Westlicher Interventionismus nach der Dekolonialisierung sowie der politischen und wirtschaftlichen Transformation der ASEAN-Region am Beispiel der Südostasienkrise


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Überblick über die Kolonialisierungsgeschichte der südostasiatischen Staaten

3. Die Südostasienkrise - Auslöser, Verlauf und Fehlentscheidungen des IWF
3.1. Die ökonomische Situation in Südost- und Ostasien vor 1997
3.2. Auslösende Faktoren für die Krise
3.3. Der weitere Verlauf der Krise
3.4. Die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF)
3.4.1. Der IWF – Entstehungsgeschichte und Aufgaben
3.4.2. Die gravierenden Fehlentscheidungen des IWF in den betroffenen Staaten
3.5. Reaktionen und alternative Verfahrensweisen der VR China und Malaysias

4. Die wirtschaftliche und sozialpolitischen Konsequenzen für die Tigerstaaten

5. Wirtschaftspolitische Konsequenzen für die internationale Staatengemeinschaft und diplomatische Spannungen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im ausgehenden 20. Jahrhundert beherrschte kein Thema die Titelseiten der Wirtschaftsfachmagazine- und Zeitungen dieser Welt so sehr wie die Asienkrise, die Anfang 1997 sowohl die ostasiatischen als auch südostasiatischen Staaten leicht bis teilweise gravierend erschütterte. Ein Großteil der Volkswirtschaften dieser Länder befand sich seit Anfang der 60er Jahre in einem beispiellosen Prozess des Aufschwungs, weswegen man in dieser Region schon von einem nie dagewesenen Wirtschaftswunder sprach. Besonders in Staaten wie Südkorea aber auch in Thailand und Malaysia sprossen Unternehmen hervor, die es auch bald schon mit ihren internationalen Konkurrenten besonders aus Europa und Nordamerika aufnehmen konnten, dabei seien nur Petronas oder Samsung zu erwähnen. Gleichsam lagen die Zuwachsraten in der westlichen Hemisphäre deutlich unter denen der südostasiatischen Tigerstaaten. Nachdem die Krise ausgebrochen war, lagen bedeutende Wirtschaftswissenschaftler westlichen Interventions- und Schädigungsabsichten die Schuld an der Krise zur Last. In der vorliegenden Hausarbeit sollen daher nun die Zusammenhänge zwischen westlichen Interventions- und Kapitalinteressen und der Asienkrise dargelegt werden, unter besonderer Berücksichtigung der Handlungen des Internationale Währungsfonds (IWF) und des US-Finanzministeriums vor und während der Krise. Einführend dazu erfolgt nach der Einleitung nun ein Überblick über die Kolonialisierungsgeschichte der südostasiatischen Staaten, womit die Einflussinteressen und Machtansprüche westlicher Staaten in Südostasien bis zur Rückgabe Macaos an die Volksrepublik China 1999 deutlich gemacht werden sollen. Im Hauptteil erfolgt dann eine Übersicht über die Zeit vor der Asienkrise sowie eine Darstellung der auslösenden Faktoren und den Verlauf. In Kapitel 3.4. werden nach einer kurzen Übersicht über die Entstehungsgeschichte und Aufgaben des IWF seine (beabsichtigten?) Fehlentscheidungen und Direktiven während der Krise dargelegt. Danach erfolgt eine Erläuterung der Handlungsalternativen der VR China und Malaysias. Mit der Beschreibung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise für die direkt betroffenen Staaten Ost- und Südostasiens sowie für die internationale Staatengemeinschaft schließt der Hauptteil der Arbeit ab und mündet in einem zusammenfassenden Fazit.

2. Ein Überblick über die Kolonialisierungsgeschichte der südostasiatischen Staaten

Mit der Landung auf der zu den Bahamas gehörenden Insel Guanahani und der Entdeckung weiterer Karibikinseln der Großen Antillen wie Hispaniola (span. La Española) durch Christopher Columbus im Oktober 1492, nahm die Epoche des europäischen Kolonialismus in Amerika, aber auch Asien ihren Anfang. Nicht nur zahlreiche Kulturen, wie beispielsweise die Azteken und Inka, gingen im 16. Jahrhundert unter den blutigen Eroberungsfeldzügen von Konquistadoren wie Hernán Cortés zugrunde, sondern es entfachte sich auch zwischen den Kolonialmächten West- und Mitteleuropas ein bitterer Machtkampf um Ressourcen und Territorien, welcher die ethnographische und politische Landkarte der Welt veränderte.[1] Ausgangspunkt für Territorialabsteckungen- und streitigkeiten war das Streben nach der Entdeckung neuer Handelsrouten gen China und Indien, da zu jener Zeit die Osmanen den Europäern die bisherigen Handelswege, von denen unter anderem angeblich auch Marco Polo Gebrauch machte, versperrten.[2] In diesem einführenden Kapitel sollen nur die wesentlichsten Stationen westlichen Kolonialismus’ in Ost- und Südasien sowie im Besonderen in Südostasien gegeben werden, da eine noch detailliertere Ausführung den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde und diese Kapital als einführende Darstellung der chauvinistisch-kolonialistischen Aktivitäten der europäischen Großmächte dienen soll. Nachdem es nun bis ins späte 14. Jahrhundert zwischen Europa und dem östlichen Teil Asiens bereits zaghafte Handelskontakte gegeben hatte, sollte mit der Landung Vasco da Gamas im indischen Kalikut 1498 die Phase der Kolonialisierung dieser wirtschaftlich und ressourcentechnisch vielversprechenden Hemisphäre eingeleitet werden, die schon durch die Errichtung von Stützpunkten wie in Goa, im Westen Indiens, das dann auch zur Hauptstadt der östlichen Besitzungen Portugals avancierte, bald an Form gewann.[3] Auch auf Grund und Boden des chinesischen Qing-Reich errichteten die Portugiesen in Guangzhou (Kanton) 1516 und in Aomen (Macao) 1557 eigene Handelskontore und kontrollierten schon bald den Gewürzhandel.[4] Die ehemalige Weltmacht Spanien, die vornehmlich in Mittel- und Südamerika aktiv war, fasste mit der Besiedlung und christlichen Missionierung der Einwohner der Philippinen zur Verbesserung ihrer Handelsroute zwischen Asien, Mexiko, welches hauptsächlich als Umschlagregion für aus den Philippinen abtransportierte Güter fungierte, und dem spanischen Festland Fuß in Südostasien. Die vereinigten Kronen von Spanien und Portugal verfügten so ab 1580 über ein riesiges Handelsnetz, dessen Achsenpunkte in Asien Goa, Macao und Formosa (Taiwan) bildeten.[5] In Folge dessen geriet das Riesenreich mit seinen Neidern Großbritannien und den Niederlanden in Konflikt, die in der Machtausdehnung der spanisch-portugiesischen Krone eine Bedrohung ihrer wirtschaftlichen und politischen Vorherrschaft in Südostasien sahen. Die Niederlande verdrängten ab dem frühen 16. Jahrhundert die Portugiesen indem sie anfangs mit einheimischen Kleinherrschern gegen sie opponierten. So konnten die Niederlande allmählich Indonesien ihrem Macht- und Einflussbereich unterstellen. Der primär auf Handel fokussierte niederländische Kolonialismus führte auch zur Errichtung weiterer Handelskontore auf Mauritius, in Siam (heute Thailand) oder Persien (heute Iran).[6] Bedingt durch ihr militärisches Engagement in Nordamerika und auch Afrika nahmen die Briten erst weitaus später als ihre Vorläufer die Ausweitung des Royal Empire in Südostasien in Angriff. London gelang es zwischen 1785 und 1825 das wirtschaftliche Übergewicht zu erreichen begann nun auch territorial zu expandieren, insbesondere im heutigen Myanmar, Malaysia und teilweise auch Indonesien. Dabei gerieten sie mit den Niederländern in Konflikt, welcher erst 1824 durch das britisch-niederländische Abkommen beigelegt wurde. In diesem Abkommen verpflichteten sich beide Nationen, die Interessen des anderen in Südostasien zu respektieren und gleich dem Vertrag von Tordesillas, welcher die damalige bekannte Welt zwischen Portugal und Spanien aufteilte, regelte das Abkommen die Zugehörigkeiten der unterjochten Territorien.[7] Ebenso engagierte sich London in China, dessen jahrtausende lange Vorherrschaft in Südostasien nach der Niederlage im Opiumkrieg (1839-1842) und mit dem Vertrag von Nanjing (29. August 1842) gebrochen war. Unter anderem erzwangen die Briten mit dem Vertrag nicht nur die Öffnung von handelstechnisch bedeutenden chinesischen Häfen wie Ningbo oder Shanghai, sondern auch die Annektierung der Halbinsel Hongkong.[8] Auch Frankreich betätigte sich zunehmend aktiver in Südostasien, vornehmlich in Indochina (heute Vietnam). Einzig Siam (jetzt Thailand) wurde nicht kolonialisiert und diente im Ausgleich den Kolonialmächten als strategisch wichtiger Pufferstaat. Die Unabhängigkeit des siamesischen Kernlandes wurde im Vertrag von 1896 festgehalten.[9] Als weiterer Hegemon betraten dann die jungen Vereinigten Staaten von Amerika die politische Weltbühne und übernahmen nach dem spanisch-amerikanischen Krieg von 1898, der mit einer Niederlage der Spanier endete, die ehemals spanisch dominierten Philippinen.[10] So war fast über 400 Jahrhunderte hinweg Südostasien von westlichen Mächten beherrscht, seiner Ressourcen beraubt und musste als Markthalle für den Wohlstand, vornehmlich den in Europa, herhalten. Erst mit dem Beginn des 2. sino-japanischen Krieges 1937 und dem daraus entwachsenen 2. Weltkrieg änderte sich die machtpolitische Karte in dieser Region. Den Japanern gelang es schnell nicht nur Nordost- und Ostchina sowie die koreanische Halbinsel unter seine Kontrolle zu bringen, sondern auch Indonesien und die Philippinen. Die neuen Besatzer wurden vielerorts vorerst wie Befreier empfangen, zumal sie die viele Jahrhunderte währende Vorherrschaft des Westens, die Ausbeutung und Interessensunterwerfung mit sich brachte, gebrochen hatten.[11] Zwar mussten die Japaner nach der Kapitulationserklärung durch den Tenno am 15. August 1945 die besetzten Gebiete unweigerlich verlassen, jedoch nutzten viele Staaten das Machtvakuum des Westens bzw. der Japaner, um ihre Unabhängigkeit zu erklären, so beispielsweise Indonesien zwei Tage später am 17. August 1945, welches aber heftig gegen die Machtansprüche der wiederkehrenden Niederländer zu kämpfen hatte. Nach und nach bemühten sich weitere Länder wie Burma 1946 oder Indochina, nach dem französischen Indochinakrieg, 1954 recht erfolgreich um ihre Unabhängigkeit. Doch auch wenn mit dem Ende des 2. Weltkriegs eine Phase der Dekolonialisierung einsetzte und zahlreiche Staaten(gebilde) in Afrika oder Südostasien ihre Unabhängigkeit zugesprochen bekamen, weigerten sich Briten, Franzosen und Niederländer der Aufforderung des us-amerikanischen Präsidenten Roosevelt, ihre asiatischen Besitzungen vollkommen aufzugeben, nachzukommen, da sie in diesen ein zweckmäßiges Mittel sahen ihre durch den 2. Weltkrieg angeschlagenen Volkswirtschaften wieder aufzubauen und versuchten daher, die verlorenen Territorien wiederzugewinne. Die Unabhängigkeitsbestrebungen vieler Vietnamesen und die Bombadierung Haiphongs durch französische Truppen am 23. Dezember 1946 mündete schließlich im französischen Indochinakrieg.[12] Mit der Verschärfung des kalten Krieges gegen die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten sah man im Westen, insbesondere in den USA, in den kommunistischen Bewegungen zunehmend eine Bedrohung der inneren und äußeren Sicherheit, nahm auch das (militärische) Engagement der Vereinigten Staaten gegen die Viet Minh zu, da man ein kommunistisches, der Sowjetunion und der Volksrepublik China höriges Vietnam verhindern wollte.[13] Nachdem sich die Positionierung des Marionettenpräsidenten Diệm für die USA als Fehlschlag erwiesen hatte, entluden sich mit dem von der NSA inszenierten Tonking-Zwischenfall die als Vietnamkrieg in die Geschichte eingegangen Interventions- und antikommunistischen Kontrollbestrebungen Washingtons in einen militärischen Konflikt gegen das von den Viet Minh kontrollierte Nordvietnam, der nach schwerwiegenden Verlusten auf beiden Seiten am 27. Januar 1973 im Pariser Friedensabkommen beigelegt wurde und mit dem Abzug der amerikanischen Truppen im März des gleichen Jahres endete.[14] Bis in die späten 90er Jahre konnte man nicht von einem vollständig dekolonisierten Südost- bzw. Ostasien sprechen, denn bis zum 01. Juli 1997 gehörte Hongkong zum Vereinigten Königreich und Macao bis Dezember 1999 zu Portugal.[15]

3. Die Südostasienkrise - Auslöser, Verlauf und Fehlentscheidungen des IWF

Nach über 30 Jahren währenden wirtschaftlichen Aufschwungs im südostasiatischen Handelsraum, brach die Wirtschaftskrise für die meisten Menschen dieser Region völlig unerwartet aus und warf diese im Aufstieg begriffene Region um Jahre zurück. Bekannte Volkswirte wie Joseph Stiglitz, ehemaliger Direktor der Weltbank, und Heribert Dieter, sehen vor allem in den westlichen Interessenssphären die Hauptverursacher dieses ökonomisch überaus destabilisierenden Ereignisses, insbesondere in Form der Lobbyisten im Internationalen Währungsfonds (IWF). Nachdem im vorhergegangen Kapitel zur die Entwicklung und Form des westlichen Imperialismus in Südostasien dargelegt wurde, wird in diesem Kapitel zunächst auf die wirtschaftliche und sozialpolitische Situation vor Ausbruch der Krise 1997 eingegangen, bevor dann im Einzelnen die wesentlichen Auslöser für die Krise erläutert werden. Dabei wird im Anschluss der weitere Verlauf der Krise dargestellt. Dann folgen eine kurze Deskription der Entstehungsgeschichte und Aufgaben des IWF sowie die ihm zur Last gelegten Fehlentscheidungen während der Südostasienkrise und die damit verknüpften westlichen Interessen. Abschließend soll mit der Beschreibung des Krisenmanagements in der Volksrepublik China und in Malaysia der alternative Umgang mit der Krise und die dadurch erwirkten positiven Entwicklungen der Hauptteil abgeschlossen und zu den Folgen der Krise für die südostasiatischen Staaten sowie die internationale Staatengemeinschaft folgen.

[...]


[1] Konetzke, Richard: Die Indianerkulturen Altamerikas und die spanisch-portugiesische Kolonialherrschaft, S. 16f und S. 30ff

[2]

[3] Embree, Ainslie T. und Wilhelm, Friedrich: Indien – Geschichte des Subkontinents von der Induskultur bis zum Beginn der englischen Herrschaft, S. 215f

[4] Spence, Jonathan D.: Chinas Weg in die Moderne, S. 34 - 37

[5] Vgl. Villiers, John: Südostasien vor der Kolonialzeit, S. 262 - 265

[6] Vgl. Villiers, John: Südostasien vor der Kolonialzeit, S. 284ff

[7] Vgl. Villiers, John: Südostasien vor der Kolonialzeit, S. 305f

[8] Vgl. Spence, Jonathan D.: Chinas Weg in die Moderne, S. 197ff

[9] Vgl. Bianco, Lucien: Das moderne Asien, S. 107

[10] Vgl. Villiers, John: Südostasien vor der Kolonialzeit, S. 306

[11] Stockwell, A.J.: Southeast Asia in War and Peace: The End of European Colonial Empires, S. 3ff

[12] Vgl. Frey, Marc: Geschichte des Vietnamkriegs, S.18ff und Vgl. Stockwell, A.J.: Southeast Asia in War and Peace: The End of European Colonial Empires, S. 13-17

[13] Vgl. Frey, Marc: Geschichte des Vietnamkriegs, S.20f

[14] Vgl. Frey, Marc: Geschichte des Vietnamkriegs, S.208 - 213

[15] Vgl. Spence, Jonathan D.: Chinas Weg in die Moderne, S. 828 und S. 900

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Westlicher Interventionismus nach der Dekolonialisierung sowie der politischen und wirtschaftlichen Transformation der ASEAN-Region am Beispiel der Südostasienkrise
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Geschichte Südostasiens im 20. Jahrhundert
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V65044
ISBN (eBook)
9783638577045
ISBN (Buch)
9783638670333
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westlicher, Interventionismus, Dekolonialisierung, Transformation, ASEAN-Region, Beispiel, Südostasienkrise, Geschichte, Südostasiens, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Niclas Dominik Weimar (Autor), 2006, Westlicher Interventionismus nach der Dekolonialisierung sowie der politischen und wirtschaftlichen Transformation der ASEAN-Region am Beispiel der Südostasienkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65044

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