Imagining the Paternal President "The West Wing"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
21 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Die Serie und die Realität
2.1 Dramaturgie der Serie

3. Der väterliche Präsident

4. Washington – Ein neues Rom

5. Darstellung von Minoritäten und Majoritäten

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1 Internetquellen

8. Filmographie

1. Einleitung

Die Serie „The West Wing“ ist eine der erfolgreichsten Serien im amerikanischen Fernsehen. NBC strahlt die Serie seit 1999 (mittlerweile in der sechsten Staffel) aus und erreicht damit höchste Einschaltquoten. Die Serie konnte auch einige der wichtigsten Auszeichnungen der Film- und Fernsehbranche entgegennehmen. Sie hat mehrere Emmys, den amerikanischen Fernsehoscar, und Golden Globes gewonnen. In Europa blieb die Serie, mit Ausnahme von Frankreich und England, allerdings recht unbeachtet, obwohl Dramaturgie und Inhalte vergleichsweise besser und interessanter als der bisher bekannten Serien aus den USA sind.

„The West Wing“ ist eine Serie, die auf verschiedenen Ebenen zu verstehen ist. Neben der Darstellung der täglichen Arbeit im Umfeld des amerikanischen Präsidenten, teils satirisch, teils dramatisch dargestellt, werden verschiedene Aspekte der amerikanischen Kultur thematisiert. Es gibt unter anderem Referenzen zu anderen Familienserien wie „The Waltons“. Der Präsident ist ein Verweis auf einige reale Vorbilder und es werden verschiedene Mythen der amerikanischen Geschichte bzw. Kultur aufgegriffen. Viele dieser Referenzen und Verweise werden nicht nur dramaturgisch aufbereitet, sondern fließen auch in die Bildgestaltung der Serie ein.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, auf Grundlage des Referates und einer exemplarisch ausgewählten Serienfolge („A Proportional Response“) verschiedene Aspekte aufzugreifen und zu analysieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Darstellung von Minderheiten und Majoritäten in der Serie. Die Darstellungen des Präsidenten als Vaterfigur und der Hauptstadt Washington als ein Konzept des alten Roms werden ebenfalls ein Thema sein.

2. Die Serie und die Realität

Obwohl es sich um eine fiktionale Fernsehserie handelt, erinnert „The West Wing“ an die reale Umgebung des Weißen Hauses, insbesondere des Westflügels (inklusive des Oval Office). Während der Clinton-Administration entwickelt, zeigt die Serie starke Bezüge zu dieser Präsidentschaft ohne jedoch das Figurenpersonal an den realen Vorbildern zu orientieren. Vielmehr handelt es sich bei den Charakteren um Impersonifikationen verschiedener realer Vorbilder. Am deutlichsten wird dies am fiktionalen Präsidenten Bartlet (Martin Sheen). Schon im Vorspann sieht man ihn in einer ähnlichen Pose wie der des Präsidenten John F. Kennedy (siehe Bild).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um der Serie Realität einzuhauchen arbeiten viele ehemalige Angestellte des Weißen Hauses, unter anderem Clintons Pressesekretärin Dee Dee Mayers und Reagans Pressesekretärin Marlin Fitzwater, als Berater mit.[1]

„The West Wing“ erlaubt Einblicke in den Berufsalltag der Angestellten im Weißen Haus. Da es sich allerdings um eine fiktionale Serie handelt und in erster Linie natürlich zu unterhalten versucht, beschränkt sich „The West Wing“ auf einige wenige (wichtige) Figuren und spiegelt nicht in jeder Episode ein exaktes Porträt des wirklichen Alltags im Westflügel wider.

Vielmehr zeigt die Serie einen romantisierenden Blick auf politisches Geschehen und den daran beteiligten Protagonisten. Aaron Sorkin beschreibt dies in einem Interview mit Terrence Smith wie folgt:

„Yeah. They're fairly heroic. That's unusual in American popular culture, by and large. Our leaders, government people are portrayed either as dolts or as Machiavellian somehow. The characters in this show are neither. They are flawed, to be sure, because you need characters in drama to have flaws. But they, all of them, have set aside probably more lucrative lives for public service. They are dedicated not just to this president, but to doing good, rather than doing well. The show is kind of a valentine to public service.”[2]

“The West Wing” zeigt die Angestellten des Westflügels ohne Fehl und Tadel. Jeder der Protagonisten vertritt starke humanistische Werte und wird in einem positiven Umfeld dargestellt. Selbst persönliche Probleme der Protagonisten werden nicht negativ dargestellt, sondern zeigen ihre Stärke. Am Beispiel des Stabschefs Leo McGarry (John Spencer) ist dies leicht aufzuzeigen. Während in der Realität ein Stabschef, der Alkohol- und Drogenprobleme hatte, mit einigen weitreichenden Konsequenzen rechnen kann, z.B. negative Presse bis hin im schlimmsten Fall zum Rücktritt, muss Leo McGarry zwar auch wegen seiner mittlerweile bewältigten Sucht vor einem Ausschuss aussagen, aber niemand zweifelt wirklich an seiner Professionalität und er kann sich auf die Loyalität des Präsidenten und seiner Kollegen verlassen. Reale Mitarbeiter des Weißen Hauses berichten von internen Machtkämpfen und einem rivalisierenden Verhalten, weniger von dem kameradschaftlichen Umgangston wie er in „The West Wing“ dargestellt wird.[3]

Die Handlungen, so realitätsnah auch einzelne Episoden sein mögen, können natürlich nicht einen komplexen Eindruck in politisches Geschehen vermitteln. Die Serie vermeidet zwar eine Schwarz-Weiß-Malerei der Thematiken und zeigt wie schwierig in der Politik eine Konsensbildung ist, allerdings wird doch am Ende einer Episode eine, aus liberaler Sicht, ideale Lösung gefunden. Überhaupt stellt „The West Wing“ ein idealisierendes Gebilde des Weißen Hauses dar. Deutlich wird dies auch in der Darstellung des Präsidenten Bartlet. Nicht nur wegen der Bezüge zu anderen realen Vorbildern, sondern auch wegen dem fiktionalen Hintergrund des Präsidenten. Er ist sehr gebildet, trägt einen Professorentitel und zitiert sowohl klassische Philosophen als auch aus der Bibel. Zusätzlich ist er Nobelpreisträger in Betriebswirtschaft. Bartlet ist ebenso charismatisch wie Clinton oder Kennedy ohne ihre Schwächen zu besitzen, d.h. er vertritt seine liberalen Ansichten ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen. Jeder reale Präsident müsste mit Sicherheit Kompromisse eingehen. Nicht so President Bartlet. Caryn James spricht daher von einem „deus ex president arriving from fantasyland“[4]. Die Serie „The West Wing“ zeigt aber auch reale Bezüge zur Präsidentschaft, Schwierigkeiten und Beschränkungen, die dieses Amt mit sich bringen. So sieht man in der Episode „A Proportional Response“ wie Präsident Bartlet zwischen Empfindungen und den Vorschlägen seiner Berater einen militärischen Gegenschlag zu bewältigen hat.

„The West Wing“ schafft es trotz des romantisierenden und idealisierenden Einblicks in die Arbeit der Mitarbeiter im Westflügel auch reale Bezüge zu erkennen und amerikanische Politik, wenn nicht im Ganzen, zu verstehen. Auf die Dramaturgie wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

[...]


[1] Rollins 2004, S. 42

[2] http://www.pbs.org/newshour/media/west_wing/sorkin.html

[3] Rollins 2003, S. 56

[4] Rollins 2003, S. 45

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Imagining the Paternal President "The West Wing"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Mainstreaming Minorities
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V66889
ISBN (eBook)
9783638592697
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aaron Sorkin, Martin Sheen, The White House, The West Wing, Politics, TV Show, Serie, Mainstreaming Minorities
Arbeit zitieren
Stefan Karlegger (Autor), 2005, Imagining the Paternal President "The West Wing", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66889

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