Dark Ages - Gräber und ihre Interpretation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
25 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Grabtypen in mykenischer und geometrischer Zeit

2. Epochen
2.1 Die submykenische Phase
2.2 Die protogeometrische Phase
Kerameikos in Athen
Athener Agora
Athener Akropolis
Argolis
Lefkandi
2.3 Die geometrische Phase
Athen
Argolis
2.4. Die spätgeometrische Epoche
Athen
Argolis
Heroen Kult
Einstellung zum Tod

3. Begräbnisrituale und Totenkult

4. Soziale Differenzierung der Bestatteten

5. Schlussworte

Ich werde in meiner Arbeit versuchen, einen Einblick in die Bestattungsbräuche der Dark Ages zu geben. Beginnend mit den verschiedenen Grab- und Bestattungsformen werde ich eine Besprechung der Gräber in den einzelnen geometrischen Phasen folgen lassen, wobei ich auch auf den Heroenkult und die Einstellung der Menschen zum Tod eingehen möchte. Danach werde ich mich dem Begräbnisritual und den Totenkult widmen, um schließlich noch die Möglichkeit der sozialen Differenzierung der Bestatteten zu diskutieren. Ich stütze mich in meinen Ausführungen vor allem auf die Landschaften Attika, Argolis und Euböa, da diese am besten erforscht sind.

1. Grabtypen in mykenischer und geometrischer Zeit

In mykenischer Zeit war die Mehrfachbestattung vorherrschend. Als Grabtypen sind hierbei das Kammergrab, das Tholosgrab, die `vaulted chamber´, eine überwölbte Kammer, die eine Fusion aus Kammer- und Tholosgrab darstellt und die natürliche Höhle zu nennen.

Signifikant für die geometrische Epoche ist hingegen das Aufkommen der Einzel- sowie der Brandbestattung, wenn sich diese auch unterschiedlich stark durchsetzte.

Einzelbestattungs- Grabtypen sind im Fall der Körperbestattung:

Das Kistengrab, welches aus einer rechteckigen Kiste, die aus Platten gebaut und oft bedeckt ist, besteht. Als Variationen dieses Grabtyps kann ein grober Sarkophag gelten, wobei dieser aus einem Steinblock gearbeitet sein kann oder die Kiste nicht aus Platten sondern aus groben unbehauenen Steinen besteht.

Das Schachtgrab zeichnet sich durch einen tiefen und schmalen Schacht, der mit kleinen Steinen ausgemauert wird, aus. Dieses ist charakteristisch für mykenische Zeit, lebt aber in geometrischer Zeit fort.

Das plattenbedeckte Schachtgrab stellt eine Fusion von Schacht- und Kistengrab dar. Ein weiterer Typus ist das Grubengrab, eine einfache ovale oder rechteckige Grube.

Außerdem finden sich Bestattungen in Gefäßen; häufig ist hierbei die Bestattung im pithos anzutreffen. Auch dürften Holzsärge Verwendung gefunden haben; dies ist jedoch im archäologischen Befund meist schwierig nachzuweisen.

Bei Brandbestattung findet man den Leichenbrand in einfachen Gruben oder die Aschenurne in ein Grab gestellt oder gelegt.

In gewissen Regionen Griechenlands wie Kreta und Messenien wurde der Umschwung zum Einzelbegräbnis nie vollzogen.

2. Epochen

2.1 Die submykenische Phase (1100-1050 v.)

Körperbestattung war in der submykenischen Epoche die übliche Bestattungsart. Hauptsächlich wurde das Schachtgrab und das Kistengrab genutzt, wobei letzteres im Vergleich zu mykenischen Kistengräbern in den Ausmaßen größer war, da der Tote in submykenischer Zeit ausgestreckt begraben wurde.

Die Einzelbestattung beginnt sich durchzusetzen, was einen bedeutsamen Bruch mit der mykenischen Tradition bezeichnet. Desborough nahm für diese dramatische Änderung in den Bestattungsriten das Ankommen von Einwanderern aus Gegenden, wo das Kistengrab in Gebrauch war, als Grund an. Diese kämen von Nordwesten über Zentralgriechenland auf die Peloponnes.[1] Snodgrass sieht darin hingegen ein Wiederaufleben der MH Kultur, da das Kistengrab auch in mykenischer Zeit nie völlig aus dem Gebrauch kam.[2] Cavanagh und Mee wollen den Gebrauch in Zusammenhang mit neuen politischen und sozialen Konditionen sehen, die einen ökonomischeren Umgang mit der Bestattung erfordern.[3]

Die Grabbeigaben waren nicht zahlreich oder aufwendig, manchen Gräber hatten gar keine aufzuweisen, in anderen befanden sich einige Tongefäße. Am häufigsten vertreten waren Ölfläschchen, Bügelkannen, Lekythen, Bronzeschmuck, Fibeln und Ringe.[4]

2.2 Die protogeometrische Phase (1050- 900 v.)

Kerameikos in Athen

Während die Gräber der submykenischen Zeit am Nordufer des Eridanos im Friedhof am Pompeion lagen, konzentrieren sich die protogeometrischen stärker am Südufer des Flusses, etwa 100m westlich der Gräber am Pompeion, einige weitere Gräber wurden im Bereich der Heiligen Straße gefunden. Obwohl die Körperbestattung noch immer gängig war, wurde die Brandbestattung der vorrangige Ritus.[5]

Die Urne wurde in eine rechteckige Grube gestellt, die manchmal mit Steinplatten ausgekleidet war. Man findet auch zwei Gruben, eines für die Urne, das andere für die Brandrückstände. Die Urnen, meist Amphoren, enthielten den vom Scheiterhaufen gesammelten Leichenbrand und gelegentlich Wertgegenstände und Schmuck. Skelettanalysen und die Untersuchung der Grabbeigaben führten zu der Annahme, dass die Asche von Männern in Halsamphoren, die von Frauen in Bauchamphoren aufbewahrt wurde. Zu Ende der protogeometrischen Zeit herrscht die Tendenz vor, die Bauchamphora durch die Schulteramphora bei weiblichen Bestattungen zu ersetzen. Die Urne war durch ein Gefäß, eine Platte, eine Scherbe oder Metallknopf verschlossen; die Grube wiederum durch eine Platte, Scherben, Lehm oder Steine. In der Grube selbst befand sich oft eine dünne Schicht Asche, die als Reste vom Scheiterhaufen oder den verbrannten Opfergegenständen interpretiert werden. Die protogeometrischen Gräber waren wahrscheinlich durch einen kleinen Erdhügel gekennzeichnet. Zwei Gräber sind bekannt, die eine Kennzeichnung aufweisen, beide waren mit einer Amphora versehen, eines hatte zusätzlich noch eine Kalkplatte als Markierung. Der Kerameikosbereich war in protogeometrischer Zeit für Erwachsene reserviert.[6]

Athener Agora

Protogeometrische Gräber wurden auch im Bereich der späteren Athener Agora gefunden. Ein Teil wurde im nordwestlichen Teil von Kolonos Agoraion festgestellt, während der Rest in der Nähe der späteren Attalos- Stoa liegt. Kinder wie auch Erwachsene wurden in submykenischer und protogeometrischer Zeit hier begraben. Für Kinder wird Körperbestattung in Kisten- Gruben- oder Schachtgräber verwendet, für Erwachsene Brandbestattung. Körper und- Brandgräber findet sich also in einer Nekropole- so scheint es nach Lemos als würde die jeweilige Bestattungsart mehr und mehr der persönlichen Entscheidung anheim gestellt werde.[7]

Athener Akropolis

Beim späteren Nymphaion wurden vier Gräber gefunden, zwei Brand- und zwei Körperbestattungen. Bei der Erechteion Straße wurden 14 Gräber entdeckt; 13 Brand- und eine Körperbestattung. Bei den Brandbestattungen waren nach anthropologischen Untersuchungen drei Kinder darunter, was ungewöhnlich ist, da Kinder während dieser Periode meist körperbestattet wurden. In einem Fall enthielt die Urne zwei Bestattungen, eine junge Frau und einen jungen Mann. Da die meisten Gräber von einer Steineinfassung aus dem 4.Jh. v. umgeben waren- eine solche Einfassung kennt man auch aus Nea Ionia-, ist womöglich hier mit einem Begräbnisplatz einer einzelnen Familie zu rechnen.[8]

Die Funde in protogeometrischer Zeit sind um weniges abwechslungsreicher als die der submykenischen Epoche, aber häufiger. In Körperbestattungsgräbern von Kindern findet man oft passende Miniaturen, die den Kopf rahmen. Bei zwei Gräbern der Agora waren für die Beigaben Nischen in die Seitenwände des Grabes gehauen worden.

In Brandgräbern gab es Opfergegenstände, die meist unversehrt und unverbrannt in die Urne selbst gelegt wurden und solche, die außen um Schulter und Basis deponiert wurden. Diese wurden meist als Scherben aufgefunden und man nimmt an, dass einige um den Scheiterhaufen gestellt waren und nach der Verbrennung der Leiche mit den Brandrückständen zusammen eingesammelt wurden.

Die am häufigsten vertretenen Gefäßtypen sind Lekythen, Schalen, Tassen und Krüge. Kalathoi gibt es auch noch in geometrischer Zeit; sie dienen oft als Umhüllung für die Urnen. Eine neue Form ohne mykenischen Vorläufer ist die Pyxis. Eine eigenartige grobe Ware mit Ritzverzierungen, es wurden daraus Schüsseln, Perlen, Spinnwirtel, glockenförmige Püppchen mit beweglichen Beinen und Pyxiden in menschenähnlicher Gestalt hergestellt, wurde in Attika, Korinth und der Argolis gefunden. Manche Tonfiguren waren bemalt. Es sind dies die frühesten nachmykenischen Terrakotten. Darunter ist ein Hirsch zu nennen, der in ein Brandgrab gelegt wurde. An Schmuck wurde nur ganz wenig gefunden; einige Nadeln und Fibeln, einfache Spiralen, Ringe, Armbänder. Nadeln und Fibeln finden sich bei Körper- wie Brandbestattungen, wobei sich die in Brandgräbern meist in der Urne befanden. Die Spuren starker Hitze lassen daran denken, dass die Toten in Kleidern nicht nur begraben, sondern auch eingeäschert wurden.

Zum ersten Mal seit der Bronzezeit erscheinen in geringem Ausmaß auch Waffen, so z.B. Speerspitzen; Schildbuckel bildeten oft den Abschluss der Urnenöffnung. Die Klingen der Schwerter bog man um den Hals der Urne, der Griff wurde zum Brandmaterial gelegt oder verblieb in der Füllung. In protogeometrischer Zeit wurden nur Männer mit Waffen begraben, Frauen hingegen mit handgemachter Keramik, Spindeln und Nadeln. Interessanterweise scheint eine solche Geschlechter­unterscheidung in protogeometrischer Zeit wichtiger, als die Unterscheidung dem Reichtum nach. Immerhin zog es die soziale Elite aber vor, in organisierten Friedhöfen begraben zu werden.

Aus Funden von Tierknochen und unverbrannten Gefäßen darf davon ausgegangen werden, dass auch Speise- und Trankopfer vollzogen wurden.

Am Ende der protogeometrischen Zeit lebt die Körperbestattung in Attika wieder auf.[9]

Argolis

Während sich in Athen die Brandbestattung zu etablieren beginnt, wurde diese in der Argolis nie angenommen. In protogeometrischer Zeit finden sich Kistengräber und eine kleine Anzahl von Grubengräber, wobei die Begrabenen in Argos wie auch Mykene in gekrümmter Position bestattet wurden, was die kleine Größe erklären könnte. Die Beigaben sind spärlich, so finden sich nur eine geringe Anzahl von Metallobjekten, meist solche, die in Zusammenhang mit persönlicher Bekleidung stehen. Bemerkenswert ist das fast komplette Fehlen von Waffen. Als Standardbeigaben gelten zwei Töpfe, eine Tasse und ein Krug. Interessanterweise sind die reichsten Gräber Kindergräber.[10]

[...]


[1] V. R. Desborough, The greek dark ages (1972) 106-11.

[2] A. M. Snodgrass,The dark age of Greece (1971) 177-84. 314-16.

[3] W. Cavanagh- C. Mee, Mourning before and after the Dark Age, in: Chr. Morris (Hrsg.), Klados. Essays in Honour of J.N. Coldstream (1995), 45-61.

[4] D.C. Kurtz- J. Boardman, Thanatos. Tod und Jenseits bei den Griechen (1971) 40ff.

[5] I. S. Lemos, The protogeometric Aegean. The archaeology of the late eleventh and tenth centuries BC (2002), 52.

[6] D.C. Kurtz- J. Boardman, Thanatos. Tod und Jenseits bei den Griechen (1971).

[7] I. S. Lemos, The protogeometric Aegean. The archaeology of the late eleventh and tenth centuries BC (2002) 153.

[8] a.O. Lemos (2002) 154.

[9] D.C. Kurtz- J. Boardman, Thanatos. Tod und Jenseits bei den Griechen (1971) 40ff.

[10] R. Hägg, Burial Customs and Social Differentiation in 8th- Century Argos, in: R. Hägg (Hrsg.), The Greek Renaissance of the Eighth Century BC (1983) 27-31.

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Details

Titel
Dark Ages - Gräber und ihre Interpretation
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Dark Ages
Note
1,00
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V66421
ISBN (eBook)
9783638590181
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dark, Ages, Gräber, Interpretation
Arbeit zitieren
Katrin Bernhardt (Autor), 2005, Dark Ages - Gräber und ihre Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66421

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