Die Kaisererhebung Ludwigs des Frommen 813


Hausarbeit, 2006

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

I. Kurzbiographie von Ludwig dem Frommen (*778, † 840)

II. Ludwig als „des großen Kaisers kleiner Sohn“

III. Ludwigs Biographen

IV. Zur Person und zum Werk Thegans

V. Mitkaisererhebung 813 - Quellenanalyse und Ablauf der Zeremonie
V.1. Die Reichsversammlung
V.2. Das Schreiten Karls des Großen zur Kirche und zum Altar
V.3. Karls Ansprache an seinen Sohn
V.4. Die Krönungszeremonie und Spekulationen um die geschilderte Selbstkrönung
V.5. Abgang zum Palast
V.6. Entlassung nach Aquitanien

VI. Die Einführung und Bedeutung des Mitkaisertums

VII. Zusätzliche Aspekte der Mitkaiserkrönung

VIII. Bibliographie
VIII.1. Abkürzungsverzeichnis
VIII.2. Quellenverzeichnis
VIII.3. Literaturverzeichnis

I. Kurzbiographie von Ludwig dem Frommen (*778, † 840)

Ludwig I, genannt Ludwig der Fromme[1], wurde 778 in Chasseneuil bei Poitiers als Sohn Karl des Großen und seiner Frau Hildegard geboren. Bereits im Alter von drei Jahren, am 15. April 781, wurde Ludwig durch Papst Hadrian I in Rom zum Unterkönig von Aquitanien gesalbt. Dort fand auch seine weitere Erziehung statt, die von Hofmeistern und Helfern übernommen wurde, die Karl seinem Sohn mitgab. Zu seinen wichtigsten Aufgaben im Unterkönigtum Aquitanien zählten die Kultivierung des Landes sowie der Ausbau der kirchlichen Struktur.

794 heiratete Ludwig Irmingard[2] und bekam mit ihr die Kinder Lothar I[3], Pippin I[4], Rotrud, Hildegard und Ludwig, genannt Ludwig der Deutsche[5].

Karl der Große hatte seine Nachfolge nach altem fränkischen Brauch, dem Reichsteilungsplan Divisio Regnorum[6] von 806, geordnet. Jedoch aufgrund des überraschenden Todes Ludwigs älterer Brüder Pippin im Jahre 810 und Karl dem Jüngeren 811 blieb Ludwig als einziger legitimer Sohn und Erbe übrig[7]. So kam es, dass er am 11. September 813 in der von Karl erbauten Marienkirche in Aachen zum Mitkaiser gekrönt wurde. Sowohl die Kirche als auch der Thron, auf dem Karl der Zeremonie beiwohnte, waren zukünftig von großer Bedeutung. Bis zum Jahre 1531 fanden die meisten Krönungen der römisch-deutschen Könige in Aachen statt[8].

Nach der Krönung wurde Ludwig zurück nach Aquitanien geschickt und kehrte erst später, 30 Tage nach dem Tode seines Vaters am 28. Januar 814, an den Hof nach Aachen zurück und übernahm die Herrschaft über das Gesamtreich. Nach der Expansionspolitik seines Vaters regierte er dort in seinen Anfangsjahren als Kaiser mit großem Reformwillen[9] (Renovatio imperii Francorum). Unterstütz wurde er von seinen aus Aquitanien mitgebrachten Beratern.

Gegen seine im Palast lebenden Verwandten ging er mit großer Härte vor, denn er entfernte seine Schwestern vom Hof und zwang seine drei illegitimen Halbbrüder Hugo, Drogo und Theoderich in ein Kloster.

Am 5. Oktober 816 wurde Ludwig in Reims von Papst Stephan IV nochmals offiziell zum Kaiser gekrönt. Bereits im Jahre 817 legte er im Reichsteilungsplan seine Nachfolge fest und verfolgte dabei ein grundlegend neues Konzept, die Ordinatio imperii[10], deren Ziel eine langfristige Wahrung der Reichseinheit war.

Im Jahre 819 heiratete er ein zweites Mal. Mit seiner neuen Frau Judith[11] bekam er Gisela und Karl II, genannt Karl der Kahle[12].

Ein im April 830 unnötigerweise eingeleiteter Feldzug gegen die Bretonen endet schließlich in der sog. „loyalen Palastrebellion[13] “, einem offenen Aufstand. Dies führte zur erstmaligen Entmachtung Ludwigs. Die Mitregentschaft trat sein Sohn Lothar an. Jedoch bereits im Oktober 830 wurde Ludwig der Fromme wieder als Herrscher eingesetzt.

Vermutlich auf Judiths Drängen hin, begann Ludwig die Ordinatio imperii zugunsten Karls II zu ändern. Dies führte nicht nur zum Scheitern derselben, sondern stürzte Ludwig noch tiefer in die Krisenjahre. Ludwigs Söhne Lothar, Ludwig und Pippin erhoben sich gegen ihren Vater, da sie die vorgesehenen Änderungen in der Erbfolgeregelung nicht akzeptieren wollten. Der Kaiser wurde daraufhin auf dem sog. „Lügenfeld“ bei Colmar von seinen eigenen Söhnen gezwungen, sich zu ergeben und sich einer öffentlichen Buße im Kloster zu unterwerfen. Dies war faktisch seine zweite Entmachtung. Doch auch diesmal bekam Ludwig seine Herrschaft zurück.

In einer feierlichen Zeremonie wurde Ludwig d. Fr. am 1. März 834 in der Abteikirche von Saint-Denis wieder als Kaiser anerkannt. Bereist sechs Jahre später, am 20. Juni 840, verstarb Ludwig auf einer Rheininsel bei Ingelheim, nachdem er von einer Strafexpedition gegen seinen Sohn Ludwig den Deutschen zurückkehren wollte. Entgegen seiner Planung wurde er in der Kathedrale von Metz beigesetzt, wo auch seine Mutter Hildegard bestattet war.

II. Ludwig als „des großen Kaisers kleiner Sohn“

Der Epoche Ludwigs des Frommen wurde lange Zeit von der historischen Forschung kein sichtliches Interesse geschenkt. War man doch der Meinung, dass des „großen Kaisers kleiner Sohn“ kein würdiger Kaiser war und Schuld am Niedergang des fränkischen Reiches trug[14]. Dementsprechend gering fiel die historische Beachtung seiner Erhebung zum Mitkaiser 813 aus. Es gibt somit nur wenige Quellen, die sich mit dem Thema dieser Hausarbeit, dem umstrittenen Zeremoniell seiner Mitkaisererhebung, beschäftigen.

III. Ludwigs Biographen

Im Gegensatz zu Karl dem Großen, über dessen Leben nur eine zeitgenössische Biographie , Einharts Vita Karoli Magni[15], geschrieben wurde, hat Ludwig gleich mehrere Biographen. Zu nennen sind hier der Trierer Chorbischof Thegan, auf dessen 835/36 verfasstes Werk Gesta Hludowici imperatoris („Die Taten Ludwigs“)[16] sich die folgende Arbeit stützt, der anonyme Astronomus mit seiner 840/41 verfassten Biographie Vita Hludowici („Das Leben Ludwigs“)[17] sowie die zeitlich nicht weit entfernten Texte Nithards und des Ermoldus Nigellus[18],[19]. Wobei die beiden letzteren nicht wirklich als Biographien gelten. Als wichtige Literatur sind außerdem noch die Quellen „Annales regni Francorum[20] “ und das „Chronicon Laurissense breve[21] zu erwähnen, die dem Ereignis zeitlich näher stehen[22].

Im weiteren Verlauf werde ich auf das bereits erwähnte Erhebungszeremoniell Ludwigs 813 eingehen. Hierzu dient als Primärquelle Thegans Gesta Hludowici imperatoris, herausgegeben und übersetzt von Ernst Tremp[23]. Dieses ist aufgrund der ausführlichen und detaillierten Schilderung des Zeremoniells historisch eindeutig die relevanteste und wertvollste Quelle. Für eine gelungene Quelleninterpretation bedarf es wie im Folgenden dargelegt einiger allgemeiner Informationen zur Quelle.

IV. Zur Person und zum Werk Thegans

Thegan, oder auch Degan oder Theganbertus genannt, ist vor 800 geboren, starb irgendwann zwischen 849 und 53 und war Chorbischof von Trier.

[...]


[1] Zu seiner Namensgebung: Ludwig erhielt seinen Beinamen erst im Laufe des 10. Jahrhunderts, obwohl man ihn schon zu Lebzeiten als pius (der Fromme) oder piissimus (der sehr Fromme) bezeichnete. Frömmigkeit gehörte zu einer der klassischen Herrschertugenden.

[2] Irmingard: (780-818), war Tochter des Grafen Ingram.

[3] Lothar I: (795-855), Kaiser.

[4] Pippin I: (803-838), König von Aquitanien.

[5] Ludwig der Deutsche: (806-876), König des ostfränkischen Reiches.

[6] Divisio Regnorum: Reichsteilungsgesetz, welches am 6. Februar 806 von Karl dem Großen erlassen wurde. Vorgesehen war die Aufteilung des Fränkischen Reiches unter seinen Söhnen Ludwig dem Frommen, Karl dem Jüngeren und Pippin von Italien. Vgl. Schlesinger, Walter: Kaisertum und Reichsteilung. Zur Divisio Regnorum von 806, In: Forschungen zu Staat und Verfassung, hg. Von Richard Dietrich, Berlin 1958, S. 8-51. Ebenso: Hägermann, D: Reichseinheit und Reichsteilung. Bemerkungen zur Divisio Regnorum von 806 und zur Ordinatio imperii von 817, In: HJb 95, 1975, S. 278-307.

[7] Sein Zwillingsbruder Lothar verstarb bereits 779.

[8] In Aachen gekrönt wurden u.a.: Otto I., seine Nachfolger Lothar I, Otto II und Otto III; Heinrich II, Konrad II, Heinrich III, Heinrich IV.

[9] In vielen seiner neuen Synoden wurde das Kirchenrecht reformiert: Beispielsweise 816 der Beschluss der Aachener Reichssynode, bei der die benediktinischen Regeln verbindlich gemacht wurden.

[10] Die Verordnung der Ordinatio Imperii als Erbfolgeregelung besagt, dass die kaiserliche Würde nur dem ältesten Sohn übergeben werden soll. Die jüngeren Brüder sollen ihm in ihren Teilreichen untergeordnet sein. Davor galt es, das bestehende Reich unter den Nachkommen aufzuteilen. Dahinter steht die Idee, das Reich in seiner Einheit zu bewahren (unitas imperii). Ludwig der Fromme führte diese Regelung 817 ein, um dem fränkischen Reich eine neue Ordnung zu geben. Die Regelung wurde in Aachen unter der Zustimmung der führenden Adelsschicht erlassen. In diesem Falle sollte Lothar I, der Erstgeborene, Kaiser des Reiches werden. Seine Brüder sollten Könige in Aquitanien (Pippin) und Bayern (Ludwig) werden.

[11] Judith: (795-843), war die Tochter des Grafen Welf.

[12] Karl der Kahle: (823-877), König des westfränkischen Reiches, Kaiser.

[13] Bei der sog. „Loyalen Palastrevolution“ stellten sich aus Loyalität führende Große am Hof gegen Ludwig, um ihn damit vor schlechten Ratgebern zu schützen und die Reichseinheit zu retten. Vgl: Schieffer, Theodor: Die Krise des karolingischen Imperiums. Aus Mittelalter und Neuzeit, In: Festgabe für G. Kallen, hg. von J. Engel und H.M. Klinkenberg, Bonn 1957, S. 11ff. Und: Boshof, Egon: Ludwig der Fromme. Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, Darmstadt 1996, S. 182ff.

[14] Vgl: Staubach, Nikolaus: „Des großen Kaisers kleiner Sohn“. Zum Bild Ludwigs des Frommen in der älteren deutschen Geschichtsforschung, In: Charlemagne’s Heir, hg. von Peter Godman und Roger Collins, Oxford 1990.

[15] Zb. Die Ausgabe: Holder-Egger (Hg.): Einhardi vita Karoli Magni, SS rer Germ. 25, Hannover 1911.

[16] Thegan: Die Taten Kaiser Ludwigs (Gesta Hludowici imperatoris). Astronomus: Das Leben Kaiser Ludwigs (Vita Hludowici imperatoris), herausgegeben und übersetzt von Ernst Tremp (=MGH, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi, Bd. 64), Hannover 1995.

[17] Ebd.

[18] Gedicht: Nigellus, Ermoldus: In honorem Hludowici (Ermold le Noir, Poème sur Louis le Pieux, ed. Par Faral), Paris 1932.

[19] Weitere wichtige Quellen sind die fränkischen Reichsannalen, die bis 829 reichen und für die Jahre ab 830 die Annales Bertiniani und die Annales Fuldenses. Wichtige rechts- und verfassungsgeschichtliche Quellen sind die Kapitularien sowie die sogenannte Formulae imperiales Ludwigs des Frommen.

[20] Kurze, Friedrich (rec.) , Annales regni Francorum, (MGH SS rer. Germ. 6), Hannover 1895, ND 1950.

[21] Schnorr von Carolsfeld, Hans (Hg.): Chronicon Laurissense breve, Neues Archiv 36, 1911, S. 13-39.

[22] Außerdem noch zu erwähnen sind: Pertz, Georg Heinrich (Hg.): Chronicon Moissiacense, Hannover 1826, S. 280-313.

[23] Thegan (wie Anm. 16)

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Kaisererhebung Ludwigs des Frommen 813
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte)
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V69470
ISBN (eBook)
9783638613507
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaisererhebung, Ludwigs, Frommen
Arbeit zitieren
Julia Hahn (Autor), 2006, Die Kaisererhebung Ludwigs des Frommen 813, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69470

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