Georg Büchners Leonce und Lena in einer Inszenierung des Berliner Ensembles


Seminararbeit, 2004

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Leonce und Valerio
2.1 Mikrostrukturelle Beschreibung der Szene
2.2 Bewegung im Raum und Gesten beider Figuren

3. Lena und die Gouvernante
3.1 Mikrostrukturelle Beschreibung der Szene
3.2 Bewegung im Raum und Gesten beider Figuren

4.1 Mikrostrukturelle Beschreibung der Szene

6. Literaturverzeichnis

7. Videoverzeichnis

1. Einleitung

„Nichts als Kunst und Mechanismus, nichts als Pappendeckel und Uhrfedern. Jede hat eine feine Feder von Rubin unter dem Nagel der kleinen Zehe am rechten Fuß, man drückt ein klein wenig und die Mechanik läuft volle fünfzig Jahre. Diese Personen sind vollkommen gearbeitet, dass man sie von anderen Menschen gar nicht unterscheiden könnte, wenn man nicht wüsste, dass sie bloße Pappdeckel sind...“

Valerios Zitat kurz vor der Hochzeit von Leonce und Lena beschreibt das Brautpaar als „Kunst und Mechanismus“ und als “Pappendeckel und Uhrfedern“.

Leonce und Lena, die sich zu Beginn der Inszenierung nicht kennen, aber gegenseitig zur Hochzeit versprochen wurden und sich deshalb getrennt voneinander auf die Flucht nach Italien begeben, treten in verschiedenen Figurenkonstellationen auf. Die Beziehungen bestehen zwischen Leonce und Valerio, sowie zwischen Lena und ihrer Gouvernante. Die folgende Hausarbeit widmet sich der Frage, wie sich diese Figurenkonstellationen konstituieren und wie sich diese Konstellationen gegebenenfalls nach dem zufälligen Treffen in Italien ändern und ob sich anhand des obengenannten Zitats Bewegungsmuster erkennen lassen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Bewegungen und Gesten der Figuren Leonce und Lena.

Die Grundlage der Analyse ist eine Videoaufzeichnung der Inszenierung des Berliner Ensembles unter der Regie von Robert Wilson. Die letzten Minuten der Aufzeichnung sind auf der Videokopie nicht vorhanden und werden somit für die Analyse nicht berücksichtigt.

2. Leonce und Valerio

Für die erste mikrostrukturelle Beschreibung wurde die Szene der Flucht von Leonce und Valerio, bei der beide in Italien angekommen sind, gewählt. Hierbei handelt es sich um die erste Szene des zweiten Aktes der literarischen Vorlage.

2.1 Mikrostrukturelle Beschreibung der Szene

Das Bühnenbild erhellt sich und es ist Musik zu hören. Im Hintergrund der Bühne ist eine gemalte Landschaft zu erkennen. Diese Landschaft ist so breit wie die Bühne und wird im oberen Drittel durch einen gelben Hintergrund erweitert, der links und rechts nicht ganz so breit ist wie die Landschaft. Die Landschaft ist überwiegend grün. Andere Farben, die auch noch verwendet wurden, sind gelb, orange und lila. Im oberen Eck sind drei Bäume zu erkennen. Der Boden der Bühne ist grün ausgeleuchtet.

Mit Beginn der Musik betritt Leonce von rechts vorne die Bühne. Er hält seinen rechten Arm in Laufrichtung und in seiner linken Hand einen Zettel. Er bewegt sich parallel zum Hintergrund bis etwa zur Hälfte der Bühne. Dann begibt er sich rückwärts in die Richtung von der er gekommen ist. Als Leonce dort angekommen ist, tritt Valerio, er im Gegensatz zu Leonce mit offener Jacke, auf. Er trägt zwei Koffer in der Hand und läuft mit leicht gebückter Haltung. Leonce verbleibt, die Beine und Füße so bewegend als würde er gehen, am rechten Bühnenrand stehen. Valerio läuft soweit zur Mitte wie zuvor Leonce und begibt sich dann ebenso wieder zurück. Als Valerio dann auf gleicher Höhe angekommen ist läuft Leonce, wieder mit ausgestrecktem rechten Arm und Zettel in seiner linken Hand, los und Valerio verbleibt in der Position am rechten Bühnenrand. Leonce läuft bis zum linken Bühnenrand. Als er dort angekommen ist geht auch Valerio wieder los. Leonce begibt sich wieder rückwärts laufend zum rechten Bühnenrand zurück.

Dort angekommen bleibt er in Bewegung. Valerio ist am linken Bühnenrand angekommen. Leonce hält mit beiden Händen den Zettel. Er schaut auf den Zettel und dann wieder hoch. Valerio läuft nun in entgegengesetzter Richtung, d.h. Blickrichtung auf die rechte Bühnenseite, dicht an der Landschaft vorbei. Leonce kommt ihm, ebenfalls dicht an der Landschaft laufend, entgegen. Kurz bevor sie sich treffen läuft Valerio rückwärts. Leonce, vorwärts auf Valerio zulaufend, umgreift mit seiner rechten Hand den Hals von Valerio. Beide schauen sich an und bewegen sich in dieser Position nach rechts. Leonce schaut kurz auf den Zettel und lässt Valerio dann los. Beide bleiben stehen. Leonce zeigt nach rechts, dreht sich dann einmal durch Hüpfen nach rechts und schaut nun auf die Landschaft. Valerio setzt die zwei Koffer ab und verschnauft kurz. Dann endet die Musik.

Leonce dreht sich wieder nach vorne in Richtung Publikum. Valerio beginnt nun ein Gespräch mit Leonce. Er setzt sich dabei auf einen der Koffer, der zweite Koffer steht links daneben zwischen ihm und Leonce. Kurz nach Beenden des Dialogs zerknüllt Leonce den Zettel und schmeißt diesen zu Boden. Man hört kurz ein Geräusch. Valerio beginnt wieder zu reden. Leonce dreht sich nach rechts zu ihm, hebt seinen rechten Arm und zeigt wieder zum linken Bühnenrand. Die Musik beginnt wieder. Valerio steht auf und nimmt die Koffer wieder an sich. Er dreht sich ebenfalls nach rechts. Leonce tritt mit dem rechten Fuß in den Hintern von Valerio und macht danach eine weitere Trittbewegung ohne Valerio zu treffen. Beide laufen wieder dicht an der Wand vorbei. Valerio ist am reden. Dabei läuft Leonce einige Schritte vor, dann wieder zurück und wieder vor, ohne an Valerio vorbeizugehen. Leonce dreht sich nach links und bleibt auf dieser Position. Er bewegt sich aber weiterhin auf der Stelle. Seine Bewegungen werden schneller. Er spricht dabei. Valerio, die Koffer haltend, macht die gleichen Bewegungen wie Leonce. Währenddessen fährt die Landschaft nach unten. Die gelbe Fläche wird größer. Beide machen einen Hüpfer und bleiben dann stehen. Leonce dreht sich kurz um und dann schauen beide nach vorne.

Valerio stellt einen Koffer längs zwischen die beiden Figuren, den zweiten Koffer stellt er auf den ersten Koffer und schiebt ihn dann ein wenig nach rechts, damit er genug Platz hat um sich darauf zu setzen. Während er mit Leonce redet, schläft dieser im Stehen ein. Valerio hört auf zu reden und schläft nun auch langsam ein. Die Musik wird langsamer und leiser bis sie ganz verstummt. Valerio rollt kurz die Augen, schließt sie dann und legt seinen Arm kopfstützend auf den Koffer. Beide Figuren verbleiben in dieser Position. Valerio rutscht der Koffer langsam nach rechts weg bis er mit diesem dann gleitend zu Boden fällt. Davon werden beide wach und die Musik startet erneut. Leonce lacht kurz auf. Valerio sitzt vor dem Koffer. Leonce schlägt kurz nach Valerio und dieser steht auf. Valerio beginnt zu schnuppern. Er läuft hinter die Koffer und dreht sich einige Male. Er stellt sich dann links neben Leonce und berührt mit seiner linken Hand die rechte Schulter von Leonce. Valerio erhebt kurz den Zeigefinger. Danach nimmt er sofort einen Koffer und riecht kurz daran. Valerio geht mit dem Koffer zur Landschaft und schmeißt dann den Koffer nach links weg. Er kommt wieder nach vorn. Leonce geht nach hinten und schaut in die Richtung in die der Koffer geworfen wurde. Valerio nimmt nun den zweiten Koffer, geht wieder nach hinten und schmeißt auch diesen Koffer, Leonce versucht noch dem Koffer hinterherzugreifen, nach links weg. Beide schauen sich nun an. Valerio nimmt Leonce an die Hand und beide verschwinden nach links.

Das Bühnenbild wird dunkel und die Musik geht aus.

2.2 Bewegung im Raum und Gesten beider Figuren

Leonce scheint wichtiger zu sein als Valerio. Er betritt zuerst die Bühne und nach ihm erst Valerio. Ein Zeichen dafür, dass Valerio ein Untergebener bzw. Diener ist, ist auch die Tatsache, dass er zwei Koffer trägt und Leonce keinen. Auf dem Zettel, den Leonce in der Hand hält scheint eine Wegbeschreibung oder der geplante Fluchtweg zu sein. Leonce richtet seinen Weg nach dem Zettel aus. Er schaut einige Male darauf und ändert dann seine Richtungen. Er läuft vor- und rückwärts ohne den Blick für den Zettel zu verlieren. Allerdings gewinnt man dadurch den Eindruck, dass beide Figuren einen falschen Weg eingeschlagen haben und auch nicht genau wissen wo sie sind.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Georg Büchners Leonce und Lena in einer Inszenierung des Berliner Ensembles
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Theatergeschichte - Einführung in die Analysemethoden
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V66881
ISBN (eBook)
9783638592635
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inszenierung, Analysemethoden, Berliner Ensemble, Leonce und Lena, Georg Büchner, Robert Wilson
Arbeit zitieren
Stefan Karlegger (Autor), 2004, Georg Büchners Leonce und Lena in einer Inszenierung des Berliner Ensembles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66881

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