Die dritten Programme - Entstehung und Entwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Ausgangslage: Entwicklung des Fernsehens in Deutschland nach 1949
1.1 Die Landesrundfunkanstalten
1.2 Gründung der ARD
1.3 Aufnahme des Sendebetriebs des Fernsehens

2. Ruf nach mehr: Die Diskussion um das Zweite Programm
2.1 Technische Voraussetzungen
2.2 Fernsehstreit
2.3 Das Erste Fernseh-Urteil und die Gründung des ZDF

3. Aus zwei mach drei: Der Start der Dritten Programme
3.1 Regionale Übergangsprogramme auf der Frequenz des ZDF
3.2 Sendestarts der Dritten Programme
3.3 Programmgestaltung der Dritten

4. Rechtliche Grundsätze und Organisation
4.1 Grundzüge der Organisation der Dritten Programme
4.2 Kooperation zwischen den Landesrundfunkanstalten

5. Entwicklung zu regionalen Vollprogrammen von den 70er bis in die 90er Jahre
5.1 Strukturveränderungen der Dritten Programme in den siebziger Jahren
5.2 Nach der Wiedervereinigung: Dritte Programme für Ostdeutschland
5.3 Öffentlich-rechtliches Regionalfernsehen unter neuen Wettbewerbsbedingungen
5.4 Die Dritten heute

Fazit: Die dritten Programme – nach wie vor ein Erfolgsmodell

Vorwort

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den dritten Programmen der öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten in Deutschland. Zunächst wird ihre Entstehung zu Beginn der sechziger Jahre beschrieben. Dazu ist es notwendig, zunächst einen Überblick über die Entwicklung des deutschen Rundfunks und Fernsehens in den Jahren von 1949 bis 1963 zu geben. Danach wird kurz auf die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen eingegangen, denen das Programm der Landesrundfunkanstalten unterworfen ist und die auch für die dritten Programme ausschlaggebend sind. Im fünften Kapitel wird die Weiterentwicklung der Dritten zu regionalen Vollprogrammen seit den siebziger Jahren nachvollzogen und der Status quo der Programmlandschaft beschrieben. Das abschließende Fazit legt dar, dass die dritten Programme bis heute als Erfolgsmodell bezeichnet werden können.

1. Ausgangslage: Entwicklung des Fernsehens in Deutschland nach 1949

1.1 Die Landesrundfunkanstalten

1949, zum Zeitpunkt der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Verabschiedung des Grundgesetzes, existierten sechs Rundfunkanstalten in Westdeutschland. Diese „Rundfunkanstalten der ersten Generation“ (Stuiber, 1998, 198) waren: der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) in der Britischen Besatzungszone, der Hessische, der Süddeutsche und der Bayerische Rundfunk (HR, SDR und BR) sowie Radio Bremen (RB) in der Amerikanischen und der Südwestfunk (SWF) in der Französischen Besatzungszone. Sie hatten alle von ihrer Gründung an die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts inne.

Besonders im Sendegebiet des NWDR kam es in den folgenden Jahren zu Umstrukturierungen, da die einzelnen Bundesländer in der zentralistischen Organisation der Anstalt nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Der NWDR hatte ein sehr großes Einzugsgebiet, mehr als die Hälfte der westdeutschen Bevölkerung empfing seine Radioprogramme. So hatte er mit dem Problem zu kämpfen, für wirtschaftlich und kulturell sehr verschiedene Regionen Programm machen zu müssen. (Vgl. ebd. 204)

Im November 1953 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die Gründung der Rundfunkanstalt Sender Freies Berlin (SFB), die sich „der Belange Berlins in besonderem Maße“ (Stuiber, 1998, 203) annehmen sollte. Bis dahin war Berlin von NWDR und RIAS, dem Rundfunk im Amerikanischen Sektor, versorgt worden.

Die weitere Dezentralisierung des Rundfunks in der Britischen Zone wurde von der Besatzungsmacht, die auch nach 1949 weiterhin ein Einspruchsrecht gegen alle Gesetze hatte, verhindert. Erst nachdem die Bundesrepublik 1955 – auch im Rundfunkbereich - ihre Souveränität erhalten hatte, war der Weg für die Auflösung des NWDR frei. 1955 wurden der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in Nordrhein-Westfalen und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) für die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg gegründet.

Am 1. Januar 1957 wurde das Saarland wieder in die Bundesrepublik eingegliedert. Bis dahin hatte der Rundfunk dort der vollständigen Hoheit der französischen Besatzungsmacht unterstanden. Bereits vor der Wiedereingliederung war im Landtag ein Rundfunkgesetz verabschiedet worden, so dass „am Tag der Wiedereingliederung des Saarlandes auch das saarländische Rundfunkgesetz in Kraft treten [konnte], welches in den Grundzügen jenen Rundfunkgesetzen entsprach, die in den anderen Ländern verabschiedet worden waren“ (ebd., 207).

Mit der Gründung des Saarländischen Rundfunks (SR) existierten in der Bundesrepublik neun Landesrundfunkanstalten. Dieser Status prägte die westdeutsche Rundfunklandschaft bis zur Wiedervereinigung.

1.2 Gründung der ARD

Von Anfang an war klar, dass eine enge Zusammenarbeit der einzelnen Rundfunkanstalten, die sich in ihrer inneren Struktur sowie in ihrer Aufgabenstellung sehr ähnlich waren, zweckmäßig sein würde, um die übereinstimmenden Interessen gemeinsam zu verfolgen: „Das galt vor allem für die Zusammenarbeit in Programmfragen, etwa durch Programmaustausch, mit der dem gegen die kleinräumige Gliederung des deutschen Rundfunks gerichteten Vorwurf des Provinzialismus begegnet werden sollte. Doch auch auf den Gebieten von Technik, Recht oder Finanzen gab es zahlreiche gemeinsame Probleme. Außerdem war es erforderlich, den Rundfunk auf nationaler Ebene zu repräsentieren, beispielsweise bei der Mitgliedschaft in internationalen Organisationen“ (Hesse, 1999, 12). Bereits seit 1947 trafen sich die Intendanten der ‚Rundfunkanstalten der ersten Generation’ daher zu regelmäßigen Sitzungen. Erste Vorschläge zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft ‚Deutscher Rundfunk’ scheiterten jedoch wegen zu großer Ähnlichkeiten mit der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft der Weimarer Republik. Im Juni 1950, also noch bevor der Fernsehbetrieb in der BRD aufgenommen wurde, schlossen sich die zu diesem Zeitpunkt bestehenden sechs Rundfunkanstalten zur ‚Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands’ (ARD) zusammen. Im Laufe der folgenden Jahre traten ihr auch die neu gegründeten Landesrundfunkanstalten bei. Zum Zeitpunkt ihrer Gründung war die ARD ein nur loser Verbund der Anstalten ohne eigene Rechtspersönlichkeit. (Vgl. Stuiber, 1998, 211 ff)

„Die ARD ist als relativ lockerer Zusammenschluss mit Vereinscharakter ins Leben getreten. Ihre Mitglieder waren in den ersten Jahren sorgsam darauf bedacht, keinerlei Souveränität abzugeben, schon gar nicht auf dem Gebiet des Programms. Nur einstimmige Beschlüsse der Mitglieder konnten für alle Rundunkanstalten verbindlich sein.

Wahrscheinlich hätte sich diese lockere Zusammenarbeit nicht verstärkt, hätte nicht das Fernsehen fast alle Landesrundfunkanstalten vor unlösbare Probleme gestellt. Die für den Hörfunk praktizierte Zusammenarbeit mit Absprachen, Programmaustausch und Koproduktion von Programmen erwies sich bei einem Blick in die Zukunft als nicht eng genug“ (Bausch, 1969, 14).

1.3 Aufnahme des Sendebetriebs des Fernsehens

Der NWDR, die größte und finanzstärkste Rundfunkanstalt, arbeitete bereits seit 1948 an der Weiterentwicklung der Fernsehtechnik und begann im November 1950 versuchsweise mit dem Fernsehbetrieb. Wenn auch der NWDR in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle inne hatte und die besten Voraussetzungen zur Aufnahme eines regulären Fernsehbetriebs besaß, waren sich die Intendanten dennoch einig, dass die Veranstaltung des Fernsehens nicht einer Anstalt allein vorbehalten sein sollte. Jede einzelne Anstalt, auch der NWDR, wäre alleine zu klein gewesen, um für ihr Sendegebiet ein ausreichendes Fernsehprogramm zu produzieren, „da eine Minute Fernsehprogramm – wie der Generaldirektor des NWDR Adolf Grimme auf einer Intendantentagung im Juni 1950 vorrechnete – 500 Mark kosten würde. Im Vergleich zu einer Hörfunkminute, welche damals mit 25 Mark veranschlagt wurde, war dies eine immense Summe“ (Stuiber, 1998, 214). Es setzte sich die Meinung durch, dass für die gesamte BRD ein Fernsehprogramm begründet werden solle, dessen Beiträge alle Anstalten gemeinsam produzieren würden. Am 12. Juni 1953 wurde der ‚Fernsehvertrag der westdeutschen Rundfunkanstalten’ über ein solches Programm unterzeichnet. Darin heißt es:

„Das Deutsche Fernsehprogramm setzt sich aus Programmbeiträgen der vertragschließenden Rundfunkanstalten zusammen. (...) Es soll höchstens zwei Stunden täglich dauern. Das Deutsche Fernsehprogramm kann durch regionale Programme der Rundfunkanstalten ergänzt werden. (...) Als Pflichtbeitrag liefern der NWDR 50, der BR 20 sowie HR, SDR und SWF je 10 v.H. Der Pflichtbeitrag von Radio Bremen bleibt einer besonderen Regelung vorbehalten. Jede Anstalt ist berechtigt, auf die Ausstrahlung von Teilen des Deutschen Fernsehprogramms zu verzichten und es insoweit durch einen eigenen Beitrag zu ersetzen. Jede Rundfunkanstalt trägt ihre Kosten selbst“ (Zit. nach Bausch, 1980, 273).

Das Gemeinschaftsprogramm ‚Deutsches Fernsehen’ nahm schließlich am 1. November 1954 offiziell den Sendebetrieb auf. Der Fernsehvertrag wurde in den folgenden Jahren mehrfach überarbeitet; die neu gegründeten Anstalten NDR, WDR, SFB und SR traten bei, die Sendezeitbegrenzung wurde aufgehoben. Im Kern blieb der Fernsehvertrag, der 1959 durch einen Staatsvertrag der Länder, das ‚Abkommen über die Koordinierung des Ersten Fernsehprogramms’, abgesichert wurde, jedoch bis heute bestehen.

2. Ruf nach mehr: Die Diskussion um das Zweite Programm

2.1 Technische Voraussetzungen

Die technische Grundvoraussetzung für die Gründung weiterer Fernsehprogramme wurde 1959 geschaffen. Anfang der 50er Jahre sendete das Fernsehen in Deutschland auf den Frequenzen der Bänder I und III im Bereich der Ultrakurzwellen von 30 bis 300 MHz. Ab Mitte der 50er Jahre standen darüber hinaus die Frequenzbereiche der Bänder IV und V im Bereich der Dezimeterwellen von 300 bis 3000 MHz zur Verfügung. 1959, auf der internationalen Funkverwaltungskonferenz in Genf, wurde deren Nutzung für Europa freigegeben. Dies ermöglichte in der BRD zum Einen die lückenlose Versorgung mit dem Ersten Programm und zum Anderen eine annähernd vollständige Versorgung mit zwei weiteren Fernsehprogrammen. Die Rundfunkindustrie reagierte sofort und bot schon 1960 entsprechende Antennen und Empfangsgeräte an.

Die Technik war also bereit, weitere Fernsehprogramme auszustrahlen – politische Auseinandersetzungen verzögerten aber die Umsetzung der technischen Möglichkeiten. (Vgl. Stuiber, 1998, 80)

2.2 Fernsehstreit

Die Hauptkonfliktlinie im Fernsehstreit, der der Gründung des ZDF voran ging, verlief zwischen Bund und Ländern. Bundeskanzler Konrad Adenauer schwebte die Regelung des Rundfunks durch ein Bundesgesetz und die Gründung eines privatwirtschaftlich organisierten zweiten Programms vor. Die Länder hingegen bestanden darauf, dass der Rundfunk als Kulturaufgabe in ihren exklusiven Kompetenzbereich falle und verlangten zudem für das zweite Programm eine öffentlich-rechtliche Struktur.

Im Mai 1957 verkündeten die Landesrundfunkanstalten ihren Plan, ein zweites Fernsehprogramm auszustrahlen, und beantragten beim Postministerium die Zuteilung der erforderlichen Frequenzen. Dies wurde ihnen verwehrt mit der Begründung, es bestünden bereits „besondere Vorstellungen“ des Ministeriums bezüglich der Verwendung dieser Frequenzen. „Von dieser Zeit an war es offenkundig, dass ein zweites Fernsehprogramm von zwei Seiten her geplant wurde: von der Bundesregierung, die zusammen mit privaten Gruppen auf dieses Ziel zusteuerte, und von der ARD, die immer wieder betonte, sie bereite ein zweites Programm vor, das im Jahre 1960 gestartet werden könne, sofern der Bundespostminister die Frequenzen rechtzeitig zuteile“ (Flottau, 1978, 55).

Ein von der Bundesregierung eingebrachter Gesetzentwurf über die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt des Bundes wurde im Juni 1960 im Bundesrat „aus verfassungsrechtlichen und staatspolitischen Gründen“ (Stuiber, 1998, 222) abgelehnt. Als Adenauer erkennen musste, dass die Gründung eines bundeseigenen Fernsehens durch Gesetz politisch nicht durchsetzbar war, beschloss er, einen anderen Weg zu gehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die dritten Programme - Entstehung und Entwicklung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Recht als Nebenfach)
Veranstaltung
Hauptseminar Medienrecht Fernsehen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V65333
ISBN (eBook)
9783638579308
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beschreibung von Entwicklung und Entstehung der Dritten Fernsehprogramme der ARD aus medienrechtlicher Perspektive
Schlagworte
Programme, Entstehung, Entwicklung, Hauptseminar, Medienrecht, Fernsehen
Arbeit zitieren
Nina Anna Ruppert (Autor), 2005, Die dritten Programme - Entstehung und Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65333

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