Die Stiftung des Allerheiligenkapitels am Hohen Dom zu Sankt Stephan


Seminararbeit, 1996

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Die Allerheiligenkapelle in der Wiener Burg

2 Die Gründung des Kapitels
2.1 Der Gründungsvorgang
2.2 Der erste Stiftsbrief
2.3 Der zweite Stiftsbrief

Literatur

1 Die Allerheiligenkapelle in der Wiener Burg

Rudolf IV., der Sohn des um die Bistumsgründungsangelegenheiten nicht sehr tätigen Albrecht II. des Lahmen, wandelte noch zu Lebzeiten seines Vaters im Jahre 1356[1] den Raum im Hauptturm der Wiener Burg neben dem Widmertor, in dem er aufgezogen wurde, in eine Kapelle „in honorem sanctae et individuae trinitatis, corporis et sanguinis domini nostri Jesu Christi, gloriosae Mariae virginis, sanctorum omnium angelorum et electorum dei“[2] um.

Durch Albrecht II. wurde für diese Kapelle und für alle Güter, die sein Sohn oder andere dafür gegeben haben oder noch geben werden am dritten Dezember 1356[3] ein Schutzbrief ausgestellt. Schon am sechsten Dezember[4] bestätigte Rudolf mit väterlicher Zustimmung diese Stiftung. Mit der Urkunde vom 17. März 1357[5] wird der Kapelle Immunität und Steuerfreiheit zugesichert. Am 29. April 1357[6] bestätigt Albrecht II. alle von seinem Sohn verliehenen Rechte. Rudolf setzt schließlich am 13. Mai 1357[7] Strafen für die ungerechte Behandlung der Diener dieser Kapelle fest. Im selben Jahr[8] wurde von Rudolf IV. eine Gottesdienstordnung für die Allerheiligenkapelle erlassen, die sein sonst nicht faßbarer Kaplan Wülfingen durchführen und im Falle seiner Abwesenheit der Pfarrer von Sankt Stephan Leopold und der Wiener Bürger Hans von Tirna überwachen sollten. Für die der Stiftung gewidmeten Reliquien behielt sich der Prinz vor, über dem Heiligtumsschatz selbst zu verfügen.

Am 9. Februar 1358[9] bestätigte Rudolf nochmals die Kapellenstiftung und zwar als Regent der Vorlande, da er nun ein eigenes Siegel führte. Durch Kaiser Karl IV. ließ der Herzog am 27. Juli 1357[10] eine Schutzurkunde ausstellen.

Das letzte Mal erscheint die Allerheiligenkapelle 1359[11] anläßlich der Verleihung eines Ablasses durch Friedrich von Regensburg in den Quellen.

Offenbar wurde sie 1365 mit der Errichtung des Kollegiatsstiftes aufgelassen[12].

Von besonderem Interesse ist, daß in allen Urkunden die Allerheiligenkapelle betreffend nur allgemein von ihren Gütern und Grundholden die Rede ist, aber konkrete Besitzungen niemals genannt werden. Daraus ist zu schließen, daß die Kapelle niemals eine Dotation besaß, sondern diese nur geplant war. Außerdem wurde 1358 vom Papst Innozenz VI. über Rudolfs Bitten ein exemtes Kollegiatsstift für die Kapelle bewilligt. Dieses war wohl von Anfang an für St. Stephan bestimmt.

Aus diesen beiden Punkten läßt sich schließen, daß die Kapellenstiftung, bloß als eine Vorbereitung einer Kapitelerrichtung an der Hauptkirche der Stadt zu St. Stephan dienen sollte[13].

Es ist auf alle Fälle anzunehmen, daß Rudolf sich schon zu Lebzeiten seines Vaters mit dem Gedanken einer Kapitelgründung beschäftigte. Bereits früh stand Rudolf unter dem Einfluß seines Hauptratgebers des Klerikers Johann Ribi von Lenzburg, der als sein Erzieher gelten kann und den der Herzog unmittelbar nach seinem Regierungsantritt zum Kanzler ernannte.

Dem listenreichen Ribi von Lenzburg, der auch an der Herstellung des „Pivilegium maius“ maßgeblich beteiligt war, ist es durchaus zuzutrauen, daß er zusammen mit Rudolf die Pläne zur Umgehung des Passauer Bischofes zur Gründung eines Pfalzkapitels als Vorstufe einer Diözese entwarf.

Der Haupttitel der Kapelle erinnerte nicht nur an Rudolfs Geburtstag sondern auch an das Pfalzstift Karl IV. und an die französischen Königskapellen. Wie auch bei vielen seiner weiteren Stiftung ist hier das Vorbild des Kaisers erkennbar.

2 Die Gründung des Kapitels

2.1 Der Gründungsvorgang

Die allgemeine Ansicht in Handbüchern und Spezialliteratur war, daß das von Herzog Rudolf IV. 1358 in der Burg gegründete Kapitel 1365 nach St. Stephan übertragen wurde[14]. Die Untersuchungen von V. Flieder ergaben jedoch, daß keine Übertragung des Kapitels stattfand, sondern es erst 1365 zu St. Stephan errichtet wurde.

Wie bereits erwähnt wandte sich Rudolf IV. nach dem Tode seines Vaters an die Kurie mit der Bitte, in der von ihm gegründeten Kapelle ein Kollegiatsstift errichten zu dürfen.

Am 31. Dezember stellt Papst Innozenz VI. zwei diesbezügliche Bullen aus.

In der ersten wurde die Bitte des Herzogs bewilligt. Das Stift sollte 24 Kanoniker, unter ihnen mehrere Dignitäten, sowie einen Propst und daraus folgend 25 Präbenden umfassen. Weiters waren 26 Kapläne vorgesehen, davon zwei für den Probst zur Vertretung und Hilfeleistung. Als Präbende wurden für den Propst 300, für die anderen Kanoniker 100 Goldgulden festgesetzt. Als Chorkleidung war für den Propst und die Kapläne ein roter Talar, weißes Superpelliz und eine rote Cappa mit goldenem Kreuz an der rechten Brustseite vorgesehen. Mit der Durchführung dieser Bestimmungen wurden die Bischöfe von Gurk und Lavant und der Wiener Schottenabt betraut.

[...]


[1] Zschokke, Hermann: Geschichte des Wiener Metropolitan-Capitels zum Heiligen Stephan in Wien.

Wien 1895 S. 3f.

[2] Flieder, Viktor: Stephansdom und Wiener Bistumsgründung. Eine Diözesan- und rechtsgeschichtliche

Untersuchung. Wien 1968. S. 137.

[3] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien. Wien 1895 - 1918. 1/4, n. 3503.

[4] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3504.

[5] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3505.

[6] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3506.

[7] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3507.

[8] Zschokke 8f.

[9] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3508.

[10] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/3, n. 3157.

[11] Quellen zur Geschichte der Stadt Wien 1/4, n. 3990.

[12] An dieser Stelle sei angemerkt, daß die Allerheiligenkapelle mit der Hofburgkapelle nichts zu tun hatte. Diese wurde bereits 1296 von Albrecht I. gestiftet.

[13] Flieder 139.

[14] Flieder 140.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Stiftung des Allerheiligenkapitels am Hohen Dom zu Sankt Stephan
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Kirchengeschichte)
Note
1,0
Autor
Jahr
1996
Seiten
11
Katalognummer
V63284
ISBN (eBook)
9783638563673
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alte Rechtschreibung!
Schlagworte
Stiftung, Allerheiligenkapitels, Hohen, Sankt, Stephan, Stefan, Rudolf, der Stifter, der Vierte, IV., Wien, Habsburg, Habsburger, Kirche
Arbeit zitieren
Mag. phil. Thomas Haviar (Autor), 1996, Die Stiftung des Allerheiligenkapitels am Hohen Dom zu Sankt Stephan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63284

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