Von der Ebstorfer Weltkarte zum ersten Globus - Die Weltansicht des Mittelalters und ihre Veränderung im Hinblick auf die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jh.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

24 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Weltbild vor der Erfindung des Buchdrucks

3. Das Weltbild im ausgehenden Mittelalter
3.1 Kartographie und Geographie im Wandel
3.2 Die Reiseberichte der „großen Entdecker“
3.3 Der Wandel des Weltbildes im ausgehenden Mittelalter
3.4 Der Zusammenhang zwischen dem Wandel des Weltbildes und der Erfindung des Buchdruckes

4. Die unmittelbaren Folgen des neuen Weltbildes

6. Literatur

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

Abbildungsverzeichnis:

1. Einleitung

Einleitend stellt sich die Frage, ob die rasche Weiterentwicklung der Kartographie im späten Mittelalter und die Erfindung des Buchdrucks miteinander zusammenhängen?

Zunächst soll ein historischer Abriss über die Entwicklung der Kartographie gegeben werden. Dabei ist klar, dass die Menschen sich schon weit vor der Antike mit ihrem Lebensraum beschäftigten, erste Reiseberichte erstellten und Karten entwarfen. Weiterentwicklungen unterschiedlichster Ursachen gab es in der Kartographie schon immer. An dieser Stelle sollen einige wichtige Erkenntnisse im historischen Zusammenhang näher untersucht sowie die Autoren wichtiger Schriften und ihre Beweggründe beschrieben werden. Dabei möchte ich verdeutlichen, wie die Menschen schon immer von der Neugier ihrer Umgebung geleitet wurden, Erkenntnisse sammelten und diese kartographisch festhielten.

Klar ist aber auch, dass unmittelbar nach der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg ein großer Entwicklungssprung in der Kartographie und Geographie der damals bekannten Welt erreicht wurde.

Zunächst soll diese Hausarbeit den Entwicklungsstand vor der Erfindung des Buchdrucks festhalten, um dann chronologisch die Reiseberichte des Mittelalters zu dokumentieren. Dabei soll immer auch gezeigt werden, welchen Einfluss die untersuchten Reiseberichte auf die Menschen seiner Zeit hatten und inwieweit sie den Wandel des Weltbildes beeinflussten. Erst dann möchte ich versuchen herauszufinden, inwieweit der Buchdruck zur Beschleunigung des beginnenden Wandels beigetragen hat und welche unmittelbaren Folgen dieser also für die zeitgenössischen Menschen hatte.

2. Das Weltbild vor der Erfindung des Buchdrucks

Die Ausgangsbasis für die mittelalterlichen kartographischen Materialien ist die griechische Geographie und die römische Kartographie.

Die Entwicklung der wissenschaftlichen Geographie reicht bis in die griechische Antike zurück. Geographen wie Herodot (484-424 v.Chr.) sammelten geographisches Wissen aus Reiseberichten und eigenen Erfahrungen, welches sie in handschriftlichen Texten festhielten.[1]

Ziel der griechischen Geographie war es zunächst, die Fragen nach der Stellung der Erde im Sonnensystem und nach der Gestalt der Erde an sich zu klären. Man gelangte auf diese Weise früh zu der Erkenntnis über die Kugelgestalt der Erde, die durch die Lehren der Pythagoräer (um 500 v. Chr.) verbreitet und um etwa 350 v. Chr. durch Aristoteles bewiesen wurde.

Nach dieser Klärung, der zuvor die Geographie bestimmenden Fragen, widmete man sich nun der genauen Darstellung der Ökumene, also der nachweislich bewohnten Welt. Die Basis der Darstellungen beruhte meist auf Eigenerfahrungen und umfasste eine Vielzahl an Informationen aus Geographie, Philosophie und Ethnographie, die durch astrologische und astronomische Erkenntnisse ergänzt wurden.

Um die Schwierigkeiten der Darstellungsweise, die sich aus der Erkenntnis der Kugelgestalt der Erde ergaben zu umgehen, waren exakte Landvermessungen und feste astronomische Bezugspunkte von Nöten. Nur so konnte man die dreidimensionale Erdoberfläche auf eine zweidimensionale Karte bringen. Die Entwicklung von Kartennetzen vervollständigt die Methode der wissenschaftlich exakten Darstellung der Erde und begründet die antike Kartographie. In späthellenistischer Zeit systematisierte Ptolemäus von Alexandria das ihm zur Verfügung stehende Wissen und gab bereits eine erste Anleitung zum Kartographieren. Sein Werk „Geographia“ kann somit als Höhepunkt der antiken wissenschaftlichen Kartographie verstanden werden. Sie beinhaltet eine Anleitung zur Herstellung einer aus 26 Teilkarten bestehenden ptolemäischen Weltkarte, welche der heutigen Weltdarstellung schon recht nahe kommt. Zusätzlich beinhaltet die Geographia einen Katalog mit exakten Breiten- und Längenbestimmungen nennenswerter Orte der antiken Ökumene.

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Grafik I: Ptolemäische Welkarte in modifizierter, sphärischer Projektion von 1561

Der Großteil dieser Erkenntnisse ging im frühen Mittelalter verloren. Grund dafür war die Teilung des römischen Reiches in ein muslimisches Reich, sowie ein Ost- und ein Westreich mit verschiedenen Amtssprachen. Im lateinischsprachigen Westreich gerieten die antiken griechischen Werke zunächst in Vergessenheit. Erst durch das Aufkommen von Übersetzungen ins Lateinische und schließlich im Jahre 1406 mit der Übertragung der Geographia konnte ein Grundstein für die Wiederaufnahme der wissenschaftlichen Kartographie gelegt werden.[2]

Im abendländischen Mittelalter wurde das bereits bekannte und nun übersetzte, antike geographische Wissen nur teilweise tradiert, dabei jedoch in einen religiös gedeuteten kosmologischen Kontext gestellt. So war auch die bekannte Kugelgestalt der Erde nur noch ein von wenigen Außenseitern bestrittenes Allgemeinwissen. Der geographische Horizont reduzierte sich im christlichen Europa, sowohl die Reichweite der Alltagswelt betreffend, als auch in Bezug auf die geographischen Kenntnisse im Allgemeinen, da die unmittelbare Lebensumwelt das wichtigste Gebiet wurde.[3]

Dem Mittelalter erhalten blieb jedoch die überlieferte Kenntnis der Klimazonenlehre, die sich in Klimatenkarten und den meist schematischen Zonenkarten, einer Unterkategorie der Mappae Mundi, zeigte.[4]

Die römische Kartographie unterschied sich stark zur griechischen, antiken Geographie und Kartographie, obwohl sie auf denselben Erkenntnissen basierte. Die Römer gaben den wissenschaftlichen Aspekt der Kartographie auf und nutzten diese nur noch zur praktischen Darstellung und Anwendung. Dazu genügte es, die Karten auf eine zweidimensionale Ebene zu reduzieren und die Erdkugel wieder als Erdscheibe darzustellen. Die Kartographie machte also unter den Römern eher Rückschritte, als Fortschritte. Sie diente lediglich zur Darstellung des römischen Weltreiches, ein Ausdruck der eigenen Macht und zur Verwaltung des römischen Grund und Bodens. Dabei nehmen die Itinearekarten, die auch im Mittelalter noch beliebt sind, einen großen Stellenwert ein. Man kann sie als dargestellte Reiseberichte verstehen, die Wege- und Straßennetze in Kombination mit kommentierten Zeichnungen und Entfernungen beinhalteten. Diese dienten zunächst militärischen Zwecken, zeichneten sich jedoch durch eine sehr unmaßstäbliche Wiedergabe der Realität aus.

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Grafik II:
die „Vispianius Agrippa“

Die bekannteste römische Weltkarte ist die des Vispianius Agrippa, die durch die umfangreichen Landvermessungen unter Caesar und Augustus circa 7 n. Chr. fertig gestellt wurde. Diese Karte stellt die Basis für die mittelalterlichen T-O-Weltkarten dar, auf die in Punkt 3.1 näher eingegangen werden soll. Diese machen den überwiegenden Teil der Mappae Mundi aus.[5]

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es bereits vor der Zeit der großen Entdecker im späten Mittelalter große geographische und kartographische Erfolge zu verzeichnen gibt. Die führende Rolle nehmen dabei wohl die antiken Griechen ein.

2.1 Fortschritte, Reiseberichte und ihre Verbreitung

Die neuen Erkenntnisse der Antike manifestierten sich zum Beispiel im Globusmodell des Krates von Mallos, das zwei sich rechtwinklig schneidende Ozeanringe zeigt, die die Erdkugel in vier Kontinente teilen. Von diesen vier Kontinenten sollten zwei bewohnbar sein.

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Grafik III: Globusmodell des Krates von Mallos à

Im Nordosten des Globus kann man deutlich die erforschten Gebiete des europäischen, asiatischen und afrikanischen Kontinentes erkennen, die aus Reiseberichten und Vermessungen gewonnen wurden, der Rest sind Mutmaßungen. Man vermutete zum Beispiel auch, dass es am Äquator mehr als 100°C heiß sei und deshalb das Wasser koche. Sicherlich beruhte dieser Mythos auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die jedoch falsch interpretiert wurden. Man wusste zwar, dass die Erde rund ist und somit der Äquator am stärksten zur Sonne exponiert ist, allerdings waren Informationen über den Neigungswinkel der Erde und die zahlreichen kompensatorischen Kräften, die den Energiehaushalt der Erde ausgleichen und somit auch die Temperaturen mäßigen, nicht vorhanden.

Diese und zahlreiche andere gewonnenen „Erkenntnisse“ waren nur wenigen ausgewählten Gelehrten und ihren Schülern bekannt. In den großen Städten der antiken Griechen wurden aber auch immer wieder Reden auf Marktplätzen gehalten, in denen die Gelehrten eine breitere Öffentlichkeit erreichten. Weiter getragen wurden die wissenschaftlichen Berichte dann durch Mund-zu-Mund- Propaganda, bei der die Tatsachen häufig noch zugespitzt wurden.

Reiseberichte, sofern es sie denn schon gab, lagen bei den Griechen fast ausschließlich den Gelehrten und den Volksvertretern vor, sodass man hier noch nicht von einer ausschlaggebenden Verbreitung sprechen kann, jedoch wurden diese natürlich, wie bereits oben erwähnt, in den Theorien der Gelehrten verarbeitet.

Bei den Römern kann man durch die Itinearekarten schon eher von einer größeren Verbreitung ausgehen. Sie dienten großen Teilen der Bevölkerung, ebenso wie Heerführern zur Orientierung und als Distanzanzeiger, aber auch zur Unterhaltung. Sie wurden durch Geschichten und Bilder ergänzt, lagen in handschriftlicher Form vor und konnten häufig auch in den Bibliotheken eingesehen werden. Doch obwohl auf diese Weise bereits eine breitere Öffentlichkeit angesprochen werden konnte, kann man noch nicht von einer großen Verbreitung von Reiseberichten im Zusammenhang mit einem durchschlagenden Erfolg in Geographie oder Kartographie sprechen. Der Grund dafür sind die bereits angesprochenen absichtlichen Verfälschungen und Ungenauigkeiten, die sich in den Itinearekarten bis ins Mittelalter hinein durchsetzten und eher einen Rückschritt, als einen Fortschritt für die Wissenschaft bedeuten.[6]

[...]


[1] Lexikon der Geographie, S.38

[2] http://www.gelit.de/mmm/complex/lnk/lnk_ant.htm

[3] http://www.uni-duisburg.de... S. 9

[4] http://www.gelit.de/mmm/complex/lnk/lnk_ant.htm

[5] http://www.gelit.de/mmm/complex/lnk/lnk_ant.htm

[6] http://www.gelit.de/mmm/complex/lnk/lnk_ant.htm

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Von der Ebstorfer Weltkarte zum ersten Globus - Die Weltansicht des Mittelalters und ihre Veränderung im Hinblick auf die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jh.
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  ( Germanistik und Kunstwissenschaften)
Veranstaltung
HS: 'Neue Medien- Alte Texte? Die Erfindung des Buchdrucks'
Note
2,3
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V66874
ISBN (eBook)
9783638592574
Dateigröße
1634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ebstorfer, Weltkarte, Globus, Weltansicht, Mittelalters, Veränderung, Hinblick, Erfindung, Buchdrucks, Medien-, Alte, Texte, Buchdrucks“
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Von der Ebstorfer Weltkarte zum ersten Globus - Die Weltansicht des Mittelalters und ihre Veränderung im Hinblick auf die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jh., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66874

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