Der Ökonomiebegriff bei Aristoteles und Xenophon - Eine Gegenüberstellung unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Frau


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffsklärung Ökonomie

2. Xenophons Ökonomiebegriff
2.1 Biographie
2.2 Inhalt des Oeconomicus

3. Aristoteles Ökonomiebegriff
3.1 Biographie
3.2 Inhalt der Politik. Erstes Buch
3.3 Aristoteles Ökonomie in der Nikomachischen Ethik

4. Die Frau als Gattin und Sklavin im oikos-

ein Gegenüberstellung des Oeconomicus und der Politik

5. Bibliographie

1. Begriffsklärung Ökonomie

Das Wort Ökonomie leitet sich von den griechischen Wörtern oikos für ”Haus“ und nomos für ”Gesetz“ her. Ökonomie bezeichnet die Lehre von der Hauswirtschaft im engeren und im weiteren Sinn für die Wirtschaft allgemein. Oikonomia bedeutete, wie später auch das lateinische oeconomia so viel wie ”Einteilung“, ”Ordnung“, ”Verwaltung“. Das Wort wurde im 16. Jahrhundert in die deutsche Sprache übernommen und bezeichnete hier zunächst die Hauswirtschaft bzw. die Haushaltsführung. Im 18. Jahrhundert wurde daraus die Wirtschaftlichkeit im Sinn von sparsamer Lebensführung. Als Bezeichnung für Wirtschaftswissenschaft oder Wirtschaftstheorie wird es seit dem frühen 19. Jahrhundert verwendet.[1]

2. Xenophons Ökonomiebegriff

2.1 Biographie

Xenophon wurde um 430 v. Chr. in Athen geboren. Er war Schriftsteller und Politiker, gehörte in seiner Jugend zum Schülerkreis um den Philosophen Sokrates und stand den oligarchischen Kreisen Athens nahe. Während des Peloponnesischen Krieges nahm er am Feldzug des archämenidischen Satrapen Kyros des Jüngeren gegen den Perserkönig Artaxerxes II. im Gefolge eines griechischen Söldnerheeres teil. Nach dem Tode Kyros, der in der Schlacht bei Kunaxa 401 v. Chr. fiel, und nachdem fast der gesamten Offiziersstab einem persischem Meuchelmord zum Opfer gefallen war, wurde Xenophon erwählt, die Griechen aus Persien durch Armenien zurück nach Griechenland zu führen. Nach dem Justizmord an seinem Lehrmeister Sokrates und nachdem Xenophon den spartanischen König Agesilaus im Kampf gegen Athen unterstützt hatte, wurde er ins Exil verwiesen. Große Teile seines weiteren Lebens verbrachte er als Schriftsteller und Gutsherr auf der Peloponnes in Skillus bei Olympia; daher auch seine Kenntnisse von Landwirtschaft und Viehzucht. Dieses musste er 371.v. Chr. wieder verlassen und obwohl die Verbannung wahrscheinlich schon 368/67 v. Chr. aufgehoben wurde, dürfe er den Rest seines Lebens in Korinth verbracht haben, wo er nach 355 v. Chr starb.[2]

2.2 Inhalt des Oeconomicus (um 360 v. Chr.)

Da Griechenland in der Antike ein völlig durch die Landwirtschaft geprägtes Land war, liegt im Oeconomicus der Fokus auf der Bewirtschaftung der Felder und der richtigen Verwaltung des oikos. Der Text ist als Gespräch zwischen Sokrates und seinem Schüler Kritobulus aufgebaut, wobei ab Kapitel sechs eine Wiedergabe eines Gesprächs zwischen Sokrates und Ichomachus erfolgt.

Die Abhandlung beginnt mit der Begriffsdefinition des Vermögensmanagements, welches sich damit beschäftigt, wie der eigenen Besitz gut zu verwalten sei. Besitz ist das, was dienlich für den Besitzer ist; so können die selben Dinge für eine Person wertvoll sein, für die andere nicht, wenn diese nicht weiß, wie sie damit umzugehen hat. In dieser Weise ist auch Geld wertlose, wenn der Besitzer dieses nicht zu nutzen weiß. Viele Privatpersonen vermehrten ihren Reichtum durch Krieg oder Tyrannei, aber es gibt auch Menschen, die ihren Reichtum gar nicht vergrößern wollen, daher ist ihr Wissen nutzlos für sie. Außerdem existieren Menschen, für die weder ihr Wissen noch ihr Reichtum von Vorteil sind, da sie von anderen Dingen wie Spielsucht oder dem Aufrechterhalten von unprofitablen Betrieben beherrscht werden. Dadurch sind sie abgehalten, sich in gewinnversprechenden Tätigkeiten zu versuchen. Andere arbeiten hart, aber geraten trotzdem in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie durch Alkoholismus, teure Ambitionen, oder Fresssucht beherrscht werden.[3]

Im zweiten Kapitel geht Sokrates auf die Haushaltsverwaltung ein. In vielen Fällen werden Sklaven in Ketten gelegt und laufen bei jeder sich bietenden Möglichkeit davon; in anderen aber passiert dies nicht und die Sklaven sind dem oikos treu.[4] Wenn die Ehefrau den Haushalt nicht ordentlich verwaltet, weil sie es nie gelehrt bekommen hat, muss nicht sie, sondern der Hausherr angeklagt werden. Die Frau trägt im Haushalt soviel Verantwortung wie der Mann, und wenn die Aktivitäten gut ausgeführt werden, profitiert der oikos. Die handwerksmäßigen, rein mechanischen Tätigkeiten schädigend Körper und Geist und lassen dem Arbeiter keine Zeit um sich um Freunde und den Staat zu kümmern. Deshalb sollte der noble Mann sich um die Landwirtschaft und die Kriegskunst bemühen, da diese seine Körper stärkt und tapfere und loyale Staatsbürger heranzieht. Er muss aber in diesem Fall auch die Göttern ehren, um gutem Ertrag zu erlangen. Vermögensverwaltung ist also der Name für einen Wissenszweig, bei dem der Besitz vermehrt wird.[5]

Ab Kapitel sechs erzählt nun Sokrates von seinem Gespräch mit Ichomachus, den er als Ehrenmann und als sehr geschickt in der Vermögensverwaltung ansieht.

Ischomachus geht nun zuerst auf die Aufgaben seiner Partnerin ein und in welcher Weise er sie zu unterweisen suchte.

Er überlässt die Haushaltsangelegenheiten seiner Gattin, die ihm im Alter von fünfzehn Jahren von den Eltern zur Frau gegeben wurde, behütet und unwissend.[6] Dieser hat er versucht zu erklären, dass der bessere Partner nun der sei, der mehr zum Familienvermögen beitrage. Die Partnerschaft solle zur Reproduktion, aber auch zur Altersversorgung dienen. Wichtig ist Selbstkontrolle und den Wunsch den Anlagen nach bestens zu agieren, um den Reichtum zu vermehren. Frauen sind nach Ichomachus eher auf innerhäusliche, Männer auf außerhäusliche Tätigkeiten angelegt. Beide besitzen aber gleichviel Erinnerungskraft und Möglichkeiten der Selbstkontrolle. Da sie aber nicht die gleichen Fähigkeiten haben, brauchen sie einander und ergänzen sich. Er vergleicht die Frau mit der Biene, unter deren Kontrolle das steht, was hereinkommt und die dieses aufhebt, bis es gebraucht wird, dieses dann aber gerecht verteilt. Sie sendet die Sklaven nach draußen und beaufsichtigt die, die im Haus arbeiten. Wenn Wolle gebracht wird, übernimmt sie die Verantwortung, dass diese zu Stoff verarbeitet wird, wie sie zu achten hat, dass das Mehl trocken bleibt. Auch betreut sie die Sklaven, wenn sie krank werden. Sie soll diese auch lehren, um ihren Wert zu verdoppeln. Ischomachus lehrt seiner Gattin auch die Ordnung im Haushalt, sodass alles wiedergefunden werden kann, sobald es benötigt wird. Er erklärt Sokrates, dass er die Mitarbeit im Haushalt seiner Frau viel mehr begehre, als deren Schönheit.[7] Da Ischomachus Frau seinen Anweisungen willig folgt und diese zu verstehen scheint, kommt Sokrates nicht umhin, ihr eine männliche Intelligenz zu konstatieren.[8]

Ischomachus zählt im folgenden seine täglichen Aktivitäten auf. Sein Tagesablauf beginnt früh am morgen, er besucht die Leute mit denen er zu reden hat, dann geht er zu den Sklaven am Feld und beobachtet ihre Arbeit, er macht einige Manöver mit dem Pferd wie es in Kriegszeiten üblich ist, um dann einen Teil des Weges nach Hause zu laufen, wo er sich mit einer strigilis reinigt. Auch ist er auf seinen Ruf als ehrbarer Mann bedacht.[9]

Als nächstes beschreibt Ischomachus die Auswahlkriterien nachdem er seine Sklaven und Arbeiter erwählt hat. Die Haushälterin wurde nach der möglichst großen Selbstkontrolle ausgesucht, sodass sie nicht dem Wein, den Männern, dem Schlaf oder Essen zu sehr zugeneigt sein. Um sie zur Loyalität zu erziehen, wurde sie in die Freuden wie Leiden der Familie miteinbezogen.[10]

Die Vorarbeiter die er sich wählt, trainiert er selbst, loyal zu sein und belohnt sie, wenn sie ihre Tätigkeiten gut ausführen. Ebenso wie die Haushälterin soll auch der Vorarbeitern nicht den negativen Einflüssen des Weines, Schlafes und der Liebe ergeben sein. Aber all dies kann nur geschehen, wenn die Person, die all dies lehrt, sich selbst um das Wohlergehen des oikos sorgt. Der Vorarbeiter muss nicht nur wissen wie das Land zu bestellen ist, sondern auch wie die Arbeiter zu regieren sind. Wiederum führt Ischomachus hier sein Belohnungs- Bestrafungs- System an, je nachdem wie gut die Arbeiten erledigt wurden. So erhalten die besseren Arbeiter auch bessere Bekleidung. Außerdem muss der Vorarbeiter darauf trainiert werden, nicht zu stehlen; Ischomachus wendet dazu Gesetze Drakons, Solons und des Persischen Königs an, wobei bei letzteren nicht nur die Strafe im Mittelpunkt steht, sondern vor allem auch die Ehrlichen belohnt werden. Die Sklaven werden sodann ehrlich, weil sie vom Herren gelobt werden wollen und Ischomachus bemüht sich mit ihnen um einen Umgang wie unter ehrbaren Männern.[11]

Sodann will Sokrates mehr erfahren über die praktischen Fähigkeiten, die ein Bauer besitzen muss, um ertragreich zu ernten.[12] So sagt Ischomachus, dass ein Bauer über die Beschaffenheit des Bodens Bescheid zu wissen hat. Indem er beobachtet, was auf dem Feld des Nachbarn wächst, kann er erfahren, was gedeiht und was nicht, wobei eine gewisse Flexibilität trotzdem von Vorteil ist. Wenn der Boden schwach ist, soll weniger Saat eingearbeitet werden. Ischomachus sendet Männer aufs Feld, die die zarten Pflänzchen nach heftigen Regenfällen vom Schlamm zu befreien. Wenn das Getreide hoch gerät wird es in der Mitte geschnitten, damit der Sicher nicht zu viel Arbeit hat; wenn es kurz geraten ist nahe am Boden, damit das Stroh nützlich ist. Beim Dreschen ist es Aufgabe des Dreschers zu achten, dass die unbetretenen Körner unter den Tierhufen zu liegen kommen. Wird nun die Spreu vom Weizen getrennt, so solle man auf der windgeschützten Seite beginnen, sodass die Spreu, nachdem sie getrennt worden ist, nicht ein weiteres Mal über die Körner geblasen wird. Auch erklärt Ischomachus Sokrates die Art zu pflanzen. So sollte das Loch nicht zu breit oder tief sein und in trockene Erde gegraben, jedoch soll die Pflanze mit nährstoffreicher aufgelockerter Erde versorgt werden. Die Erde um die Pflanze muss gut angedrückt werden, damit sie sich bei Regenfällen nicht in Schlamm verwandelt. Auch beschreibt er die Extrabehandlung, die Olivenbäume benötigen.

[...]


[1] vgl. Gerhard Wahring (Hrsg.): Wörterbuch der deutschen Sprache, Bertelsmann-Lexikon-Verlag 1993.

[2] vgl. Bernd Lutz (Hrsg.): Metzler Philosophen Lexikon, Stuttgart: Metzlersche Verlagsbuchhandlung 1995, 935f.; Xenophon: Oeconomicus. A Social and Historical Commentary. With a new English translation by Sarah B. Pomeroy, New York: Oxford UP 1994, 1ff.

[3] vgl a.O.Xenophon,1994, Kap.I.

[4] vgl. a.O.Xenophon,1994, Kap.II.

[5] vgl. a.O.Xenophon,1994, Kap. III- VI 15

[6] vgl. a.O. Xenophon, 1994, Kap. VII- IX

[7] vgl.a.O. Xenophon. 1994, Kap. X 2

[8] vgl.a.O. Xenophon, 1994, Kap.X

[9] vgl.a.O. Xenophon, 1994, Kap.XI 14

[10] vgl.a.O. Xenophon. 1994, Kap. IX

[11] vgl.a.O. Xenophon. 1994, Kap.XI

[12] vgl.a.O. Xenophon. 1994, Kap.XVI

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Ökonomiebegriff bei Aristoteles und Xenophon - Eine Gegenüberstellung unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Frau
Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V66423
ISBN (eBook)
9783638590204
ISBN (Buch)
9783638782814
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Xenophon, Eine, Gegenüberstellung, Berücksichtigung, Rolle, Frau
Arbeit zitieren
Katrin Bernhardt (Autor), 2005, Der Ökonomiebegriff bei Aristoteles und Xenophon - Eine Gegenüberstellung unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66423

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