Arthur Schnitzler: Frau Beate und ihr Sohn - Vergleich mit Thomas Mann: Der Tod in Venedig


Hausarbeit, 2003

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

Teil I
1. Zur Erzählsituation
2. Zur Erzählperspektive
3. Zur Kapitelsegmentation
4. Zu den Figuren
5. Zur Raumstruktur
6. Zur Ereignisstruktur
7. Zu den expliziten bzw. impliziten Wert- und Normensystemen

Teil II
Vergleich von A. Schnitzlers Frau Beate und ihr Sohn mit Thomas Manns Tod in Venedig

Literaturverzeichnis

Teil I

1. Zur Erzählsituation

Im Sinne Stanzels[1] handelt es sich bei der Erzählsituation vorwiegend um eine personale Erzählweise, welche unterbrochen wird von einer auktorialen Erzählweise, wie es aus folgendem Abschnitt hervorgeht:

„Aber während ihre eigene Frage in ihr weiterklang, spürte sie leise, dass nicht nur der Wunsch, Hugos Seele zu entlasten, ihr diese Frage in den Mund gelegt hatte [...]. Und Hugo, als ahnte er die geheimnisvolle Unlautbarkeit ihrer Frage, antwortete nichts, ja, er ließ seinen Arm wie unabsichtlich aus dem ihrigen gleiten.“[2]

Der auktoriale/allwissende Erzähler ist informiert über die psychischen Probleme seines Helden und hat Einblick in dessen innere Vorgänge

(1-4). Über den Seelenzustand von Hugo kann der Leser nur Vermutungen anstellen, da dieser lediglich aus der Perspektive von Beate beschrieben wird (4-6). Sehr deutlich wird die überwiegend personale Erzählweise anhand der im Text auftauchenden erlebten Rede wie zum Beispiel „aber war sie seither eine andere geworden?“[3] und des inneren Monologs wie „Bin ich die Siegerin geblieben?“[4].

2. Zur Erzählperspektive

Beate tritt als Perspektivträgerin auf. Das Geschehen, die fiktive Wirklichkeit wird einzig durch das Medium Beates erschlossen.[5] und aus ihrer Perspektive geschildert. Lediglich bei Beate liegt Innenperspektive vor. Diese wird unterstützt durch den Inneren Monolog und die Erlebte Rede. Der Leser bekommt einen guten Eindruck von ihrem Seelenzustand, ihren Gedanken und Gefühlen.

Hugo sowie alle anderen Figuren werden nur außenperspektivisch betrachtet.

Allerdings ändert sich an einer Stelle die Außenperspektive Hugos signifikant, indem sie in die Innenperspektive wechselt. So heißt es im Text: „Verstehen, verzeihend, erlöst schloß er die Augen;“[6] Diese Stelle findet sich in der dramatischen Schlüsselszene zwischen dem inzestuösen Moment und dem Tod von Hugo und Beate. Die Tatsache, dass nun auch Hugo sich erlöst und befreit fühlt, zeigt wie ähnlich sich Hugo und Beate sind und dass sich die zwei Welten, die bürgerliche und die ,gesetzlose', nur im Tod vereinen lassen.

3. Zur Kapitelsegmentation

Die Einteilung drei Kapitel lässt sich aus dem erzählten Geschehen ableiten. Es wurden drei Tage herausgegriffen, die durch die Kapitel voneinander abgegrenzt sind. Diese beschreiben jeweils einen einzelnen Tag von morgens/mittags bis abends. Sie verdeutlichen, wie Beate innerlich von der bürgerlichen Welt (tagsüber, im Hellen) in die ,gesetzlose' Welt (abends, nachts, in der Dunkelheit) wechselt. Tagsüber wird die sexuelle Begierde nicht zugelassen und verdrängt, je später der Abend, desto mehr lässt Beate diese zu.

Die drei Tage folgen nicht direkt aufeinander. Zwischen ihnen liegt eine temporale Nullposition, das bedeutet, der eigentliche Zeitraum ist länger als der beschriebene und die Leerstellen werden über Rückblicke erzählt.

4. Zu den Figuren

In der Erzählung steht die dynamische Figur Beate der statischen Figur Fortunata gegenüber. Die beiden Frauen unterscheiden sich in erster Linie durch die Lebensumstände. Beate ist Mutter eines Sohnes und verwitwet. Sie ist sexuell nicht aktiv, „weil seit dem Tode des Gatten keine Versuchung an sie herangetreten war[...]“[7] und lebt stark in der Erinnerung an ihren verstorbenen Mann, wobei sie immer noch nicht glauben kann „[...] daß Ferdinand tot sein sollte, [...]“[8] Demgegenüber steht die kinderlose, sexuell aktive Schauspielerin Fortunata, die zwar verheiratet ist, jedoch ihren Mann aufgrund seiner Geschäftigkeit sehr selten sieht.

[...]


[1] vgl.a. :Stanzel, F.K.: Typische Formen des Romans, 1964. In: Mettenleiter, Peter/ Knöbl, Stephan (Hrsg): Blickfeld Deutsch, Paderborn 1991.

[2] Zitat aus vorgegebener Kopiervorlage/Textgrundlage: Schnitzler, Arthur: Frau Beate und ihr Sohn, 1913 (S. 203)

[3] Ebd., S. 142.

[4] Ebd., S.155

[5] vgl.a.: Meyers Lexikon, 25 Bde., Mannheim/Wien/Zürich, 9. Aufl. 1971 ff.

[6] Schnitzler, Arthur a. a. o.: S. 208

[7] Ebd., S.141

[8] Ebd., S. 139

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Arthur Schnitzler: Frau Beate und ihr Sohn - Vergleich mit Thomas Mann: Der Tod in Venedig
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
GK II: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V69468
ISBN (eBook)
9783638613484
Dateigröße
365 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arthur, Schnitzler, Frau, Beate, Sohn, Vergleich, Thomas, Mann, Venedig, Einführung, Neuere, Literaturwissenschaft
Arbeit zitieren
Julia Hahn (Autor), 2003, Arthur Schnitzler: Frau Beate und ihr Sohn - Vergleich mit Thomas Mann: Der Tod in Venedig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69468

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