Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Luhmann


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 2.1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionale Differenzierung der Gesellschaft

3. Moral als Funktionssystem

4. Moralische Kommunikation

5. Beurteilung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Innerhalb jeder Gesellschaft existieren bestimmte, typische Wertvorstellung, die wir im landläufigen Sinn als „Moral“ oder „moralisch“ bezeichnen. Dabei fällt eine eindeutige Definition der Moral selbst schwer. Genauso wie die Frage nach der genauen Platzierung der Moral innerhalb der Gesellschaft.

Das Thema dieser Hausarbeit ist die Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft. Die funktionale Differenzierung der Gesellschaft ist ein Teil von Luhmanns Theorie „Sozialer Systeme“, die in einer modernen Gesellschaft die soziale Ordnung definiert. Nach Luhmann ist das Gesamtsystem „Gesellschaft“ ein soziales System, das alle Kommunikation einschließt. In der funktionalen Differenzierung wird die Gesellschaft in Teilsysteme gegliedert, die sich in ihrer individuellen Funktion unterscheiden. Diese verschiedenen Systeme bedienen sich jeweils eines eigenen bestimmten Kommunikationsmediums (Luhmann 1997, S. 743 ff).

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich dabei auf die Moral als Teil der Gesellschaft. Das Augenmerk liegt bei dieser Reduktion von Luhmanns Theorie auf der Funktionsweise der moralischen Kommunikation. Des Weiteren werden die Bedingungen, unter denen die Moral agiert, sowie die Folgen ihrer Reaktion beschrieben. Es stellt sich die Frage, ob die Moral überhaupt als eigenes Funktionssystem betrachtet werden kann.

Luhmann letztes umfassendes Werk „Die Gesellschaft der Gesellschaft“ schrieb er 1997 kurz vor seinem Tod. Aus diesem Zweibänder ist die hier verwendete Literatur zu entnehmen. Die Schwerpunkte dieses Themas verlagern sich auf die Kapitel 2: „Kommunikationsmedien“, insbesondere das Unterkapitel „ Moralische Kommunikation“ (Band 1) und auf Kapitel 4: „Differenzierung“, insbesondere das Unterkapitel „Funktional differenzierte Gesellschaft“ (Band 2).

2. Funktionale Differenzierung der Gesellschaft

Die moderne Gesellschaft wird nach Luhmann durch den Begriff der funktionalen Differenzierung erklärt (Luhmann 1997, S. 743). Diese Differenzierungsform stützt sich weder auf segmentär- noch auf rangmäßige Unterscheidungen (Ebd. S. 707), vielmehr formuliert Luhmann es so: „Die Ungewöhnlichkeit funktionaler Differenzierung besteht nicht zuletzt darin, dass spezifische Funktion und deren Kommunikationsmedien auf ein Teilsystem mit Universalzuständigkeit konzentriert werden müssen“ (Luhmann 1997, S. 709). Das heißt, die Teilsysteme werden aufgrund ihrer individuellen Funktion unterschieden (Ebd. S. 709). Zu den ausdifferenzierten Funktionssystemen gehören z. B. Politik, Wirtschaft, Religion, Wissenschaft und Ethik. Im Gegensatz zur zentrum/peripherie- oder zur stratifikatorischen Differenzierung können Menschen in der funktional differenzierten Gesellschaft nicht ausschließlich auf ein Funktionssystem zugeordnet werden. Das liegt daran, dass Menschen als psychische Systeme in jedem ausdifferenzierten Funktionssystem operieren können.

Die Gesellschaft besteht demnach nicht mehr aus Menschen. Nach Niklas Luhmann besteht die Gesellschaft in der funktionalen Differenzierung lediglich aus Kommunikation (Ebd. S. 744). Die eigene Funktion bzw. die eigene Identität bestimmt jedes Teilsystem für sich selbst. Die Funktion des Systems wird nur in diesem dafür vorgesehenen System selbst erfüllt. Trotz der verschiedenen Aufgaben haben alle Systeme in der funktional differenzierten Gesellschaft den gleichen Rang, da kein Untersystem die Funktion eines anderen übernehmen kann. Dabei hat die individuelle Funktion für das jeweils eigene System Priorität. Es gibt also keine Hierarchie zwischen verschiedenen, nebeneinander liegenden Funktionssystemen (Luhmann 1997, S. 745 ff).

Luhmann bezeichnet all das, was nicht zu einem Funktionssystem gehört, als dessen Umwelt. Die entsprechende Funktion eines jeden Subsystems wird nur im System selbst und nicht in dessen Umwelt erfüllt (Ebd. S. 744). Die Differenz der System-Umwelt-Beziehung ist für jedes Funktionssystem spezifisch, da die Subsysteme alle verschiedene, gesellschaftsinterne Umwelten aufweisen, die aufgrund der jeweils individuellen Funktion eines Systems zustande kommen. Die Umwelt des politischen Systems wäre demnach politisch „inkompetent“ (Luhmann 1997, S. 746); sie ist nicht in der Lage, selbst politisch zu wirken. Jedes einzelne Funktionssystem ist ein autonomes System, das sich durch die operative Schließung von allen anderen Systemen – also von seiner Umwelt – abgrenzt (Ebd. S. 745). Es wird also nur im System für dieses System gehandelt. Diese operative Schließung der einzelnen Funktionssysteme führt zur Bildung autopoietischer Systeme. Autopoietische Systeme organisieren sich aus sich selbst heraus und sind von allen anderen Funktionssystemen unabhängig. D. h., dass sich die ausdifferenzierten Teilsysteme ausschließlich durch ihre eigenen Elemente reproduzieren. Diese Organisation wird auch als Selbstreferentialität bezeichnet.

Jedes selbstreferentielle Funktionssystem grenzt sich durch seine individuelle Codierung, dem sogen. binären Code ab. Dieser Code wird lediglich in dem für ihn bestimmten Funktionssystem und für kein anderes System verwendet. Durch den binären Code, der seinen Namen durch die Unterscheidung zwischen dem Positiv- und Negativwert erhält, erklärt jedes Teilsystem seine eigene Operation (Ebd. S. 748). Der binäre Code stellt daher durch die beiden Ausprägungen sicher, dass eine Anschlusskommunikation möglich ist, die zum Gegenwert führen kann. So kann in der Wissenschaft eine für wahr deklarierte Erkenntnis in der Anschlusskommunikation dazu führen, die Wahrheit der Erkenntnis infrage zu stellen und als unwahr festzustellen. Der binäre Code charakterisiert das Kommunikationsmedium jedes einzelnen Funktionssystems und sichert die Fortsetzung der Autopoiesis (Ebd. S. 749). Z. B. stellt das Kommunikationsmedium Geld im System Wirtschaft alle Operationen der Zahlung oder Nichtzahlung dar. Binäre Codes sind, wie Luhmann sie bezeichnet, „Zwei-Seiten-Formen“. Diese Zwei-Seiten-Form ermöglicht den Übergang vom Wert zum Gegenwert und zurück.

Des Weiteren führt die Zwei-Seiten-Form des binären Codes zu einer symmetrisch, zirkulären Relation. Das entstandene Verhältnis symbolisiert die Einheit des Funktionssystems und gewährleistet zugleich die Unterbrechung des Systems (Ebd. S. 750). Durch die Unterbrechung der Zirkularität eines Systems kommt es zu bisher unbekannten Situationen, für die neue Konditionierungen eingeführt werden, aufgrund derer man wieder entscheiden kann, ob ein Sachverhalt als positiv oder negativ gewertet wird. So reproduziert sich das System durch die eigene Unterbrechung der zirkulären Relation.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Luhmann
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Grundlagen heutiger soziologischer Theorien
Note
2.1
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V64250
ISBN (eBook)
9783638571203
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Moral, Differenzierung, Gesellschaft, Luhmann, Grundlagen, Theorien
Arbeit zitieren
Constanze v. Künsberg (Autor), 2006, Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64250

Kommentare

  • Gast am 4.9.2008

    Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Luhmann .

    Ich glaube nicht, dass man für solche Arbeit 2,1 kriegen kann. Dein Inhaltsverzeichnis ist einfach für eine Hausarbeit zu kurz

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Titel: Moral als funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Luhmann



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