Über Mark Johnstons "Human Concerns without Superlative Selves"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Johnstons Argumentation
2.1 Ontologischer Reduktionismus
2.2 Minimalismus
2.3 Selbst-Sorge und wir-Sorge
2.4 Par ts Problemfalle
2.4.1 Gehirnteilung
2.4.2 Teletransportation
2.4.3 Das kombinierte Spektrum

3 Resumee

1 Einleitung

In Teil 3 seines Werkes Reasons and Persons\ [Par] vertritt Derek Par t "

die These, dass es beim Uberleben nicht auf Personale Identitat ankommt:

Ob eine zu einem Zeitpunkt t1 existierende Person P den Zeitraum zwischen t1 und einem spateren Zeitpunkt t2 uberlebt, hangt nicht davon ab, ob P mit irgendeiner zum Zeitpunkt t2 existierenden Person Q identisch ist. Statt dessen ist in diesem Fall allein entscheidend, ob zwischen P und Q die von Par t so bezeichnete Relation R, psychische Kontinuitat und Verbundenheit (psychological continuity and connectedness ), besteht.

Um seine These zu begrunden, diskutiert Par t verschiedene ktive Situationen, die in Bezug auf Personale Identitat problematisch sind. Er versucht zu zeigen, dass es in diesen Situationen nicht auf Personale Identitat ankommt, sondern auf R. Laut Par t wird daran deutlich, dass es auf Personale Identitat generell nicht ankommt.

Par ts Argumentation basiert seiner Ansicht nach auf seinem reduktionistischen Weltbild. Wer Reduktionist ist, muss laut ihm seiner These zur Unwichtigkeit von Personaler Identitat zustimmen.

In dem erstmals in Reading Parfit\ [Dan] erschienenen Artikel Human " " Concerns without Superlative Selves\ 1 kritisiert Mark Johnston Par ts Ar- gumentation und nimmt eine Gegenposition ein: In den allermeisten Fallen von Uberleben kommt es sehr wohl auf Personale Identitat an. Nur in einigen obskuren Fallen ist ausschlie lich die Relation R von Bedeutung. Par t verallgemeinert diese Falle unzulassigerweise.

Johnston kritisiert nicht Par ts Grundlage, den Reduktionismus. Auch Johnston ist Reduktionist, aber er halt Par ts Schlussfolgerungen fur un- zulassig.

Ich werde in dieser Arbeit Johnstons Kritik an Par ts Argumentation Dieser Artikel ist auch in [Mar] erschienen. In dieser Arbeit zitiere ich Johnston aus-schlie lich nach [Mar]. nachzeichnen. Par ts Argumentation selbst stelle ich nicht ausfuhrlich dar, der Leser sollte also mit ihr vertraut sein.

2 Johnstons Argumentation

2.1 Ontologischer Reduktionismus

Zentral in Par ts Argumentation ist sein reduktionistischer Standpunkt. Die- sen grenzt er ab von zwei seiner Meinung nach nicht-reduktionistischen An- sichten: Erstens von der, dass eine Person eine ausschlie lich mentale Entitat ist, etwa ein Cartesianisches Ego2 . Zweitens, von der von ihm so bezeichne- ten Weitere-Tatsache-Ansicht (Further Fact View ): Personale Identitat ist eine weitere Tatsache (further fact ), die nicht in physischer oder psychischer Kontinuitat besteht [Par, S. 210 f]. Nach Par t muss man, wenn man die zweite Ansicht vertritt, auch die erste vertreten [Par, S. 216].

Johnston mochte zeigen, dass die Weitere-Tatsache-Ansicht sowohl mit Par ts Reduktionismus vertraglich sein kann, als auch nicht zwangslau g die Vorstellung von Cartesianischen Egos beinhaltet.

Johnston fasst zunachst zusammen, was Par t seiner Ansicht nach unter Reduktionismus in Bezug auf Personale Identitat versteht, und zwar

1. Die Tatsache der Identitat einer Person uber die Zeit besteht in be- stimmten Tatsachen uber psychische und physische Kontinuitat.

2. Diese bestimmten Tatsachen konnen beschrieben werden, ohne die Iden- titat der fraglichen Person bereits vorauszusetzen.

3. Weil oben genannte bestimmte Tatsachen in unterschiedlich hohem Ma- e zutre en konnen, konnen Tatsachen uber Personale Idenitat manch- mal unbestimmt sein.

Ich setze im Folgenden diese Ansicht vereinfachend mit der fur sie beispielhaften Vor- stellung gleich, eine Person sei ein Cartesianisches Ego.

4. Tatsachen uber Personale Identitat beinhalten also nicht die Existenz Cartesianischer Egos, die niemals eine unbestimmte Tatsache ware. [Mar, S. 261]

Johnston halt den ersten Punkt fur unklar [Mar, S. 262]. Er versucht den Reduktionismusbegri zu erhellen, indem er zwischen zwei Arten von Reduktionismus unterscheidet: Dem analytischen und dem ontologischen Reduktionismus. Jeweils sollen Aussagen auf einer Ebene auf Aussagen auf einer anderen Ebene reduziert werden.

Dem analytischen Reduktionismus zufolge lasst sich jede Aussage uber Tatsachen auf der einen Ebene durch eine logisch aquivalente Aussage uber Tatsachen auf der anderen Ebene ersetzen. Konkret lasst sich etwa jede Aussage uber Personale Identitat durch eine logisch aquivalente Aussage uber psychische und physische Kontinuitat ersetzen. Da beide Aussagen logisch aquivalent sind, hat diese Ersetzung aber keinerlei Erkenntnisgewinn zur Folge. Diese Art von Reduktionismus lehnt Johnston ab, und auch Par t verdachtigt er nicht, sie zu vertreten [Mar, S. 262].

Der ontologische Reduktionismus behauptet dagegen: Jede Tatsache auf der einen Ebene besteht in (consists in ) Tatsachen auf der anderen Ebene. Konkret: Jede Tatsache uber Personale Identitat besteht in Tatsachen uber psychische und psychische Kontinuitat. Was Johnston damit meint, erklart er an dem beruhmten Beispiel der Tonstatue. Zwar ist die Statue vollstandig durch die Tonmasse konstituiert (constituted )3 , aber sie ist nicht mit ihr identisch. Das Fortbestehen (survival ) der Statue ist mehr als das Fortbeste- hen der Tonmasse, es ist eine weitere Tatsache. Es ist keine au ergewohnli- che (metaphysische) weitere Tatsache (superlative further fact ), sondern eine gewohnliche (ordinary further fact ). Es ist nicht so, dass eine Statue eine un- abhangig von Materie existierende Entitat ware, sondern sie gehort einfach einer anderen ontologischen Kategorie an als die sie konstituierende Materie [Mar, S. 263].

Im Fall der Personalen Identitat vertritt Johnston einen ontologischen Reduktionismus: Personen sind im wesentlichen menschliche Wesen; eine Person uberlebt nur dann, wenn genugend ihrer Gehirnmasse fortbesteht [Mar, S. 263]. Die Tatsache des Fortbestehens des Gehirns konstituiert nach Johnston die Tatsache des Uberlebens der Person, trotzdem ist letztere eine (gewohnliche) weitere Tatsache. Analog zu dem Beispiel der Tonstatue ist das Uberleben der Person mehr als das Fortbestehen eines Teils ihres Ge- hirns. Dieser Reduktionismus beinhaltet nicht die Existenz Cartesianischer Egos, wohl aber die gewohnlicher weiterer Tatsachen [Mar, S. 264]. Er be- steht zudem Par ts entscheidenden Reduktionismus-Test: Er lasst zu, dass Tatsachen uber Personale Identitat manchmal unbestimmt sind, denn das angegebene Kriterium ist erstens nur ein notwendiges, und zweitens so va- ge, dass es Situationen geben konnte, in denen nicht entscheidbar ist ob es zutri t oder nicht [Mar, S. 265].

Par ts Behauptung, man konne nur entweder Reduktionist sein, oder aber an Cartesianische Egos oder au ergewohnliche weitere Tatsachen glau- ben, ist damit widerlegt. Johnston vertritt einen dritten Standpunkt: Einen ontologischen Reduktionismus mit gewohnlichen weiteren Tatsachen [Mar, S. 263].

2.2 Minimalismus

Par t will anhand seiner Gedankenexperimente zeigen, dass die metaphy- sische Vorstellung, die wir gewohnlich mit dem Begri der Person verbin- den (namlich die eines Cartesianischen Egos oder des Bestehens einer au- ergewohnlichen weiteren Tatsache), falsch ist. Richtig ist dagegen eine re- duktionistische Vorstellung. Im alltaglichen Leben grundet sich unsere Sorge fur unsere Zukunft aber auf die falsche metaphysische Vorstellung davon, was eine Person ist. Wenn wir diese Vorstellung ablehnen, mussen wir auch die Praxis unserer Sorge fur die Zukunft andern. Konkret darf in der Pra- xis nicht Personale Identitat von Bedeutung sein, sondern nur die Relation R.

Johnston bestreitet nicht, dass die gewohnliche metaphysische Vorstellung davon, was eine Person ist, falsch ist. Er halt sie aber nicht fur eine Grundlage unserer Lebenspraxis. Seinen Ansatz nennt er Minimalismus (Minimalism ):

. . . the topic of personal identity is an excellent test case for what " I have elsewhere labelled 'Minimalism' - the view that metaphy- sical pictures of the justi catory undergirdings of our practices do not represent the real conditions of justi cation of those practices.\ [Mar, S. 260]

Was meint Johnston damit? Er macht es an einem Beispiel klar:

Die Praxis des Zuweisens von Verantwortung im taglichen Leben setzt die Vorstellung voraus, dass der Mensch einen freien Willen hat. Die gewohnliche metaphysische Vorstellung von Willensfreiheit ist die einer unverursachten Ursache. Aber das hei t nicht, dass die Praxis des Zuweisens von Verantwor- tung ihre Rechtfertigung aus der Vorstellung einer unverursachten Ursache bezieht. Wir konnen diese Vorstellung ablehnen, und trotzdem die Praxis befurworten. Fur das lebenspraktische Zuweisen von Verantwortung bedarf es keines metaphysischen Bildes als Rechtfertigung, und das gewohnliche me- taphysische Bild ist auch keine Rechtfertigung fur sie [Mar, S. 266].

Genauso verhalt es sich Johnstons Ansicht nach bei dem Thema der Personalen Identitat.

Self-concern does not require a Cartesian ego or a superlative " further fact.\ [Mar, S. 268]

Die gewohnliche Praxis der zukunftsgerichteten Selbst-Sorge (self-concern ) bedarf keiner Rechtfertigung durch die metaphysischen Vorstellungen eines Cartesianischen Egos oder einer au ergewohnlichen weiteren Tatsache.

[...]


1Dieser Artikel ist auch in [Mar] erschienen. In dieser Arbeit zitiere ich Johnston ausschlielich nach [Mar].

2Ich setze im Folgenden diese Ansicht vereinfachend mit der fur sie beispielhaften Vorstellung gleich, eine Person sei ein Cartesianisches Ego.

3Johnston verwendet anscheinend fur gegebene Tatsachen T ; T1; : : : Tn die schillernden Ausdrucke `T besteht aus T1; : : : Tn', `T1; : : : Tn konstituieren T ' und `T superveniert auf T1; : : : Tn' synonym. Eine prazise De nition dafur gibt er nicht an.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Über Mark Johnstons "Human Concerns without Superlative Selves"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V74255
ISBN (eBook)
9783638695428
ISBN (Buch)
9783638755368
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mark, Johnstons, Human, Concerns, Superlative, Selves
Arbeit zitieren
János Brender (Autor), 2007, Über Mark Johnstons "Human Concerns without Superlative Selves", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74255

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