Das Verhältnis Albrecht I. und Heinrich VII. zum Papsttum


Seminararbeit, 1996
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Albrecht
1.1 Albrecht und Bonifaz VIII
1.2 Albrecht und die Päpste von Frankreichs Gnaden - Benedikt XI. und Clemens V

2 Heinrich VII.
2.1 Heinrich VII. und Clemens V
Literatur

1 Albrecht

1.1 Albrecht und Bonifaz VIII.

Nach dem Tode Adolfs ließ sich Albrecht, der, wie bekannt ist, bereits als Gegenkönig erwählt wurde, am 27. Juli noch einmal von allen Kurfürsten in Frankfurt wählen und am 24. August in Aachen krönen. Albrecht hatte im Gegensatz zu Adolf, der sich mit England verbündete, bereits 1295, als er mit Frankreich Verhandlungen über Heiratsangelegenheiten aufnahm, seine Bündnispolitik zugunsten der Kapetinger ausgerichtet.[1] Diese Bündnispolitik und der habsburgische Anspruch auf das nach dem Aussterben Arpaden 1290 verwaiste Ungarn, wo nun die Thronfolge strittig war, worauf Rudolf seinen Sohn Albrecht das Königreich als Lehen des Römischen Reiches übertrug, obwohl Nikolaus IV. die Entscheidung für sich forderte, denn Ungarn gehöre der Kirche[2], waren für Bonifaz VIII., der in Ungarn eine Thronbesteigung durch die Anjou bevorzugte, wohl Gründe für die anfänglich Gegnerschaft zu Albrecht. Bonifaz betonte sein Recht auf Prüfung der Eignung des Gewählten wie auch der Rechtmäßigkeit der Wahl selbst und distanzierte sich sodann von Albrecht[3]. Wohl hatten die Kurfürsten ihm die Wahl angezeigt, doch nur mit der Bitte um Kaiserkrönung, nicht um Approbation. Die Gesandtschaft, die nach Jahresfrist nach der Krönung am päpstlichen Hof erschien, erfuhr schroffe Zurückweisung. Bonifaz hatte zwar zunächst gegen Adolfs Absetzung keinen Protest erhoben, jedoch galt für ihn der deutsche Thron als vakant und Albrecht mangels Approbation seiner Wahl nicht als König, sonder eben nur als Herzog von Österreich. Er wurde vom Papst nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Der König ließ sich davon aber nicht abhalten, in der Toskana und der Lombardei Regierungsverhandlungen aufzunehmen.

Außerdem versuchte er, der mit französischer Hilfe gegen Adolf emporgekommen war, nun dieses Bündnis zu vertiefen. Im Dezember 1299 wurde in Quatrevaux bei Toul nahe der deutsch-französischen Maasgrenze ein Bündnis zwischen Philipp und Albrecht geschlossen. Schon vorher wurde die Heirat der Tochter des französischen Königs Blanca mit Albrechts Sohn Rudolf vereinbart.

Auf diese Verbindung gestützt wiederholte Albrecht sein Gesuch beim Papst. Im Frühling 1300 erschien eine deutsche Gesandtschaft gemeinsam mit einer französischen in Rom. Den beiden Abordnungen standen Albrechts Kanzler Johann von Zürich und der französische Kronjurist Wilhelm von Nogaret vor. Der in seiner Wortwahl sehr aufbrausende Papst erging sich vorerst in barschen Vorwürfen gegen die Gesandten. Später erklärte er sich aber bereit, Albrecht als Kaiser und König anzuerkennen, wenn dieser Toskana der Kirche überlasse. Begründet wurde diese Forderung damit, daß durch die „Translatio imperii“ alle Herrschaftsrechte im Imperium und Regnum vom Papst gegeben sein, aber oft schlecht verwaltet worden waren und zurückgenommen werden können.

Bonifaz war sich seiner Sache so sicher, daß er den abreisenden Gesandten einen Boten folgen ließ, der dem König ein fertiges Dokument, die geforderte Abtretung enthaltend, nachsenden ließ. Außerdem erließ der Papst eine Aufforderung an die Kurfürsten dieser Maßregel zuzustimmen. Der Inhalt dieser Dokumente eröffnet einen Blick auf die Gedankenwelt des Papstes. Den Kurfürsten schreibt er, daß er vorgezogen habe, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl er ohne ihr Zutun dazu befugt sei, „da alles, was das Kaisertum besitzt, von der Kirche herrührt“[4]. Seine Aussagen über die päpstlichen Herrschaftsrechte seien nun wörtlich wiedergegeben: „Der apostolische Stuhl von Gott eingesetzt, um auszureißen und zu zerstören, aufzubauen und zu pflanzen, der die Herrschaft über das Haus Gottes und die Hoheit über sein ganzes Eigentum besitzt, dem alle Seelen als einer höheren Macht sich unterwerfen müssen: durch den die Fürsten herrschen, die Mächtigen Rechte sprechen, die Könige regieren und die Gesetzgeber bestimmen was Recht ist; den die hochberühmten Apostel Petrus und Paulus gemeinsam mit Christus dem Herrn geweiht und dem sie durch ihre Gegenwart den Vorrang vor allen Städten und vor der ganzen Welt verliehen haben: dieser apostolische Stuhl hat das römische Kaisertum in der Person des großen Karl auf die Deutschen übertragen und bestimmten geistlichen und weltlichen Fürsten das Recht verliehen, den römischen König zu wählen, der zum Kaiser zu erheben ist. Was immer das römische Kaisertum oder Königtum an Ehre, Vorrang, Würde und Herrschaft besitzt, das stammt von der Gnade, von der Güte und Verleihung dieses Stuhles her, von dem die römischen Kaiser und Könige je zu Zeiten die Schwertesvollmacht empfangen haben zum Lobe der Guten und zur Züchtigung der Übeltäter. Und zum Zwecke vor allem, ist die genannte Übertragung erfolgt, daß die jeweiligen römischen Kaiser und Könige gegenüber dem mehrerwähnten Stuhl als wackere Vögte und vornehmliche Verteidiger sich erweisen.“[5]

Der Entwurf der Schenkungsurkunde, die dem König gesandt wurde, mutete ihm zu, diese Sätze als Bekenntnis zu wiederholen. Diese Forderungen waren längst von der Theologie und Kanonistik entwickelt worden. Bonifaz wendet sie hier seinem Naturell entsprechend in letzter Konsequenz und besonderer Strenge an. Kurz gesagt, er als Papst ist Gebieter über die Menschen, von seinem Stuhle rührt alle irdische Herrschaft und jedes Recht, besonders das deutsche Kaisertum mit allem was dazugehört, auch dem Wahlrecht der Kurfürsten.

[...]


[1] Bruno Gebhart, Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 1 (Stuttgart 91973) S. 498.

[2] Johannes Haller, Das Papstum. Idee und Wirklichkeit, Bd. 5 (Stuttgart 1965) S. 103.

[3] Hans Wolter, Die Krise des Papsttums im Ausgang des 13. Jahrhunderts (1274 - 1303). In: Hubert Jedin (Hg.), Handbuch der Kirchengeschichte, Bd. III/2 (Freiburg 1985) S. 350.

[4] Haller 106.

[5] Haller 106.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis Albrecht I. und Heinrich VII. zum Papsttum
Hochschule
Universität Wien  (Institut für österreichische Geschichtsforschung)
Note
2,0
Autor
Jahr
1996
Seiten
12
Katalognummer
V63292
ISBN (eBook)
9783638563734
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis, Albrecht, Heinrich, Papsttum, Bonifaz, Achte, VIII., Clemens, Fünfte, Siebente, Siebte, VII., Benedikt, Neunte, IX.
Arbeit zitieren
Mag. phil. Thomas Haviar (Autor), 1996, Das Verhältnis Albrecht I. und Heinrich VII. zum Papsttum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63292

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