzweigungen von Systemen auf (Andvig et al. 2001:7) bzw. in rein privatwirtschaftlicher Sphäre (Arandoña 2003).

2 Vgl. Tanzi 1998:8, Gray / Kaufmann 1998.

3 Der Prinzipal setzt Anreize und Strafdrohungen (Lambsdorff 2004:201).

4 Klitgaard (1988) ging zum Beispiel von einer hierarchischen Struktur aus.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Was ist Korruption - Definition, Formen, Erfassung
Hochschule
Universität Bayreuth  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre )
Veranstaltung
Blockseminar zu Problemen der Korruption im Sommersemester 2006
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V61388
ISBN (eBook)
9783638548571
ISBN (Buch)
9783656532200
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korruption, Definition, Formen, Erfassung, Blockseminar, Problemen, Korruption, Sommersemester
Arbeit zitieren
Marcus Böhme (Autor:in), 2006, Was ist Korruption - Definition, Formen, Erfassung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61388

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