Die Stellung der Metapher in der Semiotik Umberto Ecos


Hausarbeit, 2001
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1.Ecos Semiotik und der Begriff des Zeichens
1.1 Die Semiotik
1.2 Zeichenkonzeption bei C.S. Peirce
1.3 Ecos Auffassung vom Zeichen

2. Enzyklopädie und Wörterbuch
2.1 Die Enzyklopädie als Model für die Semiose ad infinitum
2.2 Das Wörterbuch als Instrument

3. Die Abduktion als ‚Navigationsverfahren’

4. Die Metapher und der Skandal
4.1 Prämissen
4.2 Methode
4.3 Komponentensemantik im Format der Enzyklopädie

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die vorliegende Arbeit kann und will angesichts der schon lange unüberschaubaren Masse von Publikationen zur Theorie der Metapher[1] keineswegs noch etwas Neues dazu beitragen. Hier soll es mithin darum gehen, eine Annäherung an die metaphorologischen Standpunkte Umberto Ecos zu leisten und dieselben innerhalb seiner Zeichentheorie zu verorten bzw. ihnen in selbiger ihren adäquaten Platz zu zuweisen.

Dabei ist darauf hinzuweisen, daß dies nicht unmittelbar geschehen kann. Eine separate Behandlung ausschließlich der Metapher wird in keinem Fall greifen können und indes unverständlich bleiben müssen. Der Kontext von Ecos Semiotik bildet für das Verständnis einen obligatorischen Rahmen, der zuerst zu umreißen ist und gleichzeitig das notwendige Instrumentarium mit an die Hand gibt.

Dazu werden zunächst die Begriffe Semiotik und Zeichen aus der Sicht Ecos erläutert werden, letzteres mit Hilfe eines Rekurses auf Charles Sanders Peirce. Im Anschluß daran muß, bevor die Untersuchungen der Metapher folgen, das Model der Enzyklopädie und die Abduktion als ‚logisches Fortbewegungsmittel’ in diesem betrachtet werden.

Die Untersuchungen zur Metapher stützen sich hier in der Hauptsache auf das doch sehr elaborierte Kapitel zur Metapher in seinem 1985 in Deutschland erschienenem Buch Semiotik und Philosophie der Sprache.[2]

Bei der Komplexität der Ausführungen Ecos ist zu erwarten, daß nicht eine einzelne konzise

Definition oder Erläuterung der Metapher das Resultat bildet, sondern sich ein untrennbar im Netzwerk der Semiotik verflochtenes Phänomen zeigt, so daß Eco nicht selbst eine weitere Variation der Tautologie „Eine Metapher ist das Kunstmittel, das es erlaubt, metaphorisch zu sprechen.“ der Diskussion hinzufügt.[3]

1. Ecos Semiotik und der Begriff des Zeichens

Um sich Ecos Verständnis von und Umgangsweise mit der Metapher nähern zu können, ist es zunächst unumgänglich, die seinen Ansichten zugrundeliegende Zeichentheorie der Semiotik, wenn auch im Rahmen dieser Arbeit nur schemenhaft, erläuternd voranzustellen. Damit verschränkt wird die anschließende Darstellung des Zeichenbegriffes, den Eco Peirce entlehnt, aber in seinem eigenen Sinne ergänzt.

1.1 Die Semiotik

„Das »Objekt« der Semiotik ist nicht die »Wirklichkeit«, sondern sind Relationen, und zwar soweit diese Sinn erzeugen oder Sinn vermitteln.“[4]

Das Zeichen bedarf einer eindringlicheren Untersuchung aus dem schlichten Grunde, als das es in Ecos Semiotik das Zentrum der Untersuchungen bildet, gleichzeitig aber auch das Mittel dieser Untersuchungen darstellt. Schließlich leitet sich der Begriff Semiotik von griech. „semeion“, d.h. „Zeichen“ her und benennt somit die Lehre von den Zeichen aber

auch den Zeichensystemen.[5] Die Semiotik ist somit eine Fundamentalphilosophie des Zeichens, in ihr ist alles unter den Begriff des Zeichens gestellt. Was sich in der Welt nicht auf diese Weise konstituiert, ist für sie gleichermaßen nicht relevant.[6] Zugleich beschreibt die Semiotik auch eine Theorie der Kultur, da Zeichen ausschließlich im Dunstkreis der Kultur zu verorten sind, bzw. letztere sich umgekehrt durch das Generieren von Zeichen auszeichnet:

„Alle [Zeichen und Zeichensysteme, C.W.] jedenfalls sind grundlegend für die soziale Interaktion, und sie sind dies so sehr, daß wir uns fragen müssen, ob die Zeichen [den Individuen] erlauben, in der Gesellschaft zu leben, oder ob nicht gar die Gesellschaft, in der [das Individuum] lebt und sich als menschliches Wesen konstituiert, nichts anderes ist als ein komplexes System von Zeichensystemen.“(Kursivierung im Original)[7]

Diese und weitere Fragestellungen sieht Eco indes sowohl in der Semiotik behandelt als auch in der Sprachphilosophie, weshalb seine Auffassung der Semiotik die „eine[r] Sprachphilosophie“ ist.[8] (kursiv i. Org.)

An diesem Punkt sei die Unterscheidung zweier Klassifikationen notwendig, nämlich die der speziellen und der allgemeinen Semiotik: erstere beschäftigt sich mit der sogenannten >Grammatik< eines konkreten Zeichensystems, die zusätzlich zur Syntax weiter auch die semantischen und pragmatischen Aspekte zu beschreiben strebt.[9] Letztere widmet sich dem Vergleich der einzelnen, wenn auch nicht immer klar voneinander trennbaren, Zeichen- systeme und versucht, daraus ein Regelsystem für alle semiotischen Phänomene abzuleiten. In der allgemeinen Semiotik stellt sich an vorderster Stelle die Frage, mit welchen Mitteln sich der Mensch auf die Welt bezieht, ihr seine Ideen veräußert und Bedeutungen ausdrückt. Wenn dies nicht ausschließlich durch Worte geschehe, müsse nach Gemeinsamkeiten zwischen verbalen Aktivitäten und anderen Signifikationssystemen gesucht werden.[10]

Um nun den Begriff des Zeichens selbst bestimmen zu können, ist ein Rekurs auf Peirce notwendig, von dem aus Eco seine Konzeption weiterentwickelt.

1.2 Zeichenkonzeption bei C.S. Peirce

Ecos Verständnis des Zeichens leitet sich ohne allzu große Umschweife oder Verfremdungen vom Zeichenbegriffs Charles Sanders Peirces her.

Entgegen der vornehmlich saussureschen Vorstellung einer zweistelligen Natur des Zeichens als zusammengesetzt aus Signifiant und Signifié, sprich Bezeichnetem und Bezeichnendem, ist die Peirce’sche Zeichenkonzeption triadisch.[11]

Laut Peirce ist „[e]in Zeichen oder Repräsentamen [...] etwas, das für jemanden in einer gewissen Hinsicht oder Fähigkeit für etwas steht.“[12] Das Zeichen muß also immer auch an jemanden, den Interpreten, gerichtet sein. Im Bewußtsein des ‚Rezipienten‘ erzeuge das Zeichen wiederum ein weiteres Zeichen, das nun dort in gewisser Hinsicht für das erste steht. Hieraus leitet sich nun die Dreigestalt des Zeichens ab: (1) das Zeichen in seiner materiellen Realisation als „sign“ oder „Repräsentamen“, (2) der „Interpretant“ des Zeichens, sprich die Menge der weiteren Zeichen, mit denen das „sign“ unweigerlich in Zusammenhang steht und (3) das an sich nie zeichenfreie „Objekt“, auf das sich das Zeichen bezieht.[13]

(1) Das „sign“ bzw. „Repräsentamen“ ist mit dem Bezeichneten nicht identisch, die Beziehung zwischen beiden ist arbiträr. Eine materielle Verkörperung eines Zeichens im hiesigen Sinne wäre z.B. die mit Tinte zu Papier gebrachte graphische Realisation eines Wortes.

(2) Der Interpretant hält auf gewisse Weise „sign“ und „Objekt“ zusammen, respektive er stellt eine Verbindung zwischen den beiden überhaupt erst her.[14] An dieser Stelle genau differieren die Auffassungen Peirces/Ecos und Saussures/Hjelmslevs. Wie oben angedeutet, geht Peirce davon aus, daß im Bewußtsein auf jedes Zeichen kontinuierlich weitere folgen, die mit dem ursprünglichen in Verbindung stehen und es interpretieren. Da dieses ‚Folgezeichen‘ notwendigerweise wieder seine eigenen Interpretanten hat, letztere wiederum selbige usw. ad infinitum, ist der Interpretant das zentrale Element der Semiose.

(3) Das Objekt, etwa analog zu Saussures Signifié, ist per se nie ganz zeichenfrei, sondern manifestiert sich selbst immer nur in Zeichen. Denn ein Gegenstand muß, damit man sich auf ihn beziehen kann, benannt und somit bezeichnet werden. Sobald dies geschieht, ist er als Zeichen im „Symbolraum unserer Sprache“[15] präsent. Dieser Gegenstand wird von Peirce an dieser Stelle noch in das unmittelbare und das dynamische Objekt aufgetrennt. Das unmittelbare Objekt ist das in unserem Bewußtsein bereits bezeichnet präsente Objekt, das dynamische hingegen bleibt, so Nagl im Sinne von Peirce, „transzendent“ und nur „indirekt“ präsent.[16] Aufgabe des zweiten ist es, die Bandbreite der möglichen Interpretationen im Hinblick auf die wahren bzw. wahrscheinlichen zu reduzieren.[17]

[...]


[1] Vgl. z.B Shibles‘ Bibliographie zur Metapherntheorie, die bereits 1971 über 3000 Titel verzeichnete und vermutlich viele Beiträge übersah, bzw. übersehen mußte. nach: Umberto Eco, Semiotik und Philosophie der Sprache, München: Fink-Verlag 1985, S. 133. Im folgenden zitiert als. Eco, 1985.

[2] Eco, 1985, S. 133-192.

[3] Eco, 1985, S. 134.

[4] Dieter Mersch, Umberto Eco zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag 1993, S. 76f. Im Folgenden zitiert als: Mersch, 1993.

[5] Literaturwissenschaftliches Lexikon „Semiotik“

[6] Mersch, 1993, S.77.

[7] Umberto Eco, Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1977, S.14. Im Folgenden zitiert als: Eco, Zeichen.

[8] Eco, 1985, S. 15.

[9] Eco, 1985, S. 16.

[10] Ebd., S. 19f.

[11] Zum Verhältnis der Auffassungen vom Zeichen von Saussure, Peirce und Eco siehe: U. Eco: In Richtung einer Theorie der Kultur, in: Ders.: Im Labyrinth der Vernunft, Texte über Kunst und Zeichen. Leipzig: Reclam Verlag 1990, S.13-45.

[12] Collected Papers of Charles Sanders Peirce 2.228. Zitiert nach Ludwig Nagl, Charles Sanders Peirce, Frankfurt/New York: Campus Verlag 1992, S. 30. Im Folgenden zitiert als: Nagl

[13] Nagl, S.35ff.

[14] Aus genau diesem Grunde verlasse ich an dieser Stelle auch die Reihenfolge von Peirce und setze den Interpretanten an die zweite Stelle, genau zwischen „sign“ und „Objekt“.

[15] nach Lorella Ghiotti, Ecos Semiotik, Unpubliziertes Manuskript: Aachen 1996, S. 8. Im Folgenden zitiert als: L. Ghiotti, 1996

[16] Nagl. S.38 und L. Ghiotti, 1996, S. 5.

[17] Nagl, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Stellung der Metapher in der Semiotik Umberto Ecos
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  ( Germanistisches Institut - Lehrstuhl für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Neuere Ansätze zu einer Theorie der Metapher
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V63761
ISBN (eBook)
9783638567282
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stellung, Metapher, Semiotik, Umberto, Ecos, Neuere, Ansätze, Theorie
Arbeit zitieren
Christoph Wenzel (Autor), 2001, Die Stellung der Metapher in der Semiotik Umberto Ecos , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63761

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