Die Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter – eine entwicklungspsychologische Betrachtung


Zwischenprüfungsarbeit, 2003
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Jugendalter – Begriffsbestimmung und spezifische Merkmale
2.1 Die zeitliche Einordnung des Jugendalters in den Verlauf der Lebensspanne
2.2 Fundamentale Veränderungen während des Jugendalters im biologischen, kognitiven und sozialen Bereich
2.2.1 Biologische Veränderungen
2.2.2 Kognitive Veränderungen
2.2.3 Soziale Veränderungen
2.3 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

3. Besonderheiten der Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter
3.1 Ablösung von der Herkunftsfamilie
3.1.1 Allgemeine Kritik an der Theorie und dem Begriff der „Ablösung“
3.2 Konflikte zwischen Eltern und Kindern während des Jugendalters
3.3 Schwierigkeiten, die sich für die Eltern durch den Eintritt des Kindes in das Jugendalter und den Ablösungs- prozess ergeben können

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Der Inhalt dieser Arbeit behandelt die Eltern-Kind-Beziehung während des Jugendalters des Kindes. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist das Jugendalter eine ganz besondere Phase des Lebensverlaufs, die durch eine Reihe von Veränderungen innerhalb des Kindes aber, damit im Zusammenhang stehend, auch der Erwachsenen und somit der Beziehung zwischen beiden gekennzeichnet ist. Zu Beginn der Arbeit soll zunächst eine Begriffsdefinition für das „Jugendalter“ – ein Begriff der sich eigentlich erst zur Zeit der Industrialisierung allmählich herausbildete – vorgenommen werden, sowie eine zeitliche Einordnung dieser Phase in Bezug auf den gesamten Lebensverlauf erfolgen. Im Anschluss werden sowohl eine Reihe von sich vollziehenden biologischen, kognitiven und sozialen Veränderungen als auch die zentralen Entwicklungsaufgaben für den Jugendlichen aufgeführt. Da diese Veränderungen und Entwicklungsaufgaben als Grundlage beziehungsweise Auslöser für die sich verändernde Eltern-Kind-Beziehung zu betrachten sind, scheint eine ausführlichere Behandlung notwendig. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich dann mit einigen ausgewählten Besonderheiten bezüglich der Eltern-Kind-Beziehung während des Jugendalters. Es wird der Ablösungsprozess von der Herkunftsfamilie thematisiert und gleichzeitig soll über den Begriff und die Theorie der „Ablösung“ kritisch reflektiert werden, da diese nicht allgemein anerkannt scheint. Weiterhin wird sich ein Abschnitt möglichen auftretenden Konflikten zwischen Eltern und Jugendlichen widmen, indem Inhalte und Ursachen dieser erläutert werden. Der abschließende Teil der Arbeit setzt sich mit den Schwierigkeiten die sich für die Eltern aus dem Eintritt des Kindes in das Jugendalter und dem Ablösungsprozess ergeben auseinander. Dieser Abschnitt scheint von besonderem Interesse, da sich die verwendete Literatur in erster Linie mit Veränderungen und Problemen des Jugendlichen befasst und die daraus resultierenden beziehungsweise im Zusammenhang stehenden Veränderungen und Probleme für die Eltern vernachlässigt. Bei der Behandlung der Eltern-Kind-Beziehung sollten jedoch nicht allein die Befindlichkeiten des Kindes im Vordergrund stehen.

2. Das Jugendalter – Begriffsbestimmung und spezifische Merkmale

Vor der eigentlichen Bestimmung des Begriffs „Jugendalter“ ist anzumerken, dass dieser nicht von jeher in der Wissenschaft existent war, sondern sich erst allmählich entwickelte. Es wird davon ausgegangen, dass der Begriff Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt wurde, als kulturelle und soziale Veränderungen erstmalig überhaupt eine Jugendzeit schufen beziehungsweise ermöglichten. In der Zeit zuvor wurden Kinder als Miniatur-Erwachsene betrachtet, die sobald es ihnen körperlich möglich war in das durch den Arbeitsprozess definierte wirkliche Erwachsenenleben eintraten. Erst die besondere Behandlung der unter 18-Jährigen in Manufakturen beziehungsweise die komplette Abschaffung von Kinderarbeit, der sich allmählich ausbreitende Zugang zu Bildung, sowie weitere Gesetze und sukzessive gesellschaftliche Veränderungen schufen eine spezifische Phase, die nicht durch den sofortigen Übertritt in das Erwachsenenalter bestimmt war.[1]

Im weiteren Verlauf soll nun eine Begriffsbestimmung und Aufführung von spezifischen Merkmalen für das Jugendalter vorgenommen werden, die als Basis für die Behandlung des Themas dieser Arbeit dienen. Eine einheitliche Erklärung für die Begrifflichkeit „Jugendalter“ gestaltet sich aufgrund der in der Literatur präsentierten Vielfalt von Definitionen schwierig, jedoch sollen verschiedenen Theorien und Ansätze hier aufgeführt werden. Zunächst wird eine zeitliche Einordnung vorgenommen und im Anschluss werden die das Jugendalter kennzeichnenden Besonderheiten dargestellt.

2.1 Die zeitliche Einordnung des Jugendalters in den Verlauf der Lebensspanne

Entwicklungspsychologen beschreiben das Jugendalter allgemein als eine Übergangsphase im menschlichen Lebenslauf, welche der Kindheit folgt, um im Anschluss vom Erwachsenenalter abgelöst zu werden.[2] Diese „Übergangsphase“ – ein übrigens nicht allseitig akzeptierter Begriff[3] - ist gekennzeichnet durch die Pubertät und Adoleszenz. Hierbei ist zu beachten, dass in deutschsprachiger Literatur bei der Definition des Jugendalters meist eine separate Erwähnung von Pubertät und Adoleszenz stattfindet[4], währenddessen der englische Begriff „adolescence“ die Pubertät bereits mit einschließt.[5]

STEINBERG verweist darauf, dass eine zeitliche Abgrenzung dieser Phase problematisch und von einer spezifischen Betrachtungsweise abhängig ist, da Theoretiker unterschiedliche Ansätze verfolgen, die eine Übereinstimmung fast unmöglich machen. So kann der Zeitraum des Jugendalters biologisch, emotional, kognitiv, interpersonal, sozial, rechtlich, chronologisch, kulturell als auch durch die Dauer des Schulbesuchs determiniert werden.[6] Geht man zum Beispiel von einer kulturellen Einordnung aus, muss die Existenz von Kulturen in Betracht gezogen werden, innerhalb welcher der Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter lediglich durch Pubertätsriten gekennzeichnet und somit die Phase des Jugendalters extrem kurz ist.[7] Bei einer zeitlichen Einordnung ist weiterhin zu beachten, dass in den vergangenen Jahrzehnten - besonders in den Industrienationen - eine Akzeleration und Vorverlegung des Beginns der körperlichen Reifung zu beobachten ist; es „Frühreife“ und „Spätentwickler“ gibt sowie geschlechtliche Unterschiede im Einsetzen der Pubertät existieren.[8] Somit erhält die Begriffsbestimmung zusätzlich eine historische Komponente. Dennoch findet man in der Literatur relativ übereinstimmende Angaben darüber, wann der Eintritt in, sowie der Austritt aus dem Jugendalter erfolgt. Eine detaillierte Einteilung der Entwicklungsphasen wird im Folgenden tabellarisch dargestellt (der Zeitraum des Jugendalters ist fett gedruckt, Einteilung nach KASTEN 1999):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Obwohl auch KASTEN die Meinung vertritt, dass eine Abgrenzung der Pubertät und Adoleszenz von den vorangehenden und anschließenden Entwicklungsabschnitten „nur mit einer gewissen Willkür“ vorgenommen werden kann, so hält er diese Einteilung für sinnvoll, da sie im Einklang mit einer Vielzahl von Forschungsergebnissen steht. Die sieben Teilphasen stehen seiner Meinung nach in enger Beziehung zu „[...] markanten Fixpunkten der körperlichen und/oder psychischen und/oder sozialen Entwicklung.“[9] Nach seiner tabellarischen Übersicht beginnt das Jugendalter mit dem Eintritt in die Pubertät für Mädchen im Alter von 12-14 Jahren und bei Jungen mit 14-16 Jahren – obwohl zu bedenken ist, dass sich nicht jede individuelle Entwicklung in diese Tabelle einpasst. Das spätere Eintrittsalter der Jungen in die Pubertät und Adoleszenz liegt begründet in den komplizierteren Steuerungs- und Reifungsprozessen der die Entwicklung des männlichen Geschlechts unterworfen ist. Dieser hier erwähnte Steuerungs- und Reifungsprozess ist eine Komponente einer Reihe von vielseitigen Veränderungen, die sich während des Jugendalters vollziehen und dieses deshalb auch kennzeichnen. Die stattfindenden Veränderungen sollen nun im anschließenden Teil näher erläutert werden.

2.2 Fundamentale Veränderungen während des Jugendalters im biologischen, kognitiven und sozialen Bereich

2.2.1 Biologische Veränderungen

Bei der nun folgenden Beschreibung biologischer Prozesse, die sich im Jugendalter vollziehen, ist zu beachten, dass ein Teil der Vorgänge bereits mit dem Ende der Pubertät fast vollständig abgeschlossen ist – sich also nicht über den gesamten Zeitraum des Jugendalters erstrecken.

Mit dem Beginn der Pubertät stellt sich „[...] eine Reihe von körperlichen Veränderungen ein, die sich äußerlich beobachtbar als quantitative Wachstumsbeschleunigungen [...] nachweisen lassen.“[10] Unter diesem Begriff zusammen zufassen wäre das deutlich wahrnehmbare Wachstum von Rumpf und Extremitäten, der Muskulatur, des Fettgewebes sowie der äußeren Geschlechtsmerkmale. Diese Veränderungen führen zu einem Gestaltwandel, der durch veränderte Körperproportionen gekennzeichnet ist. Der Muskelzuwachs führt speziell bei Jungen zur Ausprägung höherer Kraftfähigkeiten, wobei gleichzeitig beachtet werden muss, dass die motorische Leistungsfähigkeit aufgrund des Muskel– und Längenwachstums vorübergehend eingeschränkt ist.[11] Weiterhin sind, wenn auch nicht äußerlich erkennbar, die primären Geschlechtsmerkmale einem Reifungsprozess unterzogen und das Atmungs- und das Kreislaufsystem[12] werden durch Veränderungen deutlich leistungsfähiger. Die Erlangung der Geschlechtsreife kann als eine der bedeutungsvollsten Veränderungen während dieser Zeitspanne angesehen werden. All die sich vollziehenden Veränderungen werden als Ergebnis der Entwicklung des endokrinen und zentralen Nervensystems betrachtet.

[...]


[1] vgl. J. B. Dusek 1996, S. 7-8, W. Schurian 1989, S. 24

[2] vgl. H. Kasten 1999, S. 14

[3] Kasten verweist in seinem Werk auf Oerter und Drehers Kritik, dass der Begriff „Über gangsphase“ die Pubertät und Adoleszenz nicht als eigenständigen Entwicklungsabschnitt ansieht. vgl. H. Kasten 1999, S. 14

[4] vgl. z.B. H. Kasten 1999

[5] vgl. z.B. L. Steinberg 1999, J.B. Dusek 1996

[6] vgl. L. Steinberg 1999, S. 4

[7] vgl . J. B. Dusek 1996, S. 5

[8] vgl. H. Kasten 1999, S. 15

[9] vgl. H. Kasten 1999, S. 15-16

[10] R. K. Silbereisen / L. Montada 1983, S. 92

[11] vgl. H. Kasten 1999, S.

[12] vgl. L. Steinberg 1999, S. 22-23

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter – eine entwicklungspsychologische Betrachtung
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Entwicklung im Jugendalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V75100
ISBN (eBook)
9783638716321
ISBN (Buch)
9783656207078
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eltern-Kind-Beziehung, Jugendalter, Betrachtung, Entwicklung
Arbeit zitieren
Anja Dinter (Autor), 2003, Die Eltern-Kind-Beziehung im Jugendalter – eine entwicklungspsychologische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75100

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