Die Zeitgenossinnen des Sokrates, Platos und Aristoteles - Antike Philosophinnen im 5 und 4 Jh. v. u. Z.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Philosophinnen und ihre Gedankenwelten
Aspasia von Milet (ca. 470 - 410) - Rhetorikerin
Diotima von Mantinea (um 400 v. ) - Priesterin
Arete von Kyrene (ca. 400- 330) - Kyrenaikerin
Axiothea von Phlius (um 350 v.) - Platonikerin
Lastheneia von Matinea (4. Jh.) - Platonikerin
Echekrateia von Philasien ( 4. Jh.) - Pythagoreerin
Timycha (4. Jh.) - Pythagoreerin
Periktone I (ca. 4./3. Jh.) - Pythagoreerin
Themista (4./3. Jh.) - Epikureerin

Die Philosophen und ihr Blick auf die Frau sowie auf die Philosophinnen im Speziellen
Sokrates 469 - 399
Platon 427- 347
Aristoteles 384 - 322
Was denken die Philosophinnen über ihre Zeitgenossen?

Schlussbetrachtungen

Literatur

Einleitung

Ich möchte hiermit die Philosophinnen der klassischen Zeit Griechenlands ins Bewusstsein rücken - auch wenn das Bild, das ich versuchen werde zu zeichnen auf Grund der schlechten Quellenlage und der beschränkten Größe der Arbeit fragmentarisch und skizzenhaft bleiben muss.

Die Philosophinnen und Philosophen sollen dabei als ZeitgenossInnen dargestellt werden, da es mir unverantwortlich scheint, die weibliche Gedankenwelt isoliert von der männlichen- falls man diese geschlechterbezogenen Unterscheidungen überhaupt treffen möchte- zu betrachten. Ich bin mir sicher, dass gegenseitige Beeinflussungen stattfanden, auch wenn diese vielleicht nicht immer eindeutig belegbar sind. Mein Schwerpunkt wird allerdings trotzdem bei den Frauen liegen, da sie es sind, denen man über Jahrhunderte hinweg in einem patriarchalisch gefärbten Philosophiekanon kaum Beachtung schenkte.

Ich möchte mit der Vorstellung der einzelnen Frauen, deren Leben und ihren philosophischen Aussagen beginnen. Hiernach wirft sich die Frage auf, ob Frauen als Kuriositäten im Wissensbereich, Denken als männliche Domäne, angesehen wurden. Ich möchte zur Veranschaulichung den Mythos um Metis anführen, der in symbolhafter Sprache einiges über den geschlechterbezogenen Umbruch vermitteln kann. Dies führt uns schließlich zu den klassischen Philosophen führt, deren Frauenbild zu untersuchen sein wird.

Die Philosophinnen und ihre Gedankenwelten

Aspasia von Milet (ca. 470- 410)- Rhetorikerin

Aspasia wurde um 470 v. u. Z. im ionischen Milet geboren. Als ihr Vater ist ein gewisser Axiochos überliefert. Zwischen 450 und 443 v. u.Z. kam sie nach Athen und war zuerst als Hetäre bekannt, bevor sie Perikles kennen lernte, der sich daraufhin von seiner ersten Frau trennte, um mit Aspasia zusammenzuleben. Der Ehe, die nicht als vollgültig gelten konnte, da Aspasia keine athenische Vollbürgerin war, entsprang ein Sohn. Die Forschung ist sich nicht darüber einig, ob Aspasia Perikles Geliebte oder Ehefrau war, da sie auch als Hetäre überliefert ist, was des öfteren als Dirne übersetzt wird. Der Begriff der Hetäre reicht aber über die Sphäre der Sexualität weit hinaus[1], sodass man annehmen kann, dass der Begriff Dirne, möglicherweise auch gebraucht wurde, um Aspasia abzuwerten, da sie sich wahrscheinlich einer nicht geringen Anzahl von Feinden gegenübersah, die ihren Lebensstil mit Argwohn begutachteten, denn sie bewegte sich im öffentlichen Raum, was den Frauen in klassischer Zeit untersagt war, und hatte über ihren Mann Perikles viel Einfluss auf die Politik. So soll sie mitunter den Samischen und den Peloponnesischen Krieg mit veranlasst haben und man beschuldigte sie der Gottlosigkeit und Verführung freier Frauen zur Unzucht.

Plutarch schreibt dazu:

"... sie nehme freigeborene Frauen, welche mit Perikles verbotenen Umgang hätten, bei sich auf. Des Weiteren brachte Diopeithes den Antrag vor das Volk, es sei unter Anklage zu stellen, wer nicht an die Götter glaube und sich in wissenschaftlichen Vorträgen mit den Dingen über der Erde befasse."[2]

Perikles, der sie nach Athener Recht als Vormund vor Gericht vertrat, konnte allerdings vor Gericht ihren Freispruch erreichen.

Perikles starb 429 v. u. Z. an der Pest, woraufhin Aspasia eine neue Heirat mit dem Schafzüchter Lysikles einging, der durch ihre Stellung in Athen ein wichtiger Mann wurde und auch als demokratischer Staatsmann überliefert ist. Sie hatten gemeinsam einen Sohn. Nach dem Tod des Lysikles verliert sich Aspasias Spur.

Aspasia war auf Grund ihrer Herkunft mit den bedeutenden ionischen Philosophen ihrer Zeit bekannt; unter anderem mit Anaxagoras, der des öfteren im Hause Perikles am philosophischen Salon der Aspasia teilgenommen haben soll. Womöglich kam so Aspasia mit der aufgeklärten Philosophie der ionischen Naturphilosophen in Berührung, die in dieser Zeit nach Athen gelangten und von Sokrates aufgegriffen wurden. So könnte Aspasia dieses Gedankengut mittransportiert haben, da gesagt werden kann, dass der junge Sokrates das Gespräch mit Aspasia suchte und der Sokratische Dialog wohl auch bei Aspasias philosophischen Veranstaltungen gepflegt wurde.

Plutarch berichtet dazu:

"Die einen behaupten, Perikles habe Aspasia nur wegen ihrer Weisheit und politischen Einsicht umworben. Denn auch Sokrates besuchte sie zuweilen mit seinen Schülern, und ihre Freunde brachten oft die eigenen Gattinnen zu ihr, damit sie ihr zuhören könnten .. dass diese Frau den Ruhm besaß, wegen ihrer Beredsamkeit von vielen Athenern aufgesucht zu werden."[3]

Philosophie

In Platons Dialog Menexenos stellt Sokrates Aspasia als seine Lehrerin der Rhetorik vor und betont, dass sie weitere treffliche Redner ausgebildet habe. Platon lässt Sokrates daraufhin eine Rede der Aspasia, die sie für die Gefallenen des Peloponnesischen Krieges teilweise aus dem Stegreif gehalten haben soll, wiederholen.[4] Diese geht von den Vorfahren aus, würdigt das Leben und die Taten des Toten, enthält Ermahnungen zu tugendhaftem Leben an die Angehörigen und Tröstungen für die Hinterbliebenen.

Natürlich ist nicht festzustellen, ob die von Sokrates vorgetragene Rede inhaltlich von Aspasia verfasst wurde.

Die mittelalterliche Philosophien Heloïsa (1100-1164) überliefert in einem Brief an ihren Geliebten Abaelard ein Zitat der Aspasia, indem es darum geht, ob einer Frau bei der Wahl eines Partners mehr um Besitz oder um Liebe gehen sollte. Aspasias Antwort lautet wie folgend:

„Bevor ihr es also nicht dahin gebracht habt, dass es in der ganzen Welt keinen Mann und kein Weib gibt, besser und auserlesener als ihr, werdet ihr sicherlich immer am tiefsten vermissen, was ihr für das Beste haltet: du wirst die beste Frau haben wollen und sie wird mit dem besten Mann verheiratet sein wollen.“[5]

Quellen

Platon, Menexenos, Sämtliche Werke II

Plutarch, Von großen Griechen und Römern

Heloise, Zweiter Brief an Abaelard

Diotima von Mantinea (um 400 v. )- Priesterin

Biographie

Der einzige Bericht über Diotima findet sich in Platons Dialog Symposion, worin erzählt wird, dass die delphische Priesterin Diotima von Mantinea nach Athen gerufen wurde, um mit Opferhandlungen die drohende Pest abzuwenden.[6] Es sei ihr auch gelungen die Seuche 10 Jahre lang zu bekämpfen, bis zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges. Auf Grund dieser Erwähnung wird Diotima in die Zeit um 400 v. u. Z. datiert.

Jedoch ist sich die Forschung nicht einig ob eine historische Person Diotima je existierte, oder ob Platon sie als fiktive Figur aus rhetorischen Motiven erschuf ,um Sokrates des Begriff der Liebe zu vermitteln. Für die historische Person Diotima sprechen die Argumente, dass sich Diotimas Konzept der Liebe grundlegend von dem des Sokrates und Platons unterscheidet, und es deshalb fraglich wäre, warum diese poetische Figur ihren Standpunkt zum Thema deutlich machen sollte. Weiters waren alle männlichen Gesprächspartner des Sokrates historische Personen, daher, muss nicht zwangsläufig eine der wenigen Personen, die Platon erwähnt, erfunden sein. Außerdem wäre es durchaus möglich, dass Sokrates eine Priesterin aufsuchte, da er auch das delphische Orakel befragte.

Philosophie

Im Dialog Symposion berichtet Sokrates von einem Gespräch mit Diotima, das die Liebe zum Gegenstand hat.[7] Diotimas Umgang mit Sokrates ist von ihrer Überlegenheit geprägt, er anerkennt sie als Lehrerin, nennt sie weiseste Diotima und Freundin.

Diotima leitet Sokrates zur Erkenntnis des wahren Eros an und erklärt ihm, dass der Eros weder gut noch böse, weder schön noch hässlich sei, sondern als Dämon dazwischen stehe, sowie er auch zwischen den Menschen und Göttern als Mittler stehe. Diese Zwischenstellung erklärt sie über seine Herkunft. Als Eltern des Eros werden Poros, der Sohn der Metis, und Penia genannt, wobei diese Eros während dem Geburtsfest der Aphrodite zeugte. Von seiner Mutter Penia hat Eros das Ärmliche und Hässliche, vom Vater Poros das Streben nach Weisheit und Schönheit und die Wahrheitsliebe geerbt.

Diotima sieht Eros als Symbol für das menschliche Streben nach dem Vollkommenen. Sie lehrt, dass Liebe daraufhin geht, dass man das Gute immer haben will. Alle Menschen sind fruchtbar, dem Leib und der Seele nach und streben zu erzeugen. Die Liebe geht nicht auf das Schöne, sondern auf Erzeugung und Geburt im Schönen. Als Grund dieses Verlangens gibt Diotima das Streben nach Unsterblichkeit an, dass einige über die Zeugung von Nachkommenschaft, andere aber über die Zeugung von geistigen Werken, durch die Reproduktion der einen Seele in der anderen, versuchen zu erreichen. Unsterblichkeit wird erreicht durch die Ideen, Tugenden und Weisheiten des Partners/der Partnerin, der/die die Liebe in der Seele der Partnerin/des Partners hinterlassen hat.

Liebe wird also definiert als eine Geburt des Schönen, in geistiger und körperlicher Hinsicht, welche eine göttliche Sache ist und dem sterblichen Leben etwas Unsterbliches verleiht.

Der Weg der Erkenntnis des Schönen führt die Liebenden auf mehreren Stufen „von den schönen Gestalten zu den schönen Sitten und Handlungsweisen“, von diesen weiter zu „den schönen Kenntnissen“ und von diesen weiter zu „jener Kenntnis“, „welche von nichts anderem als eben von jenem Schönen selbst die Kenntnis ist.“ Damit bleibt der dem Eros verbundener Mensch nicht auf der irdischen Ebene, sondern vollzieht den Aufstieg in das Reich der Erkenntnis.

Beim Lesen der Quelle fallen einem auch ohne besondere Spitzfindigkeit einige Ungereimtheiten ins Auge, behält man im Hinterkopf, dass die Rede von einer Frau stammen soll. Da ich später bemerkte, dass Ingrid Straube dieselben wie auch darüber hinausgehende Vorbehalte gegenüber dem Text mit mir teilt und diese bereits niedergelegt hat[8], möchte ich hier ihre Einwände kurz darlegen.

Es handelt sich bei dem von Platon geschriebene Text um eine Wiedergabe der Wiedergabe, da Sokrates die Rede der Diotima erzählt, wobei diese durch ihren Ausschluss am Gastmahl keine Möglichkeit besitzt Berichtigungen einzubringen.

In großen Teilen des Dialoges ist eine frauendegradierende Haltung in der Ausführung über Eros und Liebe nicht von der Hand zu weisen.

Sokrates schreibt in der wiedergegebenen Rede der Diotima dem Eros Schöpfungskraft zu und nennt die Knabenliebe einen schöpferischen Akt. Es ist unwahrscheinlich, dass Diotima als Frau, diese Ansicht vertrat, da es sich um einen unfruchtbaren Akt handelt.

Der Vater des Eros wird durchgehend durch positive Eigenschaften gekennzeichnet, wohingegen der Mutter ausschließlich negative beigestellte werden. Straube schlüsselt auf, dass weder Poros noch Penia Gottheiten darstellen, die im Mythos bezeugt wären. Poros kann als Ausweg, die Fähigkeit für alles einen Weg zu finden, und damit auch als Reichtum bezeichnet werden. Penia wird mit Armut übersetzt. Bei Lukian hingegen findet sie als „Mutter der Mühe und Ausdauer“, bei Theokrates als „Lehrerin des Fleißes und der Künste“ Erwähnung. Wenn nun diese beiden Männer Penia in Ehre halten, warum sollte es Diotima nicht um so mehr?

[...]


[1] Zum Begriff der Hetäre siehe: Elke Hartmann, Hetären im klassischen Athen, in: T. Späth und B. Wagner-Hasel (Hrsg.),Frauenwelten in der Antike, Verlag J.B.Metzler, Stuttgart, 2000, 377ff.

[2] Plutarchos: Perikles. In: Von großen Griechen und Römern. übers. v. K. Ziegler, 1991

[3] Plutarchos: Perikles. In: Von großen Griechen und Römern. übers. v. K. Ziegler, 1991

[4] Platon, Menexenos, Sämtliche Werke 2, Abschnitt 3-21,Rowohlt, Hamburg 1957.

[5] Briefwechsel zwischen Abaelard und Heloise www.erzabtei.de/antiquariat/Briefe.html#Zweiter%20Brief:%20Heloisa%20an

[6] Nach antiker Auffassung sandte der Gott Apoll mit Pfeil und Bogen den Menschen Krankheiten, darunter auch die Pest. Als Nachweis dieser Sicht kann der erste Gesang Homers Ilias gelesen werden, die die Pest im Lager der Achaier beschreibt und den Gott als „treffenden Phoibos Apollon“ kennzeichnet. Homer, Ilias- Odyssee, übersetz.: Johann Heinrich Voss, Parklandverlag, Köln, 2000.

[7] Platon, Symposion, Sämtliche Werke 2, Rowohlt, Hamburg 1957.

[8] Ingrid Straube, Die Quellen der Philosophie sind weiblich, ein-Fach-verlag, Aachen, 2001.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Zeitgenossinnen des Sokrates, Platos und Aristoteles - Antike Philosophinnen im 5 und 4 Jh. v. u. Z.
Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V66425
ISBN (eBook)
9783638590228
ISBN (Buch)
9783638874120
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitgenossinnen, Sokrates, Platos, Aristoteles, Antike, Philosophinnen
Arbeit zitieren
Katrin Bernhardt (Autor), 2005, Die Zeitgenossinnen des Sokrates, Platos und Aristoteles - Antike Philosophinnen im 5 und 4 Jh. v. u. Z., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66425

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