Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland und HALT-Regelung in den Niederlanden als Alternativen zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität


Hausarbeit, 2001
49 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

01. Worum geht es?

02. Der Täter-Opfer-Ausgleich

03. Entstehung des Täter-Opfer-Ausgleiches

04. Ziele des Täter-Opfer-Ausgleiches

05. Bedeutung für den Geschädigten

06. Bedeutung für den Täter

07. Rechtliche Vorraussetzungen
07.1. Einstellung im Vorverfahren
07.2. Einstellung im Hauptverfahren
07.3. Verhängung von richterlichen Weisungen

08. Kriterien für die Teilnahme am Täter-Opfer-Ausgleich

09. Ablauf eines Täter-Opfer-Ausgleiches

10. Jugendkriminalität in unserer Gesellschaft

11. Zuständigkeit

12. Finanzierung der Einrichtungen des Täter-Opfer-Ausgleiches

13. Bedeutung des Täter-Opfer-Ausgleiches für die soziale Gemeinschaft

14. Fazit

15. Was ist HALT ?

16. Was macht HALT?

17. HALT Büros

18. HALT Niederlande

19. HALT Regelung

20. Kriterien für eine Teilnahme an einer HALT Regelung

21. Mein Kind tut doch so etwas nicht

22. HALT – Zielgruppe

23. Effekt der HALT-Regelung

24. Vorteile der HALT-Regelung

25. HALT Informationsblatt für Jugendliche

26. STOPreaktion

27. Prävention
27.1. Information und Beratung für Aufsichtskräfte und Polizisten
27.2. Aufklärung über HALTernativen für Jugendliche
27.3. Thema Graffiti
27.4. Spezielle Information für den Jahreswechsel/Silvester
27.5. Spezielle situationsbezogene Präventionsarbeit
27.6. Vandalismusprävention
27.7. Signalisierung und Analyse bei Problemen
27.8. Ladendiebstahl

28. Statistik

29. Fazit

30. Vergleichende Einschätzung

31. Legende Quellen/Abkürzungen/Begriffserläuterungen

32. Quellenverzeichnis

Vergleichende Sozialarbeit in Europa

Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland und HALT-Regelung in den Niederlanden als Alternativen bei der Bekämpfung der Jugend-kriminalität

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt für ältere Leute und plaudert, wo sie arbeiten sollte. Die Jungen stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie wider-sprechen ihren Eltern, schwätzen in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Sokrates

01. Worum geht es?

Der Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland und die niederländische HALT-Regelung sind beides Alternativen zur traditionellen Strafverfolgung. Ich halte dabei das holländische Modell für das bessere, effektivere und für mein Verständnis für weitreichendere, weil für die Betroffenen verständlicher, das mit viel pädagogischem Geschick versucht, Kindern und Jugendlichen, die oft nur aus kindlichem Übermut oder pubertärem Geltungsbewusstsein heraus straffällige Handlungen begangen haben, der Tatbestand wird hierbei schon durch den Diebstahl eines Lutschers erfüllt, die Möglichkeit zu bieten, ohne weiterreichende juristische Folgen, quasi „noch mal mit einem blauen Auge davonzukommen“, das begangene Unrecht bewusst zu machen, damit aus dem Lutscher keine Handtasche und aus der Handtasche kein Bankraub wird. Dies möchte ich darzustellen versuchen. Da der Täter-Opfer-Ausgleich sicherlich hierzulande einen höheren Bekanntheitsgrad besitzt als die holländische HALT-Regelung, möchte ich diese etwas ausführlicher vorstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bundesrepublik Deutschland

02. Der Täter-Opfer-Ausgleich

Ziel des Täter-Opfer-Ausgleiches ist es, den durch die Straftat gestörten Frieden zwischen Täter und Opfer wiederherzustellen. Die Bearbeitung des Konfliktes und die Wiedergutmachung des entstandenen Schadens sind dabei die zentralen Ziele. Zwischen den Interessen des Geschädigten und dem Leistungsvermögen des Täters soll dabei ein Kompromiss gefunden werden. 05)

Täter-Opfer-Ausgleich wird verstanden als Versuch, zwischen Täter und Opfer einer der Justiz bekannt gewordenen Straftat, eine vorgerichtliche Konfliktlösung herbeizuführen. Durch den Ausgleich sollen berechtigte Wiedergutmachungsbedürfnisse des Opfers befriedigt werden, strafende Reaktionen gegenüber dem Täter entbehrlich, sowie unnötiger straf- und zivilrechtlicher Verfahrensaufwand vermieden werden.

Täter-Opfer-Ausgleich bietet für Opfer und Täter eine Gelegenheit, außerparteilich unter Beteiligung eines unparteiischen Dritten, eine befriedende Regelung von Konflikten herbeizuführen.

1994 wurde der Täter-Opfer-Ausgleich aus dem Jugendstrafrecht in das allgemeine Strafrecht übernommen, das heißt er ist auch Erwachsene anwendbar.06)

Eine Wiedergutmachung ist einerseits materiell möglich, denn Schadensersatz und Schmerzensgeld sind im Täter-Opfer-Ausgleich geregelt. Dies ist der Regel schneller abgeklärt, als in einem langwierigen und für das Opfer belastenden Zivilprozess. Es wird hierbei aber auch an die Möglichkeit für das Opfer gedacht, den Konflikt ein Stück weit psychisch aufzuarbeiten. Die Geschädigten können, anders als im Strafprozessrecht, wo sie nur als Zeugen gehört werden, ihre Emotionen ausdrücken und eine Auseinandersetzung mit dem Täter führen. In einem Strafrechtsprozess interessiert das keinen. Die Täter hingegen können nach § 45a Strafgesetzbuch ihre Strafe mildern oder ihr ganz entgehen, sofern sie sich um eine Wiedergutmachung bemühen. 07)

03. Entstehung des Täter-Opfer-Ausgleiches

Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre traten zwei Themen in den Vordergrund, die wesentlich dazu beitrugen, die Gedanken des Täter-Opfer-Ausgleiches in die kriminalpolitischen Strategien einzubeziehen. Dies sind zum einen Erfahrungen mit informellen Erledigungen von Straftaten (Diversion) im Jugendstrafrecht und damit entstehende Möglichkeiten sozialpädagogisch einzusetzender Maßnahmen für jugendliche Straftäter. Zum anderen wurden aufgrund erster Untersuchungen der Täter-Opfer-Beziehung eine völlig neue Sichtweise auf die Belange des Opfers eingeleitet.08)

Erste systematische Versuche mit jugendlichen Straftätern dazu, Konflikte nach Straftaten zu schlichten, wurden in den Städten Braunschweig, Köln und Reutlingen unternommen. Es gründeten sich beispielsweise, auch in anderen Arbeitsfeldern operierende Projekte und eingetragene Vereine wie „Der weiße Ring“, „Die Waage“ und „Die Brücke“.

Mitte der Achtziger Jahre entstanden durch Initiativen von Richtern, Staatsanwälten, Kriminologen und Sozialarbeitern diese ersten Täter-Opfer-Projekte des Jugend-gerichtsgesetzes. Sie wurden im Aufbau von den jeweiligen Bundesländern unterstützt. Teilweise wurde auch eine wissenschaftliche Begleitung durch das Bundesjustizministerium finanziert. Auf Beschluss des Bundestages wurde 1992 eine überregionale Beratungsstelle eingerichtet. Sie untersteht der Deutschen Bewährungs-, Gerichts- und Straffälligenhilfe e.V. und trägt die Bezeichnung „Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung“.

Zentrale Aufgabe dieses Büros ist die Informationsversorgung und Beratung der Täter-Opfer-Ausgleich-Einrichtungen sowie die Organisation von Aus- und Weiterbildungs-maßnahmen.09)

04. Ziele des Täter-Opfer-Ausgleiches

Durch den Täter-Opfer-Ausgleich sollen einerseits die Konfrontation des jugendlichen Straftäters mit seiner gesetzüberschreitenden Handlung, sowie mit seinem Opfer, als auch die Wiedergutmachung des entstandenen Schadens erreicht werden.

Der Prozess des Ausgleichens soll in dem jugendlichen Straffälligen Verhaltensveränderungen bewirken: durch die persönliche Begegnung mit dem Geschädigten wird die Auseinandersetzung mit der Tat und ihren Folgen gefördert, beziehungsweise deren Verdrängung erschwert. Damit soll das Verantwortungsbewusstsein für eigenes Handeln und seine Folgen gestärkt werden.

Im Täter-Opfer-Ausgleich werden Straftaten als Konfliktgeschehen verstanden. Im Mittelpunkt steht dabei die materielle sowie immaterielle Wiedergutmachung des Schadens.

Durch kommunikative Bereinigung eines Konfliktes und Wiedergutmachung soll zudem versucht werden strafrechtliche Sanktionen zu ersetzen. Dadurch werden den am Konflikt Beteiligten auch weiterreichende zivilrechtliche Auseinandersetzungen um Schadensersatz und Schmerzensgeld erspart. Wichtiger Aspekt ist hierbei die Möglichkeit des integrativen Ansatzes, die Verantwortung für den Konflikt an den Täter zurückzugeben.

Die persönliche Begegnung zwischen Täter und Opfer, unter Beisein einer vermittelnden Person, eröffnen für beide Seiten konstruktiv mit der Tat und ihren Folgen umzugehen. Beide, Täter und Opfer, erhalten so die Chance Konfliktlösungsstrategien eigen-verantwortlich zu entwickeln und dabei verfügbare Kompetenzen wahrzunehmen. 10)

Täter-Opfer-Ausgleich umfasst regelmäßig:

- Konfliktberatung und/oder Konfliktschlichtung
- eine Vereinbarung über die Wiedergutmachung und
- die Berücksichtigung der Täter-Bemühungen im Strafprozess.

05. Bedeutung für den Geschädigten

Im Strafprozess werden Opfer von Straftaten zumeist als Zeugen funktionalisiert und erfahren als Person, die geschädigt wurde kaum die erforderliche Beachtung. Die Erfahrung der Opferwerdung ist eine erhebliche Beeinträchtigung des Lebensgefühls. Verstärkt wird eine solche Beeinträchtigung, wenn der Betroffene den Ereignissen ohnmächtig gegenübersteht, wenn er nichts tun kann. Gefühle von Hilflosigkeit, Angst, Ärger und Zorn können auftreten. Opfern wird zudem oftmals noch die Schuld oder das forcieren der Straftat zugewiesen. Rein gerichtliche Verfahren bringen hier nur wenig zur Abhilfe beitragen. Auf dem Wege der außergerichtlichen, kommunikativen Rechtsfindung bieten sich hier Möglichkeiten der Verarbeitung des Geschehens, wie ebenso der Ausgleich und die Wiedergutmachung der persönlichen Interessen.11)

06. Bedeutung für den Täter

Die persönliche Begegnung mit dem Geschädigten eröffnet für den Täter die Möglichkeit die Sicht des Opferseins kennen zu lernen und sich mit seiner Tat und den daraus resultierenden Folgen auseinander zu setzen. Ein Verdrängen der Grenzübertretung wird dadurch erschwert.

Der jugendliche Straftäter kann hier (s)einen Beitrag zur Konfliktbewältigung leisten. In pädagogischer Hinsicht kann dadurch die Fähigkeit zur aktiven, nichtkriminellen Problembewältigung gefördert werden. 12)

07. Rechtliche Voraussetzungen

Der Täter-Opfer-Ausgleich bietet für die Justiz die Möglichkeit auf ein zusätzliches teures und eventuell langwieriges Strafverfahren verzichten zu können. Das Jugendgerichtsgesetz ermöglicht unter Berücksichtigung dreier Paragraphen die Einstellung des Verfahrens, wenn der Täter-Opfer-Ausgleich als mögliche Alternative zum Jugendstrafverfahren in Betracht kommt.13)

07.1 Einstellung im Vorverfahren

Nach § 45 Abs. 2 JGG (Abgesehen von der Verfolgung) sieht der Staatsanwalt „von der Verfolgung ab, wenn eine erzieherische Maßnahme bereits durchgeführt oder eingeleitet ist. / Einer erzieherischen Maßnahme steht das Bemühen gleich, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen“.14)

07.2 Einstellung im Hauptverfahren

Nach § 47 Abs. 1 Satz 2 kann der Richter das Verfahren einstellen, wenn „eine erzieherische Maßnahme im Sinne des § 45 Abs. 2, die eine Entscheidung durch Urteil entbehrlich macht, bereits durchgeführt oder eingeleitet ist“.15)

07.3 Verhängung von richterlichen Weisungen

Nach § 0 JGG; Satz 7, kann der Richter in der Hauptverhandlung Weisungen erteilen. „Weisungen sind Gebote und Verbote, welche die Lebensführung des Jugendlichen regeln und dadurch seine Erziehung fördern und sichern sollen. / Der Richter kann dem Jugendlichen insbesondere auferlegen, sich zu bemühen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen (Täter-Opfer-Ausgleich)“.16)

08. Kriterien für die Teilnahme am Täter-Opfer-Ausgleich

Da sich durchaus nicht jeder Fall für den Täter-Opfer-Ausgleich eignet, sollten bestimmte Kriterien erfüllt sein, damit durch die Teilnahme auch Aussicht auf Erfolg besteht. Wichtige Vorraussetzungen dabei sind:

1. Das Opfer sollte eine natürliche Person sein; wobei auch ein Ausgleich mit einer Institution sinnvoll sein kann, zum Beispiel bei Sachbeschädigung in öffentlichen Verkehrsmitteln.
2. Der Beschuldigte sollte geständig sein.
3. Es sollte sich nicht um eine Bagatellstraftat handeln, die üblicherweise ohne Weisungen/Auflagen eingestellt wird.
4. Beide Seiten, Opfer und Täter, sollten freiwillig an einem Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen können.
5. Der Täter sollte in der Lage sein, den Schaden angemessen wieder gut zu machen. Sind psychische Vorraussetzungen, beispielsweise Einsichtigkeit, beim Täter gegeben, dürfte es ihm kaum schwer fallen, den immateriellen Schaden durch eine symbolische Leistung, zum Beispiel eine Entschuldigung, zu bereinigen. Materielle Schäden werden meist finanziell bereinigt. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Einkünfte des Täters, beziehungsweise sein Vermögen ausreichen, um den Schaden wieder gut zu machen.

Besonders geeignet für einen Ausgleichsversuch dürften Fälle sein, bei denen der Konfliktcharakter einer Straftat deutlich hervortritt, etwa bei Delikten, bei denen sich Täter und Opfer kennen und eine Konfliktregelung den künftigen Umgang miteinander erleichtert.17)

09. Ablauf eines Täter-Opfer-Ausgleiches

Das Verfahren des Täter-Opfer-Ausgleiches nach Überweisung eines Falles umfasst folgende Kriterien: Kontaktaufnahme mit Täter und Opfer, gegebenenfalls Versicherungen, Eltern und Rechtsbeiständen; der Vermittlung einer Wiedergutmachungsvereinbarung, wenn möglich als Ergebnis einer persönlichen Begegnung von Täter und Opfer und der Kontrolle, ob diese Vereinbarung auch eingehalten wird. Die Arbeit erfolgt in Kooperation mit den jeweils verfahrensbeteiligten Staatsanwälten, Jugendrichtern und Jugend-gerichtshelfern.

Fallzuweisung: Die Schlichtungsstelle kann vor der Ausfertigung der Anklageschrift oder auch nach der Anklageerhebung Kenntnis von den Fällen erhalten und somit aktiv werden.

Der Zugang zur jeweiligen Schlichtungsstelle erfolgt durch:

- Selbstmeldung: Täter wie Geschädigte, die sich direkt bei der Fachstelle für Täter-Opfer-Ausgleich mit der Bitte melden, in einem strafrechtlich relevanten Konflikt zu vermitteln;
- Vermittlung der Polizei mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft;
- der Jugendliche kommt durch die Jugendgerichtshilfe mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft zum Projekt;
- der Fall gelangt durch Staatsanwaltschaft oder Richter zur Schlichtungsstelle.18)

Kontaktaufnahme: Zunächst wird Kontakt mit dem jugendlichen Täter aufgenommen und abgeklärt, ob er zu einem Ausgleich bereit ist und welche Möglichkeiten der Wiedergutmachung bestehen. Sodann wird Kontakt mit dem Geschädigten aufgenommen und ebenfalls in einem persönlichen Gespräch dessen Mitwirkungsbereitschaft, der Umfang des Schadens, sowie die Vorstellungen des Opfers über eine angemessene Entschädigung ermittelt. In diesem Gespräch können dann schon Informationen aus dem Kontakt mit dem Täter einfließen.

- Vorstellung der Arbeit der Fachstelle für den Täter-Opfer-Ausgleich im Vergleich zum justiziellen Umgang mit dem Vorfall;
- Klarstellung der Übernahme der/von Verantwortung;
- Abklärung der Bereitschaft und welche Vorstellungen mit einem Ausgleich verknüpft werden.19)

Verhandlungen und Schlichtungsgespräch: Erscheint eine Konfliktregelung sinnvoll und haben sich beide Parteien dazu bereiterklärt, wird eine Wiedergutmachungs-vereinbarung ausgehandelt. Im Idealfall findet dazu ein Schlichtungsgespräch, also eine persönliche Begegnung von Täter und Opfer in Anwesenheit eines Vermittlers statt. Dabei können die Konfliktparteien Tat, Tatumstände und –folgen aus der jeweils anderen Sichtweise kennen lernen und gemeinsam zu einer Konfliktregelung kommen.

- Aufarbeitung der unterschiedlichen Sichtweisen des Vorfalls;
- Aufarbeitung der emotionellen Situation bei Geschädigtem und Täter;
- Klärung der Ansprüche;
- Vereinbarung über konkrete Wiedergutmachung.

Wünscht das Opfer zwar eine Schadensregulierung, aber keine persönliche Begegnung, so ist dies zu respektieren. In diesem Falle werden nötige Informationen und Vorschläge an die jeweiligen Parteien übermittelt.20)

Kontrolle der Wiedergutmachungsleistungen: Die Einhaltung der Vereinbarungen wird von der Schlichtungsstelle überwacht. Dies geschieht durch die Kontrolle der Rateneingänge auf dem Konto des Opferfonds oder durch Abfrage beim Geschädigten, wie und ob die Wiedergutmachung erfolgt ist.21)

Rückmeldung an die Justiz: Dem Richter beziehungsweise Staatsanwalt werden in einem kurzen Bericht die einzelnen Stationen des Ausgleichs dargelegt, die Wiedergutmachungsleistung und deren Einhaltung genannt, sowie die Position des Geschädigten, bezüglich einer Verfahrenseinstellung, übermittelt. Über den Verlauf eines Täter-Opfer-Ausgleiches werden ein Zwischenbericht und ein Abschlussbericht erstellt. Aus dem Abschlussbericht, der dem Richter übergeben wird, geht hervor, ob der Täter-Opfer-Ausgleich erfolgreich abgeschlossen wurde.22)

Einstellung des Verfahrens durch den Richter beziehungsweise den Staatsanwalt: Hat der Täter alle Auflagen erfüllt, kann es zur Einstellung des Strafverfahrens kommen.

Ist der Täter seinen Wiedergutmachungsleistungen nicht wie vereinbart nachgekommen, dann wird das Strafverfahren wieder aufgenommen.23)

Beschuldigter wird durch Polizei, Staatsanwaltschaft oder Jugendgerichtshilfe über möglichen TOA vorabinformiert

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kontaktaufnahme der TOA-Stelle zum Täter und Erstgespräch

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kontaktaufnahme und Erstgespräch mit dem Geschädigten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erstellung eines Regelkonzeptes für den Ausgleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schlichtungsgespräch mit Täter und Opfer in der TOA-Stelle oder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

sonstige Wiedergutmachung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kontroll- und Unterstützungsaktivitäten des Konfliktvermittlers im Hinblick auf die Einhaltung der Regelung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abschlussbericht an die Staatsanwaltschaft beziehungsweise das Jugendgericht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einstellung beziehungsweise Abschluss des Strafverfahrens

10. Jugendkriminalität in unserer Gesellschaft

Wenn in den Medien über Jugendkriminalität berichtet wird und Zahlen über deren Anstieg genannt werden, handelt es sich meist um Daten die von der Polizei herausgegeben werden. Dabei wird all das berücksichtigt, was an Taten bekannt und benannt wurde. Ob die Jugendlichen, gegen die die Polizei ermittelt, letztlich eine Straftat begangen haben, kann und darf erst ein Gericht verbindlich klären.

Die polizeilichen Statistiken sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Aber sie zeigt zumindest Tendenzen und gibt Auskunft über bestimmte Entwicklungen der Jugendkriminalität.

Minderjährige, oft sogar strafunmündige Serientäter, verursachen einen großen Teil der statistisch erfassten Delikte. Zwar gibt es hierzu keine präzise bundesweite Erhebung, doch ermitteln Kriminalforscher, dass etwa fünf Prozent der jungen Kriminellen für die Hälfte der Straftaten verantwortlich sind.

Viele Täter probieren nur mal aus, was sie sich trauen. Das Massendelikt der Kids ist Ladendiebstahl, der oft nur als Mutprobe dient. Danach ist Schluss, das weiß auch die Bundesregierung. Eine Parlamentsdrucksache vom Sommer 1997 beschreibt „Jugenddelinquenz überwiegend als Probierverhalten mit episodenhaftem Charakter“. Aus den meisten Rabauken werden eines Tages brave Bürger – ganz ohne Heim und Knast. 24)

Die Polizei zählt die ihr angezeigten und von ihr ermittelten Straftaten und die Tatverdächtigen. In Deutschland werden jährlich über sechs Millionen Straftaten gezählt, davon entfallen rund zwei Drittel auf Diebstahlsdelikte, auf Mord und Todschlag nur 0,1%, zur Gewaltdelinquenz zählen weniger als 3% aller Straftaten.25)

Pro 100000 Tatverdächtige werden in Deutschland Jahr für Jahr über 8000 Straftaten begangen. Diesen Taten werden über 2,2 Millionen Tatverdächtigen zugeordnet (1997).

Von diesen entfallen auf:

- Kinder 06,0%
- Jugendliche 13,0%
- Heranwachsende 10,0%
- Erwachsene 71,0%

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was die Delikte angeht, so verteilen sie sich wie folgt:

- einfacher Diebstahl 25,0%
- schwerer Diebstahl 38,0%
- Gewaltdelikte 02,7%
- Betrug 07,0%
- Sachbeschädigung 00,9%
- Mord und Todschlag 00,1%
- Umweltdelikte 00,4%
- Verstoß gegen Ausländergesetz und Asylverfahrensgesetz 02,5%

Etwa 80-90% der begangenen Straftaten werden dem Bagatellbereich zugeordnet. Damit ist gemeint, dass in diesen Fällen der angerichtete Schaden relativ niedrig ist, es sich nicht um extreme Gewalttaten handelt und auch die Täter nicht in eine kriminelle Kariere abzugleiten drohen.

Nach der polizeilichen Kriminalstatistik werden von 100.000 Kindern jedes Jahr etwa 1.500 einer Tat verdächtigt (Kriminalitätsbelastungszahl). Der Anteil von Kindern ist im Steigen begriffen. Bei Jugendlichen erhöht sich die Tatverdächtigenzahl auf 5.800 pro 100.000 der entsprechenden Bevölkerungsgruppe.26)

11. Zuständigkeit

Die Auswahl unter den anhängigen Strafverfahren und die Berücksichtigung der Ergebnisse im Strafverfahren fallen in die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaften und Gerichte. Die Vereinbarung über die Wiedergutmachung ist Sache der Beteiligten selbst. Ihnen hierbei zu helfen und die Konfliktbereinigung in Gang zu bringen, ist Aufgabe der Konfliktberater.

Die Organisation des Täter-Opfer-Ausgleichs erfordert eine Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen, der Staatsanwaltschaft, der Konfliktschlichtungsstelle, zum Beispiel der Gerichtshilfe, Jugendhilfe oder freier Träger, und der Polizei. Bei der Auswahl müssen sowohl Gesichtspunkte des Strafverfahrens wie auch der Konfliktberatung berücksichtigt werden. Dies setzt abgestimmte Zusammenarbeit voraus.

Bei der praktischen Durchführung des Täter-Opfer-Ausgleichs klärt die Konfliktschlichtungsstelle zunächst die Bereitschaft von Täter und Geschädigtem zur Teilnahme, sowie die Vorraussetzung für die Möglichkeit und Umfang von Wiedergutmachung, Dies geschieht zumeist in getrennten Gesprächen mit den Betroffenen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland und HALT-Regelung in den Niederlanden als Alternativen zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Soziale Arbeit und Gesundheit)
Note
2,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
49
Katalognummer
V641
ISBN (eBook)
9783638104241
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Täter-Opfer-Ausgleich, Deutschland, HALT-Regelung, Niederlanden, Alternativen, Bekämpfung, Kinder-, Jugendkriminalität
Arbeit zitieren
René Brandt (Autor), 2001, Täter-Opfer-Ausgleich in Deutschland und HALT-Regelung in den Niederlanden als Alternativen zur Bekämpfung der Kinder- und Jugendkriminalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/641

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